mini|Karl Friedrich Wilhelm Lüdke, Porträt eines unbekannten Künstlers Karl Friedrich Wilhelm Lüdke (* 17. Juni 1778"Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500-1971," database, FamilySearch: 24 October 2021, null in entry for Carl Friedrich Wilhelm Lüdke, 30 Jun 1778; images digitized and records extracted by Ancestry; citing Baptism, Berlin, Brandenburg, Deutschland, German Lutheran Collection, various parishes, Germany. in Berlin; † 2. November 1834 in Altlandsberg), auch Lüdecke, Lüdcke oder Lütke, war ein deutscher Landwirt, königlich preußischer Oberamtmann, Pächter des Rittergutes Brunn bei Neustadt an der Dosse, Eigentümer des Rittergutes Waldow bei Lübben im Spreewald sowie danach Pächter der Staatsdomäne in Altlandsberg nordöstlich von Berlin.

Abstammung

Lüdke war der zweitälteste Sohn des Theologen, Schriftstellers und Diakons an der Nikolaikirche in Berlin Friedrich Germanus Lüdke (1730–1792) und seiner Ehefrau Elisabeth Charlotta Weissenberg, die er 1763 geheiratet hatte und die vor 1791 verstarb.

Direkte Vorfahren sind der Havelsberger Domherr Matthäus Ludecus und der kurfürstlich brandenburgischen Kanzler Johann Weinlob.Matthias Bugaeus: Leichenpredigt für Germanus Luidtke. Stendal 1673. (Stadtarchiv Braunschweig, Band 95, Nr. 25)

Jugend, Schulzeit und Berufsausbildung

Als sein Vater 1792 verstarb, wurde Lüdke mit seinen fünf weiteren minderjährigen Geschwistern Vollwaise. Aufgrund seiner späteren beruflichen Tätigkeit muss man wohl annehmen, dass er eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen hat.

mini|Eleonore Piefke, Porträt eines unbekannten Künstlers Familie

Im Jahre 1804, also im Alter von 26 Jahren, heiratete er in Bechlin, einem Wohnplatz der Stadt Neuruppin im jetzigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Louise Sophie Seger, die Tochter dortigen Pfarrers Johann Christoph Samuel Seger.Deutschland, Preußen, Brandenburg und Posen, Kirchenbuchduplikate 1794–1874, database with images, FamilySearch: abgerufen am 10. September 2017. Hr. Wilhelm Lüdke and Louise Sophie Seger, 1804. Aus der Ehe ging Louise Wilhelmine Luedtke, geb. am 9. Oktober 1805 in Brunn, hervor.Deutschland, Preußen, Brandenburg und Posen, Kirchenbuchduplikate 1794–1874. database with images, FamilySearch: abgerufen am 29. März 2016., Louise Wilhelmine Luedke, 1805 Die Ehefrau und Mutter verstarb schon am 13. Oktober 1805 in Brunn.Deutschland, Preußen, Brandenburg und Posen, Kirchenbuchduplikate 1794–1874, database with images, FamilySearch: abgerufen am 3. August 2017. Louise Seegern, 1805. In dem Sterbeeintrag wird der Ehemann (Ludken) als königlicher Amtmann bezeichnet.

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er 1806 in Stettin Eleonore Juliane Piefke (1788–1838). Sie war die Tochter des Kaufmanns Johann Tobias Pief(c)ke und seiner Ehefrau Carolina Henrietta Tielebein, der Tochter des Stettiner Kaufmanns und Reeders Gotthilf Friedrich Tilebein, mit dessen Sohn Carl Gotthilf Tilebein Johann Tobias Pief(c)ke das Handelsgeschäft ab 1787 weiterführte. Die Ehefrau des Carl Gotthilf, die Salonnière Sophie Auguste Tilebein unterstützte später großzügig die kinderreiche Familie ihrer Schwägerin Eleonore Juliane Lüdke geb. Piefke, die auch „Laura“ genannt wurde.Otto Altenburg: Die Tilebeins und ihr Kreis. Stettin 1937, S. 182, 228 und 242, digital:

Lüdke hatte sieben Söhne und sechs Töchter.

Beruflicher Werdegang miniatur|Rittergut Brunn um 1860, Sammlung Alexander Duncker Seine berufliche Tätigkeit begann er in Brunn bei Neustadt/Dosse. In dem vorgenannten Sterbeeintrag der ersten Ehefrau von 1805 wird der Ehemann (Ludken) als königlicher Amtmann bezeichnet. Lüdke war Pächter des Rittergutes Brunn, das in der jetzigen Gemeinde Wusterhausen/Dosse liegt. Dieses Gut gehörte dem Generalleutnant Friedrich Gisbert Wilhelm von Romberg (1729–1809) und danach seinem Sohn Oberst Conrad von Romberg (1783–1833), deren Familien zwar im Schloss wohnten. Das Gut war aber verpachtet, weil die Eigentümer Offiziere waren. Aus dem Kirchenbuch der Gemeinde Brunn ist ersichtlich, dass in Brunn während der zweiten Ehe insgesamt sieben Kinder in der Zeit von 1807 bis 1817 geboren wurden.

