One Step Beyond … ist das Debütalbum der britischen Ska-Pop-Gruppe Madness. Es erschien am 19. Oktober 1979 über Stiff Records in Europa und Sire Records in den Vereinigten Staaten. Es brachte mit One Step Beyond, My Girl und Night Boat to Cairo drei Top-Ten-Singles in Großbritannien hervor und wurde zum bestverkauften Album der Gruppe.
Entstehungsgeschichte Die Gruppe lernte bei einem ihrer Auftritte in Camden Clive Langer von der Band Deaf School kennen, der sie anschließend bei einer Probe besuchte. Langer half der Band ein Aufnahmestudio zu finden und brachte auch die 200 Pfund für die Studiomiete auf. In den Pathway-Studios nahmen sie die beiden Songs My Girl und The Prince auf. The Prince war ein Tribut an den Ska-Musiker Prince Buster, der mit seinem Song Madness auch Namensgeber für die Band gewesen war.
Sie konnten sich einen Vertrag beim Independent-Label Stiff Records sichern. Dort buchte man kurz nach Vertragsunterzeichnung die Eden Studios in Chiswick für die Band, die bisher nur wenig Studioerfahrung hatte. Langer wurde schließlich auch ihr Produzent. Selbst noch relativ unerfahren, engagierte er zusätzlich Alan Winstanley, der unter anderem schon The Stranglers produziert hatte.
Die Aufnahmen zum Album begannen im August 1979. Nach einer Woche in den Eden Studios wechselten Band und Produzenten für den weiteren Mix in die TW Studios in Fulham. Dort hatten kurz vorher The Specials aufgenommen, mit denen Madness bereits zusammen aufgetreten war. Zwischen den beiden Bands entwickelte sich ein kleiner Wettkampf darum, wer sein Album als erstes in die Läden brachte und welches Album das bessere sein würde. Madness, zwar noch relativ unerfahren, was die Aufnahmetechniken und das Verhalten im Studio anging, waren sehr arbeitsam im Studio. Tatsächlich erschienen sowohl The Specials selbstbetiteltes Debütalbum als auch One Step Beyond … am 19. Oktober 1979.
Artwork Das Cover des Albums zeigt die sechs Mitglieder von Madness hintereinander aufgereiht im Hohlkreuz und in den Knien mit angewinkelten Armen. Dies stellte einen Schreittanz dar, den die Band als The Nutty Train bekannt machte. Auf dem Cover führt Mike Barson den Tanz an. Der Tanz, der indirekt von Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft beeinflusst schien, basierte auf einer Fotografie auf dem Backcover von Kilburn and the High Roads’ Album Handsome. Das Originalbild zeigt Roadie Paul Tonkin in ähnlicher Pose bei einem Jive zu Chuck Berry und wurde Paul Hangs Loose betitelt. Davon leitete die Band ihren zum Signature Move werdenden Tanz ab, den sie auch in der Nachfolge populär machten. Das Schwarzweißfoto wurde von Cameron McVey aufgenommen. Für die Single zum Titeltrack wurde ein Farbbild aus der gleichen Session verwendet.
Es war nicht die einzige Besonderheit am Artwork des Albums. Für das Inlay fragte die Band in einer Annonce in der Abendzeitung London Evening Standard nach Bildern in Passfotogröße. Daraufhin stellten Personen aus dem Umfeld der Band, aber auch völlig fremde Personen ihre Sofortbilder, die in den damals sehr beliebten Fotokabinen aufgenommen wurden, zur Verfügung. Über 150 dieser Bilder wurden schließlich für eine Collage verwendet. Das Inlay wurde als The Nutty Punters bekannt. Einige der Personen stammen aus dem direkten Umfeld der Band, darunter viele Freunde und Verwandte. Auch Cathal Smyth, der auf dem Album nur als Gast zu hören ist, aber schon bald fest in die Band einstieg, ist gleich mehrfach zu sehen. Bekannt wurde auch die Fotografie eines Mannes, der an Colonel Sanders, den Erfinder von Kentucky Fried Chicken erinnert, und eine nackte Frau mit einem Handtuch um den Kopf. Beide Identitäten konnten nicht geklärt werden. Auch ein Bandfoto von Kilburn and the High Roads ist in der Collage zu sehen, wobei Humphrey Ocean eine viel zu große Hose trägt. Dies wurde die Inspiration für ihren späteren Hit Baggy Trousers vom nächsten Album.
