Der Hurrikan Maria war ein äußerst kraftvoller tropischer Wirbelsturm, der zunächst direkt über Dominica hinweggezogen war und dann auf weiteren Inseln der nördlichen Kleinen Antillen, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik schwere Schäden verursachte. Eine Studie kam zum Schluss, durch den Sturm und dessen Folgen allein auf Puerto Rico etwa 3.000 Menschen zu Tode kamen. Somit war Hurrikan Maria eine der tödlichsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die ursprünglich veröffentlichten Zahlen der Behörden lagen weit darunter, da sie sich nur auf die unmittelbar verstorbenen Menschen bezogen.
Der dreizehnte tropische Sturm, siebte Hurrikan und vierte schwere Hurrikan der atlantischen Hurrikansaison 2017 bildete sich am 16. September aus einer tropischen Welle. Maria war der dritte schwere Hurrikan in Folge, der innerhalb von zwei Wochen die nördlichen Kleinen Antillen durch direkte Treffer oder zumindest schwere Auswirkungen beeinträchtigt hat, nach dem katastrophale Schäden verursachenden Hurrikan Irma und dem Hurrikan Jose, der als Hurrikan der Kategorie 4 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala gefährlich nahe vorbeigezogen war. Die Spitzenwindgeschwindigkeiten verdoppelten sich innerhalb von 24 Stunden von 130 km/h auf 260 km/h, während in dem Zeitraum der zentrale minimale Luftdruck von 982 mbar auf 925 mbar fiel, und am 18. September um 23:30 Uhr UTC intensivierte sich Maria in die Kategorie 5, womit die Saison 2017 die erste seit der atlantischen Hurrikansaison 2007 ist, in der zwei Kategorie-5-Hurrikane beobachtet wurden. Diese Saison ist eine von bisher nur sechs im atlantischen Becken, in denen zwei oder mehr Kategorie-5-Hurrikane beobachtet wurden. Außerdem handelt es sich erst um die zweite Hurrikansaison seit Beginn verlässlicher Wetteraufzeichnungen, in der zwei Hurrikane tatsächlich in der Kategorie 5 auf Land getroffen sind.
Meteorologische Geschichte mini|links|Zugbahn von Hurrikan Maria Das National Hurricane Center (NHC) begann am 13. September mit der Beobachtung von zwei tropischen Wellen. Die östlichere davon entwickelte sich rasch in das System, aus dem schließlich Hurrikan Lee entstand, während die westlichere in einer allgemein westlichen Richtung über den tropischen Atlantik zog. Die Bedingungen in der Zugbahn der Störung waren allgemein günstig, und die Entwicklung in ein tropisches Wirbelsturmsystem schien wahrscheinlich. Während der beiden Folgetage organisierte sich die Störung besser, und am 16. September um 15:00 Uhr UTC hatte die Organisierung so weit zugenommen, dass das System als eingestuft wurde. Ein nördlich der Störung liegender subtropischer Hochdruckrücken lenkte diese in generell westnordwestlicher Richtung in eine für die weitere Entwicklung sehr günstige Umgebung. Wasseroberflächentemperaturen von 29 °C, eine geringe Windscherung und reichlich feuchte Luft waren die Grundlage dazu, dass sich das System noch vor Erreichen der Kleinen Antillen zu einem Hurrikan intensivieren konnte. Im Tagesverlauf nahm die Organisierung weiter zu, sodass das System aufgrund von Satellitendaten um 21:00 Uhr UTC zu einem mäßig starken tropischen Sturm hochgestuft wurde und den Namen Maria erhielt.
Eine dichte Zirruswolkendecke (Central dense overcast, CDO) sowie eine vorteilhafte Ausströmung bildeten sich über dem Zirkulationszentrum, was in den Morgenstunden des 17. September die Entwicklung von Maria weiter begünstigte. Nachdem kurzzeitig trockene Luft in das System eindrang und die Zirkulation freistellte, brach über dem Zentrum Konvektion aus und die Intensivierung setzte sich fort. Im Tagesverlauf wurde der Sturm aufgrund von Berichten der Hurricane Hunters, die ihn untersuchten und Oberflächenwinde von 119 km/h sowie ein sich bildendes Auge vorfanden, am 17. September um 21:00 Uhr UTC zum Hurrikan aufgestuft. Die Ausbreitung der Wolkendecke und die zunehmend vollständige Augenwand signalisierten während der Nacht vom 17. zum 18. September eine stetige Intensivierung.
