Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag (auch AfD-Bundestagsfraktion) ist die Fraktion der rechtspopulistischen und rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Deutschen Bundestag, die erstmals bei der Bundestagswahl 2017 ins Parlament einzog. Im 21. Deutschen Bundestag ist die Fraktion mit insgesamt 151 Abgeordneten vertreten (Stand: 5. Mai 2025).
Fraktionsvorstand Der Fraktionsvorstand der AfD-Fraktion im Bundestag besteht in der 21. Legislaturperiode aus folgenden Personen: AmtNameBildFraktionsvorsitzendeTino Chrupallarahmenlos|128x128pxAlice Weidelrahmenlos|135x135pxErster ParlamentarischerGeschäftsführerBernd Baumannrahmenlos|128x128pxBundestagsvizepräsidentvakantStellvertretende FraktionsvorsitzendeSebastian Münzenmaierrahmenlos|101x101pxBeatrix von Storchrahmenlos|98x98pxJörn Königrahmenlos|102x102pxMarkus Frohnmaierrahmenlos|101x101pxStefan Keuterrahmenlos|98x98pxParlamentarische GeschäftsführerStephan Brandnerrahmenlos|132x132pxGötz Frömmingrahmenlos|122x122pxEnrico Komningrahmenlos|121x121pxPeter Felserrahmenlos|99x99pxEhrenvorsitzenderAlexander Gaulandrahmenlos|149x149px
Vorsitzende Der Vorsitz der AfD-Bundestagsfraktion besteht seit ihrer ersten Legislaturperiode von 2017–2021 aus einer Doppelspitze, bestehend aus zwei Fraktionsvorsitzenden. DauerVorsitzende2017–2021Alexander GaulandAlice Weidel2021–2025Tino Chrupallaseit 2025
Arbeitskreise +ThemengebietLeiter / SprecherWahlprüfung, Immunität und GeschäftsordnungStephan BrandnerPetitionenManfred SchillerAußenpolitikMarkus FrohnmaierInnenpolitikGottfried CurioSportJörn KönigRecht und VerbraucherschutzTobias PeterkaFinanzenKay GottschalkHaushaltMichael EspendillerWirtschaft und EnergieLeif-Erik HolmErnährung, Landwirtschaft, HeimatStephan ProtschkaArbeit und SozialesRené SpringerVerteidigungJan NolteBildung, Familien, Senioren, Frauen und JugendMartin ReichardtGesundheitMartin SichertVerkehrWolfgang WiehleUmwelt, Klimaschutz, Naturschutz, nukleare SicherheitAndreas BleckMenschenrechte und humanitäre HilfeRainer RothfußForschung, Technologie und RaumfahrtNicole HöchstWirtschaftliche Zusammenarbeit und EntwicklungRocco KeverTourismusSebastian MünzenmaierAngelegenheiten der Europäischen UnionPeter BoehringerKultur und MedienGötz FrömmingBau, Wohnen, Stadtentwicklung und KommunenMarc BernhardDigitalisierung und StaatsmodernisierungRuben Rupp
Geschichte 19. Deutscher Bundestag (2017–2021) Bei der Bundestagswahl 2017 übersprang die AfD mit 12,6 % der Stimmen erstmals die Fünf-Prozent-Hürde. Am Ende der ersten Legislaturperiode war sie mit 86 Abgeordneten im 19. Deutschen Bundestag vertreten, nachdem sie ursprünglich über 94 Mitglieder verfügt hatte.Zeit.de: Weitere Bundestagsabgeordnete treten aus AfD aus. Zeit Online, 30. Juni 2021; abgerufen am 25. Juli 2021. Die Fraktion war nach der CDU-CSU- und der SPD-Fraktion die drittstärkste Kraft im Parlament, und somit vier Jahre lang Oppositionsführer. Während der Legislaturperiode verließen fünf Mitglieder die Fraktion. Zudem traten vereinzelt Abgeordnete aus der Partei aus. Ein weiteres Mitglied wurde aus der Partei ausgeschlossen.
Von allen im Bundestag vertretenen Fraktionen verfügte die AfD-Fraktion mit 20,7 % über den höchsten Anteil an Doktoren und Professoren, jedoch mit 79,7 % über den zweitgeringsten Anteil (nach der SPD mit 76,8 %) an Hochschulabsolventen.
Frauke Petry, die damalige Co-Bundessprecherin der Partei, erklärte am 25. September 2017 in der ersten Bundespressekonferenz der Partei nach der Wahl, aus inhaltlichen Gründen nicht Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion werden zu wollen. Daraufhin konstituierte sich die Fraktion am 26. September 2017 in ihrer ersten Sitzung mit 93 Abgeordneten. Dabei wurden Alice Weidel und Alexander Gauland als Fraktionsvorsitzende, und Bernd Baumann zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer gewählt. Weitere Geschäftsführer der Fraktion waren Jürgen Braun, Michael Espendiller und Hansjörg Müller.
