Die Oper La capricciosa corretta (Die gebesserte EigensinnigeDarmstadt 1805, Frankfurt am Main 1824. Andere zeitgenössische Übersetzungen: So bessert sie sich (Dresden 1796), Die eigensinnige Frau.) oder La scuola dei maritati (Die Schule der Verheirateten)Titel bei der Uraufführung in London. Varianten: in Wien 1796 Gli sposi in contrasto (Die streitenden Eheleute), in Paris 1806 und in Amsterdam 1807 La moglie corretta (Die gebesserte Gattin). ist ein Dramma giocoso des Venezianers Lorenzo Da Ponte (Verse) und des Valencianers Vicente Martín y Soler (Musik). Sie entstand 1794/1795 in London als viertes ihrer fünf gemeinsamen Werke.

Da Ponte und Martín in London mini|hochkant|links|Flatterhafte Frau (Goya, Los Caprichos, Nr. 61, 1799).Aus Goyas Kommentar zu der Darstellung, welche die Herzogin von Alba zeigen soll: Nachdem Komponist und Librettist im Wien Kaiser Josephs II. Triumphe gefeiert hatten, ging Ersterer 1788 nach Sankt Petersburg, Letzterer 1792 nach London. Martín unterbrach seinen Aufenthalt an der Newa, als Da Ponte und er 1794 an das King’s Theatre verpflichtet wurden. 1795 brachten sie dort zwei Opern zur Aufführung, mit denen sie an ihre früheren Erfolge anknüpften: mit La capricciosa corretta an Il burbero di buon cuore (Der Griesgram mit dem guten Herzen) und mit L’isola del piacere (Die Insel der Liebe) an L’arbore di Diana (Der Baum der Diana).Leonardo J. Waisman: Vicente Martín y Soler (…), Madrid 2007, S. 339.

Angesichts des Kriegszustands zwischen Großbritannien und dem revolutionären Frankreich hatten sie dabei auf die politischen Untertöne zu verzichten, welche einen Teil des Reizes ihrer Wiener Werke ausmachen. Man merkt auch, dass Da Ponte in der Zwischenzeit eine Lebensgemeinschaft mit der 20 Jahre jüngeren Nancy Grahl eingegangen war: War die Ehe mit einem älteren Mann für Angelica im Burbero unvorstellbar, muss sich Ciprigna nun damit abfinden. Und die Promiskuität – in Così fan tutte (So machen es alle) von Da Ponte/Mozart eine Naturgegebenheit und von Martín noch immer gelebt – wird nun als Gefahr für die Familie dargestellt.

mini|hochkant|links|Anna Morichelli (Johann Ernst Mansfeld nach Joseph Kreutzinger).Beim Motto unterhalb des Porträts handelt es sich um ein Petrarca-Zitat:

Statt () heißt es im Canzoniere des Dichters () (). Über die Entstehung des Werkes schreibt Da Ponte: Memorie di Lorenzo Da Ponte (…) 2. Ausgabe, 2. Band, Teil 1, Nuova-Jork 1829, S. 33;

Wie schon beim Arbore di Diana schrieb Martín die Hauptrolle (Ciprigna, vier Arien) für seine Lieblingssängerin Anna Morichelli.Vgl. Dorothea Link: Anna Morichelli, Vicente Martín y Soler’s Champion Singer. 2010 (), passim. Neben ihr sangen an der Uraufführung Giovanni Morelli (Bonario,Morelli (tätig 1787–1815) war jünger als die Primadonna (Lebensdaten ca. 1755–1800), deren alten Gatten er spielte. zwei Arien), Elisabetta Colombati (Isabella, eine Arie), Paolo Torreggiani (Valerio, eine Arie), Luigi Brida (Lelio, drei Arien), Lorenzo Cipriani (Fiuta, zwei Arien), Giovanna Pastorelli (Cilia, eine Arie) und Carlo Rovedino (Don Giglio, zwei Arien).Gestrichen wurde nach der Premiere die vom Bass Luigi Bonfanti verkörperte Figur des Kapitäns Sbaraglia (Capitano = in der Commedia dell’arte prahlerischer Militär, sbaragliare = besiegen). Stumme Rollen: Diener Bonarios, Türken, Mohren, Sklaven, Seeleute. Außer den sechzehn Arien gibt es in der Oper drei Duette, ein Terzett und zwei Finali.

Handlung mini|hochkant|Giovanni Morelli (François Godefroy nach Richard Cosway). Hin und wieder liest man, La capricciosa corretta sei eine Adaption von Shakespeares The Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung). In Wirklichkeit spielt die Oper wie der Burbero in der Welt Goldonis.Leonardo J. Waisman: Vicente Martín y Soler (…), Madrid 2007, S. 343. Und wie dort geht es um eine Schönheit, die dem Gatten auf der Nase herumtanzt. Diese Ciprigna steht im Mittelpunkt der Handlung, so wie ein Mann mit Besserungsbedarf in den Da-Ponte-Opern Le nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro) von Mozart, Una cosa rara (Eine seltene Sache) von Martín und Don Giovanni von Mozart.

