Richard Pils (* 25. Dezember 1946 in Engerwitzdorf bei Gallneukirchen, OberösterreichRichard Pils. In: Bibliothek der Provinz.) ist ein österreichischer Verleger und Gründer des Verlags Bibliothek der Provinz.
Leben Richard Pils ist der Sohn eines Eisenbahners und NebenerwerbsbauernAlexander Glück: Leichte Lektüre ... Der Verleger Richard Pils und seine „Bibliothek der Provinz“. 1999. (oder KleinhäuslersThomas Weber: Verleger und Sammler. In: The Gap, 10. August 2011.) aus dem unteren Mühlviertel und ist in Wartberg ob der Aist und im Haselgraben aufgewachsen.Richard Pils: Verleger und Schlossherr. In: ORF NÖ, 21. März 2009.
Pils besuchte die Bundeslehrerbildungsanstalt in Linz. Er studierte Mathematik und Physik an der Universität Innsbruck, Pädagogik und Germanistik an der Universität Klagenfurt, Soziologie und Rechte an der Universität Linz. Schließlich studierte und absolvierte er Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.Peter Roos: . In: Die Zeit, 2. September 2004, Nr. 37. Zunächst war er als Sonderschullehrer tätig, dann auch als Volksschuldirektor in Haid bei Königswiesen.Cornelia Niedermeier: „Jedes Buch ist ein Auge auf das Menschsein“. In: Der Standard, 28. August 2009.
Bibliothek der Provinz Im Sommer 1989 erhielt er den Gewerbeschein für den Betrieb eines Verlages. Pils hatte das Bedürfnis, „seine Bibliothek zu erweitern um Bücher, die es so noch nicht gab.“ In: KinderundJugendmedien.de, aufgerufen am 7. September 2017. Einen Verlag wollte er niemals gründen, bekannte Pils, doch wollte er eine Bibliothek zusammentragen, „die jene Fragen versammelt, die die Welt stellt“.auen: Poetenfest auf Schloss Raabs: Wider den Club der Enthirnten. In: Der Standard, 19. August 2016.
Pils wird in den Medien wegen seiner Bibliophilie und dem Engagement für seine Autoren als „Extremverleger“ beschrieben,APA: In der Provinz trägt einer Bücher aus. In: Der Standard, 11. August 2000, Artikelanfang. als „ein fanatischer Leser und Lover der Dichter“ und als „einer, der sich mit Leib und Seele der Literatur und der Kunst, dem Unentdeckten und der Kinderliteratur hingibt.“ Der „Buchästhet“Angela Maria Pieta: Von wilden Weibern. In der „Bibliothek der Provinz“. In: Der Standard, 27. Juni 2003. legt großen Wert auf hochwertig hergestellte Ausgaben, so dass sein Verlag bereits mit vielen Preisen für die beste Buchgestaltung ausgezeichnet worden ist.
Am Anfang lag der Schwerpunkt seines Verlagsprogramms auf Regionalia, „auf österreichischer Literatur und Belletristik, Sagenbüchern, aufwändig gestalteten Foto- und Kunstbänden“. Später kam auch zunehmend Kinder- und Jugendliteratur hinzu, die sowohl inhaltlich als auch von den Illustrationen her außergewöhnlich sein wollen. Daher veröffentlichen Illustratorinnen wie Linda Wolfsgruber und Angelika Kaufmann bevorzugt in der Bibliothek der Provinz.
Poetenfest Richard Pils ist mit seiner Familie seit 1996 Eigentümer der Burg Raabs an der Thaya, einer Spornburg und Grenzfeste nahe der tschechischen Grenze. Ein Motiv für den Erwerb war die Sorge um den Bestand des historischen Bauensembles.Renate Just: . In: Zeitmagazin, 22. Dezember 2003, Seite 3. . Gemeinsam mit dem Verein Unsere Burg – Freunde und Förderer der Burg Raabs saniert er behutsam seit ebenso vielen Jahren die Bausubstanz der historisch gewachsenen und vielfältig unterteilten Burganlage.Schloss Raabs: Infos. In: Bibliothek der Provinz, aufgerufen am 27. August 2019. Pils wurde zu einem Burgbesitzer wider Willen, da alle Beteiligten einer Rettungsinitiative nach dem Zuschlag bei der Zwangsversteigerung ihre Aufgabe als erfüllt ansahen und die Initiative verließen. Langfristig verfolgt er „den Plan, die Burg als offenes Kulturinstitut über die Grenzen hinaus zu etablieren“.Jürgen Zahrl: Raabs an der Thaya: Eine Burg, die er nicht wollte. In: Kurier, 10. August 2019.