Mit dem Austritt von Mario Mieruch am 4. Oktober 2017 setzte sich die Bundestagsfraktion noch aus 92 Abgeordneten zusammen. Er begründete seinen Austritt mit fehlender Abgrenzung vom rechten Flügel um den thüringischen AfD-Vorsitzenden und damaligen Flügel-Chef Björn Höcke.
Am 5. Oktober 2017 wurden Roland Hartwig, Peter Felser, Tino Chrupalla, Leif-Erik Holm und Beatrix von Storch zu stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Zum Fraktionsgeschäftsführer wurde Hans-Joachim Berg am 17. Oktober 2017 bestimmt.
In der konstituierenden Sitzung des Bundestages am 24. Oktober 2017 nominierte die AfD-Fraktion Albrecht Glaser für den ihr zustehenden Posten eines Bundestagsvizepräsidenten. Zur in den ersten beiden Wahlgängen benötigten absoluten Mehrheit fehlte die Zustimmung von Mitgliedern der anderen Fraktionen. Zur Erlangung der benötigten einfachen Mehrheit im dritten Wahlgang enthielten sich die Mitglieder der anderen Fraktionen. Glaser war wegen des Grundgesetzes widersprechender Äußerungen im Bereich der Religionsfreiheit auf Kritik gestoßen. Demzufolge erhielt Glaser in keinem der drei Wahlgänge die jeweils erforderliche Mehrheit. Nach der Ablehnung eines vierten Wahlgangs für Glaser durch den Ältestenrat erklärte Gauland am Rande der Wahl der Bundeskanzlerin, auf die Aufstellung eines konsensfähigen Kandidaten zu verzichten, da „die anderen Abgeordneten der AfD keine andere Meinung über den Islam hätten als Glaser“.Markus Wehner: Gauland: Alle AfD-Abgeordneten denken wie Glaser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. März 2018. Nach Glaser wurden drei weitere AfD-Kandidaten für das Amt eines Bundestagsvizepräsidenten nicht gewählt, zuletzt Paul Podolay im September 2019.Auch AfD-Kandidat Podolay scheitert tagesschau.de, abgerufen am 26. September 2019
Am 12. September 2018 verließ die AfD bei einer Rede des SPD-Politikers Johannes Kahrs zum Bundeshaushalt 2019 als Fraktion geschlossen den Plenarsaal. Grund dafür war die Äußerung Kahrs, dass man „von Rechtsradikalen keine Lösungen erwarten“ könne. Eine Forderung des Bundestagsvizepräsidenten Hans-Peter Friedrich, sich zu setzen, ignorierten die Abgeordneten.
Am 11. Oktober 2018 brachte die AfD-Fraktion einen Antrag ein, in welchem die Bundesregierung aufgefordert werden sollte, „geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die Verbreitung von im Koran enthaltenen gesetzwidrigen Inhalten und Aufrufen zu unterbinden“. Der Antrag wurde von den anderen Fraktionen in einer anderthalbstündigen Debatte entschieden zurückgewiesen.
Am 17. Dezember 2018 trat der Abgeordnete Uwe Kamann mit der Begründung „unterschiedliche(r) Auffassungen über politische und fachpolitische Ausrichtungen“ aus Partei und Fraktion aus.Aachener Bundestagsabgeordneter Uwe Kamann verlässt die AfD. In: Aachener Nachrichten. 17. Dezember 2018, abgerufen am 1. Januar 2019.
Von November 2019 bis zum Ende der Legislaturperiode stellte die AfD die Vorsitzenden in zwei Bundestagsausschüssen. Den Haushaltsausschuss leitete Peter Boehringer und den Tourismusausschuss Sebastian Münzenmaier. Zudem leitete zeitweise Stephan Brandner den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. Er wurde von allen anderen Fraktionen aufgrund mehrerer umstrittener und von diesen als antisemitisch eingestuften Äußerungen abgewählt.
Am 18. Dezember 2019 trat der Abgeordnete Lars Herrmann aus der AfD und auch der Fraktion im Bundestag aus. Als Grund gab er an, dass er wegen Kritik an Björn Höcke aus der Landesgruppe Sachsen im Bundestag ausgeschlossen worden war, ohne angehört worden zu sein. Herrmann war damit der vierte AfD-Abgeordnete, der die Fraktion vor Ende der Legislaturperiode verließ.