So wenig im Burbero Lucilla auf die Finanzen des jungen Giocondo Rücksicht nimmt, so wenig Ciprigna auf die Gefühle Bonarios, der ihr Vater sein könnte: Sie tendiert zur Promiskuität, deren männliche Spielart in der Cosa rara und in Don Giovanni thematisiert wird. So versucht sie, den Grafen Lelio zu verführen, der ihre Stieftochter Isabella liebt (eine Unschuld wie Angelica im Burbero und Lilla in der Cosa rara). Aus Eifersucht beauftragt sie ihren Cicisbeo Don Giglio, das Mädchen in ein Kloster einzuliefern – eine Institution, die Da Ponte und Martín im Arbore di Diana gegeißelt hatten.Vgl. Memorie di Lorenzo Da Ponte (…) 2. Ausgabe, 1. Band, Teil 2, Nuova-Jorca 1829 (), S. 102.

Noch am selben Tag aber ändert Ciprigna ihre Pläne und beschließt, mit durchzubrennen. Erst als sich dieser Orientale als Bonarios Majordomus Fiuta entpuppt (ein Gegenstück zu Castagna im Burbero und zu Figaro), lässt sie davon ab, .Die Zauberflöte von Schikaneder/Mozart. Wie in Così fan tutte wird das weibliche Selbstbild durch einen orientalischen Traum , anders als dort aber im Sinne einer Unterwerfung unter das Patriarchat.

1. Akt Zimmer Szene 1: Bonario bekommt zu hören, dass kein Mitglied seines Haushalts die Launen seiner zweiten Gattin Ciprigna mehr erträgt. Sohn Valerio will als Trommler zum Militär gehen, Tochter Isabella Nonne oder Dienstmagd werden; Zofe Cilia und Majordomus Fiuta denken daran, ihre Stellen zu kündigen. Denn, so singen sie gemeinsam über die neue Hausherrin:

Bonario gesteht ein, in vorgerücktem Alter eine geheiratet zu haben, und verspricht – es wird schon Nacht –, Ciprigna noch am selben Tag zur Räson zu bringen. Fiuta aber hegt berechtigte Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit seines Herrn und beschließt, die Sache selbst an die Hand zu nehmen.

Garten mit Gartenkabinett mini|Kiosk (Jardin des Prébendes, Tours). Szene 2: Cilia beschreibt ihre Herrin als flatterhaft wie ein Blatt im Wind.Nr. 1, Arie Cilias . Mit einem Blatt im Wind vergleicht sich später auch Ciprigna selber (1. Akt, Szene 3, Quintett). Ciprigna ihrerseits macht sich über die zahlreichen Männer lustig, mit denen sie kokettiert, um sie dann abblitzen zu lassen – was in ihren Augen die ist.Nr. 2, Cavatina Ciprignas . An der Uraufführung und vielleicht in London überhaupt noch nicht Teil der Oper. (Dorothea Eva Link: The Da Ponte Operas of Vicente Martín y Soler. Dissertation University of Toronto, 1991. University of Michigan Dissertation Services, Ann Arbor 2004. S. 269/Anm. 21.)

Szene 3: Bonarios ganzer Haushalt wird Zeuge, wie Ciprigna ihrem verkrachten Cavaliere servente Don Giglio ein Stelldichein gewährt. Dieser Schmarotzer wünscht ihr so viele Freuden, wie ihre Stirn umkränzten, ihr zierten, Männer nach ihr schmachteten und Tropfen im Tokajer seien, mit dem sie ihn bewirtet.Nr. 3, Arie Don Giglios . Als Bonario Ciprigna wegen ihres Lebenswandels zurechtweisen will, überschüttet sie ihn mit Schimpfwörtern.Z. B. () und (). Sie ergattert die Strafpredigt, die er schriftlich aufgesetzt hat, und liest sie selbst vor. Don Giglio aber genießt die Rolle des lachenden Dritten:

Szene 4: Bonario anvertraut Fiuta, dass seine Eheprobleme (wie jene Gunthers im NibelungenliedGunthers Braut Brünhilde fesselt den König und lässt ihn die Nacht über an einem Nagel hängen.) ihren Ursprung in der Hochzeitsnacht haben. Ciprigna habe ihn damals aufgefordert, mit dem Säbel auszufechten,In Una cosa rara (2. Akt, Szene 17 f.) wissen Lilla und Ghita den Degen zu führen. wer die dominierende Rolle im Haus spielen werde. Er aber habe sich nicht mit der geliebten Frau duellieren wollen und deshalb den Kommandostab aus der Hand gegeben:

Nr. 4, Arie Bonarios .

Zimmer mini|hochkant|Menuett (Giandomenico Tiepolo, 1791). Szene 5: Graf Lelio besingt seine Liebe zu Isabella.Nr. 5, Lelios Arie . Er teilt dieser mit, dass er um ihre Hand anhalten werde. Er habe bereits mit Fiuta gesprochen, der großen Einfluss auf Bonario hat. Von ihrer Stiefmutter hätten sie nichts zu befürchten, da sie ihn nicht kenne. Fiuta macht Bonario mit Lelio bekannt und nimmt es diesem sogar ab, den Heiratsantrag zu stellen. Dann beginnt er auf der Geige ein MenuettNr. 6. zu spielen, zu dem das Brautpaar tanzen will.Anspielung auf Figaros Arie ?

