Die Geschichte der arabischen Bevölkerung in Palästina beschreibt die Präsenz von Arabern in der historischen Region Palästina von ihrer frühesten Ansiedlung bis in die Gegenwart.
Übersicht Nach der Zerstörung des jüdischen Tempels und der Einnahme Jerusalems durch die Römer während des jüdischen Aufstandes im Jahr 70 n. Chr. zogen Beduinen erstmals nach Palästina. Als die Römer die Juden aus Jerusalem vertrieben, ließen sie auch arabische Nomaden in Palästina umherziehen. Diese glaubten zunächst an die altarabische Religion. Die Römer siedelten später auch Araber an, die in Palästina sesshaft wurden. Mit Beginn der christlichen Mission auch bei Christenverfolgungen im Römischen Reich, nahmen Araber die christliche Religion an. Mit der Konversion des römischen Kaisers Konstantin am Jahre 311 endeten die Christenverfolgungen. Das Christentum breitete sich im Römischen Reich aus. Bei der Reichsteilung von 395 fiel Palästina an das Byzantinische Reich. Ab 637 eroberten die Araber Palästina und verbreiteten den Islam. Das Gebiet kam unter arabische Herrschaft der Kalifate. Ende des 11. Jahrhunderts bis Ende des 13. Jahrhunderts herrschten zeitweise Kreuzfahrer in Palästina. Danach stand Palästina unter der Herrschaft der ägyptischen Mamluken. 1517 eroberten die Truppen des Osmanen Selim I. Palästina.
Erste Araber in Palästina zur Zeit der römischen Herrschaft Nach der Zerstörung des jüdischen Tempels durch römische Truppen unter Kaiser Titus und der Einnahme von Jerusalem gegen jüdische Aufständische 70 n. Chr. vertrieben die Römer die Juden aus Jerusalem. Der letzte jüdische Widerstand wurde in der Festung Masada in den Jahren 73/74 gebrochen. Die Juden flüchteten bis auf eine kleine Minderheit aus Palästina. Neben den dort siedelnden Griechen und Römern wanderten auch nomadische Beduinen nach Palästina ein. Die Römer duldeten sie. Sie zogen als Nomaden in Palästina umher und glaubten an die altarabische Religion mit Sonnengöttern. Nach der Umwandlung des unter römischer Tributherrschaft stehenden Staates der Nabatäer in eine römische Provinz siedelten die römischen Besatzer verschiedene Völker als Föderaten in Palästina an. Sie siedelten Araber an, die sesshaft wurden. In der Jordansenke und an der Küste war fruchtbares Land. im jüdischen Bar-Kochba-Aufstand wurden die Juden besiegt. Besonders im Osten des Römischen Reiches unter den Griechen und in Kleinasien und auch in Palästina traten viele Bewohner zum Christentum über. Die Christenverfolgungen im Römischen Reich wurden zunächst durch das Toleranzedikt des Galerius und dann abschließend mit der Mailänder Vereinbarung 313 aufgehoben. Kaiser Konstantin der Große ließ durch Erlasse die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem bauen. Jerusalem wurde eine christliche Stadt. Um das Jahr 325 wurde Palästina fast vollständig christianisiert. Nur eine kleine jüdische und samaritanische Minderheit lebte noch in Galiläa. Bei der Reichsteilung von 395 fiel Palästina an das Byzantinische Reich.Der Große Ploetz, Palästina unter römischer Herrschaft, S. 323 ff.
Araber in Palästina unter byzantinischer und persischer Herrschaft Auch unter der byzantinischen Herrschaft lebten Araber in Palästina. Sie waren überwiegend Christen. Die Christen im Byzantinischen Reich waren dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt, aus dem die orthodoxen Kirchen hervorgegangen sind. Die persischen Sassaniden eroberten 614 Palästina (Eroberung von Jerusalem (614)) mit jüdischer Unterstützung und herrschten bis 629. Dann gelang dem oströmischen Kaiser Herakleios die Rückeroberung Palästinas.
