mini|hochkant=1.45|Der Ascherwinkel als westlichster Ortsteil Der Ascherwinkel ist ein Ortsteil der im westlichsten Zipfel des sächsischen Erzgebirges gelegenen Gemeinde Schönheide (Erzgebirgskreis).
Lage Der Ortsteil Ascherwinkel liegt im westlichen Teil von Schönheide am Ende der von Ost nach West durch das ganze Dorf verlaufenden Hauptstraße auf einer nur leicht ansteigenden Fläche in einer Höhe von etwa ohne nennenswerte Taleinschnitte. Er ist der dem Vogtland am nächsten liegende Ortsteil von Schönheide. Das Gebiet liegt nach der Naturraumkarte von Sachsen in der Mesogeochore „Schönheider Hochflächen“ und gehört zur Mikrogeochore „Schönheider Kuppengebiet“. Nord-westlich schließt sich die Mikrogeochore „Kuhberg-Rücken“ an. Der Ascherwinkel wird auch durch Carolagrüner Straße, Fabrikgasse, Quergasse, Waldstraße, Weidmannsweg und teilweise durch die Angerstraße erschlossen. Eine eindeutige Abgrenzung zum Oberdorf genannten oberen Teil Schönheides gibt es angesichts der durchgehenden Bebauung nicht. Die Neuheider Straße und der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Teil der Angerstraße können als östliche Grenze des Ascherwinkels angesehen werden. Der Ortsteil hat um 200 Wohnhäuser und andere größere Gebäude.
Name mini|Großlager der Bümag-Genossenschaft mini|hochkant=1.2|Der Ortsteil Ascherwinkel, ganz im Westen, blieb nach der Besiedlung Schönheides in der Mitte des 16. Jahrhunderts noch Wald. Beim ersten Teil der Bezeichnung Ascherwinkel hält es der Autor Ernst Flath, der eine um 1910 erschienene Geschichte Schönheides verfasste, für möglich, dass das Wort Asche mit dem Torf zusammenhängt, der in dem dortigen Hochmoor gewonnen wurde.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 5 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Das Blatt 196 der Meilenblätter von Sachsen im Berliner Exemplar von 1791 hat noch keinen Eintrag mit der Bezeichnung Ascherwinkel.Blatt 196 aus Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar Die Äquidistantenkarte aus dem Jahr 1876 verwendet den Namen „Ascherwinkel“.Blatt 136 – Section Schneeberg- der Topographischen Karte (Äquidistantenkarte) Sachsen, bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, – 1:25000. Jahr 1876 Digitalisat Als Bezeichnung eines Ortsteils gibt es „Winkel“ in der Gemeinde Schönheide mehrfach: neben Ascherwinkel auch noch Fuchswinkel, Heinzwinkel, Schwarzwinkel (früher Marquartswinkel). Siegfried Sieber bezeichnet diesen Begriff als alten Flurnamen. Dies findet eine Bestätigung im Wörterbuch der Gebrüder Grimm, wonach der Begriff „Winkel“ „häufig in orts- und flurnamen zur bezeichnung von zwischen bergen, wäldern und fluszkrümmungen einbiegenden landstücken“ zu finden sei.Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Band 30, Sp. 347 lit. B Nr. 1 c Digitalisat im Wörterbuchnetz . Vgl. auch Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Wörterbuch, Band 3, Sp. 904–906 Digitalisat im Wörterbuchnetz Moritz von Süßmilch verwendet 1894 die Bezeichnung AscherheideMoritz von Süßmilch gen. Hörnig: Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart, Hermann Grasers Verlag, 2. Aufl. Annaberg 1894, S. 614 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Dies ist möglicherweise eine Verwechslung mit Hohe Heide, die in älteren Kartenwerken als in der Nähe liegend dargestellt wird. Alle LandkartenBlatt 136 – Section Schneeberg – einer 1:25.000-Karte aus dem Jahr 1876, bearbeitet im topographischen Bureau des königlichen Generalstabs (Königreich Sachsen) Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und sonstigen VeröffentlichungenNeues alphabetisches Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen. Nach officiellen Nachrichten zusammengestellt von Central-Comité des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen. Mit allergnädigst ertheiltem Privilegio. Verlag der Waltherschen Hofbuchhandlung. Erste Abtheilung A.–L. Dresden 1836, S. 8 DigitalisatFriedrich August Gottlob Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Band 18, Zwickau 1833, Seite 727 DigitalisatAlbert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Erste Lieferung, den Zwickauer Directionsbezirk enthaltend. Leipzig 1839, S. 194 DigitalisatAlphabetisches Orts-Verzeichniß des Königreiches Sachsen, bearbeitet nach officiellen Unterlagen durch das statistische Bureau des Ministeriums des Innern, Druck und Verlag von C. Heinrich, Dresden 1862, S. 20 Digitalisat verwenden den Begriff Ascherwinkel.
