alt=Luftaufnahme des Flensburger Campus|mini|Überblick über den Campus Die Europa-Universität Flensburg (EUF) ist eine staatliche Universität in der Stadt Flensburg. Sie liegt grenznah zu Dänemark im Flensburger Stadtteil Sandberg. Die EUF ist eine von zwei Europa-Universitäten in Deutschland und neben der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität zu Lübeck eine von drei Universitäten Schleswig-Holsteins.
Die nördlichste deutsche Universität ging 1994 aus der 1946 gegründeten Pädagogischen Hochschule Flensburg hervor und bietet insbesondere Studiengänge in den Bereichen Lehramt (einschließlich Gymnasium) und Bildungswissenschaften an, ergänzt um Studiengänge wie interdisziplinäre Europawissenschaften, Transformation/Nachhaltigkeit und Wirtschaftswissenschaften. Zu den Besonderheiten zählen deutsch-dänische Studiengänge in enger Kooperation mit der Syddansk Universitet in Sønderborg.
Geschichte Vorgeschichte Erste Planungsüberlegungen zur Gründung einer Universität in den Herzogtümern Schleswig und Holstein sind seit Mitte des 16. Jahrhunderts überliefert.
Seit den 1620er Jahren verfolgten die beiden Landesherren, der dänische König Christian IV. sowie Herzog Friedrich III., zusammen das Ziel, eine protestantische Hochschule in Flensburg, damals der bedeutendsten Stadt im Herzogtum Schleswig, zu gründen. Als der Flensburger Bürger Hans Marquartzen im Jahr 1632 schließlich die Stiftung von Geld- und Sachspenden versprach, war die Gründung einer solchen „Christian-Friedrich-Universität“ in greifbare Nähe gerückt. Doch der Dreißigjährige Krieg, dem bald die teilweise Zerstörung der Stadt folgte, machte den Plänen ein Ende. Testamentarisch bat Friedrich III. seinen Sohn Christian Albrecht, die Gründung einer Hochschule aber dennoch weiter voranzutreiben., vom: 7. Februar 2008; abgerufen am: 10. Mai 2018Friedrich Drenckhahn. Didaktik der Mathematik, S. 116 f.; abgerufen am: 10. Mai 2018 Als Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf schließlich 1652 das kaiserliche Privileg erlangte, eine Universität zu gründen, verhandelte er zunächst auch mit Flensburg. Da die Stadt aber im Herzogtum Schleswig lag, das ein dänisches Lehen war, und nicht im Heiligen Römischen Reich, war eine Ansiedlung der neuen Hochschule in Flensburg rechtlich nicht möglich. Stattdessen erhielt Kiel, das im Gottorfschen Anteil am deutschen Herzogtum Holstein lag, 1665 die Christian-Albrechts-Universität. Diese blieb für über 300 Jahre die einzige Universität in Schleswig-Holstein.
Im Jahr 1877 wurde Flensburg erstmals Sitz einer Hochschule, der Navigationsschule. Diese bildete die Keimzelle für die Flensburger Fachhochschule, die heute mit der Universität kooperiert. Der Vorläufer der Universität Flensburg, die Pädagogische Hochschule wurde erst 1946 geschaffen.
Pädagogische Hochschule Am 2. März 1946 erging ein Erlass des Oberschulrats Friedrich Drenckhahn im Auftrage des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein zum Arbeitsbeginn der ersten Pädagogischen Hochschule, und zwar im Ostflügel der Marineschule Mürwik gemäß Anordnung der britischen Militärregierung vom 21. Februar 1946. 1950 konnte zusätzlich der zuvor vom Lazarett (Klinik Ost) genutzte Südflügel von der PH bezogen werden.Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Marineschule. Geschichte der Schule, vom: 11. August 2010, abgerufen am: 11. September 2014. Im Nordflügel befand sich von 1950 bis 1956 die Mürwiker Zollschule.
Die Pädagogische Hochschule unter Leitung von Gerhard BohneSiehe: öffnete am 21. März 1946 ihre Tore. Zunächst nahmen 220 Studenten das Studium zum Volksschullehrer auf. Das Studium dauert 15 Monate. Die Dozenten mussten eine Zusammenfassung jeder Vorlesung bei der Britischen Militärregierung abgeben. Die ersten Studenten absolvierten ein Jahr später (genauer am 9. Juni 1947) die Prüfung für das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Volksschulen in den Fächern Pädagogik, Psychologie und einem gewählten Unterrichtsfach.