Palästina als Teil des Islamisch-Arabischen Reiches Die islamische Expansion drang 637 in die Levante vor. Das byzantinische Jerusalem gelangte nach einer mehrmonatigen Belagerung in den Besitz von Kalif Omar. Die Stadt wurde al-Quds (das Heiligtum) genannt und nach Mekka und Medina das drittheiligste Zentrum des Islam. Es wanderten vermehrt Araber ein. Der Islam breitete sich aus. Eine kleine jüdische Minderheit blieb in Palästina. Nach dem Tod des Kalifen Alis 661 regierte die Umayyaden-Dynastie 661–750 in Damaskus. Unter dem Umayyadenkalif Abd al-Malik wurde im Jahre 691 der Felsendom auf dem Tempelplatz in Jerusalem, eines der glänzendsten Bauwerke der islamischen Architektur gebaut. Sein Sohn und Nachfolger Walid ibn al-Marwan errichtete 710 die al-Aqsa-Moschee. Jerusalem wurde zur Hauptstadt der Provinz Filastin (Palästina). Seit diesem Zeitpunkt traten die in Palästina lebenden arabischen Stämme vermehrt zum Islam über. Sie gehörten überwiegend den Sunniten an. Ein Teil der Araber blieb christlich. Die arabische Sprache verdrängte allmählich das Aramäische. Im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts entwickelten sich die Madhhab, die vier orthodoxen Rechtsschulen des Islam. Kunst und Wissenschaften gelangten zur Blüte, Platon und Aristoteles wurden in die arabische Sprache übertragen und es entstanden die ersten Werke arabischer Philosophen, wie al-Kindī, in intensiver Auseinandersetzung mit der griechischen Tradition. Die Araber betrieben Handel. Die schiitische Abbasiden-Dynastie regierte als Kalifat 750–1258. Sie verlegten 762 die Residenz nach Bagdad. Es entstand eine zentrale Regierung mit einem prächtigen Hofstaat und einem gut ausgebauten Verwaltungsapparat. Die persische Literatur fand mittels Übersetzung Eingang in das islamische Denken und bereicherte es nachhaltig. Das Kalifat regelte in Schutzverträgen (Dhimma) das friedliche Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden, den Schriftbesitzern. Die Dhimma garantierte Christen und Juden Bewegungsfreiheit, die Freiheit der Berufswahl und den freien Handel. Die Unverletzlichkeit des Kultes und der Kultstätten und der kirchlichen Organisation wurde ebenfalls geregelt. Die wehrfähigen christlichen und jüdischen Männer musste im Gegenzug eine Kopfsteuer (Gizya) entrichten, die der muslimischen Gemeinde als Entschädigung für den gewährten Schutz zukam. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann die Macht der Abbasiden zu bröckeln. Lokale Dynastien entstanden unter anderem auch in Ägypten und Syrien. Sie waren unabhängig und erkannten das Kalifat von Bagdad als geistliches Oberhaupt an. In Bagdad rissen die Buyiden 945 die weltliche Macht an sich und die Buyiden-Dynastie regierte bis 1055 als Emirat. Die Kalifen hatten nur noch die geistliche Macht. Das Abbasidenkalifat musste sich 1055 unter den Schutz der islamischen turkstämmigen Seldschuken unter der Führung von Sultan Tughrul Beg stellen. Das Byzantinische Reich erweiterte seinen Herrschaftsbereich und bedrohte die nördlichen Gebiete des islamischen Reiches. In der Schlacht bei Manzikert 1071 besiegte der seldschukische Sultan Alp Arslan den byzantinischen Kaiser Romanos IV. und nahm weite Teile Kleinasiens, und auch Palästina mit Jerusalem ein.Der Große Ploetz, Die Entstehung des Islam (um 570 – 661), S. 657 ff.Der Große Ploetz, Das Kalifenreich (661 – 1258), S. 659 ff.
Palästina unter den Kreuzfahrern (1095–1291) Der byzantinische Kaiser Alexios Komnenos rief den Papst nach dem Vordringen der sunnitisch-islamischen Seldschuken zur Hilfe. Daraufhin rief Papst Urban II. 1095 die Christen in einen Kreuzzugaufruf zum Krieg gegen die Seldschuken auf. Es wurde ein Kreuzzugheer aus verschiedenen europäischen Länder aufgestellt. Der Erste Kreuzzug fand 1096–1099 statt. In den Jahren 1098–1099 drangen vier große Kreuzfahrerheere nach Palästina vor, während das Abbasidenreich im Innern zersplitterte. Nach einer über einmonatigen Belagerung nahm das Kreuzfahrerheer im Juli 1099 Jerusalem ein. Die Kreuzritter plünderten die Stadt und ermordeten Tausende von muslimischen Gläubigen in der al-Aqsa-Moschee. Gottfried von Bouillon gründete das Königreich Jerusalem als christlichen Lehensstaat nach französischem Vorbild. Nach seinem Tod im folgenden Jahr wurde sein Bruder Balduin I. von Bouillon zum König von Jerusalem gekrönt. Mit den Kreuzfahrern gelangten Stoffe und Gewürze und von den Arabern übernommene Waffentechniken und neue Bauweisen nach Europa. Die brutale Behandlung der einheimischen Bevölkerung in Palästina bei der Eroberung führte zu tiefen Gräben zwischen den Muslimen, der jüdischen Minderheit und den europäischen Kreuzfahrern, die von arabischer Seite als Franken bezeichnet wurden. Ein fruchtbarer Kulturaustausch fand nicht statt. Zahlreiche Araber wurden christianisiert. Einige Kreuzritterburgen sind bis heute erhalten.