Im Herbst 1806 besetzten französische Truppen unter Napoleon Bonaparte Preußen. Die Besetzung dauerte bis 1812. Während dieser Zeit war Lüdke als Pächter in Brunn tätig. In einer amtlichen Bekanntmachung wird er als Amtmann Lüdecke zu Brunn bezeichnet.Amtsblatt der Königlichen Churmärkischen Regierung zu Potsdam. 1814 (Bekanntmachung vom 7. Januar 1814), digital: Er hatte sich an einer Spende für die kranken und verwundeten vaterländischen Krieger an die Provinzial-Lazarett-Kasse beteiligt.

In den Jahren 1819 und 1821 wurden die Kinder Rudolph Hermann Luetke und Emma Rosalie Luedke in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben im jetzigen Landkreis Dahme-Spreewald in der Niederlausitz getauft.Family Search, Deutschland, Preußen, Brandenburg und Posen, Kirchenbuchduplikate 1794-1874 und Sie waren offensichtlich in Waldow bei Lübben, das 1815 preußisch geworden war, geboren. Dort war Lüdke zu diesem Zeitpunkt als „Amtmann auf Waldow“ tätig.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. 1819, S. 321, digital:

Lüdke hatte das Rittergut Waldow nach der Geburt seines noch 1817 in Brunn geborenen Sohnes Julius Heinrich Lüdke erworbenHeinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts oder geographisch-historisch-statistische Beschreibung der Provinz Brandenburg. Band 3, Brandenburg 1856, S. 644, Rudolf Lehmann, Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz, Band I: Einleitungen und Übersichten. Die Kreise Luckau, Lübben und Calau, 01.01.2021, S. 138 f, Books on Demand, Vorschau und war auch als Amtmann auf Waldow tätig.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a. d. Oder. 1819, S. 321, digital: In der Bekanntmachung wird er zwar als „Amtmann auf Waldau“ bezeichnet. Hier handelt es sich aber offensichtlich um den Ort „Waldow“, da sich dieser Ort in der Nähe von Lübben befindet. Das Gut wird beschrieben in dem Buch von Houwald.Götz von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 5: Kreis Luckau. 1996, S. 439 ff. In dem Buch wird Lüdke als Eigentümer genannt.

Das Gut hat Lüdke dann wegen der Übernahme der Pacht der Staatsdomäne in Altlandsberg schon nach kurzer Zeit im Jahre 1822 an den Grafen Joaquim José Lobo da Silveira aus dem Adelsgeschlecht Oriola verkauft.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. 1826, S. 65,

Es handelte sich dabei um Joaquim von Oriola, der als portugiesischer Gesandter am Preußischen Hof tätig war, sich dann in Preußen einbürgern ließ und am 6. Juni 1822 vom preußischen König das Patent für den preußischen Grafenstand erhalten hatte.

mini|Altlandsberg auf dem Urmesstischblatt 3448 Altlandsberg von 1839. Das Amtsgebäude nördlich dem eigentlichen Stadtkern ist mit A bezeichnet. Ab dem Jahre 1823 übernahm Lüdke durch Zession von dem Oberamtmann Lucke das Generalpachtverhältnis bezüglich des zum Amte Alt-Landsberg gehörigen Königlich-Domänen-Vorwerks Alt-Landsberg mit den unmittelbar daran grenzenden Neben-Vorwerken Wolfshagen und Neu-Werk nebst einer Brau- und Brennerei und mehreren Familienwohnungen. Der Domänenpächter hatte 2615 M Acker, 45 M Gärten und Weiden, 260 M Wiesen und 56 M Holzung, zusammen 2977 M zur Benutzung.Karl Gähde: Geschichte der Stadt Landsberg. G. Schwetschke’scher Verlag, Halle 1857, S. 123, (Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V., Bibliothekskatalog Sign. 2913 -SM-) Dieser Zession wurde „höheren Orts“ zugestimmt mit der Maßgabe, dass Lüdke zum „Rent- und Polizeibeamten und zum Rendanten der Gerichtsdepositorii“ bestellt wurde In der Bekanntmachung wurde Lüdke als „vormaliger Gutsbesitzer“ bezeichnet.Amtsblatt der Regierung in Potsdam. 1823. S. 302, digital: Im Jahre 1833 machte die Königliche Regierung bekannt, dass die Domäne Alt-Landsberg verkauft werden sollte.Amtsblatt der kgl. Preußischen Regierung zu Frankfurt a. d. Oder. 1833. Öffentlicher Anzeiger als Beilage zum Amtsblatt S. 1, digital Diese Veräußerung fand aber nicht statt. Am 27. Februar 1833 wurde bekannt gemacht, dass im Wege der Submission die Domäne verpachtet werden sollte.Amtsblatt der kgl. Preußischen Regierung zu Frankfurt a. d. Oder. 1833. Öffentlicher Anzeiger als Beilage zum Amtsblatt S. 41, digital

