Die St.-Andreas-Bobola-Kirche in Biała Piska () ist ein Bauwerk aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie zentrales evangelisches Gotteshaus des Kirchspiels Bialla (Gehlenburg) in Ostpreußen und ist heute Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei Biała Piska in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Die kleine Stadt Biała Piska liegt im Südosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Landesstraße 58 und der Woiwodschaftsstraße 667. Durch das Stadtgebiet verläuft die Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (). Der Standort der Kirche befindet sich in der südlichen Stadtmitte an der ulica Marii Konopnickiej.
Kirchengebäude Das heutige Kirchengebäude in Biała Piska ist ein Ersatzbau für ein älteres Holzgebäude, das abgerissen werden musste.Biała Piska – Bialla/Gehlenburg bei ostpreussen.net Es entstand in den Jahren 1756 bis 1763 als – heute verputzter – Feldsteinbau.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119, Abb. 547, 548. Der Kirchturm, für den Karl Friedrich Schinkel den Entwurf anfertigte, wurde erst im Jahr 1832 der Kirche vorgesetzt.
Der Kircheninnenraum hat im Mittelschiff ein hölzernes Tonnengewölbe, während sich über den Seitenemporen flache Decken befinden. Altar und Kanzel entstanden um 1630. Sie wurden 1765 zum Kanzelaltar vereinigt.
Die Orgel von 1765 erhielt 1819 eine grundlegende Überholung. Drei Glocken bildeten das Geläut der Kirche.
Bis 1945 war die Kirche evangelisches Gotteshaus. Nach 1945 wurde sie von der römisch-katholischen Kirche vereinnahmtParafia Biała Piska, Bistum Ełk, und die alte Innenausstattung ging bis auf ein Kruzifix verloren. Im Innern erfolgte eine Neugestaltung entsprechend den veränderten liturgischen Bedingungen. Sie wurde dem Hl. Andreas Bobola gewidmet. Eine Renovierung der Außenfassade erfolgte im Jahr 2006.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte mini|Historisches Bild der Kirche Bialla/Gehlenburg Eine Kirche bestand in Bialla bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. Sie wurde 1428 genannt. Die lutherische Lehre setzte sich hier bald nach Einführung der Reformation in Ostpreußen durch. Bereits Ende der 1520er Jahre war hier ein evangelischer Geistlicher im Amt.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 22.
Bis 1715 gehörte das Kirchspiel Bialla zur Inspektion Lyck (). Später war es bis 1945 Teil des Kirchenkreises Johannisburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei 5.911 Gemeindeglieder, die in einem weitflächigen Kirchspiel lebten. Zwei Geistliche („Pfarrer“ und „Diakonus“) gleichzeitig taten hier zeitweise Dienst. Das Kirchenpatronat oblag zuletzt den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten nach 1945 dem evangelischen Gemeindeleben in der jetzt Biała Piska genannten Stadt ein vorläufiges Ende.
Die heute hier wieder lebenden evangelischen Kirchenglieder bilden eine neue Kirchengemeinde, die eine Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist. Sie besitzt ein eigenes Gemeindehaus unweit des Rathauses, das man am 15. Januar 2006 nach dem letzten und hier im Widerstand gegen den Nationalsozialismus lebenden Pfarrer Heinrich Heldt benannt hat.
Eine kleine Kapelle wird als Gottesdienstraum benutzt. Sie wurde im Jahr 2001 aufwändig renoviert,Edeltraud Rostek: Einweihung der restaurierten evangelischen Kapelle in Gehlenburg, 2002 wobei der Fußboden mit Keramikplatten verlegt, eine Decke eingezogen und die Wände mit einem hellen Grün ausgemalt wurden. An eine neue Stromleitung können nun gestiftete Ölradiatoren angeschlossen werden. Der Dachstuhl machte größere Ausbesserungen und neue Dachlatten erforderlich und konnte mit roten Ziegelpfannen gedeckt werden. Am 15. September 2001 fand die feierliche Einweihung statt, an dem auch Pfarrer Paul Pissowotzki (1911-2010) aus Heilbronn teilnahm, der als Vikar 1935 hier seine erste Predigt hielt. Er überreichte der Gemeinde ein von der württembergischen, 1926 in Vietkow (Kreis Stolp) geborenen Künstlerin Ingrid Seddig geschaffenes 52 cm hohes Kruzifix aus Bronze und zwei Leuchter für den Altar, außerdem einen silbernen Abendmahlskelch sowie einen Oblatenteller mit dazugehöriger Aufbewahrungsdose. Der Freundeskreis Rosch spendete einen schmiedeeisernen Leuchter.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Bialla (ab 1938 Kirchspiel Gehlenburg) gehörten neben der Stadt die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnische Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name *Belzonzen Großdorf Bełcząc *Kosuchen Kölmerfelde Kożuchy *Czyborren Steinen Cibory *Krussewen Erztal Kruszewo Dannowen Siegenau Danowo *Lissen Dünen Lisy Gentken Giętkie Oblewen Kolbitzbruch Oblewo Groß Brzosken (ab 1932)Birkenberg Brzózki Wielkie *Orlowen Siegmunden Orłowo *Kallischken Flockau Kaliszki *Pawlozinnen Paulshagen Pawłocin Klein Brzosken (ab 1930)Birkental Brzózki Małe Rollken Rolki Kommorowen Ebhardtshof Komorowo *Schwiddern Świdry Konopken Mühlengrund Konopki *Skodden Schoden Szkody
