mini|hochkant=1.5|Kupferstich von Ignaz Albrecht: Der Mittelmark oder des südlichen Theiles von Brandenburg Havellaendischer Kreis. Franz Johann Joseph von Reilly, Wien 1791 Der Havelländische Kreis war ein markbrandenburgischer Kreis in der Mittelmark, der sich im 16/17. Jahrhundert aus der historischen Landschaft des Havellandes (Land Brandenburg) herausbildete. Er erstreckte sich damals bis zum Land Löwenberg und grenzte im Osten an den Barnim, war also deutlich größer als die heutige Landschaft Havelland und auch wesentlich größer als der heutige Landkreis Havelland. Der Havelländische Kreis gehörte zum Landesteil Kurmark der Mark Brandenburg. Im 18. Jahrhundert spaltete sich der Glien-Löwenbergische Kreis zunächst als Unterkreis ab; er wurde 1770 als selbständiger Kreis völlig abgetrennt. Der Restkreis bestand bis 1816/7, als er in die zwei neuen Kreise Westhavelland und Osthavelland aufgeteilt wurde. Dabei wurde der Glien-Löwenbergische Kreis mit dem Kreis Osthavelland vereinigt. Das frühere Kreisgebiet des Havelländisches Kreises liegt heute zum größten Teil im Landkreis Havelland. Kleinere Teile gehören heute auch zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin und zum Landkreis Potsdam-Mittelmark sowie den Stadtkreisen Potsdam und Brandenburg an der Havel (Land Brandenburg) und im Land Berlin (Bezirke Spandau und Reinickendorf).

Geographie Der (ursprüngliche) Havelländische Kreis wurde im Osten, Süden und im Westen im Wesentlichen durch die Havel begrenzt, die dem Land und dem Kreis den Namen gab. Im Norden bildet der Rhin bzw. das Rhinluch über weite Strecken die Grenze zum Ruppinschen Kreis. Keine natürliche Grenze ist im Nordosten erkennbar, wo der Kreis sich mit einem Fortsatz zwischen den Ruppinschen Kreis und den Niederbarnimschen Kreis schob, und auf kurzer Erstreckung an den Uckermärkischen Kreis grenzte. Dieser Teil wurde später als Glien-Löwenbergischer Kreis abgetrennt. Weiter im Westen grenzte er im Norden über kurze Erstreckung an den Plattenburgischen Kreis und den Kyritzischen Kreis der Prignitz. Im Süden grenzte er an den Zaucheschen Kreis, im Westen an das Herzogtum Magdeburg.

Der Kreis bestand aus dem eigentlichen Havelland und den drei Ländchen Bellin, Friesack und Rhinow sowie dem Land Löwenberg. Der Kreis war um 1800 mit 37 Quadratmeilen der größte Kreis der Mittelmark.

Geschichte Schon im 15. Jahrhundert entstanden erste Ansätze für eine Kreisverfassung in der Mark Brandenburg. Die Kreise waren im Wesentlichen identisch mit den alten historischen Landschaften, oder bildeten sich aus dem Weichbilden größerer Städte heraus. Im 16. Jahrhundert waren die Kreise auch identisch mit dem Amtsbereich eines Landreiters. Die Kreise wurden deshalb auch Beritte genannt, im Fall des Havelländischen Kreises auch Beritt Spandau. Der Landreiter war der ausführende Beamte innerhalb eines Berittes. Während in Altmark, Prignitz und Uckermark die Kreise ihre Bedeutung zugunsten der Landschaft verloren, und sich deshalb nur ein ständisches Kreisdirektorium und eine ständische Vertretung für die gesamte Landschaft bildeten, entwickelten sich in der Mittelmark in jedem Kreis ein eigenes ständisches Kreisdirektorium und eine eigene ständische Kreisvertretung. Der Kreisdirektor wurde von den Ständen gewählt. Im Gegensatz dazu war das Amt des Kriegskommissar aus dem sich später das Amt des Landrats entwickelte ein vom Landesherrn geschaffenes Amt, dessen Inhaber auch vom Landesherrn ernannt wurde.

Das Amt des Landrats der Kreise, wie sie zum Beginn des 19. Jahrhunderts noch bestanden, hatte seinen Ursprung im Dreißigjährigen Krieg. Damit die durchziehenden Truppen der verschiedenen Kriegsparteien einquartiert, verpflegt und entlohnt werden konnten, wurden vom Kurfürsten für die Kreise/Beritte sog. Land- oder Kriegskommissare eingesetzt oder von den Ständen der jeweiligen Kreise gewählt. Gerade in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges waren dies sehr unbeliebte Ämter. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden den Kriegs- oder Landkommissaren weitere Aufgaben und Befugnisse übertragen, so in der Steuer- und Finanzverwaltung und der Polizeigewalt. Die Stände des Kreises erhielten das Präsentationsrecht für den Land- oder Kriegskommissar, der ab 1702 Landrat genannt wurde. Das Amt war gelegentlich in Personalunion mit dem Posten des ständischen Kreisdirektors verbunden, dem von den Vertretern der Stände eines Kreises gewählte Vorsitzende der Ständeversammlung eines Kreises. Die Kreise hatten ihre eigene Vertretung (Corpus) und eine eigene Kreiskasse. Zur Kreisstadt des Havelländischen Kreises avancierte die Stadt Nauen. Größte Stadt im Havelländischen Kreis war dagegen Spandau.