1175 gelang Saladin die Einigung der zerstrittenen arabischen Fürstentümer. Er herrschte in Ägypten und Syrien und eroberte innerhalb kürzester Zeit die bedeutenden palästinensischen Küstenstädte zurück. Saladin, Sieger gegen die Kreuzritter in der Schlacht bei Hattin 1187, vernichtete das Königreich Jerusalem. Daraufhin rief der Papst zum Dritten Kreuzzug auf (1189–1192). Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich I., der englische König Richard Löwenherz und der französische König Philipp II. August nahmen daran teil. Nach dreijähriger Belagerung wurde Akkon 1191 dem Kreuzritterheer übergeben. 1192 schlossen die Kreuzfahrer einen Waffenstillstand mit Saladin. Jerusalem wurde von den Arabern gehalten. Nur friedlichen Pilgern wurde die Reise nach Jerusalem gestattet. Im Kreuzzug Friedrichs II. 1228–1229 gelang dem Kreuzfahrerheer unter dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. die Einnahme Jerusalems. Am 18. Februar 1229 erhielt Kaiser Friedrich II. durch Vertrag mit dem ägyptischen Sultan al-Malik al-Kamil Jerusalem mit Bethlehem und Nazareth zugesprochen. Die Kreuzritter unterdrückten die Juden. 1244 ging Jerusalem für die Kreuzfahrer endgültig verloren. Die ägyptischen Mameluken konnten nach der Belagerung von Akkon (1291) die letzten Stützpunkte der Kreuzfahrer in Palästina einnehmen. Die anderen Stützpunkte in Syrien wurden von den Kreuzrittern geräumt. Damit kam ganz Palästina wie auch Syrien unter die ägyptische Herrschaft der Mameluken.Der Große Ploetz, Die Kreuzzüge (1095 – 1291), S. 423 ff.
Palästina unter ägyptischer Herrschaft Mit dem verheerenden Einfall der Mongolen und ihrer Eroberung von Bagdad wurde das kulturelle und politische Zentrum des abbasidischen Reiches zerstört. Die Mongolen beseitigten das Kalifat von Bagdad und die letzte große arabische Dynastie war damit erloschen. Die stärkste Macht im islamischen Raum wurde das türkische Reich der Osmanen. Palästina, Syrien und Jordanien kamen unter die Herrschaft der ägyptischen Mamluken. Die Araber in Palästina gehörten überwiegend dem sunnitischen Islam an, eine Minderheit dem hauptsächlich orthodoxen Christentum.Der Große Ploetz, Die Mamluken, S. 668f
Die osmanische Herrschaft 16. Jahrhundert 1517 begann unter Selim I. die Osmanenherrschaft in Ägypten, unter Einschluss von Syrien und Palästina. Das osmanische Sultanat führte das im Osmanischen Reich geltende Bodenrecht ein, welches zwischen Privatbesitz, Land in den Händen religiöser Stiftungen und verstaatlichtem Grundbesitz unterschied, der den größten Anteil des Bodens ausmachte. Zunächst verbesserte sich die Situation der Bauern. Im zentralistischen Verwaltungs- und Steuersystem war die Bevölkerung durch die genaue Festlegung der Abgabepflichten von übermäßigen Steuerlasten befreit. Die Agrarwirtschaft und der Handel erlebten einen Aufschwung. Gemäß dem islamischen Recht wurde Christen und Juden ein geschützter Minderheitenstatus zuerkannt. Die gesamte Bevölkerung hatte Zugang zu Beschwerdegerichten. Die Berge um Jerusalem und Nablus, Galiläa sowie Gaza waren zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert die Bevölkerungszentren in Palästina. Handwerk, Landwirtschaft und Fischerei wurden betrieben. Die Textil- und Agrarprodukte wurden von den großen Handelszentren Gaza, Jaffa, Akko, Jerusalem, Nablus und Beersheba nach Europa und Asien transportiert. Private Stiftungen finanzierten durch die Zakāt Schulen, Krankenhäuser und karitative Einrichtungen.
17. und 18. Jahrhundert