Die Schlacht bei Bornhöved am 22. Juli 1227 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Dänemark unter Waldemar II. und dem Grafen Adolf IV. von Holstein als Anführer einer Koalition aus norddeutschen Landesherren und Städten. Zu dieser zählten der Bremer Erzbischof Gerhard II., Herzog Albrecht von Sachsen, Graf Heinrich von Schwerin und die wendischen Herren sowie ein Lübecker Aufgebot.
Die schwere Niederlage Waldemars II. bei Bornhöved entschied den seit dem Sturz Heinrichs des Löwen auf der kimbrischen Halbinsel und an der südlichen Ostseeküste schwelenden Konflikt um die Herrschaft über die Gebiete zwischen Elbe und Eider; sie bedeutete das Ende der dänischen Hegemonialstellung in dem Gebiet und ein Scheitern der großdänischen Reichspläne. Den norddeutschen Landesherren und Städten ermöglichte der Sieg hingegen einen ungehinderten Ausbau ihres Wirkungs-, Handels- und Machtbereiches. So schuf der Ausgang der Schlacht die Voraussetzungen für den Aufstieg Lübecks zur führenden Hansestadt, die Herausbildung des deutschen Ordensstaates, sowie später die Personalunion Schleswigs und Holsteins (1460).
Hintergrund miniatur|Politische Ausgangslage im Ostseeraum 1219
Das Königreich Dänemark wird nördliche Hegemonialmacht
Nachdem der Welfenherzog Heinrich der Löwe im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts die Herrschaft über seine Herzogtümer Sachsen und Bayern stückweise verloren hatte, entstand im Norden des Heiligen Römischen Reiches ein machtpolitisches Vakuum. In diesen Freiraum drängten der Schauenburger Graf Adolf III., der in seine ehemaligen Grafschaften in Holstein zurückkehrte, sowie die Dänen unter König Knut VI. bzw. dessen Nachfolger König Waldemar II.Walther Lammers: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved (= Geschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 4/1). Neumünster 1981, S. 374
Adolf III. gelang es dabei, nachdem er sich in den ersten Jahren seiner Rückkehr mit der Ausschaltung der inneren Opposition und der Sicherung seiner Herrschaft befasst hatte, sich nachhaltig gegen Heinrich den Löwen zu behaupten, Lübeck und Wagrien ökonomisch einzugliedern und Stade (mit Dithmarschen) als Lehen von Hartwig II., dem Erzbischof von Bremen, zu erhalten. Damit versuchte er, das Gebiet zwischen Elbe und Eider erstmals herrschaftlich zusammenzuschließen.Walther Lammers: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 374 ff. Tatsächlich waren die Versuche von Erzbischof und Graf, die Bauernrepublik Dithmarschen zu unterwerfen, verlustreich und erfolglos. Sie behauptete ihre Unabhängigkeit bis 1559. Den Dänen unter König Knud VI. ermöglichte der Sturz des mächtigen Welfenherzogs, ihren Herrschaftsbereich auf die Gebiete der (Ostsee-)Slawen zu erweitern. So mussten Bogislaw I., Herzog von Pommern, und die beiden mecklenburgischen Fürsten Nikolaus I. und Heinrich Borwin I. den dänischen König als Lehnsherr anerkennen.Erich Hoffmann: Die Bedeutung der Schlacht von Bornhöved für die deutsche und skandinavische Geschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 57 (1977), S. 15.