Zugehörige Orte um 1800 Nach Bratring (1805), der den Zustand von 1800/01 wieder gibt, lagen im Havelländischen Kreis die folgende Städte und Flecken (nur bei Orten, die nicht im Lkr. Havelland liegen, ist der Kreis vermerkt): Brandenburg an der Havel, Stadtkreis Brandenburg an der Havel Potsdam, Stadtkreis Potsdam Spandau, Land Berlin Nauen Rathenow Fehrbellin, Ostprignitz-Ruppin Friesack Rhinow Pritzerbe, Potsdam-Mittelmark Ketzin, Flecken Plaue, Flecken

Orte und Einzelhäuser Adermannshütte später Kolonie Königshütte (1801: gehörte zum Amt Tangermünde). 1704 ist hier ein Teerofen in Betrieb. Wohnplatz Königshütte im Ortsteil Mögelin, Gemeinde Premnitz. der rothe Adler, Gasthof, vor dem Klostertor von Spandau, privater Eigentümer. (1801: Privatbesitz). In Berlin-Spandau aufgegangen. Groß Behnitz (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Ortsteil der Stadt Nauen. Klein Behnitz (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Ortsteil der Stadt Nauen. Bagow (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Päwesin, Lkr. Potsdam-Mittelmark. Bahnitz (1801: Dorf, in Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Milower Land. Bamme (1801: Dorf, in Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Nennhausen Barnewitz (1801: Dorf, im Besitz des Domkapitel zu Brandenburg). Ortsteil der Gemeinde Märkisch Luch. Baumgartenbrück (1801: Krug bei Geltow, Brücke über die Havel, im Besitz des Amtes Potsdam). Wohnplatz der Gemeinde Schwielowsee, Lkr. Potsdam-Mittelmark Berge (1801: Dorf und Amtssitzvorwerk, gehörte zum Amt Nauen im Ort Berge). Ortsteil der Stadt Nauen. Berliner Vorstadt bei Potsdam, Vorstadt aus 53 Häusern (1801: keine Angabe zu den Besitzverhältnissen). In Potsdam aufgegangen. Bernitzow (1801: Schäferei, bei Berge, in dem Falkenhagenschen Forstrevier, gehörte zum Amt Nauen). Wüstung auf der Gemarkung von Berge, einem Ortsteil der Stadt Nauen. Betzin (1801: Dorf, ein Anteil Adelsbesitz, ein Anteil Amt Fehrbellin). Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Bohnenland (Vorwerk und Kolonie, bei Brielow, Kämmerei der Stadt Brandenburg an der Havel). Wohnplatz der Stadt Brandenburg an der Havel. Bornim (Dorf und Amtssitzvorwerk, Amt Potsdam). Stadtteil der Landeshauptstadt Potsdam. Neubornim (1801: Kolonie, bei Bornim, Amt Potsdam). In Bornim aufgegangen. Bornstedt (1801: Dorf und Gut, gehörte dem Großen Militärwaisenhaus in Potsdam). Stadtteil von Potsdam. Brädikow (1801: Dorf und zwei Güter, zwei Adelsanteile, ein Anteil Pfarre zu Haage). Ortsteil der Gemeinde Wiesenaue. Brandenburger Vorstadt, Vorstadt vor Potsdam von etwa 112 Häusern. In Potsdam aufgegangen. Bredow (1801: Dorf und Gut, Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Brieselang. Brielow (Dorf, Kämmerei der Stadt Brandenburg an der Havel). Ortsteil der Gemeinde Beetzsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark Briesen (1801: Vorwerk, eine halbe Meile vor Friesack, Adelsbesitz). Wohnplatz der Stadt Friesack. Briest (1801: Dorf, gehörte der Kämmerei der Stadt Brandenburg an der Havel). Ortsteil der Stadt Havelsee. Brösigkenslaake (1801: Brösickenslaake, Meierei, nebst Ziegelei, unweit Döberitz, zu Ketzür gehörig in Adelsbesitz). Existiert nicht mehr; lag (hier ). Brunne (1801: Dorf und Gut, war in Adelsbesitz mit einem Anteil des Amtes Fehrbellin). Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Buchow-Karpzow (1801: Buchow-Carpzow, Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Wustermark. Buckow (1801: Dorf, gehörte dem Domstift Brandenburg). Gemeindeteil der Gemeinde Milower Land. Burgmühle, Wasser-, Mahl- und Schneidemühle, auf der Burg oder dem Dom bei Brandenburg. Die Mühle südlich der Dominsel, Stadt Brandenburg an der Havel. Mühlendamm. auf dem Burgwall, Fischerhäuser, nahe der Stadt Spandau (1801: gehörten zum Amt Spandau). Berlin-Spandau, Straße: Spandauer Burgwall. Buschow (1801: Dorf und zwei Güter, in Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Märkisch Luch. Butzow (1801: Dorf, Amt Brandenburg und Adelsbesitz). Ortsteil der Gemeinde Beetzseeheide, Lkr. Potsdam-Mittelmark Charlottenhof, (auch Carolinenhof oder Krummendamm bei Plaue, Adelsbesitz). Wohnplatz bei Plaue, Stadt Brandenburg an der Havel. Crakauische Wassermühle, zwischen der Altstadt Brandenburg und dem Dom. Existiert nicht mehr. Straße bzw. Brücke Kraukuische Straße. Curland, adl. Gut, auf dem Grund und Boden der Stadt Rathenow (1801: Adelsbesitz). In Rathenow aufgegangen. Dallgow (1801: Dorf, Adelsbesitz). Gemeindeteil von Dallgow-Döberitz. Damme (1801: Dorf, Domstift Brandenburg) Damm bei Spandau, Fischerdorf, oder Vorstadt bei Spandau, Krug: der weiße Krug genannt. In Berlin-Spandau aufgegangen. Dechtow (1801: Dorf und Gut, ein Anteil Adelsbesitz, ein Anteil Amt Fehrbellin, und ein Anteil Amt Vehlefanz). Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Deutschhof (1801: Amtsvorwerk und Kolonie, Amt Königshorst). 1732 wurde auf dem Schafhorst auf dem Gebiet des Amtes Königshorst ein Vorwerk und eine Kolonie angesetzt. 1750 siedelten hier acht Familien. Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Dickte (1801: Vorwerk, in Adelsbesitz). Gemeindeteil der Gemeinde Kleßen-Görne. Döberitz (1801: Dorf, bei Rathenow, in Adelsbesitz). Ortsteil der Stadt Premnitz. Döberitz (1801: bei Spandau, Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Existiert nicht mehr (Lage: ). 1892 für die Anlage des Truppenübungsplatzes Döberitz geräumt. Nach 1945 wieder besiedelt. 1957 endgültig geräumt und zum großen Teil abgetragen. Dreibrück (1801: Krug, gehörte zum Amt Königshorst). 1721 wird hier erstmals ein Krug erwähnt. Gemeindeteil der Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Dyrotz (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Gemeindeteil der Gemeinde Wustermark. Eiche (1801: Eichhow Dorf, Amt Potsdam). Stadtteil von Potsdam. Eiswerder (1801: Etablissement, auf einer Insel in der Havel bei Spandau, gehörte zum Amt Spandau). Berlin-Spandau Elslaake (1801: zwei Vorwerke, zwei Schäfereien, eine Windmühle, bei Hohennauen, in Adelsbesitz). Gemeindeteil der Gemeinde Seeblick. Entenfang. Forsthaus, bei Bornim an dem Forst gelegen (1801: gehörte zum Amt Potsdam). Stadt Potsdam (Fuchsweg, Kasernengelände) Etzin (1801: Dorf und Gut, drei Anteile, bürgerlicher Besitz, Domstift Brandenburg und Amt Ziesar). Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel. Uetz (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). Gemeindeteil von Uetz-Paaren, Stadt Potsdam. Fahrland (1801: Dorf und Amtssitzvorwerk, Amt Fahrland). Ortsteil von Potsdam. Falkenhagen (1801: Dorf, verwaltet vom Amt Spandau). Ortsteil der Stadt Falkensee. Falkenrehde (1801: Dorf und Gut, gehörte der Kämmerei der Stadt Potsdam). Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel. Fehrbellin (1801: Amtssitzvorwerk, Amt Fehrbellin). Gemeinde Fehrbellin, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Feldberg (1801: Dorf, zwei Anteile, ein Anteil Amt Fehrbellin, anderer Anteil in Adelsbesitz). In Fehrbellin (Lkr. Ostprignitz-Ruppin) aufgegangen (heute Feldbergstraße). Ferbitz (1801: Dorf und Gut, in Adelsbesitz). 1936/37 in die Erweiterung des Truppenübungsplatzes Döberitz einbezogen und entsiedelt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gebäude abgerissen. Ferchesar (1801: Dorf, ein Anteil Amt Ziesar, ein Anteil Domstift Brandenburg). Ortsteil der Gemeinde Stechow-Ferchesar.