20 Jahre lang, von 1996 bis 2016, lud er jeden Sommer zu einem dreitägigen Poetenfest in der weitläufigen Schlossburg Raabs ein.Raabs/Thaya: Das letzte Fest für Poeten. In: ORFnews, 13. August 2016. Das Poetenfest wurde jedes Jahr unter ein anderes Motto gestellt, 2013 etwa hieß der Leitspruch: Literatur ist kein Honiglecken„Poetenfest“ lädt in die Burg Raabs. In: oe24, 13. August 2013. und 2014 25 Jahre Reportagen aus der Mitte der Welt.Red.: Raabs. Poetenfest im Schloss. In: Niederösterreichische Nachrichten, 22. August 2014. In erster Linie diente das Poetenfest der Vorstellung von Neuerscheinungen und zur Vernetzung der Literaten, Künstler und Leser. „Es gibt Veranstaltungen, es geht ums Reden, Verschnaufen und Vernetzen. Jeder kann kommen“, hatte Pils das Fest einmal umschrieben. Neben Lesungen mit Musik gab es auch Konzerte, Performances, Theater,APA: „Poetenfest“ lädt auf die Waldviertler Burg Raabs. In: Kleine Zeitung, 10. August 2013.Cornelia Niedermeier: Seltene Glücksmomente beim Poetenfest im Raaber Schloss. In: Der Standard, 22. August 2004, über Sepp Bierbichlers Solodarbietung von Jon Fosses Der Gitarrenmann. Filmvorführungen und Burgführungen. Das Festende begann am Sonntag mit einem literarischen Frühschoppen im Arkadenhof bei Lesungen mit Musik und Buffet und klang am Nachmittag mit weiteren Veranstaltungen aus.Presseaussendung: 11. „Poetenfest“ auf Schloss Raabs. In: Niederösterreichische Landesregierung, 24. August 2007.
Zwischen den Poetenfesten diente die Schlossburg auch als Kulturzentrum für Ausstellungen und Internationale Meisterkurse für Geige, Violoncello, Bratsche, Klarinette und Kammermusik. 2014 und 2016 zeigten Kunsthandwerker aus dem Waldviertel ihre Arbeiten während deren Entstehens.Linum '19 / Schloss Weitra. In: Linum – Verein für Handwerk, Kunst und kulturelle Vielfalt, 23./24. November 2019; vgl. . Die Schlossburg ist weiterhin für Veranstaltungen offen, Burgführungen sind auch außerhalb der Führungszeiten am Wochenende nach Vereinbarung möglich.
Café der Provinz Seit 2002Café der Provinz. Kaffeehaus. In: Herold, aufgerufen am 7. September 2017. hat Pils in der Wiener Josefstadt (8. Bezirk) eine Kooperation mit einem Büchercafé namens Café der Provinz mit Schanigarten.Bücher. In: cafederprovinz.at, aufgerufen am 7. September 2017. Es ist für seine Crêpes und Waffeln bekannt, deren Getreide aus biologischem Anbau stammen.Essen. Café der Provinz. In: kekinwien.at, 27. Oktober 2012. Pils ist offen für weitere Kaffeehauswirte, die per Franchising ein weiteres Café der Provinz mit seinen Büchern betreiben wollen.Franchise. In: cafederprovinz.at, aufgerufen am 7. September 2017.
Kulturfabrik Eine ehemalige Fabrik des Wiener Seiden- und Baumwollweber-Fabrikanten Samuel Eisenberger in der Gmünder Innenstadt, wo bis 1992 Teppiche hergestellt wurden,Eisenberger Fabrik in Gmünd. In: Bibliothek der Provinz, 2017, aufgerufen am 7. September 2017. erwarb er 2010 gemeinsam mit dem Buchdrucker Herbert Schlesinger.Markus Lohninger: Braucht Gmünd neue Halle? In: Niederösterreichische Nachrichten, 4. November 2015. Sie ließen ab 2011 die ehemalige, denkmalgeschützte Eisenberger–Fabrik zu einem Mehrzweckgebäude umbauen, einem regionalen Kulturzentrum für Kunstprojekte, Konzerte, Kindertheater, aber auch für Schulveranstaltungen. Eine große Sammlung von funktionsfähigen Druckmaschinen, zum Teil mit Bleisatz, stellen sie im Erdgeschoß zur Besichtigung aus.Markus Lohninger: Die Fabrik im Wandel. In: NÖN, 18. September 2014. Der erste Stock wurde zum Lager für den Verlag Bibliothek der Provinz.
Privatleben Zunächst lebte und arbeitete er als Verleger auf einem Bauernhof des Angerdorfs Großwolfgers, 1998 zog er in das ehemalige Wirtshaus der Gemeinde.Schluss mit Nahversorgung. In: Ö1, 31. Juli 2005. Neben dem Verlags- und Wohntrakt baute er den früheren Wirtssaal zu einer Präsenzbibliothek seiner Verlagspublikationen um – und als Lesesalon für Besucher mit Blick auf den Angerteich. Auf dem Anwesen steht eine Bücherskulptur zum Andenken an den Schriftsteller Thomas Bernhard, den Pils in vielen Ausgaben verlegt hat.Günther Nenning: . In: Zeitmagazin, 5. März 1993, Nr. 10. Richard Pils lebte hier vor längerem mit seiner Frau Helga und ihren fünf Kindern. Später verlegte er seinen hauptsächlichen Wohnsitz auf die Burg Raabs.Irene Suchy: Richard Pils feiert 25 Jahre Bibliothek der Provinz. In: Leporello, 3. Juli 2015. Ein markantes Erkennungsmerkmal von Pils ist sein chinesischer Zopf, den ihm seine Frau Helga. In: Stadt Raabs an der Thaya. flicht. In seiner wenigen Freizeit ist er als Imker tätig.
