Groß Breesen () ist ein Ortsteil der Stadt Guben im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg.
Lage Groß Breesen liegt in der Niederlausitz unmittelbar an der Grenze zu Polen. Die Stadt Guben ist etwa vier Kilometer entfernt. Umliegende Ortschaften sind Bresinchen im Norden, die bereits in Polen liegenden Dörfer Budoradz (Buderose) im Nordosten, Drzeńsk Wielki (Klein Drenzig) im Osten und Drzeńsk Mały (Groß Drenzig) im Südosten, die Stadt Guben im Süden sowie die zur Gemeinde Schenkendöbern gehörenden Ortsteile Wilschwitz und Grano im Südwesten, Lauschütz im Westen und Sembten im Nordwesten.
Groß Breesen liegt an der Landesstraße 7148 nach Guben. Die Bundesstraße 112 nach Frankfurt (Oder) verläuft durch den westlichen Teil der Gemarkung des Dorfes. Durch Groß Breesen verläuft die Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Cottbus.
Die Lausitzer Neiße fließt östlich des Ortes und bildet die Grenze zu Polen.
Geschichte mini|links|Dorfkirche Erstmals wurde Groß Breesen im Jahr 1293 als „Bresyn“ urkundlich erwähnt. 1347 erfolgte die Namensnennung als „grossen Breesen“. Der Ortsname stammt aus der sorbischen Sprache und bedeutet „Birkenwald“, der Zusatz „Groß“ dient der Unterscheidung zum benachbarten Bresinchen („Klein Breesen“). Groß Breesen erhielt als Pfarrei eine eigene Mutterkirche. Die fünf Dörfer Breslack, Coschen, Seitwann, Buderose und das heutige Vorwerk Grunewald waren nach Groß Breesen eingepfarrt. 1852 wurde die alte Dorfkirche von Groß Breesen durch einen Neubau ersetzt.
Das örtliche Rittergut wies mehrfach Besitzerwechsel auf. Es war ein altes Lehngut in der Hand mehrerer Adelsfamilie, wie den von Beerfeldt(e), von Haugwitz.Eberhard Graf von Haugwitz: Die Geschichte der Familie von Haugwitz. Nach den Urkunden und Regesten aus den Archiven von Dresden, Naumburg, Breslau, Prag, Brünn und Wien. Band 1, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1910, S. 103.Genealogisches Handbuch der bürgerlichen Familien, ein Deutsches Geschlechterbuch, Dreizehnter Band, Hrsg. Bernhard Koerner, Zeichnungen Ad. M. Hildebrandt, Georg Otto, Lorenz M. Rheude, Roderich v. Haken, C. A. Starke, Görlitz 1907, S. 443 f. Andere Adelsgeschlechter hielten kurz Anteile am Gut Groß Breesen, wie Wilhelm Ernst Sigismund von Ferentheil und Gruppenberg durch Einheirat.Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Hrsg. Band VI. 8. Heft, Teil 6, Bauer & Raspe Emil Küster, Nürnberg 1888, S. 44. Das Gut hatte einen Umfang von etwa 590 ha, davon waren 157 ha Forsten. Mitte der 19. Jahrhunderts gehörte es der briefadeligen Familie von Kutzschenbach,Stammbaum der Familie von Kutzschenbach mit Portraitaufnahmen und Vita-Daten. vertreten durch den kurfürstlich sächsischen Premierleutnant Moritz von Kutzschenbach (1763–1847), verheiratet mit Karoline von Gabriel-Gansgrün, dann durch ihren Sohn, Ferdinand von Kutzschenbach (1799–1857), liiert mit Rosamunde Trierenberg.Marcelli Janecki (Red. zug.): Handbuch des Preußischen Adels, Erster Band, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 323 f. Groß Breesen war teils Nebengut, Hauptwohnsitz Gut Gansgrün. Die Nachfahren, u. a. der Sohn Alexander von Kutzschenbach (1835–1909),Baron Alexander von Kutzschenbach Nachkommen e. V., Wiesbaden, 2023. hatten dann Gutsbesitz in GeorgienAus Brandenburg in den Kaukasus. und erhielten die Anerkennung des kaiserlich russischen Barontitel.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1907, Erster Jahrgang, Briefadelige Häuser nach alphabetischer Ordnung. K, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 453 f.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil B (Briefadel). 1939. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 31. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 370 f. Daher fand auch die Hochzeit der Elisabeth von Kutzschenbach mit Oswald von Hertzberg in Groß Breesen statt.Ihr Sohn Kurt von Hertzberg, Landrat in Schlesien, und Offizier, wurde aber in Görlitz geboren. Um 1880 war der bürgerliche Landwirt Heinrich CaesarBureau der Königlichen Regierung: 1. Außerordentliche Beilage, Ausgegeben am 29. Juli 1874, in: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Frankfurt a. d. Oder 1874, Trowitzsch & Sohn, Frankfurt a. d. O. 1874, S. 4. der Eigentümer des Gutes. 1892 wurde er ihm vom Kaiser der Charakter eines Oekonomie-Rats verliehen.Seine Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht, dem Rittergutsbesitzer Caesar zu Groß Breesen, Landkreis Guben, den Charakter als Oekonomie-Rath zu verleihen., in: Bureau der Königlichen Regierung zu Frankfurt a. O.: Amts-Blatt der Königl. Preuß. Regierung zu Frankfurt a./O., Stück 34, Ausgegeben den 24. August 1892, Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a. O. S. 247. Ihm folgten aus seiner Familie Oskar Caesar, und in den 1920er Jahren Heinz Caesar als Verwalter. Die Gutsgröße blieb mit 599 ha stabil, vor der großen Wirtschaftskrise 1929/1930.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. (1929). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Prenzlau, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 209.