Solch eine Konstellation – zwei expansionistisch agierende Fraktionen – musste zwangsläufig zu Interessenkonflikten zwischen beiden Parteien führen. Ein in den Wintermonaten 1198/99 unternommener Feldzug Adolfs III. und Markgraf Ottos II. von Brandenburg gegen die Ostseeslawen ließ die Auseinandersetzung letztlich eskalieren. Erich Hoffmann sieht den Hauptgrund dafür, anders als Walther Lammers, in der Unterstützung des Gegenkönigtums Bischofs Waldemars von Schleswig durch Adolf III.Erich Hoffmann: Die Bedeutung der Schlacht von Bornhöved, S. 16 Begünstigt durch den Zwist innerhalb des Reiches, der nach der Doppelwahl Herzog Philipps von Schwaben und Ottos IV. von Braunschweig zum König des Heiligen Römischen Reiches entstand, gelang es den Dänen erfolgreich gegen den Schauenburger Grafen vorzugehen. Im Sommer 1200 erwarb Knut VI. die Rendsburg. Am 25. Januar 1201 wurde das Heer Adolfs III. und seines Verbündeten Adolf I. von Dassel bei Waschow in der Grafschaft Ratzeburg von den Truppen Nikolaus I. und Heinrich Borwins vernichtend geschlagen. Schließlich gelang es dem Bruder Knuts VI., Herzog Waldemar II., noch im Herbst und Winter desselben Jahres ganz Nordelbingen – die Gebiete zwischen Elbe (Südgrenze) und Eider (Nordgrenze)W. Lammers – zu unterwerfen. Ende November 1201 begehrte Adolf III. zwar noch einmal auf, musste jedoch schnell die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens erkennen und in Verhandlungen treten. Mit der indirekten Anerkennung (Heiratsverträge) des Status quo durch den deutschen König Otto IV. Anfang des Jahres 1202 galten die politischen Verhältnisse im Norden letztlich als geregelt: Während die Zeit der dänischen Großmachtstellung begann, ging Adolf III. als klarer Verlierer aus diesem Konflikt hervor. Noch im selben Jahr musste er auf seine Besitztümer verzichten und die Grafschaft Holstein verlassen. Er kehrte daraufhin zum Stammsitz seiner Familie an die Weser zurück.
In den folgenden Jahren gelang es Waldemar II., der nach dem Tode Knuts VI. am 12. November 1202 zum König aufgestiegen war, die Dänenherrschaft weiter zu festigen und auszubauen. Im Inneren vermochte es der von ihm eingesetzte Graf Albrecht II. von Orlamünde, die Transformation der altholsteinischen Gesellschaft hin zu einer lehnsrechtlichen Adelsgesellschaft im kontinentalen Sinne zügig voranzutreiben. Außenpolitisch erreichte Waldemar II. Ende 1214 den offiziellen Verzicht des Heiligen Römischen Reiches auf die von Dänemark besetzten Gebiete. Der König nutzte dabei, genau wie sein Vorgänger, die Streitigkeiten innerhalb des Reiches geschickt aus, indem er sich nach dem Tod Philipps von Schwaben auf die Seite von dessen Nachfolger Friedrich II. schlug: Dieser war auf die Unterstützung des Dänenkönigs angewiesen, um den amtierenden deutschen König und römischen Kaiser, Otto IV., stürzen zu können. Als Gegenleistung ließ Friedrich II. gegen Ende des Jahres 1214 in Metz eine Urkunde ausstellen, in der das Heilige Römische Reich auf die entsprechenden Gebiete Norddeutschlands offiziell verzichtete.Walther Lammers: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 387 ff.; Erich Hoffmann: Die Bedeutung der Schlacht von Bornhöved, S. 20 f.
Den Zenit seiner Macht erreichte Waldemar um das Jahr 1220, als er auch Pommern (1214), Estland (1219) sowie Ösel (1220) besetzen bzw. erobern konnte und sich sein kolonialer Einfluss zudem sowohl auf Schweden als auch auf Norwegen erstreckte.Walther Lammers: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 393.; Erich Hoffmann: Die Bedeutung der Schlacht von Bornhöved, S. 21f.
Die Wende im Norden
Die machtpolitische Wende im Norden trat 1223 ein, als Waldemar II. und sein Sohn Waldemar III. durch ein Komplott des Grafen Heinrich I. von Schwerin am 7. Mai des Jahres bei einem Jagdausflug auf der Insel Lyø entführt wurden und in Gefangenschaft gerieten. Die darauf folgenden Verhandlungen über die Freilassung des Königs, an der auch kaiserliche Vertreter beteiligt waren, blieben ohne Erfolg, da die dänische Seite die Forderungen der deutschen Seite, die das Scheitern der großdänischen Politik bedeutet hätten, ablehnte. Als allerdings auch Graf Albrecht von Orlamünde Ende Januar 1225 bei einem Gefecht dem Grafen Adolf IV., der Ende 1224 in die nordelbischen Gebiete eingedrungen war, unterlag und in Gefangenschaft geriet, musste die dänische Seite den Forderungen der deutschen Fürsten nachgeben, um auf absehbare Zeit Waldemar II. und seinen Sohn freizubekommen. Der dänische König hatte daraufhin Urfehde zu schwören, Lösegeld zu zahlen, Preziosen, Textilien und Pferde zu liefern, Geiseln zu stellen und – und dies sollten die schwerwiegendsten Verpflichtungen sein – alle Gebiete zwischen Eider und Elbe sowie die slawischen Länder (bis auf Rügen) wieder an das Heilige Römische Reich abzutreten. Die Rendsburg ging in den Besitz Adolfs IV. über. Nach der Anerkennung dieser Forderungen erlangte Waldemar II. am 21. Dezember 1225 die Freiheit.Vgl. Lammers, Walther: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 393 ff.