Pfarrer (bis 1945) Als evangelische Geistliche amtierten an der Kirche Bialla (Gehlenburg) die Pfarrer: Georg Landmesser, bis 1531 Jacob Pohl, 1539 Laurentius Diskordia, 1552–1553 Johann Lapkowski, 1553–1563 Matthias Zäobelius, 1563–1567 Johann Lapkowski, 1567–1576 Albertus Oblanski, 1579 Michael Niedswieczky, 1586 Hieronymus Maletius d. Ä., 1588–1620 Hieronymus Maletius d. J., 1621–1662 Jan Falentzki, 1630 NN., 1656–1688 Albert Hoffmann, 1656–1658 Hieronymus Rostock, 1661–1692 Martin Maletius, 1662–1671 Bernhard Drigalski, 1675–1710 Jacob Bannasch, 1693–1725 David Gottfried Hoffmann, 1711–1746 Christoph Meyer, 1726–1730 Johann Bannasch, 1730–1732 David Borowius, 1734–1764 Ephraim Ebel, 1747–1757 Michael Groß, 1755–1757 Johann Christoph Surminski, 1757–1773 Johann Klinger, 1765–1795 Melchior Jacob Kempen, 1773–1803 Johann Christ. Dziobeck, 1796–1810 Johann Bernhard Rabe, 1803–1824 Karl Heinrich Bregorovius, 1811–1814 August Friedrich Thim. Czygan, 1814–1820 Gottfried Schulz, 1820–1825 Theophil Kendziorra, 1825–1830 Johann Fr. August Szamborski, 1826–1829 Carl Gustav Willamowski, 1829–1830 Friedrich Wilhelm Aug. Henke, 1830–1855 von Szczepanski, Friedrich Adam L., 1855–1858 Otto Konrad Wilhelm Kierchner, 1858 Theodor Christian Czygan, 1859–1896 Gustav E. Arndt, 1866–1877Arndt (1829–1885) war Angehöriger des Corps Masovia. Wilhelm Carl Ludwig Zimmeck, 1878–1894 Eduard Rudolf Paul, 1894–1905 Rudolf Carl Rausch, 1897–1916 Johannes Brehm, 1905–1926 Werner Lehmbruch, 1921–1926 Walter Horn, 1926–1928 Ernst Link, 1927–1929 Karl Heinrich Heldt, 1929–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarre Bialla/Gehlenburg haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrt: Taufen: 1839 bis 1850 Trauungen: 1839 bis 1850 Begräbnisse: 1839 bis 1850.
Römisch-katholisch Kirchengeschichte Vor 1945 lebten nur wenige katholische Kirchenglieder in der Region Bialla (Gehlenburg). Sie waren in die Pfarrei in Johannisburg () im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt.
In den Nachkriegsjahren siedelten sich in der Stadt Biała Piska und ihrer Umgebung zahlreiche polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. So entstand hier eine kleine, aber stetig wachsende Gemeinde, die ab 1946 das bisher evangelische Gotteshaus für ihre Nutzung reklamierte. Im Jahr 1962 wurde die „Pfarrei St. Andreas Bobola“ offiziell errichtet. Biała Piska wurde außerdem Sitz eines Dekanats.
Mit ihren beiden Filialkirchen in Kowalewo (Kowalewen, 1938–1945 Richtwalde) und Kożuchy (Kosuchen, 1938–1945 Kölmerfelde) ist die Pfarrei in das Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert.
Pfarreiorte (ab 1946) Zur Pfarrei Biała Piska gehören 22 Orte:Pfarreiorte der Parafia Biała Piska
Name Deutscher Name (mit Änderungsname 1938 bis 1945) Name Deutscher Name (mit Änderungsname 1938 bis 1945) Bełcząc Belzonzen (Großdorf) Kożuchy Małe Biała Piska Bialla (Gehlenburg) Kózki Kosken Cibory Czyborren (Steinen) Kruszewo Krussewen (Erztal) Danowo Dannowen (Siegenau) Lisy Lissen (Dünen) Giętkie Gentken Oblewo Oblewen (Kolbitzbruch) Kaliszki Kallischken (Flockau) Orłowo Orlowen (Siegmunden) Kolonia Kawałek Pawłocin Pawlozinnen (Paulshagen) Komorowo Kommorowen (Ebhardtshof) Radysy Radishöh Konopki Konopken (Mühlengrund) Rolki Rollken Kowalewo Kowalewen (Richtwalde) Szkody Skodden (Schoden) Kożuchy Kosuchen (Kölmerfelde) Zabielne Sabielnen (Freundlingen)
Pfarrer (ab 1946) Seit 1946 taten an der St.-Andreas-Bobola-Kirche in Biała Piska als katholische Geistliche ihren Dienst als Pfarrer:Pfarrerliste der Parafia Biała Piska Władysław Dadas, 1946–1954 Tadeusz Świrtun, 1954–1960 Edward Żemełka, 1960–1966 Daniel Romanowski, 1966–1970 Stefan Nyc, 1970–1991 Marian Szewczyk, 1991–2007 Klemens Litwin, 2007–2012 Piotr Butrymowicz, seit 2012
Kirchenbücher Die Kirchenbücher werden ab 1947 geführt.
Literatur Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens von Bialla Ostpr. Lyck 1928.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1760er Jahren Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Andreas-Bobola-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Biala PiskaKirche Biala Piska