1862 wurde gegenüber der Kirche das erste Schulgebäude errichtet. An dieser Schule wurden bis zu 193 Schüler der Dörfer Groß Breesen, Grunewald und Bresinchen unterrichtet. 1905 wurde eine zweite Schule gebaut, fortan wurde in beiden Gebäuden unterrichtet.
Während des Ersten Weltkrieges wurde in Groß Breesen ein Kriegsgefangenenlager für 1.800 Gefangene errichtet. Der erste Transport russischer Kriegsgefangener traf am 11. September 1914 in Groß Breesen ein. Der offizielle Name des Lagers lautete „Kriegsgefangenenlager Guben“, allerdings bürgerte sich schnell die Bezeichnung „Russenlager“ im Sprachgebrauch ein. Im Juli 1921 wurde das Lager aufgelöst. Zeitweise befanden sich im Lager 10.000 Gefangene, mindestens 500 Gefangene starben.
1953 erhielt Groß Breesen einen eigenen Kindergarten. Seit 2005 wird dieser von einem freien Träger verwaltet, zuvor war es die Stadt Guben. Zum 1. Januar 1976 wurden die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften „Blühende Aue“ aus Bresinchen und „Fortuna Groß Breesen“ sowie die Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften „Groß Breesen“ und „Guben“ zur „GPG Fortuna“ mit Sitz in Groß Breesen zusammengeschlossen. Nach der Wende wurde die GPG in die „Gubener Gemüse- und Agrargenossenschaft“ umgewandelt, welche 1998 in Insolvenz ging.
Verwaltung Groß Breesen lag seit jeher in der Markgrafschaft Niederlausitz und kam erst 1815 zum Königreich Preußen und war dort zwischen 1816 und 1945 Teil des Regierungsbezirkes Frankfurt in der Teilprovinz Neumark. Innerhalb des Regierungsbezirkes war Groß Breesen Sitz des gleichnamigen Amtsbezirkes, dem unter anderem auch die Gemeinden Bresinchen und Grunewald angehörten. Zur Zeit der Sowjetischen Besatzungszone lag Groß Breesen zwei Jahre lang im Landkreis Frankfurt (Oder). Am 1. Juli 1950 erfolgte die Eingemeindung nach Guben.
Am 25. Juli 1952 wurde Groß Breesen dem neu gebildeten Kreis Guben im Bezirk Cottbus zugeordnet. Nach der Wende lag die Gemeinde zunächst im Landkreis Guben und wurde mit der brandenburgischen Kreisreform vom 6. Dezember 1993 dem Landkreis Spree-Neiße zugeordnet.
Die Groß Breesener Kirche gehört zur Kirchengemeinde Region Guben innerhalb des Kirchenkreises Cottbus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Groß Breesen von 1875 bis 1992Jahr EinwohnerJahr Einwohner1875793193312061890911193912401910900194616811925863
Persönlichkeiten Johann Crüger (1598–1662), Komponist, geboren in Groß Breesen Ernst Tillich (1780–1807), Pädagoge, geboren in Groß Breesen Günther Harder (1902–1978), evangelischer Pfarrer, Theologe und Hochschullehrer, geboren in Groß Breesen
Literatur Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung, in: Brandenburgische historische Studien; Band 13, Verlag be.bra Wissenschafts-Verlag, Berlin 2005, S. 33, ISBN 3-937233-30-X. Ulrich Stephan: Chronik des Kirchspiels Groß Breesen, Hrsg. Evangelische Kirchengemeinde Region Guben, Niederlausitzer Verlag, Guben 2006, ISBN 3-935881-36-3. Gerhard Vinken, Barbara Rimpel u. a.: Dehio – Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler/ Brandenburg, in: Georg Dehio/Nachfolge Dehio Vereinigung e. V., 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2012, S. 415f., ISBN 978-3-422-03123-4. Andreas Peter: „Russenlager“. Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges in Groß Breesen bei Guben, 2. Auflage, Niederlausitzer Verlag, Guben 2017, ISBN 978-3-943331-46-2. Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz, Band II: Die Kreise Cottbus, Spremberg, Guben und Sorau, in: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs; 02, Berliner Wissenschafts-Verlag, Stuttgart 2020, S. 179f., ISBN 978-3-941919-90-7.
Weblinks
Groß Breesen auf der Seite der Stadt Guben
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Spree-Neiße Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Geographie (Guben) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Spree-Neiße) Kategorie:Ersterwähnung 1293 Grossbreesen Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ort an der Lausitzer Neiße