Konfliktausbruch und -verlauf bis zur Schlacht von Bornhöved
Der Preis für seine Freilassung, das empfanden selbst Zeitzeugen so, war sehr hoch – für König Waldemar II. zu hoch. Kaum in seinem Königreich wieder angekommen (Weihnachten 1225), bereitete er die Rückeroberung der verlorenen Gebiete und die Wiederherstellung seiner Vormachtstellung im Norden vor. Nachdem auch sein Sohn zu Ostern 1226 freigelassen worden war, konnte er seine Pläne in die Tat umsetzen:
Als erstes musste er sich vom Eid der Urfehde, den er 1225 geleistet hatte, lösen. Waldemar II. wandte sich dafür an Papst Honorius III. In einem Brief vom 26. Juni 1226 aus dem Lateran versicherte ihm dieser, „[...] daß er einem Ungetreuen ein Treueversprechen, das erpreßt worden sei, nicht zu halten brauche.“Lammers, Walther: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 398. Die Urfehde war damit für hinfällig erklärt worden, wodurch Waldemar II. im Stande war, legal gegen die aktuelle Situation vorzugehen.Vgl. Lammers, Walther: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 398.
Der Dänenkönig zögerte nicht lange und startete noch im selben Jahr, im Herbst 1226, den Rückeroberungsfeldzug: Ein nordfriesisches Aufgebot marschierte im erzbischöflichen Dithmarschen ein. Waldemar II. selbst lagerte vor der Rendsburg, in der sich das Heer der norddeutschen AllianzHierzu zählten neben Graf Adolf IV. und dem allgemeinen holsteinischen Aufgebot auch die Grafen von Schwerin, Dannenberg und Hallermund, Lübecker Bürger, der Bischof sowie Pröpste und Äbte des Landes; vgl. Lammers, Walther: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 398. versammelte. Es kam zur Schlacht, und dieses erste Gefecht gewann König Waldemar II. trotz großer Verluste. Ermutigt durch den Sieg, rückte er im Frühjahr 1227 in Dithmarschen ein. Von dort aus griffen die Dänen die Kerngebiete der Grafschaft Holstein an, unterwarfen die unbefestigten Orte und belagerten die Burgen Itzehoe und Segeberg. Zudem gelang es Waldemar II., sein Heer mit dem seines wichtigsten deutschen Verbündeten, Herzog Otto I. von Braunschweig-Lüneburg, zu vereinen.
Auch auf norddeutscher Seite begann man, sich unterdessen neu zu formieren, wenngleich man nach der Niederlage von Rendsburg gezwungen war, sich weitere Verbündete zu suchen. In Herzog Albrecht I. von Sachsen fand man schließlich den gewünschten Partner, der jedoch seinen Preis hatte.
Begünstigt durch diese neue Konstellation, begann sich die Kriegslage im Norden allmählich zu verändern. König Waldemar II. sah sich schon bald gezwungen, die Belagerung von Itzehoe und Segeberg aufzugeben. Er zog sich mit seinem Heer in den Raum von Bornhöved zurück, wo er auf die Entscheidungsschlacht wartete. Die norddeutsche Fürsten- und Städtekoalition sammelte sich derweil in Lübeck.Vgl. Lammers, Walther: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved, S. 398 f. Angeblich soll der Königsbarg dem dänischen König als Feldherrnhügel gedient haben, wovon aus er die Schlacht dirigierte.
Die Schlacht von Bornhöved
Nachdem die Vorbereitungen auf norddeutscher Seite abgeschlossen waren, zog das Heer am Morgen des 22. Juli 1227 aus Lübeck aus. Bei Bornhöved stieß die Koalition wie erwartet auf das dänische Aufgebot. Über den genauen Verlauf der daraufhin ausbrechenden blutigen Schlacht liegen allerdings keine verlässlichen Informationen vor. Fest steht im Prinzip nur, dass das dänische Heer das Gefecht verloren hat.Vgl. Möbius, Sascha: Kriege und Unruhen in der lübeckischen Chronistik und Erinnerungskultur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. unveröffentl. Manuskript. Kap. 3, S. 5. Trotzdem soll im Folgenden auf die Darstellung des Schlachtverlaufes in den beiden bedeutendsten lübeckischen Chroniken, der Detmar-Chronik und der Chronica Novella des Hermann Korners, eingegangen werden.