mini|hochkant=0.9|Stolpersteine in der Unteren Hauptstraße Die Stolpersteine in Kippenheim sind besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in der Gemeinde Kippenheim im baden-württembergischen Ortenaukreis in Deutschland erinnern sollen. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die während des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in die Pflaster der Gehwege eingelassen. Mittlerweile gibt es über 61.000 Steine (Stand: Juli 2017) nicht nur in Deutschland, sondern auch in 21 weiteren europäischen Ländern.In #Turin (Italien) wurde heute der europaweit 50.000ste #Stolperstein verlegt! Er erinnert an Eleonora Levi. #Demnig @_Stolpersteine_ am 11. Januar 2015 auf Twitter. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
Nachdem der Kippenheimer Gemeinderat in einer öffentlicher Sitzung am 19. April 2004 die Verlegung von Stolpersteinen in der Gemeinde beschlossen hatte, wurden am 13. Januar 2005 die ersten Stolpersteine verlegt. Inzwischen sind 26 Steine auf den Gehwegen Kippenheims verlegt worden.
Juden in Kippenheim mini|hochkant=0.6|Ehemalige Synagoge Kippenheim Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Kippenheim reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück, ihre höchste Mitgliederzahl erreichte sie 1871, als 323 Personen etwa 16 % der Gesamtbevölkerung stellten. Die jüdischen Gewerbetreibenden hatten 1933 einen beträchtlichen Anteil am Wirtschaftsleben des Ortes: Es gab eine für die ganze Region bedeutende Eisen- und Baumaterialienhandlung, eine Gemischtwarenhandlung, eine Getreide-, Mehl- und Futtermittelgroßhandlung, zwei Lederhändler, zwei Manufakturwarengeschäfte, zwei Metzger, einen Schuhhändler, drei Stoffhändler, eine Tabakwarengroßhandlung, zwei Textilwarengeschäfte sowie zehn jüdische Viehhändler.
Im Jahre 1937 emigrierten 26 Kippenheimer Juden, und noch vor den Novemberpogromen von 1938 verließen weitere 19 Personen ihre Heimatgemeinde. Die meisten fanden Asyl in den USA. Von den 144 im Januar 1933 in Kippenheim lebenden Juden überlebten 113 Juden die NS-Zeit, 31 fielen dem NS-Terror zum Opfer.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum; abgerufen am 10. September 2017
Liste der Stolpersteine In Kippenheim wurden 27 Stolpersteine für 26 Opfer verlegt. Sie liegen an elf Verlegeorten. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEAUGUSTE AUERBACHERGEB. ROSENFELDJG. 1893DEPORTIERT 1940-GURSERMORDET 1942AUSCHWITZ Bergstraße 10 , geborene Rosenfeld, wurde am 23. März 1893 in Odenheim geboren. Sie heiratete Salomon Isaak Auerbacher, mit dem sie den Sohn Leopold hatte. Ihr Mann war Inhaber eines Gemischtwarenhandels und eines Stoffhandels. Im Jahr 1936 schickten die Auerbachers den damals 15-jährigen Sohn mit der Kinder- und Jugend-Alija nach Palästina, er sollte dort Fuß fassen, damit andere Familienmitglieder folgen können, so die Situation in Deutschland schlimmer werden sollte. Die Auerbachers blieben in Deutschland, vor allem wegen Auguste Auerbachers Mutter, die in Eichstetten lebte. Während der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde ihr Mann in das KZ Dachau deportiert und einen Monat später wieder freigelassen. Am 22. Oktober 1940 wurden sie und ihr Mann zusammen mit allen anderen noch in Kippenheim lebenden Juden von Grenzpolizisten aus ihren Häusern geholt und in LKWs verladen. Auguste Auerbacher und ihr Mann wurden als letzte geholt und dabei immer wieder misshandelt. Da sie zuletzt abgeholt wurden, war kein Platz mehr für Gepäck. Sie wurden in das Camp de Gurs deportiert. Aus dem Lager heraus schrieb Auguste Auerbach noch Briefe an Verwandte, vor allem an ihren Sohn, und versuchte, eine Ausreise zu erhalten. Dies gelang nicht, in der Folge wurde Auguste Auerbacher in das Sammellager Drancy überstellt und von dort entweder am 10. August 1942 oder am 17. