7 Tage in Entebbe (Originaltitel 7 Days in Entebbe) ist ein amerikanisch-britischer Thriller von José Padilha, der am 19. Februar 2018 außer Konkurrenz im Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt wurde. Der Film lief am 16. März 2018 in den US-amerikanischen und am 11. Mai in den britischen Kinos an. Deutscher Filmstart war der 3. Mai.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, der Operation Entebbe. Als im Juni 1976 die beiden Deutschen Brigitte Kuhlmann und Wilfried Böse, Mitglieder der Revolutionären Zellen, und Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas eine Air-France-Maschine entführten, befreite ein Kommando der israelischen Armee die Geiseln.

Handlung Der Air-France-Flug 139 von Tel Aviv nach Paris wird im Juni 1976 nach einer Zwischenlandung in Athen von deutschen und palästinensischen Terroristen gekapert. Die beiden Deutschen Brigitte Kuhlmann und Wilfried Böse, Mitglieder der Revolutionären Zellen, wurden zuvor mit zwei Männern der Volksfront zur Befreiung Palästinas in einem Ausbildungslager im Jemen für diese Aktion geschult und darauf vorbereitet, kein Mitgefühl zu zeigen. Gezielt haben sie eine Air-France-Maschine gekapert, denn sie werfen Frankreich vor, Israel beim Aufbau seines Militärs unterstützt zu haben. Sie wollen unter anderem 40 in Israel inhaftierte Palästinenser freipressen. Die Entführer zwingen den Flugkapitän, in Bengasi zwischenzulanden, um zu tanken. Von dort kann das Flugzeug unbehelligt weiterfliegen. Schließlich zwingen sie den Piloten zur Landung auf dem Flughafen der ugandischen Stadt Entebbe.

Am nächsten Morgen werden die Geiseln in ein leerstehendes Terminal des Flughafens gebracht. Dort empfängt sie Ugandas Präsident, der Diktator Idi Amin persönlich. Er und seine Soldaten unterstützen die Entführer. Die beiden Deutschen bewachen die Entführten, während die Palästinenser Verhandlungen mit Israel aufnehmen.

Dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, der in Jerusalem gerade eine Kabinettsitzung leitet, wird eine Nachricht zugesteckt, in der er über die Entführung und die Tatsache informiert wird, dass sich an Bord auch 83 Israelis befinden. Von einer britischen Passagierin, die freigelassen wurde, weil sie vorgab, schwanger zu sein, erfahren er und Verteidigungsminister Schimon Peres, dass zwei der Entführer Deutsche sind.

Peres plädiert für den Einsatz des Militärs, selbst wenn dabei Soldaten oder Geiseln getötet werden und es deshalb zu diplomatischen Verwicklungen kommen sollte. Rabin meint zwar, dass es klüger wäre zu verhandeln, sieht jedoch keinen anderen Weg, die Staatsraison aufrechtzuerhalten, und stimmt zu.

Als die israelische Regierung entgegen ihrer bisherigen Politik Verhandlungsbereitschaft signalisiert, um die Entführer zu täuschen, lassen diese einen großen Teil der Geiseln frei. Es kommt zum Streit unter den Entführern, weil die Israelis ausgesondert und als Geiseln behalten werden sollen. Unter ihnen befindet sich auch eine alte Frau, die Wilfried Böse an der tätowierten Lagernummer auf ihrem Arm als ehemalige KZ-Gefangene erkennt. Er sträubt sich gegen dieses Vorgehen, weil es ihn an die Selektion der Juden bei den Nationalsozialisten erinnert und er nicht für einen Nazi gehalten werden will. Der Pilot der entführten Maschine weigert sich, die israelischen Geiseln im Stich zu lassen, und bleibt mit der gesamten Crew bei ihnen im Terminal.

Der israelische Geheimdienst plant unterdessen, die Geiseln mit einer Spezialeinheit der israelischen Streitkräfte zu befreien. Nachdem Satellitenbilder ausgewertet wurden, General Motta Gur den Einsatz empfohlen und das Kabinett die Befreiungsaktion Operation Thunderbolt abgesegnet hat, landen israelische Transportflugzeuge ohne Wissen der ugandischen Regierung nachts in Entebbe. In einer schwarzen Limousine, die als Staatskarosse Idi Amins getarnt ist, nähert sich die Spezialeinheit dem Terminal. Die Soldaten stürmen das Gebäude, liefern sich ein Feuergefecht mit den ugandischen Soldaten und erschießen alle Geiselnehmer. Vier Geiseln sterben, doch 102 können befreit werden.