Früh am 18. September war innerhalb des Kerns eine beachtliche Gewittertätigkeit erkennbar, und die statistischen Modelle deuteten an, dass eine rapide Intensivierung bevorstand. Tatsächlich kam es schon kurz darauf zu einer explosiven Intensivierung, und bei einem Aufklärungsflug wurden Oberflächenwinde von 193 km/h und ein zentraler Luftdruck von 959 mbar festgestellt, was Maria zu einem schweren Hurrikan in der Kategorie 3 auf der Saffir–Simpson-Hurrikan-Windskala machte. Zusätzlich ergaben Radardaten ein gut definiertes Auge mit einem Durchmesser von 19 km. Das Auge zog sich zwischenzeitlich leicht auf einen Durchmesser von 15 km zusammen, als sich die Intensivierung fortsetzte und das System um 21:00 Uhr UTC die Kategorie 4 erreichte.
Die rapide Intensivierung erreichte spät am 18. September ihren Höhepunkt, als sich Maria nur 25 km ostsüdöstlich von Dominica zum Kategorie-5-Hurrikan intensivierte. Am 19. September um 01:15 Uhr UTC traf zum ersten Mal das Auge eines Hurrikans der Kategorie 5 auf die Küste der Insel Dominica. Die Interaktion mit dem Land führte dazu, dass sich Maria leicht in einen Hurrikan am oberen Ende der Kategorie 4 abschwächte, doch kurz nachdem das Auge wieder über Wasser war, erlangte Maria erneut den Status eines Kategorie-5-Hurrikans. Trotz der Bildung konzentrischer Augenwände – die größere mit einem Durchmesser von 40 bis 55 km und die kleinere mit dem Durchmesser 8 km (was auf den Beginn einer zyklischen Eyewall-Neubildung hindeutete) – blieb der innere Kern während des Nachmittags unbeeinträchtigt. Maria erreichte am 20. September gegen 03:00 Uhr UTC die Spitzenintensität, etwa 45 km südlich von Saint Croix, mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 280 km/h und einem zentralen Luftdruck von 908 mbar; der Luftdruck ist der zehntniedrigste eines tropischen Wirbelsturms im atlantischen Becken seit Beginn zuverlässiger Aufzeichnungen.
mini|270px|Infrarotaufnahmenschleife des Hurrikans bei der Passage von St. Croix und Vieques sowie das Auftreffen des Auges auf Puerto Rico am 20. September Der Hurrikan erreicht am 20. September gegen 05:00 Uhr UTC seine nächste Annäherung an St. Croix; er zog innerhalb von 30 km Entfernung an der Insel vorbei, und die äußere Augenwand des Hurrikans streifte die Insel, während die stärksten Winde vor der Küste blieben. Stunden später, gegen 08:00 Uhr UTC, traf die äußere Augenwand auf die Insel Vieques östlich von Puerto Rico. Zu diesem Zeitpunkt begann die äußere Augenwand zu dominieren und die innere Augenwand verblasste, und infolge der Eyewallerneuerung schwächte sich Maria in die Kategorie 4 ab. Gegen 10:15 Uhr UTC überquerte das Zentrum Marias direkt südlich von Yabucoa die Küste Puerto Ricos mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 250 km/h; damit war Maria der stärkste Hurrikan, der seit San Felipe Segundo im Jahr 1928 in Puerto Rico. Über Puerto Rico behielt Maria den grob westnordwestlichen Kurs bei und gelangte kurz vor 18:00 Uhr UTC das Wasser des offenen Atlantiks. Aufgrund der bergigen Topographie auf der Insel hatte Maria über Puerto Rico deutlich an Kraft verloren, und die andauernden Windgeschwindigkeiten gingen auf 175 km/h zurück, während der Kerndruck auf 957 mbar gestiegen war. Aufgrund der weiterhin günstigen Umgebungsbedingungen reorganisierte Maria sich stetig. Als der Hurrikan sich von Puerto Rico entfernte, bildete sich ein großes Auge mit einem Durchmesser von 75 km, um das die tiefe Konvektion aufblühte. Früh am 21. September erreicht das System erneut die Kategorie 3.
Die durch Hurrikan Irma aufgewirbelte Wasseroberfläche limitierte zunächst Marias Reorganisation. Am Nachmittag des 21. September überquerte das System die Navidad und Silver Banks nördlich der Dominikanischen Republik. Shoaling aufgrund der geringen Wassertiefen störte die Messung der bodennahen Windgeschwindigkeiten. Die Konvektion um das Auge vertiefte sich, und das Auge definierte sich in der Nacht besser, und der Hurrikan erreichte mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 205 km/h einen tertiären Höhepunkt.