Geomorphologische Verhältnisse In einem Hochmoor von knapp 3 Hektar mit einer Mächtigkeit von bis zu 3 Metern wurde bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts Torf abgebaut.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), Reprint 1992, S. 331 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden In einer Landkarte von 1876 ist die Moorfläche eingetragen und der Abbau mit Torfstich bezeichnet. Über die Torfvorkommen „bey Schönheyde“ wird schon im Jahr 1777 berichtet.Schulz in: Schriften der Leipziger ökonomischen Societät 3. Band, Walthersche Hofbuchhandlung 1777, zitiert in: Wittenbergsches Wochenblatt zum Aufnehmen der Naturkunde und des ökonomischen Gewerbes, unter Churfürstlich Sächsischem Privilegio, Ausgabe vom 14. May 1779, S. 150 (Digitalisat) Im Ascherwinkel entspringt auf einer Höhe von etwa der Tannenbach, der nach einem Lauf von knapp vier Kilometern unterhalb von Wilzschhaus auf in der Zwickauer Mulde mündet.Topographische Karte 5541-NW-Wilzschhaus des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, 2. Auflage, Dresden 2012, ISBN 978-3-89679-546-5 An den Südhängen des Kuhbergs entspringt der Holzbach.Topographische Karte 5440-SO-Wernesgrün des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, 1. Auflage, Dresden 2006, ISBN 3-89679-521-X Er ist der einzige Bach mit in Landkarten bezeichnetem Namen aus dem Schönheider Gemeindegebiet, dessen Wasser nicht in die Zwickauer Mulde fließt, sondern in die Saale. Westlich des besiedelten Teils vom Ascherwinkel liegen große Wälder, die bis an den Ortsrand des Auerbacher Ortsteils Schnarrtanne reichen. In diesen Wäldern liegt der Laubberg (), der höchste Berg auf Schönheider Gemeindegebiet.
Geschichte und Entwicklung Der Siedlungsbeginn von Schönheide wird auf 1537 datiert. In der Gründungsurkunde für Schönheide, dem sog. BefreiungsbriefPrivilegium, s. Frühneuhochdeutsches Wörterbuch in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen vom des Balthasar Friedrich Edler von der Planitz,Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 177ff. Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden wird die Lage der Doppel-Hufen beschrieben als einerseits vom Dorfbach nördlich bis zum Filzbach und andererseits südlich bis zur Zwickauer Mulde reichend. Die zwanzig HufenErnst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 191 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden der Gründungsphase reichten vom östlichen Dorfrand etwa bis zum Quellbereich des Dorfbachs. Das weiter westlich und höher gelegene Gebiet blieb zunächst ungerodet, soweit es bewaldet war, und als Hochmoor landwirtschaftlich nicht genutzt. Dies gilt auch für das Gebiet des späteren Ortsteils Ascherwinkel. Wann dessen Besiedlung im Zuge der weiteren Entwicklung des Dorfs Schönheide begann, ist ungeklärt. 1836 beschreibt das Neue alphabetische Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen den Ascherwinkel als „Ortstheil“ und „zu Schönheide gehörig, und bildet eine abgesonderte Häusergruppe davon“. In den Spalten Zahl der Wohngebäude und Einwohner finden sich keine Angaben. mini|zentriert|800px|Blick über den Ascherwinkel, im Hintergrund die Berge jenseits der Zwickauer Mulde mit dem Auersberg (1018,2 m ü. NN)
Weil der Ortsteil Ascherwinkel „von dem eigentlichen Complexe des enger zusammengebauten Dorfes in größerer Entfernung abgelegen und in sich selbst zerstreuter erbaut worden“ ist, wurde er von dem Verbot von Schindel-, Stroh- und Rohrdächern befreit,Gottlob Leberecht Funke: Die Polizei-Gesetze und Verordnungen des Königreiches Sachsen, mit Inbegriff der organischen und formellen Bestimmungen, V. Band, Hahn’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1856, S. 345 Digitalisat das in Sachsen für Städte und „auf dem Land“ durch „Verordnung, baupolizeiliche Maßregeln zu Abwendung von Feuersgefahr betreffend vom 11. März 1841“ eingeführt wurde.Rudolf von Trautzschen: Die Baugesetze und baupolizeilichen Bestimmungen des Königreichs Sachsen, F. A. Brockhaus, Leipzig 1859, S. 288 Digitalisat In seinem 1840 erschienenem Werk „Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande“ rechnet Albert Schiffner den Ascherwinkel zu den „abgelegenen Häusergruppen“ Schönheides.Albert Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande. Mit 192 Ansichten und 2 Karten, J. Scheible’s Buchhandlung, Stuttgart 1840, S. 305 (Link zum Digitalisat in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden), s. auch Albert Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande. Zweite, durch Nachträge berichtigte Ausgabe. Dresden 1845, S. 304 (Link zum Digitalisat) Etwa 1848 erwähnt Albert Schiffner in seinem Werk „Führer im Muldenthale“ den Ortsteil, er gehöre zu den „Häuser-Gruppen, die sich in den Nebenschluchten und auf den Höhen verstreuen“.Albert Schiffner: Der Führer im Muldenthale, von des Voigtlands Höhen bis zur Vereinigung beider Mulden. In 16 Lieferungen, enthaltend 37 Ansichten, nach der Natur aufgenommen von Gustav Täubert, lithographiert von J. Riedel, Verlag von Gustav Täubert, Dresden (o. J., 1848), S. 12 (Link zum Digitalisat in der Universitätsbibliothek Leipzig S. 12 ist nicht direkt aufrufbar, im Digitalisat bis dorthin durchblättern oder im Inhaltsverzeichnis links am Rand auf „Schönheide“ klicken.)
Die Entwicklung von Wirtschaft und des Wohnens verlief parallel zu der Entwicklung des gesamten Dorfes: von wenigen bäuerlichen Betrieben über die Manufakturen zur Industrie sowie beim Wohnen von kleinen Wohngebäuden zu Mehrfamilienhäusern mit fast städtischem Charakter. Den Mehrfamilienhäusern folgten schon in den 1930er Jahren Einfamilienhaussiedlungen, die bis ins 21. Jahrhundert durch neue Bauten ergänzt wurden. Im 21. Jahrhundert dürfte der Wohnungsbestand mehrere Hundert betragen.
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