Während der Befreiungsaktion findet in Israel zeitgleich eine Tanztheateraufführung mit dem traditionellen Pessach-Lied Echad mi jodeaDas Lied erinnert an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, siehe auch Echad Mi Yodea (englisch). statt. Unter den Tänzern befindet sich auch die Freundin des Soldaten Zeev Hirsch, der genau in diesem Moment in Entebbe bei der Befreiung seiner Landsleute sein Leben riskiert.

Filmanalyse Historischer Hintergrund mini|hochkant=1|Die Air-France-Maschine AN0792167 in Paris, 1980 Der Film erzählt die Geschichte der Entführung eines Passagierflugzeugs der Air France im Juni 1976 und der darauf folgenden militärischen Befreiungsaktion Operation Entebbe auf dem Flughafen von Entebbe, der vormaligen Hauptstadt Ugandas. Die Entführung wurde durch palästinensische und deutsche Terroristen durchgeführt. Israelische Elitesoldaten flogen unerkannt nach Entebbe, wo sie sich insgesamt nur 90 Minuten aufhielten. 102 überwiegend israelische Geiseln und die Air-France-Besatzung konnten schließlich nach einem Zwischenstopp in Kenia nach Israel ausgeflogen werden. Bei der Befreiungsaktion wurden alle sieben anwesenden Geiselnehmer getötet. Drei der zuletzt noch 105 Geiseln, etwa 20 ugandische Soldaten sowie ein Offizier der israelischen Einsatzkräfte kamen bei Feuergefechten ums Leben.

Filmgenre und Aufbau

Der Film wurde als klassisches Politdrama und Entführungskrimi inszeniert und entlehnt den Stil der 1970er Jahre, die die Hochzeit der Politthriller waren. Er stellt die Konflikte innerhalb der einzelnen Gruppen in den Vordergrund, so die Diskussionen unter den Terroristen über die Wahl der Mittel, die besonderen moralischen Implikationen für Deutsche, erneut Juden in Gefahr zu bringen, und die Abwägungen in der israelischen Führung, welche Opfer nötig sind, um den Staat Israel unbeschadet zu lassen.Christian Ihle: 7 Days in Entebbe In: taz.de, 20. Februar 2018. Hierbei wechselt der Film ständig die Sichtweisen, zeigt die Situation aus den Augen der israelischen Regierung, der Terroristen, der verzweifelten Geiseln und der israelischen Soldaten im Trainingslager.Laura Döing: Berlinale zeigt Geiseldrama „7 Tage in Entebbe“ In: Deutsche Welle Online, 20. Februar 2018. mini|hochkant=1|Befreite Geiseln auf dem Flughafen Ben Gurion nach ihrer Rückkehr Der Film ist in sieben Kapitel unterteilt, in denen die Handlung der einwöchigen Entführung gezeigt wird. Im Vorspann wird erklärt, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht, jedoch aus dramaturgischen Gründen einige Personen hinzuerfunden wurden. Im Abspann werden Bilder von den echten Geiseln gezeigt, die nach Israel zurückkehren. Ebenso erfährt man im Abspann, dass Benjamin Netanjahu, der Bruder des bei der Befreiungsaktion ums Leben gekommenen Befehlshabers des Angriffstrupps der Operation Thunderbolt, Jonathan Netanjahu, später Ministerpräsident Israels wurde.

Parallelgeschichte Die Macher des Films fügten der Geschichte eine weitere Ebene hinzu. Hierbei wird eine moderne israelische Tanzgruppe gezeigt, die eine Choreographie einstudiert.Peter Zander: „7 Days in Entebbe“: Tanzeinlage zum Terror-Akt In: Berliner Morgenpost, 20. Februar 2018 Dabei handelt es sich um ein Tanzstück der Batsheva Dance Company aus dem Jahr 1998 unter Verwendung des traditionellen Liedes Echad Mi YodeaEchad Mi Yodea in: hebrewsongs.comEchad Mi Yodea by Ohad Naharin performed by Batsheva – the Young Ensemble auf YouTube (Video), das zu Pessach gesungen wird und an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei erinnert. Das Ablegen der klassischen jüdisch-orthodoxen Kleidung im Stück und im Film sei laut Padilha eine Metapher für das „Loswerden einer Politik, die Verhandlungen verhindert“.“getting rid of the politics that prevents negotiations.” Reporter’s Notebook: ‘Entebbe’ film gives unsubtle nod to struggling peace talks. In: i24News, 21. Februar 2018, abgerufen am 1. Mai 2018. Für Christian Ihle von der taz hinterlässt die Tanzperformance in der Schlussszene letzten Endes mehr Eindruck als die eigentliche Schießerei. Auch Sabine Horst von epd Film findet, das Konzept gehe unterm Strich auf, und die parallel zum Sturm auf das Terminal montierte Premiere des Tanztheaterstücks sei eine Szene, in der sich jüdisches Selbstbewusstsein und schreckliche Verletzlichkeit mischten. Die Haltung, die der Film hierdurch einnehme, weise übers Historische hinaus.Sabine Horst: Kritik zu 7 Tage in Entebbe. In: epd Film, 2018. Oliver Kaever von Zeit Online erklärt, die Tanzeinlage sei die zentrale Metapher des Films, die Padilha immer wieder visuell und akustisch mit der Handlung verschränkt.Oliver Kaever: „7 Tage in Entebbe“: Elitesoldaten im Tanz. In: Zeit Online, 30. April 2018.