Die LP enthielt zwei sogenannte „Porky Prime Cuts“, nach ihrem Erfinder George „Porky“ Peckhams benannte eingeritzte Botschaften in der Auslaufrille der Platte. Auf der ersten Seite befand sich die Schrift „The Nutty Sound“ und auf der Rille der zweiten Seite „Direct from Camden Town“. Diese stammte in diesem Fall aber von Toningenieur Steve. Peckham selbst verzierte die Auslaufrille der 7’’ von One Step Beyond mit „Watch This – A Porky Prime Cut“.
Musikstil Haupteinfluss ist der jamaikanische Dancehall-Musiker Prince Buster, dem die Band mit der Single The Prince ein musikalisches Denkmal setzte sowie die britische Pubrock-Szene, der der Coversong Rockin’ in A♭ von Bazooka Joe (in der Mike Barsons Bruder Dan Barson spielte) gewidmet ist. Dazu kommen klassische Elemente, so befindet sich eine Variation des Themas von Schwanensee auf dem Album, wobei die Musik an das ebenfalls in Cats verwendete Thema angelehnt ist. Weitere Einflüsse stammen aus der Marschmusik und der Unterhaltungs-Blasmusik, wie sie auf Jahrmärkten oder bei Volksfesten gespielt wurde. Vermischt wurde diese für jene Zeit ungewöhnliche Mischung mit dem bandeigenen, typisch britischen schwarzen Humor und einer ausgeprägten Fröhlichkeit.Jo-Ann Greene: Besonders war auch der Cockney-Akzent von Hauptsänger Graham McPherson, der damals im Pop nicht üblich war.
Titelliste A-Seite One Step Beyond – 2:18 (Prince Buster) My Girl – 2:44 (Mike Barson) Night Boat to Cairo – 3:31 (Graham McPherson, Barson) Believe Me – 2:28 (Barson, John Hasler) Land of Hope and Glory – 2:57 (Chris Foreman, Lee Jay Thompson) The Prince – 3:18 (Thompson) Tarzan’s Nuts – 2:24 (Sydney Lee; im Original: Tarzan’s March)B-Seite In the Middle of the Night – 3:01 (McPherson, Foreman) Bed & Breakfast Man – 2:33 (Barson) Razor Blade Alley – 2:42 (Thompson) Swan Lake – 2:36 (Pjotr Iljitsch Tschaikowski; arrangiert von Barson) Rockin’ in A♭ – 2:29 (Willy Wurlitzer; im Original von Bazooka Joe) Mummy’s Boy – 2:23 (Mark Bedford) Madness – 2:38 (Campbell) Chipmunks Are Go! – 0:51 (Chas Smash, Brendan Smyth)
One Step Beyond Nach der Single The Prince, die vor dem Album erschien, als noch gar nicht abzusehen war, wie es mit Madness weitergeht, handelte es sich beim Titelstück um die erste reguläre Singleauskopplung aus dem Album. Es handelt sich dabei um eine Coverversion von Prince Buster. Das bis auf den Titel, der beständig wiederholt wird, reine Instrumentalstück beginnt mit dem Intro „Hey you, don’t watch that, watch this, This is the heavy heavy monster sound, The nuttiest sound around, So if you’ve come in off the street, And you’re beginning to feel the heat, Well, listen buster, You better start to move your feet, To the rockinest, rock-steady beat, of Madness, One step beyond“.zitiert nach: The Heavy Heavy Hits. CD. Virgin 1998 Das Intro sprach Chas Smash, zum Zeitpunkt der Aufnahme noch kein Mitglied der Band. Die Eröffnungszeile „don’t watch that, watch this“ stammt eigentlich aus einem weiteren Prince-Buster-Stück namens The Scorcher. Tatsächlich handelte es sich bei dem kurzen Instrumentalstück nur um einen Rough Mix. Der eigentlich 1:10 Minuten lange Track wurde künstlich auf die doppelte Länge mit Hilfe eines Eventide Harmonizers gemixt und landete als Tape auf dem Schreibtisch von Dave Robinson von Stiff Records. Ohne den eigentlich für später geplanten Mix abzuwarten, schickte er das Tape zur Pressung, so dass Album und Single lediglich den Rohmix beinhalteten.
My Girl My Girl ist die zweite Singleauskopplung aus dem Album und erschien am 21. Dezember 1979. Trotz des ungewöhnlichen Veröffentlichungsdatums (die Charts machen in den Weihnachtswochen in Großbritannien traditionell zwei Wochen Pause) wurde es zum zweiten Top-Ten-Hit der Band. Das Lied basiert auf einem Solo von Elvis Costello, das Steve Naive auf einer Vox Continental spielte und das nur aus zwei Akkorden bestand. Er stammt noch aus der Invaders-Zeit. Das erste Mal wurde es im Juli 1978 im Blind Alley Shop gespielt, damals noch unter dem Titel New Song. Mike Barson, der das Lied geschrieben hatte, war ursprünglich auch für den Gesang verantwortlich. Es handelte von seiner damaligen Freundin Kerstin Rodgers. Anders als auf dem ersten Demo übernahm Suggs auf dem Album den Gesang. David Bowie griff das Lied später auf und adaptierte das Schlagzeugspiel sowie den Grundaufbau für seinen Space Oddity-Nachfolger Ashes to Ashes.
