Andreas Hildebrandt (* zwischen 1681 und 1691 in Danzig; † 1762 ebenda) war ein Danziger Orgelbauer des Barock.

Leben Andreas Hildebrandt wurde vermutlich als Sohn des Kaufmanns Andreas und seiner Frau Adelgunde Hildebrandt geb. Konath in Danzig geboren. Hier erwarb der Vater 1676 das Bürgerrecht, das ihn zur Heirat verpflichtete. Nach mehreren Geldbußen folgte die Heirat am 13. April 1681. Die Witwe heiratete 1691 ein weiteres Mal. Der Orgelbauer Andreas Hildebrandt heiratete am 13. April 1710 die Witwe Maria Elisabeth Reiß geb. Falckenberg († 1739). Für sie war es bereits die dritte Ehe, in die sie mindestens zwei Stiefsöhne brachte.Michalak: Andreas Hildebrandt. 2012, S. 195–196. Sie war bis 1707 mit dem Orgelbauer Tobias Lehmann und bis 1709 mit Matthias Reiß verheiratet. Familie Hildebrandt wohnte in der Danziger Breitgasse und gehörte zur reformierten Kirche St. Elisabeth. Gemeinsame Arbeiten mit Hildebrandts Stiefsohn Gottfried Matthias Reiß sind für die Jahre 1734 bis 1736 nachgewiesen.Renkewitz, Janca, Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 2. 2008, S. 752–753. Am 25. März 1711 wurde der Sohn Andreas Gottlieb in der evangelisch-reformierten Kirche St. Peter und Paul getauft. Er erlernte den Beruf des Zinngießers und heiratete 1740 die wohlhabende Witwe Philippine de la Port geb. Gern (1701–1781). Andreas Hildebrandt heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau Ende der 1730er Jahre Adelgunde geb. Braschke, verw. Anthony (1720–1795), die Tochter eines Zinngießers. Aus der Ehe gingen 1740 eine Tochter und 1743 die Tochter Maria Elisabeth hervor, die beide nicht lange lebten.Michalak: Andreas Hildebrandt. 2012, S. 203. Nach dem Tod Hildebrandts übernahm sein Meisterschüler Friedrich Rudolf Dalitz die Werkstatt.

Werk Im Zeitraum von 1709 bis 1755 sind fast 50 Orgelarbeiten Hildebrandts bezeugt, darunter mindestens 19 Orgelneubauten. Von seinen Orgeln sind die drei in Praust/Pruszcz (heute Pruszcz Gdański), Hirschfeld (heute Jelonki) und Preußisch Holland (heute Pasłęk) erhaltenen, von drei weiteren Orgeln nur Teile. Die Orgel in Pasłęk wurde auf den ursprünglichen Zustand rekonstruiert und ist die größte Orgel des 18. Jahrhunderts im heutigen Nordpolen.

Die Orgeln aus Hildebrandts Frühzeit ähneln denen der Spätzeit Arp Schnitgers. Bisher wurden noch keine Beziehungen zwischen den Werkstätten nachgewiesen, doch vollendete Hildebrandt nach dem Tod des Schnitger-Schülers Johann Balthasar Held im Jahr 1709 dessen Orgel in Köslin (heute Koszalin). Hildebrandts Orgeln zeichnen sich durch eine hohe handwerkliche Qualität, durchdachte Dispositionen und eine repräsentative Prospektgestaltung aus.Andreas Hildebrandt aus Danzig, abgerufen am 20. September 2017.

Christoph Heinrich Obuch beendete seine Orgelbaulehre bei Hildebrandt im Jahr 1733. Ein anderer Schüler war Friedrich Rudolf Dalitz, der Hildebrandts Nachfolger wurde.Renkewitz, Janca, Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 2. 2008, S. 218. Hildebrandt stand zeitweise in Konkurrenz zu Johann Josua Mosengel, mit dem er in Hinblick auf den Orgelneubau in Pasłęk einen Rechtsstreit führte, da dieser ein Orgelprivileg besaß.

Werkliste Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen 1709 Koszalin (Köslin) Marienkirche Vollendung des Umbaus von Johann Balthasar Held (1708–1709) 1710 Danzig St.-Anna-Kapelle der Dreifaltigkeitskirche zentriert|160x160px I 13 Orgelneubau, Gehäuse erhaltenOrgel in Danzig, St.-Trinitatis-Kirche, abgerufen am 9. Dezember 2019. 1711 Elbląg (Elbing) Marienkirche Reparatur der Orgel von Johann Werner (1643) 1712 Danzig Marienkirche Reparatur der Orgel über der Reinholdskapelle 1713 Przezmark (Elbląg) (Preußisch Mark) Orgelneubau (Zuschreibung) 1715 Frombork (Frauenburg) Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas zentriert|160x160px Reparatur der Orgel von Daniel Nitrowski Orgel (1683–1685) (Zuschreibung) 1717–1719 Pasłęk (Preußisch Holland) St. Bartholomäus zentriert|160x160px II/P 36 Orgelneubau, erhalten und restauriertOrgel in Pasłęk, abgerufen am 21. September 2017. → Orgel 1720–1722 Danzig Johanneskirche Reparatur der Orgel von Merten Friese (1625–1629) 1722 Skowrony (Schmauch) Aufstellung des Positivs der Vorgängerorgel von Pasłęk, St. Bartholomäus, das Gehäuse ist erhalten. um 1725 Jelonki (Hirschfeld) Heiliges Herz 160x160px I 11 Orgelneubau; erhalten 1728 Pruszcz Gdański (Praust) Heilig Kreuz 160x160px I/P 21 Orgelneubau; erhalten 1729 Koszwały (Gottswalde) Orgelneubau 1724–1733 Danzig Brigittenkirche Erweiterungsumbau der Orgel aus der Werkstatt von Daniel Nitrowski 1734–1735 Danzig Marienkirche Reparatur der beiden Orgeln 1735–1736 Danzig St. Elisabeth II/P 31 Orgelneubau für Hildebrandts Heimatkirche 1737–1738 Danzig St. Salvator II/P 25 Orgelneubau 1738 Danzig Katharinenkirche Klaviatur fürs Glockenspiel 1738–1739 Wocławy (Wotzlaff) I/P 22 Orgelneubau 1741 Święty Wojciech (Danzig) 160x160px Orgelneubau 1743 Bogatka (Reichenberg) I/P 15 Orgelneubau 1744 Steblewo (Stüblau) Reparatur und Erweiterung der Orgel (1684) 1744–1746 Danzig Johanneskirche Erweiterung der Hauptorgel um zwei Basstürme 1746–1747 Danzig St. Barbara II/P Orgelneubau 1749 Danzig Lazarettkirche I/P Orgelneubau 1750 Koźliny (Güttland) Orgelneubau 1752 Hel (Hela) Ev. Kirche (heute Fischereimuseum) 1753–1754 Rokitnica (Pruszcz Gdański) (Müggenhahl) I/P 21 Orgelneubau

Literatur Jan Janca, Werner Renkewitz: Andreas Hildebrandt, ein Danziger Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. In: Musik des Ostens. Bd. 9, 1983, S. 123–145.

Jerzy Marian Michalak: Andreas Hildebrandt – Unbekannte Einzelheiten zur Biographie eines bekannten Orgelmeisters und seiner Familie. In: Aufsätze zur Musik- und Theatergeschichte Danzigs vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (= Greifswalder Beiträge zur Musikwissenschaft. Bd. 18). Frank & Timme, Berlin 2012, ISBN 978-3-86596-418-2, S. 193–210 ().

Einzelnachweise

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