mini|Führerstandsfront

Talent 3 (Eigenschreibweise TALENT 3) ist eine Familie von Triebzügen, welche durch den Hersteller Bombardier Transportation entwickelt wurde. Dieser wurde 2021 von Alstom übernommen, welcher die Fahrzeugplattform an Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) abgegeben hat. Die bereits für die ÖBB produzierten und von dieser nicht abgenommenen Garnituren bleiben allerdings im Eigentum von Alstom. Die erste Generation (Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen) wurde seit 1996 von der Aachener Waggonfabrik Talbot und danach von Bombardier Transportation gebaut (von Talent 2 abgelöst). Die Triebzüge der Bauart Talent 3 sind im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Talent 2 keine Neuentwicklung, sondern eine Weiterentwicklung dieser, welchen die Talent 3 optisch ähneln. Im Gegensatz zur zweiten Generation entsprechen die Talent 3 nicht nur den deutschen, sondern auch europäischen Normen.

Technik Die Talent 3 sind elektrische Triebzüge, welche neben der Stromzufuhr über Oberleitung für den Betrieb auf nichtelektrifizierten Strecken auch mit Akkumulatoren und Brennstoffzellen ausgerüstet werden können. Die Einheiten können sowohl als S-Bahn-, Regionalverkehrs- oder Fernverkehrszüge geliefert werden, dabei sind unterschiedliche Wagenlängen und Türanordnungen möglich. Zudem sind Höchstgeschwindigkeiten von 160 oder 200 km/h wählbar. Die Züge sind für alle vier europäischen Stromsysteme von 1,5 und 3 kV Gleich- sowie 15 kV, 16,7 Hz und 25 kV, 50 Hz Wechselspannung und als Mehrsystemtriebzüge lieferbar. Die Fußbodenhöhe kann an verschiedene Bahnsteighöhen (550, 760 und 960 mm) angepasst werden. Die Triebzüge können mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS ausgerüstet werden, sie entsprechen den TSI- und europäischen Normen.

Wie bei den vorigen beiden Generation haben die Wagenkästen nach außen gewölbte Seitenwände und damit einen ovalen Querschnitt. Die sechsteilige, 104,5 m lange Version dieser Elektrotriebzüge bietet rund 300 Sitzplätze und bis zu 42 Fahrradstellplätze (deren Anzahl in der kalten Jahreszeit mit geringem Umbauaufwand bspw. zugunsten von Skihalterungen reduziert werden kann). Sie erreicht eine Beschleunigung von bis zu 0,98 m/s² und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zugelassen.

Fertigung Die Fertigstellung der Züge erfolgte bis 2022 im Werk Hennigsdorf von Bombardier Transportation, das 2021 von Alstom übernommen wurde. Von 450 Arbeitskräften, die dort 2020 in der Produktion tätig waren, arbeiteten knapp 200 in der Talent-3-Fertigung. Dort wurde die Innenausstattung und technische Ausrüstung in die Wagenkästen eingebaut. Die rohen Wagenkästen wurden, wie schon beim Talent 2, vollständig im Zweig-Werk Česká Lípa in Tschechien gefertigt. Um die Genehmigung der Kartellbehörden bei der 2021 vollzogenen Fusion der Transportsparte von Bombardier mit dem Wettbewerber Alstom zu erhalten, mussten Bombardier bzw. Alstom u.a. „die Talent-3-Plattform und die damit verbundenen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf“ veräußern.

Im November 2021 wurde der beabsichtigte Verkauf der Produktplattform Talent3 an den spanischen Hersteller Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) angekündigt.CAF übernimmt von Alstom die Coradia-Polyvalent-Plattform, das Werk Reichshoffen und die Talent-3-Plattform Pressemitteilung von CAF und Alstom, 24. November 2021. Nachdem die Europäische Kommission dem Verkauf an CAF zugestimmt hatte, wurde der Verkauf zum 1. August 2022 vollzogen. CAF erwarb nur die Rechte an Design und geistigem Eigentum sowie die zugehörige Informationstechnik. Physische Vermögenswerte, wie beispielsweise Werkshallen in Hennigsdorf, wurden nicht veräußert. Es wurde erwartet, dass rund 25 Ingenieure aus der Entwicklung auf freiwilliger Basis zu CAF wechseln würden. Die letzten Talent-3-Aufträge von Bombardier werden von Alstom im ebenfalls übernommenen Werk in Bautzen ausgeführt.