Publikationen (Auswahl) Ich bin du und ich sind wir? Erinnerungsbuch anlässlich der Zerstörung einer Landschaft, eines Lebensraumes. (Zusammengesucht, zusammengeklaubt, zsgest. und hrsg. von Richard Pils.) Verlag publication PN°1, Bibliothek der Provinz, Weitra 1988, ISBN 978-3-900878-03-0. Burgen und Nagelein. Sagen(haftes) zum Mühlviertel um Königswiesen, Unterweissenbach, Pierbach, Ruttenstein, Weitersfelden, Liebenau. (Texte zum erinnern, erzählen und erlesen / zusammengesucht, zusammengeklaubt, zsgest. und hrsg. von Richard Pils.) Verlag publication PN°1, Bibliothek der Provinz, Weitra 1988, ISBN 978-3-900878-04-7. die lagune unter dem herzen. das schneegebet. Verlag publication PN°1, Bibliothek der Provinz, Weitra 1989, ISBN 978-3-900878-29-0. Das Waldviertel in seinen Sagen nach dem Volksmund. Verlag publication PN°1, Bibliothek der Provinz, Weitra 1995, ISBN 978-3-85252-039-1. Die Wachau in ihren Sagen. Bibliothek der Provinz, Weitra 2014, ISBN 978-3-99028-387-5. Herzklopfen | Hearts aflutter. Maler und Dichter der Liebe | Painters and poets of love. Hrsg. von Richard Pils, Bibliothek der Provinz, Weitra 2012, ISBN 978-3-99028-064-5, (Liebeslyrik).
Literatur Waldviertler Heimatbund (Hrsg.): Fünf Buchpreise für Richard Pils. In: Das Waldviertel, , 2008, S. 488, Datensatz. Anton Distelberger: Die Kunst, Zeichen sehen zu können, heißt man lesen. Eine Hommage an den Verleger Richard Pils zu seinem siebenundsiebzigsten Geburtstag. In: Das Waldviertel. Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde. Bd. 72 (2023), Heft 4, S. 454–458.
Auszeichnungen (Auswahl) 2017: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich Mostviertel, N.Ö., Waidhofen • Piaty-Buch. In: Verein Kubus Waidhofen / Ybbs, 2017, mit Video der Preisverleihung an Pils, 4:13 Min. 2014: Die schönsten Bücher Österreichs an Markus Jeschaunig für line projects | Linienprojekte.Markus Jeschaunig – line projects | Linienprojekte. In: Bibliothek der Provinz, 2014, aufgerufen am 7. September 2017.Markus Lohninger: Großwolfgers. Das schönste Buch ist weiß. In: Niederösterreichische Nachrichten, 11. März 2015. 1991: Staatspreis für das schönste österreichische Buch.
Hörfunk Richard Pils feiert 25 Jahre Bibliothek der Provinz. Gespräch, Österreich, 4 Min., 2015, Moderatorin: Irene Suchy, Produktion: ORF, Reihe: Leporello, Erstsendung am: 3. Juli 2015 in Ö1, Inhaltsangabe und Audio-Datei, ab 4:18 Min.
Film Alte Burgen und ihre neuen Herren in Niederösterreich. Dokumentarfilm, Österreich, 2018, 24 Min., Buch und Regie: Barbara Baldauf, Kamera: Ossi Denkmayr, Helmut Muttenthaler, Produktion: ORF, Reihe: Erlebnis Österreich, Erstsendung: 6. Mai 2018 bei ORF 2, Inhaltsangabe von ORF, online-Video, Anfang und ab 19:32 Min. bis 24 Min.
Weblinks
Richard Pils. In: Bibliothek der Provinz Pils im Gespräch: „Aber es gibt jetzt drei Eisläden“. In: Niederösterreichische Nachrichten, 1. August 2021. Thomas Weber: Verleger und Sammler. In: The Gap, 10. August 2011. Cornelia Niedermeier: „Jedes Buch ist ein Auge auf das Menschsein“. In: Der Standard, 28. August 2009. Fotoreihe über Pils. In: Verein Kubus Waidhofen / Ybbs, 2017
Schlossburg Raabs Burg Raabs. Die Geschichte. In: bergfex.at 20. Poetenfest auf Schloss Raabs. In: Bibliothek der Provinz, 2016, Programm des letzten Poetenfests
Einzelnachweise
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