Marlen Reusser (* 20. September 1991 in Jegenstorf) ist eine Schweizer Radsportlerin. Sie ist zweifache Weltmeisterin im Einzelzeitfahren (2025, 2026) und gewann zwei weitere Weltmeistertitel mit der Schweizer Mixed-Staffel (2021, 2022). Zudem gewann sie dreimal die Tour de Suisse (2023, 2025, 2026) und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2021 im Einzelzeitfahren.

Sportliche Laufbahn Marlen Reusser begann ihre sportliche Laufbahn während der Schulzeit als Läuferin; nach mehreren Operationen an den Sprunggelenken musste sie diesen Sport jedoch aufgeben und wechselte zum Schwimmen und zum Radsport. Ab Ende der 2000er Jahre bestritt sie unter anderem Brevets und Triathlons. 2014 nahm sie im Alter von 22 Jahren als jüngste Fahrerin am Alpenbrevet teil.

2017 wurde Marlen Reusser Schweizer Meisterin im Einzelzeitfahren und Vize-Meisterin im Strassenrennen. Daraufhin wurde sie für das Zeitfahren der Europameisterschaften in Kopenhagen nominiert, wo sie Rang 28 belegte, ebenso belegte sie an den Weltmeisterschaften im norwegischen Bergen den 28. Rang.

2018 stürzte sie am Strassenrennen Kiesen schwer und zog sich eine instabile Beckenringfraktur zu. Später im Jahr wurde sie für die Teilnahme bei den Strassen-Weltmeisterschaften im österreichischen Innsbruck nominiert, wo sie im Einzelzeitfahren Platz 17 belegte.

2019 gewann sie das Einzelzeitfahren bei den Europaspielen in Minsk und wurde zweifache Schweizer Meisterin. Bei den UCI-Strassen-Weltmeisterschaften 2019 belegte sie den sechsten Rang im Einzelzeitfahren, im Strassenrennen kam sie als 34. ins Ziel.

Im Jahr darauf wurde sie im Einzelzeitfahren Schweizer Meisterin und Vize-Weltmeisterin bei den Strassen-Weltmeisterschaften in Imola.

Zur Saison 2021 wurde Reusser Mitglied im damaligen Team Alé BTC Ljubljana, mit dem sie bei der Simac Ladies Tour und der La Vuelta Femenina mit jeweils einem Etappenerfolg ihre ersten Siege auf der UCI Women’s WorldTour erzielte. Bei den Olympischen Spielen in Tokio errang sie die Silbermedaille im Einzelzeitfahren, im Strassenrennen belegte sie den 46. Platz. Darüber hinaus wurde sie Europameisterin in Einzelzeitfahren und gewann die nationalen Titel in Zeitfahren und Strassenrennen.

Zur Folgesaison wechselte Reusser zum Team SD Worx. Ihr grösster Erfolg in der Saison 2022 war der Gewinn der vierten Etappe der Tour de France Femmes, die sie mit einem Solo über 23 Kilometer für sich entschied. Nach einem Sturz auf der sechsten Etappe ging sie am folgenden Tag nicht mehr an den Start. Bei den Europameisterschaften in Anadia verteidigte sie ihren Titel im Einzelzeitfahren, bei den Weltmeisterschaften gewann sie den Titel mit der Mixed-Staffel und die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren.

In die Saison 2023 startete Reusser mit dem Gewinn von Gent–Wevelgem, nach einem Solo über 40 Kilometer. Als Dritte bei Lüttich–Bastogne–Lüttich stand sie ein weiteres Mal auf dem Podest eines Klassikers. Bei der Itzulia Women gewann sie – erneut mit einem Solo – die letzte Etappe und sicherte sich damit erstmals die Gesamtwertung bei einer Rundfahrt. Einen Monat später war sie auch bei der Tour de Suisse Women erfolgreich, den Grundstein legte sie hier mit dem Gewinn des Einzelzeitfahrens am zweiten Tag der Rundfahrt. Bei der Tour de France Femmes gewann sie das abschliessende Einzelzeitfahren. Bei den Weltmeisterschaften in Glasgow errang sie erneut den Titel mit der Mixed-Staffel. Im Einzelzeitfahren als Favoritin gestartet, hatte sie während des Rennens einen mentalen Einbruch und gab auf. Im anschliessenden Strassenrennen hatte sie als Vierte das bisher beste Ergebnis ihrer Karriere. Zum Saisonabschluss verteidigte sie bei den Europameisterschaften zum zweiten Mal in Folge den Titel im Einzelzeitfahren. Insgesamt schloss sie die Saison 2023 als Dritte der Weltrangliste ab.

2024 knüpfte Reusser vorerst an die Leistungen der Vorsaison an. Sie gewann mit der Setmana Ciclista Valenciana die erste Rundfahrt des Jahres. Am 31. März 2024 zog sie sich bei einem Sturz bei der Flandern-Rundfahrt eine Mehrfach-Verletzung zu, wodurch sie für einige Zeit ausfiel. Aufgrund einer Erkrankung am Post-COVID-Syndrom in Form von Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) musste Reusser ihre Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und den Weltmeisterschaften 2024 in Zürich absagen.Marlen Reusser muss auch auf Heim-WM verzichten. In: SRF. 20. August 2024, abgerufen am 23. August 2024.