Am 6. Januar 1959 zog die Pädagogische Hochschule von der Marineschule in ein neues Gebäude in der Mürwiker Straße 77, nahe dem Volkspark um. Bald darauf, am 16. Oktober 1959, wurde das neue Studentenwohnheim, die „Flensburger Burse“, direkt neben dem neuen Gebäude der Pädagogischen Hochschule eröffnet. Seit dem 1. Januar 1963 wurden auch Realschullehrer an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet. Bis 1967 hatten an der Pädagogischen Hochschule 3588 Studenten studiert.Flensburg. Bild einer Stadt. Flensburg 1967, S. 102. Am 2. Mai 1973 erhielt die Pädagogische Hochschule das (eingeschränkte) Promotionsrecht. In den 1980er Jahren stand an der Pädagogischen Hochschule die erste Phänomenta Deutschlands.
mini|hochkant=0.7|Ehemaliges Logo der Universität Flensburg Wandel zur Universität 1985 wurde erstmals versucht, eine Universität in Flensburg zu etablieren. In privater Trägerschaft wurde die Nordische Universität gegründet, die aber auf Grund mangelnden Rückhaltes und fehlender Gelder bereits im Jahr 1989 schließen musste. Die neue, SPD-geführte Landesregierung präferierte den Umbau der Pädagogischen Hochschule zur Universität. Dies war nicht zuletzt als Strukturförderungsmaßnahme gedacht, um einen Ausgleich für den Abzug großer Teile der in Flensburg stationierten Marineverbände zu schaffen. In den 1990er Jahren begann so schrittweise der Wandel der Pädagogischen Hochschule zu einer Universität. 1992 begann der Studiengang „Betriebliche Bildung und Management“ mit rund 60 Studenten seine Arbeit. Dies war der erste nicht traditionell pädagogische Studiengang an der Hochschule. Zwei Jahre später, am 1. September 1994, beschloss die Landesregierung die Umbenennung der Pädagogischen Hochschule in „Bildungswissenschaftliche Hochschule (Universität) Flensburg“ (kurz BU Flensburg). Da die BU Flensburg unter Platzmangel litt, wurde am 1. April 1995 die ehemalige Berufsschule an der Schützenkuhle angemietet (Kosten etwa 150.000 € pro Jahr). Mit dem Berufsschullehrer-Studiengang wurde das Angebot der Schule nochmals erweitert, am 8. Januar 1996 war die Gründungskommission für diesen neuen Studiengang zusammengetreten.
Umzug auf den Sandberg Die folgenden Jahre waren zudem vom Umzug auf den Sandberg geprägt. Am 14. Januar 1998 wurde die gemeinsame Bibliothek der BU Flensburg und der Fachhochschule Flensburg am Sandberg eröffnet. Im Jahre 2000 wurde schließlich die „Bildungswissenschaftliche Hochschule Flensburg - Universität“ in „Universität Flensburg“ umbenannt. Am 25. März 2002 fand die Einweihung der Mensa statt, der Großteil der Studenten auf dem Campus bestand damals noch aus FH-Studenten. Am 1. August 2002 zogen die Institute der Universität in die neu errichteten Gebäude am Sandberg, und am 29. Oktober 2002 fand die Einweihung des Hörsaalzentrums/Audimax statt. Nur das in den 1990er Jahren errichtete Institut am Nordertor, die Flensburger Phänomenta in der Innenstadt, blieb erhalten. Seit 2003 liegt zudem die Campushalle (Heimhalle der Handball-Bundesligamannschaft SG Flensburg-Handewitt) auf dem Campus, die ein Fitnesszentrum und Einrichtungen für den Hochschulsport beherbergt und von der Uni genutzt werden kann. Daneben gibt es noch Caféterien in den Hochschulgebäuden. Die alten Gebäude der PH Flensburg und die „Flensburger Burse“ im Stadtteil Mürwik wurden 2004 abgerissen. Sie wichen einem Einkaufscenter. Im Jahr 2006 konnte die Hochschule ihr 60-jähriges Bestehen feiern, am 8. November des Jahres fand deshalb ein Festakt statt. Im selben Jahr wurde im Übrigen auch der Uni-Kat Flensburg, ein Schiff, das am Institut für Physik und Chemie und ihre Didaktik im Rahmen eines Projektes entwickelt und gebaut wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt.