Produktion Stab Regie führte José Padilha. Im Rahmen der Berlinale meinte Padilha, er wolle mit seinem Film mehrere Facetten der Geschichte beleuchten, die Interaktionen zwischen Geiseln und Terroristen zeigen und weg vom rein militärischen Narrativ. Er habe mit seinem Team gezielt Zeitzeugen aufgesucht und sie nach ihren Eindrücken befragt, so der Regisseur weiter, und sogar beim Dreh seien Zeitzeugen dabei gewesen. Einer von diesen ist Jacques Lemoine, der Flugingenieur der gekidnappten Passagiermaschine, der sich auf der Berlinale ebenfalls den Fragen der Journalisten stellte. Padilha meinte, obwohl das Ganze 1976 passierte, habe es viel mit dem Hier und Jetzt zu tun und sein Film solle auch ein Schlüssel zum Verständnis der heutigen Situation im Konflikt zwischen Israel und Palästina sein.

Das Drehbuch von Gregory Burke basiert auf dem Buch Operation Thunderbolt: Flight 139 and the Raid on Entebbe Airport des Historikers Saul David.Andreas Borcholte: Berlinale 2018: „7 Tage in Entebbe“ mit Daniel Brühl, Rosamund Pike. In: Spiegel Online, 20. Februar 2018.Michael Müller: Von humanisierten deutschen Terroristen und vergessenen israelischen Opfern. In: Pro Medienmagazin, 2. Mai 2018. Sich an den historischen Fakten orientierend erzählt der Film die Geschichte der Geiselnahme aus mehreren Perspektiven, schwerpunktmäßig sowohl aus Sicht der vier Entführer als auch aus Sicht der israelischen Regierung, die schließlich den Militäreinsatz beschließt.Fabian Wallmeier: Filmkritik: „7 Days in Entebbe“ – Kampf und Kunst unpassend verknüpftIn: rbb24.de, 19. Februar 2018. Für manche Szenen des Films wichen die Verantwortlichen aus dramaturgischen Gründen jedoch bewusst von den historischen Tatsachen ab.The True Story Behind the Movie 7 Days in Entebbe. In: TIME.com vom 16. März 2018, abgerufen am 4. Juni 2018 (englisch) Padilha sagte, an seiner Recherche habe ihn interessiert, dass das Ereignis nicht als militärische Operation zu betrachten sei, wie es bisher fast immer der Fall war. Nachdem er eigene Nachforschungen betrieben und sich für seinen Faktencheck mit Beteiligten, Zeitzeugen und Politikern getroffen hatte, sei er Feuer und Flamme gewesen, seine Version der Entebbe-Dramaturgie zu inszenieren. Dass er als Brasilianer einen neutralen Blick auf die erhitzte Nahost-Debatte behalten konnte, sah der Regisseur als einen Vorteil: „In Brasilien beschäftigen wir uns nicht viel mit Israel. Man kriegt mit, was passiert, aber es ist kein großes Thema.“

Die Filmmusik wurde von Rodrigo Amarante komponiert.Rodrigo Amarante Scoring Jose Padilha’s ‘7 Days in Entebbe’ In: filmmusicreporter.com, 7. Dezember 2017. Der Soundtrack, der insgesamt 20 Musikstücke umfasst, darunter neben Stücken, die von dem brasilianischen Singer-Songwriter für den Film geschrieben wurden, auch The Tractor’s Revenge und Ohad Naharins Version von Echad Mi Yodea, wurde am 6. April 2018 von Lakeshore Records als Download veröffentlicht.‘7 Days in Entebbe’ Soundtrack Announced In: filmmusicreporter.com, 30. März 2018. Naharin ist seit 1990 Leiter und der kreative Kopf der Batsheva Dance Company, mit der er 1998 Echad Mi Yodea als Tanzperformance umsetzte.