Eine zusätzliche Zunahme der südwestlichen Windscherung führte zur allmählichen Abschwächung des Hurrikans mit Rückgang der Bandstrukturen und später der Degradierung des Auges. Spät am 22. September drehte der Hurrikan auf die erwartete nordnordwestliche Zugrichtung ein, weil er den westlichen Rand des Rückens erreicht hatte, der zuvor den Weg nach Norden blockiert und den Hurrikan deswegen westwärts gesteuert hatte. Marias Grad der Organisierung nahm bis zum 23. September abwechselnd ab und zu, und das Auge füllte sich mit Wolken und klärte sich wieder auf; in dieser Phase verblieb Maria in der Kategorie 3. Trotz eines sinkenden zentralen Luftdrucks schwächte sich der Hurrikan früh am 24. September in die Kategorie 2 ab. Die Hurricane Hunters beobachteten auf Flughöhe Windgeschwindigkeiten von 187 bis 217 km/h; die vom Stepped-Frequency Microwave Radiometer der NASA ermittelten Windgeschwindigkeiten erreichten jedoch nur 150 km/h. Zu diesem Zeitpunkt schwenkte Marias Zugrichtung nach Norden dem bereitserwähnten Rücken und einem Cut-off Low über dem östlichen Golf von Mexiko.
Die weitere Zugbahn bis zum 27. September verlief östlich der Bahamas und östlich der Ostküste der USA in Richtung Norden. Dabei schwächte sich Maria zum tropischen Sturm ab.
Die Reste des Hurrikans erreichten am 3. Oktober 2017 auch die Alpen, in Form einer schwachen Kaltfront auch Österreich, dort speziell den Norden des Landes.Überreste von Hurrikan „Maria“ erreichen am Dienstag Österreich, MSN, 3. Oktober 2017
Vorbereitungen Nachdem das National Hurricane Center am 16. September begonnen hat, Warnungen zu dem System auszugeben, das sich zum Tropischen Sturm Maria entwickeln würde, verhängte die Regierung von Frankreich Sturmvorwarnungen für Martinique und Guadeloupe; ähnlich verfuhren die Regierungen von St. Lucia für ihre Bürger und Barbados für die Bewohner von Dominica. Barbados erweiterte die Vorwarnungen später für die Bewohner von Barbados und Saint Vincent und die Grenadinen. Die Regierung von Antigua und Barbuda gab Hurrikanvorwarnungen für die Inseln Antigua, Barbuda, St. Kitts, Nevis und Montserrat aus, als das NHC Maria zum tropischen Sturm erklärte. Für Puerto Rico ordnete die Regierung Evakuierungen an und gab die Öffnung von 450 Notunterkünften ab dem 18. September bekannt. Neben einer Sturmwarnung wurde auch eine Hochwasserwarnung für Flüsse wie den Rio de la Plata ausgesprochen, die Pegel stiegen sprunghaft an.Hurricane Maria, category-5 makes landfall on Puerto Rico (englisch), Theguardian.com, 20. September 2017, abgerufen am 20. September 2017
Auswirkungen +Personen und Sachschäden nach Territorium Territorium Tote Schäden(2017 USD) Ref. Dominica 65 931 Mio. Guadeloupe (Frankreich) 2 120 Mio. Martinique (Frankreich) 0 n/a Saint Kitts and Nevis 0 13 Mio. Amerikanische Jungferninseln (USA) 2 13 Mio. Puerto Rico (USA) 2.975 95 Mrd. Dominikanische Republik 5 63 Mio. Haiti 3 n/a US-Ostküste 4 n/a gesamt: > 3.000 >96,1 Mrd.
Südliche Inseln über dem Winde Die äußeren Regenbänder von Maria erzeugten auf den südlichen Inseln über dem Winde heftigen Regen und starke Windböen. Die Flughäfen Hewanorra und George F. L. Charles auf St. Lucia zeichneten 110 mm bzw. 80 mm Niederschlag auf; an anderen Stellen auf den Inseln fielen noch höhere Regenmengen. Vereinzelte Murenabgänge, Erdrutsche und entwurzelte Bäume verursachten leichtere Schäden und blockierten einige Straßen. In einigen Bezirken kam es durch heruntergerissene oder beschädigte Stromleitungen zu Stromausfällen. Die Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Bananen, war von Ernteausfällen betroffen.
Regenmengen zwischen 75 und 125 mm verursachten auf Barbados vereinzelt Hochwasser; einigenorts waren die Straßen überflutet. Starker Wind verursachte einen inselweiten Stromausfall.
Martinique