Night Boat to Cairo mini|Lee Thompsons Saxofon kam bei Night Boat to Cairo zum Einsatz Night Boat to Cairo ist der dritte Song des Albums. Besonders ist die ungewöhnliche Struktur, die aus einer langen Instrumentalstrecke besteht. Dies lag daran, dass der Song zunächst als Instrumentalstück geplant war, dann aber in einer Session einen Text von Graham McPherson erhielt. Der Nonsenstext erzählt von einer Irrfahrt über den Nil. Lee Thompson mochte das Stück, da es ihm eine Möglichkeit eröffnete, sein Baritonsaxophon auszuprobieren. Ergänzt wurde der Song noch durch Violinenklänge, die Clive Langer arrangierte.
Das Stück sollte die dritte Singleauskopplung des Albums werden. Damit wären die ersten drei Titel des Albums zugleich die drei Singles des Albums gewesen. Im Zeitalter des Punks war dies jedoch ein problematischer Schritt, da es zu sehr nach kommerziellem Interesse aussah, dem Publikum A-Seiten zu verkaufen, die sie sowieso schon hatten. So kam es zu einem Kompromiss: statt einer Single wurde die Extended Play Work Rest and Play veröffentlicht, die neben Night Boat to Cairo drei Non-Album-Tracks enthielt. Zu Night Boat to Cairo wurde ein Video gedreht, dass die Band in typischer Kolonialkleidung zeigte. Das Video wurde in einem Fernsehstudio gedreht, was man sehr gut daran sehen konnte, dass nicht ausreichend Sand für eine Wüste vorhanden war. Der Text wurde eingeblendet, und ein kleiner Ball zeigte die jeweilige Textstelle an, so dass im Karaokestil mitgesungen werden konnte. Im Video kommt auch der „Nutty Train“ zum Tragen.
Believe Me Während das Album eine Reihe von Ska-Titeln enthielt, war Believe Me ein Song, der mehr am US-amerikanischen Rock & Roll orientiert war. Die Inspiration kam durch den Film American Graffiti, den die Band gesehen hatte und nachdem sie, noch zu Invaders-Zeiten, den Song komponierten. John Hasler und Mike Barson schrieben den Song gemeinsam. Ein großer Einfluss für das Saxofon-Solo war Dwayne Payne, der damals sowohl bei Ian Durys Kilburn & the High Roads als auch bei The Blockheads aktiv war und der Lee Thompson begeisterte. Die Akkordfolge am Anfang war von Billy Swans Song I Can Help beeinflusst.
Land of Hope & Glory Das Stück wurde von Lee Thompson, der auch den Gesang übernahm, und Chris Foreman geschrieben. Es handelt von Thompsons Militärzeit, die er als Zeitverschwendung betrachtete. Der Titel ist ein Hinweis auf Land of Hope and Glory, eines der Lieder Großbritanniens, das oft beim Militär eingesetzt wurde. Dementsprechend beginnt das Lied auch mit einem typischen Militärrhythmus. Kein großer Hit für Madness, aber einer von vier Tracks, die sie bei ihrer einzigen Session für John Peel am 14. August 1979 aufnahmen.
The Prince The Prince war bereits Anfang 1979 als zweite Veröffentlichung auf dem 2-tone-Label erschienen. Es handelt sich dabei um eine Hommage an Prince Buster. Es wurden drei Versionen des Songs eingespielt. Zunächst die Single-Version, danach folgte eine Version für die Peel-Sessions und schlussendlich die Albumversion. Die Albumversion wurde musikalisch etwas angepasst, um dem Album gerecht zu werden. So ist der Sound nun klarer, und das Stück wurde etwas umarrangiert, insbesondere im letzten Drittel, wo ein neuer Klavierpart geschrieben wurde, ein Saxophon-Solo und eine Kuhglocke ergänzt wurden. Tatsächlich wollte man, da das 2-tone-Label die ursprüngliche Fassung sowieso nicht freigab, den Käufern etwas Neues bieten und den gleichen Track nicht zweimal verkaufen.
Tarzan’s Nuts