Lüdke schloss den Pachtvertrag für die Zeit von 1833 bis 1863 ab. Für den Neuabschluss war wohl maßgebend, dass Lüdke „die Domänengrundstücke auf eine vorzügliche, zuvor noch nicht dagewesene Stufe der Cultur und Ertragsfähigkeit erhoben“ hat.

Lüdke verstarb schon 1834 und wurde in einem Erbbegräbnis beigesetzt. Aufgrund eines Ministerial-Rescripts vom 10. Oktober 1835 wurde der Witwe unter Beistand ihres ältesten Sohnes Gustav Germanus Lüdke das Pachtobjekt überlassen; doch wurde im Jahre 1836 mit beiden ein besonderer Kontrakt für die bezeichnete Zeit geschlossen. Nach dem Tode der Mutter im Jahre 1838 hat ihr genannter Sohn Gustav Lüdke das Amt bis 1863 allein ausgeübt. In der Zeit zwischen dem Tod beider Ehegatten wurden die beiden Pächter „Lüdckesche Erben“ genannt.Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1836. S. 253, digital:

Nachkommen (Auswahl) Der älteste Sohn war Gustav Germanus Lüdke (Luedke) (1803–1894). Ab 1838 war er Generalpächter des Königlich-Domänen-Vorwerks Alt-Landsberg. Nach Beendigung des Pachtverhältnisses im Jahre 1863 war er von 1868 bis 1878 als Amtsrat Besitzer des Rittergutes in Ober-Schönfeld bei Bunzlau in Schlesien. Das Gut besaß eine Brennerei und 1221 Morgen Land.Güteradressbuch Schlesien 1873/Bunzlau, Nr. 50, digital: Johann G. Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. preuss. Provinz Schlesien. 1845, S. 605, digital: Der Sohn Julius Heinrich Lüdke (Luedke) (1817–1892) war nach Schlesien etwa im Jahre 1842 ausgewandert und übernahm die Verwaltung des Gutes des Grafen Franz von Zawadzki in Ponischowitz bei Gleiwitz.Zum Gut Ponischowitz vergl. Website Paläste Schlesiens. Abgerufen am 18. August 2016, digital: Nachdem seine Ehefrau Ottilie Heinze 1852 verstorben war, heiratete er 1854 Anna Euphemia Gemander (1826–1908), die Schwester des späteren Rittergutsbesitzers und Amtmanns Anton Gemander (1822–1889), mit dem er das Karl Godulla gehörende Gut Bujakow im Kreis Beuthen seit 1851 bewirtschaftete. Der Schwager war Generalbevollmächtigter des Zinkkönigs und Wirtschaftsführers in Oberschlesien Karl Godulla (1781–1848). Im Jahre 1873 wird der „Direktor“ Lüdke als Bevollmächtigter des Gutes Bujakow, das eine Größe vom 3096 Morgen hatte, genannt. Es gehörte damals der Gräfin von Schaffgotsch geb. Schomberg-Godulla, der Erbin des Karl Godulla.Güteradressbuch Schlesien 1873/Nachnamen/Lüdke, digital Die Tochter Albertine Juliane Luedke (Bertha)Family Search, Deutschland, Preußen, Brandenburg und Posen, Kirchenbuchduplikate, Albertine Juliane Luedke, online (1807–1838) heiratete 1837 den Prediger Karl August Friedrich Wilmsen (18051883), den Sohn des reformierten Predigers in Berlin Friedrich Philipp Wilmsen. Die beiden hatten sich bei den häufigen Besuchen des jungen Wilmsen bei seinem Onkel, dem Pfarrer an der Schlosskirche in Altlandsberg Leopold Lebrecht Hanckwitzzu Hanckwitz: GenWiki, Neuruppin (Brandenburg)/ Pfarrer Die zweite Pfarrstelle – ehemals reformiert, Nr. 6, online (1793–1811), und seiner Ehefrau Karoline Sophie Dorothea Wilmsen, einer Schwester seines Vaters, kennengelernt hatte.Hans Gerber: Albert Baur – Ein Lebensbild, Privatdruck 1971, S. 27 f., online Bei den Besuchen hatte Wilmsen auch die Familie des Oberamtmanns Lüdke kennengelernt. Ein Jahr nach der Hochzeit verstarb Bertha kinderlos.