mini|Die schon fortgeschrittenen Aufräumarbeiten vor dem Hauptgebäude nach dem Sturm (2013). Weiterer schrittweiser Ausbau In den folgenden Jahren wuchsen die Universität und der Campus weiter. Anfang 2010 wurden ein neues Hallenbad und die „Campelle“ (eine Kapelle auf dem Campus) fertiggestellt, 2011 das Maritime Zentrum der Hochschule Flensburg sowie das Gebäude Helsinki der EUF. Seit dem 14. November 2016 tragen die Gebäude der Europa-Universität die Namen europäischer Städte. Am 29. November 2010 wurde der Erweiterungsbau (Helsinki) mit weiteren Vorlesungsräumen und Büros eingeweiht. 2016/2017 wurden auf dem gesamten Campusgelände insgesamt 24 Containerbauten (neun für die Hochschule Flensburg, 15 für die Europa-Universität Flensburg) à 400 Quadratmeter als Büro- und Seminargebäude errichtet. Die Wohncontainer hatte die Landesregierung 2015 zur Unterbringung von Geflüchteten angeschafft und nach Rückgang der Geflüchtetenzahlen den Hochschulen des Landes zur Verfügung gestellt.
Ende Oktober 2013 wurde das Dach des Hauptgebäudes zum wiederholten Mal durch einen Sturm beschädigt. Während des Orkans Christian lösten sich Teile vom Dach und beschädigten parkende Autos.Donaukurier: ; vom 28. Oktober 2013. Der Unterricht fiel in Folge an der gesamten Universität aus.Die Welt: Unterricht fällt in mehreren Schulen und einer Uni aus; vom 29. Oktober 2013.
Akkreditierung der Studiengänge seit 2004 Die Akkreditierung (Hochschule) der Studienprogramme begann 2004 mit den deutsch-dänischen Studienprogrammen auf Bachelor- und Masterniveau im Internationalen Management. Mit der Reakkreditierung dieser Programme wurden 2006 auch die European Studies und die Studiengänge „Energie- und Umweltmanagement in Entwicklungsländern“ sowie „Energie- und Umweltmanagement in Industrieländern“ akkreditiert. 2008 wurden aus verschiedenen Gründen einige Studiengänge (darunter der größte „Vermittlungswissenschaften“) vorläufig nicht akkreditiert., Suche nach: „Universität Flensburg“ Die Akkreditierung erfolgte 2009 durch den Beschluss der Ständigen Akkreditierungskommission.Lehramts-Studiengänge an der Universität Flensburg wieder akkreditiert, Suche nach: „Universität Flensburg“ Die Akkreditierung der neuen Studiengänge Bildungswissenschaften (B.A.), Lehramt an Grundschulen (M.Ed.), Lehramt an Gemeinschaftsschulen (M.Ed.) wurde 2013 durchgeführt. Die Akkreditierung des größten Studiengangs B.A. Bildungswissenschaften (welcher den zuvor existierenden Studiengang „Vermittlungswissenschaften“ ersetzt) erfolgte ebenfalls., abgerufen am: 3. August 2018
Umbenennung in Europa-Universität Flensburg 2014 Am 30. Juni 2014 wurde die Universität schließlich in „Europa-Universität Flensburg“ umbenannt. Der damalige Präsident der EUF, Werner Reinhart, erklärte aus Anlass der Umbenennung: „Die Europa Universität Flensburg markiert keine Neuerfindung, sondern eine Profilschärfung. [...] Das bereits Erreichte, [...] – die Möglichkeit deutsch-dänischer Doppelabschlüsse etwa oder Partnerschaften mit über 60 internationalen Hochschulen Ländern – soll mit der Ausrufung der Europa-Universität ebenso akzentuiert werden wie das Neue [...] Wir beschließen heute eine künftig offensichtliche Kopplung zwischen unserer Universität und der europäischen Idee. [...] Gemäß unserem Leitbild wollen wir Horizonte öffnen und Antworten auf zentrale Zukunftsfragen finden. Wir wollen deshalb eine Europa-Universität bauen, die die Begriffe dieses Leitbildes stark macht: Vielfalt, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit. Wir wollen eine Europa-Universität sein, die Wert legt auf Diversität und Inklusion, auf Geschlechter- und Familiengerechtigkeit, auf die Rechte der Anderen und die Rechte der Natur. Für eine lehramtsfokussierte Universität zählt zudem das beherzte Eintreten für Bildungsgerechtigkeit zu unseren Markenzeichen. [...]“, abgerufen am: 3. August 2018
Entwicklung seit 2014