Am 27. Januar 2020 erklärte auch Verena Hartmann ihren Austritt aus Partei und Fraktion, womit sich die Zahl der Fraktionsmitglieder auf 89 Mitglieder reduzierte.AfD-Fraktion verliert weitere Abgeordnete. In: tagesschau.de. 27. Januar 2020.Maria Fiedler: Das Aussteigerprogramm. Warum die AfD-Fraktion noch weiter bröckeln könnte. In: tagesschau.de. 5. Februar 2020.
Mit Frank Pasemann verlor die Fraktion am 15. November 2020 ihr sechstes Mitglied seit der Bundestagswahl 2017. Pasemann war aufgrund der Nichtzahlung der Mandatsträgerabgabe, parteischädigenden Verhaltens und Antisemitismus aus der Partei ausgeschlossen worden und stellte auch keinen Antrag auf Aufnahme in die AfD-Fraktion als Parteiloser. Dieser Fraktionsaustritt wurde der Bundestagsverwaltung erst mit einem Monat Verzögerung am 14. Dezember 2020 mitgeteilt. Infolge der Fraktionsschrumpfung verlor die Fraktion einen von fünf Sitzen im Verteidigungsausschuss an die CDU-Fraktion.
Im Juni 2021 verlor die Bundestagsfraktion der AfD zwei weitere Abgeordnete: Bruno Hollnagel und Heiko Heßenkemper.Weitere Bundestagsabgeordnete treten aus AfD aus. zeit.de, 30. Juni 2021; abgerufen am 25. Juli 2021. Letzterer trat der Fraktion jedoch bereits im August 2021 wieder bei. Seit der 12. Wahlperiode, der ersten nach der Wiedervereinigung, hatte bisher keine Partei in so kurzer Zeit so viele Fraktionsmitglieder im Bundestag verloren. In sieben Wahlperioden hatten bisher SPD und FDP jeweils fünf Fraktionsmitglieder verloren; entweder durch Übertritt in eine andere Fraktion, oder den Schritt in die Fraktionslosigkeit.Berechnet nach Unterlagen des Bundestages „Fraktionsstärke und Fraktionswechsel“, Stand: 28. Januar 2020. Durch die Fraktionsaustritte verlor die AfD Anteile an der Redezeit in den Bundestagsdebatten, die sich nach der Fraktionsgröße richtet (siehe Berliner Stunde).AfD verliert durch Austritt Redezeit im Bundestag, 28. Januar 2020, ts Nachrichtenagentur
Im Mai 2022 wurde öffentlich, dass der mit Quasselgruppe bezeichnete, fraktionsinterne WhatsApp-Chat geleakt worden war. Es gilt als wahrscheinlich, dass ein Mitglied der AfD-Fraktion 2017–2021 den gesamten Chatverlauf mit über 40.000 Posts an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des norddeutschen und westdeutschen Rundfunks weitergeleitet hat. Nach Informationen der beiden Rundfunkhäuser hatten sich 76 der 92 AfD-Bundestagsabgeordneten, die 2017 ins Bundesparlament eingezogen waren, am Chat beteiligt. In den Beiträgen, die inzwischen für eine Fernsehdokumentation ausgewertet wurden, wurden AfD-interne Diskussionen zu besonderen politischen Ereignissen kommentiert. Dazu gehörten unter anderem die thüringische Regierungskrise im Zusammenhang des FDP-Abgeordneten Thomas Kemmerich, der sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen, die US-Wahlen 2020, die Corona-Pandemie, sowie die Querdenker-Demonstrationen, die Verbrechen mit rechtsextremistischem Hintergrund und das Verhältnis zu Russland. Darüber hinaus offenbarten die Chatverläufe die Umgangsformen der Fraktionsmitglieder, sowohl mit dem politischen Gegner als auch mit den eigenen Parteimitgliedern. So schrieb zum Beispiel der nach der Bundestagswahl 2021 ausgeschiedene bayerische Abgeordnete Hansjörg Müller: „Ich habe noch nie so eine hinterfotzige, illoyale Ansammlung an menschlichen Wesen gesehen, wie im zweiten Teil der Legislatur. Es hat mich nur noch angekotzt.“ Auf einen Mitte Mai gestellten Antrag Joana Cotars, Mitglied der AfD-Fraktion 2021–2025, wurde innerhalb der Fraktion mehrheitlich beschlossen, die Quasselgruppe zu löschen.Tilmann Steffen: AfD-Chat. Gesamter WhatsApp-Chat der AfD-Bundestagsfraktion geleakt. Zeit Online, 20. Mai 2022; abgerufen am 20. Mai 2022.
20. Deutscher Bundestag (2021–2025) Die AfD erhielt bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 10,3 % der Stimmen und 83 Sitze im 20. Deutschen Bundestag. Der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund liegt in der AfD-Fraktion bei 7,2 % und damit höher als bei den Fraktionen FDP und der Union.