Bestellung der ÖBB und Vermietung mini|Ein ÖBB-Talent 3 auf Probefahrt im Bahnhof Bludenz

Bei einer Ausschreibung der ÖBB über einen Rahmenvertrag von 300 elektrischen Triebwagen konnte sich Bombardier Transportation mit dem Talent 3 gegen den Stadler Flirt und den Siemens Mireo durchsetzen. Der Rahmenvertrag, welcher im Dezember 2016 geschlossen wurde, hätte bei Abruf aller Einheiten einen Wert von 1,8 Mrd. Euro. Da sich die Zulassung der Talent 3 verzögerte, platzte jedoch der Vertrag. Da aber schon 46 Garnituren abgerufen und Bombardier Transportation schon im Lieferverzug war, erfolgte ersatzweise eine Beschaffung von 46 Siemens Desiro ML (allerdings 4-teilig). Anschließend kam es zu einer Neuausschreibung für einen Rahmenvertrag für bis zu 540 Triebwagen,kurier.at die Siemens mit dem Mireo gewann.

Die nicht abgenommenen Fahrzeuge waren im August 2023 im Fährhafen Mukran auf Rügen abgestellt.

Vorarlberg mini|Nicht von den ÖBB abgenommene Talent 3 abgestellt am Fährhafen Mukran (August 2023)

Im Zuge der Unterzeichnung des Rahmenvertrags erfolgte der erste Abruf von 21 sechsteiligen Triebzügen für die S-Bahn Vorarlberg, welche als Baureihe 4758 bezeichnet werden. Das Auftragsvolumen betrug etwa 150 Millionen Euro. Diese Züge sollten die Kapazität in Vorarlberg erhöhen, um den stetigen Fahrgastzuwachs bewältigen zu können.

Die für April 2019 geplante Einführung musste aufgrund von Verzögerungen bei der Zulassung mehrmals verschoben werden. Im Juli 2019 wurde in Dornbirn eine erste Einheit vorgestellt und im Oktober 2019 berichtet, dass die 21 Triebfahrzeuggarnituren fertig gestellt seien und, sofern deren Betriebssoftware zugelassen wird, ab Anfang April 2020 Zug um Zug auf Schiene kommen sollen. Im November 2019 nannte Bombardier als geplanten Einsatzbeginn das erste Quartal 2020. Nachdem dieser Termin nicht eingehalten werden konnte, gaben die ÖBB im Juni 2020 bekannt, dass mit einer zeitnahen Zulassung gerechnet wird, und kündigten den Einsatz von aufgefrischten Talent 1 als Übergangslösung an. ÖBB Pressemitteilung, 5. Juni 2020.

Nachdem eine bis Ende Februar 2021 befristete Genehmigung vorlag, nahmen die ÖBB im November 2020 den Probebetrieb mit Fahrgästen auf. Da Bombardier für diesen Probebetrieb nur eine einzige Garnitur zur Verfügung stellen konnte und sich weitere Verzögerungen im Zulassungsverfahren ankündigten, entschieden sich die ÖBB, den Auftrag neu auszuschreiben, auch wenn dies vorerst nur ein „Plan B“ sei.Warten auf „Talente“: ÖBB schreiben Züge aus, ORF Vorarlberg, 11. Dezember 2020. Seit dem 18. Dezember 2020 befand sich eine zweite Garnitur im Probebetrieb. Ende Jänner 2021 forderte der ÖBB-Chef von Bombardier Millionen Euro an Schadenersatz. Der Probebetrieb endete fristgemäß, ohne die angestrebte Erteilung einer Zulassung, am 28. Februar 2021. Im Mai 2021 gab der für den öffentlichen Nahverkehr zuständige Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch bekannt, die Beschaffung von Talent 3 für die S-Bahn Vorarlberg endgültig zu stoppen und verkündete im August 2021, dass die ÖBB statt der ursprünglich für Vorarlberg vorgesehenen 21 Talent 3 nun die gleiche Stückzahl vierteilige Desiro-ML-Garnituren bei Siemens bestellten.

Tirol mini|Talent 3 mit Inventarnummer 4758 025-2 abgestellt im Bahnhof Bautzen Packhofstraße (Oktober 2023)

Im Juni 2018 bestellten die ÖBB 25 weitere Talent 3 in der Langversion für den Einsatz in Tirol und Südtirol mit 316 Sitzplätzen. Laut ÖBB sollten die Talent 3 ab August 2020 fahrplanmäßig in Tirol verkehren. Für den Betrieb auf der zukünftig umsteigefrei bedienten Relation Innsbruck Hauptbahnhof – Brenner – Bozen – Meran – Mals sollten sechs Einheiten für 15 kV bei 16,7 Hz sowie 25 kV bei 50 Hz Wechsel- und 3 kV Gleichspannung ausgerüstet werden. Sie sollten ab 2021 zusammen mit dem Stadler Flirt von SAD Nahverkehr und Trenitalia zwischen Österreich und Italien verkehren. Die Einstiegshöhe sollte 600 mm betragen. Die Züge sollten in einem angepassten Cityjet-Design geliefert werden. Bei diesem Design sind die Streifen des normalen Cityjet-Designs unterhalb der Fenster als Bergsilhouette gestaltet, der Bereich darüber ist, bis auf ein schwarzes Fensterband, weiß gestaltet mit Platz für Logos der ÖBB, des Landes Tirol und der ÖBB-Marke cityjet. Wegen Problemen mit der Zulassung der Talent 3 war deren Einsatz in Tirol im Mai 2021 bereits unwahrscheinlich.