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Auguste Auerbacher und ihr Mann überlebten die Shoah nicht.120px HIER WOHNTEGERDAAUERBACHERGEB. AUERBACHERJG. 1895DEPORTIERT 1940/GURSERMORDET 1942AUSCHWITZBergstraße 4 , geborene Auerbacher, wurde am 21. Januar 1895 in Schmieheim, heute zu Kippenheim gehörend, geboren. Ihr Vater war Josef Auerbacher (geboren 1863), sie hatte zumindest einen Bruder (Hugo). Gerda Auerbacher heiratete am 5. März 1924 Salomon Auerbacher. Die Ehe blieb kinderlos. In der Bergstraße 4 führte ihr Ehemann zusammen mit seinem Bruder Max Auerbacher einen Gemischtwarenhandel. Während der Novemberpogrome 1938 wurde ihr Ehemann in das KZ Dachau deportiert und einige Wochen später wieder freigelassen. Am 22. Oktober 1940 wurden sie und ihr Mann zusammen mit allen anderen noch in Kippenheim lebenden Juden von Grenzpolizisten aus ihren Häusern geholt und in LKWs verladen. Das Ehepaar wurde in das Camp de Gurs nach Frankreich deportiert. Im Lager traf sie auf ihren Vater. Das Ehepaar war froh aus Nazideutschland raus zu sein, obwohl sie sich jetzt in einem Lager befanden, sie hofften von hier in die USA zu Verwandten ausreisen zu können, doch erhielten sie keine Visa. In der Folge wurden Gerda Auerbacher und ihr Mann in das Sammellager Drancy überstellt und von dort am 17. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Gerda Auerbacher und ihr Mann wurden dort wahrscheinlich noch am selben Tag ermordet.
Ihr Vater verlor am 17. Dezember 1942 im Camp de Gurs sein Leben.120px HIER WOHNTEHERMANN AUERBACHERJG. 1867SCHUTZHAFT 1938 DACHAUDEPORTIERT 1940GURSTOT 29.11.1940Querstraße 11 wurde am 9. September 1867 in Kippenheim geboren. Seine Eltern waren Salomon Auerbacher (1821–1881) und Helena, geborene Weil (1821–1897). Er hatte sechs Geschwister. Hermann Auerbacher betrieb einen Vieh- und Fellhandel, er heiratete Sofie Kornmann (geboren 1867). Das Paar bekam zwei Kinder, Siegfried Auerbacher (1899–1970) und Charlotte, später verheiratete Maier (1902–1979). Er bekam drei Enkelsöhne. Nachdem er sein Geschäft auf Druck der Nationalsozialisten aufgeben musste, zog Hermann Auerbacher mit seiner Frau im Oktober 1938 zur Tochter und deren Familie im Haus Querstraße 11. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Sein Enkelsohn Kurt Maier erinnerte sich 2011 in seinem Buch:
Im Juni 1939 emigrierte sein Sohn in die Vereinigten Staaten. Am 22. Oktober 1940, dem Tag der Deportation der badischen Juden, wurde das Ehepaar Auerbacher und die Familie Maier verhaftet und nach Südwestfrankreich deportiert. Nach mehrtägigen Zugfahrt wurden sie vom Endbahnhof Oloron-Sainte-Marie in das Camp de Gurs deportiert, ein Barackenlager am Fuße der Pyrenäen. Der 73-jährige Hermann Auerbacher gehörte zu den ersten Opfern des Transports und der unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager und verlor 29. November 1940 ums Leben.DNB: DIE DEPORTATION DER FAMILIE MAIER, abgerufen am 12. August 2023