Zu Beginn des Jahres 2025 wechselte Reusser zum Movistar Team Women, bei dem sie die Saison erfolgreich begann: Sie gewann u. a. die WorldTour-Rundfahrten Vuelta a Burgos und Tour de Suisse. Bei der Vuelta Femenina und dem Giro d’Italia wurde sie jeweils Zweite. Nachdem Reusser die Tour de France auf der ersten Etappe krankheitsbedingt aufgeben musste, wurde sie in Kigali erstmals Weltmeisterin im Einzelzeitfahren.

2026 siegte Reusser beim neu in die Women’s WorldTour aufgenommenen Dwars door Vlaanderen. Im Juni des Jahres gelang es ihr, zum dritten Mal die Tour de Suisse zu gewinnen, die erstmals über fünf Etappen ausgetragen wurde.Mathias Kainz: Tour de Suisse: Marlen Reusser fährt souverän zum dritten Gesamtsieg. In: Nau.ch, 21. Juni 2026. Bei der Tour de France holte sie sich durch den Sieg beim Einzelzeitfahren auf der 4. Etappe für zwei weitere Etappen das Gelbe Trikot der Führenden in der Gesamtwertung.

Leben und Beruf Marlen Reusser ist in einer Bauernfamilie in Hindelbank aufgewachsen. Bis sie 16 Jahre alt war, spielte sie Geige und studierte im Rahmen eines Förderprogrammes an der Hochschule der Künste Bern. Nach der Matura studierte sie Medizin und arbeitete als Assistenzärztin für Chirurgie. Noch während der Vorbereitung auf die Strassen-Weltmeisterschaft in Innsbruck arbeitete sie Teilzeit als Ärztin im Spital Langnau. 2021 promovierte sie.«Es muss normal werden, dass Frauen Heldenrollen bekleiden». In: Tages-Anzeiger. 24. Dezember 2021, S. 2–3.

Politisches Engagement Marlen Reusser engagiert sich politisch für eine nachhaltige und ökologische Gesellschaft. Von 2008 bis 2009 war sie Präsidentin der Jungen Grünen des Kantons Bern, von 2017 bis 2018 war sie im Vorstand der Grünen Emmental.Marlen Reusser. Kandidatur Nationalratswahlen vom 23. Oktober 2019. In: Wahlplattform Smartvote. Politools – Political Research Network, abgerufen am 20. Oktober 2010. Reusser setzt sich für einen besseren Status des Frauenradsports ein.

Ehrungen 2020 wurde Marlen Reusser mit einem Swiss Cycling Award als Schweizer Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet. 2021 wurde der Swiss Cycling Award gleich an vier Radsportlerinnen vergeben, darunter erneut an Marlen Reusser.

Palmarès mini|Reusser als Europameisterin auf dem Podium mit Ellen van Dijk und Riejanne Markus bei den European Championships 2022 2017 20px Schweizer Meisterin – Einzelzeitfahren 20px Schweizer Meisterin – Berg 2019 Ljubljana-Domžale-Ljubljana TT Europaspielesiegerin – Einzelzeitfahren 20px Schweizer Meisterin – Strassenrennen, Einzelzeitfahren 2020 20px Schweizer Meisterin – Einzelzeitfahren Europameisterschaft – Mixed-Staffel Europameisterschaft – Einzelzeitfahren Weltmeisterschaft – Einzelzeitfahren 2021 20px Schweizer Meisterin – Strassenrennen, Einzelzeitfahren Olympische Sommerspiele 2020 – Einzelzeitfahren eine Etappe Simac Ladies Tour Europameisterin – Einzelzeitfahren eine Etappe Ceratizit Challenge Chrono des Nations 2022 eine Etappe Tour de France Femmes Europameisterin – Einzelzeitfahren Weltmeisterin – Mixed-Staffel 2023 Gent–Wevelgem Gesamtwertung, eine Etappe und Punktewertung Itzulia Women Gesamtwertung, eine Etappe und Punktewertung Tour de Suisse 20px Schweizer Meisterin – Strassenrennen eine Etappe Tour de France Femmes Europameisterin – Einzelzeitfahren Weltmeisterin – Mixed-Staffel 2024 Gesamtwertung und eine Etappe Setmana Ciclista Valenciana 2025 Trofeo Palma Femina Gesamtwertung, zwei Etappen, Punkte- und Bergwertung Vuelta a Burgos Gesamtwertung, zwei Etappen und Punktewertung Tour de Suisse 20px Schweizer Meisterin – Einzelzeitfahren eine Etappe Giro d’Italia Women Weltmeisterin – Einzelzeitfahren Weltmeisterschaft – Mixed-Staffel Europameisterin – Einzelzeitfahren Europameisterschaften – Mixed-Staffel 2026 Dwars door Vlaanderen Gesamtwertung, zwei Etappen und Punktewertung Tour de Suisse eine Etappe Tour de France Femmes Chrono Gatineau Weltmeisterin – Einzelzeitfahren Weltmeisterschaften – Mixed-Staffel

Wichtige Platzierungen

Literatur Christof Gertsch: Marlen Reusser im grossen Porträt: Dr. med. Veloprofi. In: Tages-Anzeiger/Das Magazin, 14./15. Juli 2023.

Weblinks

Offizielle Website

Dominic Dillier: Radprofi Marlen Reusser: «Unsere Schweine haben mich politisiert». In: Focus (Schweizer Radio SRF). 10. Mai 2021 (schweizerdeutsch; mit Audio; 59 min) Post-Covid-Syndrom bei Radstar – Reusser: «Im Moment bin ich chronisch krank». In: SRF.ch, 17. September 2024 (mit TV-Dokumentation, 70 min)

Einzelnachweise

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