Im Oktober 2021 wurde bekannt gegeben, dass als Ersatz für den Talent 3 nun ebenfalls Fahrzeuge vom Typ Siemens Desiro ML beschafft werden. Allerdings wurde die Zahl der Garnituren für Tirol auf 20 reduziert (5 gehen nach Salzburg) und es handelt sich nur um Zweisystemfahrzeuge für 15 kV und 25 kV Wechselspannung.

Mit diesen ist ein grenzüberschreitender Einsatz nach Südtirol (Italien) nicht möglich. Daher gab das Land Tirol am 5. Juni 2023 bekannt, dass seitens der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zusätzlich sechs Alstom Coradia Stream angekauft werden. Die Beschaffung war Teil eines umfassenden Beschaffungsprogramms über die öffentliche Südtiroler Transportstrukturen AG, über die bereits 15 Züge derselben Serie abgerufen wurden.

Vermietungen mini|6442 914 im Einsatz bei Abellio Rail Mitteldeutschland in Halle (Saale) Hbf (Juni 2024) mini|Innenraum eines Talent 3 der SWEG Bahn Stuttgart

Als Ersatz für Systemtests an zwei Talent der SWEG Bahn Stuttgart stellt Alstom der SWEG-Bahn Stuttgart drei nicht abgenommene Talent 3, welche ursprünglich für die ÖBB vorgesehen waren, zur Verfügung. Diese werden seit dem 6. Februar 2023 auf der Regionalexpresslinie RE10a/b (Mannheim Hbf‒Heilbronn Hbf) eingesetzt.

Mit Einführung des Deutschlandtickets hat sich seitens der STS-Aufgabenträger ein erhöhter Bedarf an Fahrzeugen zum Einsatz im Saale-Thüringen-Südharz-Netz (STS-Netz) ergeben, da die Fahrgastzahlen deutlich angestiegen sind. Daraufhin haben die STS-Aufgabenträger die Abellio Rail Mitteldeutschland beauftragt, die Fahrzeuge bei der Vermieterin anzumieten. Der Mietvertrag umfasst die Anmietung von drei sechsteiligen Schienenfahrzeugen des Typs Talent 3 Plus für einen Zeitraum vom 3. November 2023 voraussichtlich bis zum internationalen Fahrplanwechsel im Dezember 2030. Abellio Rail Mitteldeutschland setzt seit 9. Dezember 2023 diese drei Fahrzeuge auf der Saalbahn, der Strecke Halle–Nordhausen–Kassel und Erfurt–Naumburg–Halle ein. Die Vermieterin stellt die drei Fahrzeuge über den gesamten Mietzeitraum aus einer Alstom-Fahrzeugflotte rollierend bereit und übernimmt die Instandhaltung an diesen.

Das Land Baden-Württemberg hat 28 „Talent 3+“-Triebzüge als Ersatzfahrzeuge angemietet, die ursprünglich ab Mai 2024 als Ersatzfahrzeuge während der Nachrüstung weiterer Fahrzeuge mit ETCS und weiteren Techniken eingesetzt werden sollten. Sie sollten durch Alstom bis Dezember 2025 mit ETCS nachgerüstet werden. 2025 gingen Talent 3 auf den Stuttgarter Netzen von SWEG und Arverio schrittweise in den Fahrgastbetrieb.

Alstom verkaufte im November 2024 die 31 vermieteten Talent 3 per Sale-Lease-Back an die Vermögensverwaltungsgesellschaft Abrdn und die Schienenfahrzeug-Leasinggesellschaft Rock Rail.

Bestellungen Italien (Südtirol) bzw. Deutschland STA Die Südtiroler Transportstrukturen STA bestellten 2019 sieben sechsteilige Talent 3 für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Österreich. Weiters bestand eine Option auf 25 zusätzliche Garnituren. Die Züge wären dreisystemfähig gewesen und wie sechs der ÖBB-Garnituren für Tirol für Spannungen von 15 kV bei 16,7 Hz sowie 25 kV bei 50 Hz Wechsel- und 3 kV Gleichspannung ausgerüstet gewesen. Trotz der öffentlichen Eigentümerschaft wären die Talent 3-Züge im Betrieb von SAD Nahverkehr sowie Trenitalia (in Italien) und der ÖBB (in Österreich) gestanden. Die Züge hätten in den Mehrzweckbereichen Platz für Rollstühle, Fahrräder und Wintersportausrüstung geboten und wären mit Steckdosen an den Sitzplätzen ausgestattet gewesen.