Szene 6: In diesem Moment erscheint Ciprigna. Fiuta erklärt Lelios Anwesenheit damit, dass dieser Tanzmeister sei. Ciprigna erwidert – in Anwesenheit Bonarios –, nur sie dürfe Fremde bei dem einführen. Weil sie aber an Lelio Gefallen findet, fasst sie ihn gleich unter und entführt ihn der empörten Isabella.

Szene 7: Bonario will Ciprigna in die Schranken weisen, indem er sie erschreckt. Zu diesem Zweck bewaffnet ihn Fiuta mit Arkebuse, Pistolen, Schwert und Säbel. Er gibt ihm auch Anweisungen, wie er vorgehen solle: Mit Erstechen oder Erschießen drohen, packen, schütteln, umdrehen, die Frisur zerzausen, eventuell kneifen … Bonario verspricht, sich an dieses Rezept zu halten.Nr. 7, Fiutas Arie .

Szene 8: Ciprigna verkündet dem vermeintlichen Tanzmeister, sie mache ihn zum Grafen (!) und zu ihrem Cicisbeo. Er könne gleich bei ihr einziehen. Lelio erwidert aber, ein Gelübde verbiete ihm ein solches Dienstverhältnis.Nr. 8, Lelios Arie . Die Melodie ist jene der Arie von Gräfin Almaviva aus Mozarts Figaro (3. Akt, Szene 8).

mini|hochkant|links|Italienische Dame (Journal des Luxus und der Moden, Weimar, Dezember 1795). Szene 9: Die ungewohnte Zurückweisung kränkt Ciprignas Eigenliebe. Ein verschmähe sie, zu deren Füßen alle schmachteten, der selbst Fürsten und Könige den Hof machten! Sie befiehlt Cilia, die Pferde an ihren englischen Phaeton spannen zu lassen, jede Blume, jedes Schmuckstück, jeden Federbusch herbeizuschaffen. Bald türmen sich weggeworfene Hüte und offene Hutschachteln. Schließlich ist Ciprigna mit den Künsten der Zofe zufrieden und fordert diese auf:

Nr. 9.

Szene 10: Von Fiuta und Valerio gebeten, zum Schein auf Ciprignas Annäherungsversuche einzugehen, begibt sich Lelio in den Gasthof , den er als Adresse angegeben hat.

Saal mini|links|Zündfunke einer Steinschlosspistole. Szene 11: Bis an die Zähne bewaffnet, übt Bonario zu Beginn des ersten FinalesNr. 10. vor einem leeren Stuhl, wie er die Gattin diesmal ansprechen will. Als er die auswendig gelernte Rede vor Ciprigna hält, gibt diese sich zunächst beeindruckt, so dass er sich bereits am Ziel glaubt. Da zieht sie ihm plötzlich eine der beiden Pistolen aus der Tasche. Wie in der Hochzeitsnacht fordert sie ihn zum Duell, drückt aber gleich darauf ab. Bonario bleibt zwar unverletzt, stirbt aber fast vor Angst. Seine Kinder bringen ihn auf sein Zimmer.

Szene 12: Don Giglio erkundigt sich, wer geschossen hat. Es seien Gerichtsvollzieher gewesen, die ihn suchten, antwortet Fiuta. Don Giglio bittet darauf um ein Versteck und wird von Fiuta in einen Schrank geschlossen. Von dort aus wird er Zeuge, wie Ciprigna Lelio bedrängt, an seiner Stelle ihr Cicisbeo zu werden, und wie der Graf Interesse daran vortäuscht. Als Don Giglio von Fiuta wieder aus dem Schrank gelassen wird, muss er vor versammeltem Haus einen unehrenvollen Abgang nehmen. Um sich schadlos zu halten, lässt er eine Börse mitlaufen. Der Akt endet in Aufruhr und Verwirrung.

2. Akt Saal Szene 1: Obwohl ihn Isabella davon abzuhalten sucht, beschließt Valerio, am kommenden Tag zum Militär zu gehen.Nr. 11, Valerios Arie . Gegenstück zu Figaros Arie .

Szene 2: Lelio schlägt Isabella vor, mit ihm durchzubrennen (und damit auf Mitgift und Erbe zu verzichten). Dieser Vorschlag empört seine Geliebte. Eher verzichte sie auf ihr Glück als auf ihre Ehre.Nr. 12, Isabellas Arie .

Szene 3: Lelio bereut, Isabella zur Flucht geraten zu haben. Er hofft, Fiuta werde ihnen helfen.Nr. 13, Lelios Arie .

Szene 4: Ciprigna testet, wie viel Anziehungskraft sie noch auf den beleidigten Gatten ausübt:

 –  –  –  –  –  –