Der Hauptbahnhof Augsburg ist der zentrale Knotenbahnhof für den Großraum Augsburg und Bayerisch-Schwaben. Täglich verkehren hier über 50.000 Personen und etwa 1.000 Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr. Er verfügt über das älteste noch im Betrieb befindliche Empfangsgebäude einer deutschen Großstadt (1845 erbaut). Es gibt elf Hauptgleise, über 450 Weichen und mehr als 250 Signale.
Seit Dezember 2023 ist der Bahnhof dank neuer Verteilerebene mit Aufzügen und Rolltreppen barrierefrei.
Geschichte Vorgängerbau an anderer Stelle Der erste Augsburger Bahnhof wurde 1838 an anderer Stelle, nahe dem Roten Tor an der Baumgartnerstraße, von der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft erbaut. Die ab 1838 angelegte Bahnstrecke München–Augsburg ging 1840 in Betrieb.
Mit dem Ausbau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn wurde in den Folgejahren der Abschnitt Augsburg–Nördlingen geschaffen und an diesem zunächst 1844 der Bahnhof Oberhausen, dann 1845 am Rosenauberg der heutige Augsburger Hauptbahnhof eröffnet, der den Bahnhof an der Baumgartnerstraße ersetzte. Dessen Bahnhofshalle dient seit 1920 als Depot der Augsburger Straßenbahn. Der Bahnhof in Oberhausen wurde nach dem Bau des neuen Augsburger Hauptbahnhofs wieder aufgegeben und erst später neu erbaut.Wolfgang Klee: Bayerische Eisenbahngeschichte – Teil 1: 1835–1875, Bayern Report 1, Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1994
Weitere Bahnstrecken 1847 wurde mit dem weiteren Ausbau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn auch die Bahnstrecke Augsburg–Buchloe eröffnet. Damit hatte Augsburg nun Bahnverbindungen nach Osten, Norden und Süden. Schließlich kam im Jahr 1854 mit der Bayerischen Maximiliansbahn auch eine Verbindung von Augsburg nach Westen (Bahnstrecke Augsburg–Ulm) hinzu.
Empfangsgebäude mini|hochkant|Die Tafel über dem Eingang unterschlägt, dass der erbauende Architekt von 1845 Eduard Rüber war; Friedrich Bürklein nahm lediglich 1869–1871 einen stilistischen Umbau des bestehenden Gebäudes vor.
Das Empfangsgebäude wurde von 1843 bis 1846 nach einem Entwurf des Architekten Eduard Rüber erbaut, von dem auch die Bahnhöfe in Nürnberg, Bamberg, Kaufbeuren und Lindau stammen. Es ist damit das „älteste Bahnhofs-Empfangsgebäude in einer Großstadt der Bundesrepublik, das noch in Betrieb ist“ (Inschrift einer Tafel über dem Eingang). Bereits 1852 gab es erste Erweiterungen und im Jahr 1856 wurde der Mittelbau aufgestockt. Schließlich baute der Architekt Friedrich Bürklein von 1869 bis 1871 das Gebäude im Stil des romantischen Spätklassizismus um und erzielte damit einen geschlossenen Gesamteindruck.Augsburger Stadtlexikon, Artikel „Hauptbahnhof“ und „Rüber“ mini|Ein Bild vom Empfangsgebäude des Bahnhofs Augsburg am Rosenauberg im Jahr 1846; ein Zug verlässt gerade den Bahnhof in Richtung Norden. Ursprünglich war der Augsburger Bahnhof als zweifarbiger Blankziegelbau ausgeführt, so wie die meisten Repräsentativgebäude königlich-bayerischer „Staatsarchitektur“ des 19. Jahrhunderts (Kasernen-, Bahnhofs- und Postgebäude). In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die durch Witterungseinflüsse schadhaft gewordene Fassade verputzt und blieb es bis heute. In den 1950er Jahren wurden die reich verzierten gusseisernen Stützsäulen des Vordachs durch schlichte Eisensäulen ersetzt.
Eine umfangreiche Renovierung und Modernisierung erfuhr das Empfangsgebäude in den Jahren 1983/84 im Vorgriff auf das Stadtjubiläum „2000 Jahre Augsburg“ 1985. Unter anderem wurden die Gusssäulen sowie die zentrale Telegrafen-Dachlaterne nach historischem Vorbild rekonstruiert. Bis 2007 wurde vor allem der Gastronomiebereich um- und ausgebaut sowie in der Haupthalle eine neue digitale Anzeigetafel installiert. 2011/2012 wurde der Südflügel renoviert, der Wartebereich und der Gastronomiebereich weiter vergrößert.
Nutzung zur Zeit des Nationalsozialismus Der Hauptbahnhof und sein Vorplatz dienten mehrmals als Forum für Besuche bedeutender Figuren des NS-Staates wie Hermann Göring, der mit der Bahn nach Augsburg reiste. Am 21. November 1937 besuchte auch Adolf Hitler Augsburg über den Bahnhof. Dazu wurde die Fassade des Gebäudes unter anderem mit Hakenkreuzen „geschmückt“ und ein Triumphbogen, durch den Hitler im Anschluss fuhr, eigens errichtet. Begleitet wurde die Inszenierung durch einen Aufmarsch der Wehrmacht.
Aufgrund der Bedeutung des Bahnhofs für die Kriegswirtschaft wurde das Gebäude mehrmals Ziel von Bombenangriffen der Royal Air Force und der US Army Air Force, die den Bahnhof stark beschädigten.
Im Zuge der mehrfachen Deportationen von Augsburger Juden diente der Augsburger Hauptbahnhof als Ausgangspunkt für Verschleppungen (unter anderem nach Theresienstadt), welche von der Reichsbahndirektion geplant und ausgeführt wurden.
Stellwerk Das Stellwerk mit der Bezeichnung Af ist ein Relaisstellwerk von der Bauform Sp Dr S 60 und wurde 1972 zu den Olympischen Spielen in München für 40 Mio. DM erbaut.
Mobilitätsdrehscheibe Hauptbahnhof
Unter dem Projekt „Mobilitätsdrehscheibe Augsburg“ sind mehrere bauliche Maßnahmen zusammengefasst, die sowohl das Gebäude an sich als auch das direkte Umfeld des Bahnhofs erheblich modernisieren und ausbauen sollen. Bis Ende 2009 wurde der Eingangsbereich vergrößert und bereits Zugänge zum künftigen Straßenbahntunnel vorgesehen. Im Dezember 2011 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Umbau des Hauptbahnhofs erlassen, so dass die vorbereitenden Arbeiten im Jahr 2012 beginnen konnten.Augsburger Allgemeine: Augsburg wartet auf den Bahnhofsumbau – Abgerufen am 22. Dezember 2011Augsburger Allgemeine: Zwei Tunnel, ein neuer Bahnsteig und Rolltreppen – Abgerufen am 22. Dezember 2011 Am 4. August 2012 begannen Umbauarbeiten des Hauptbahnhofes, die bis 2019 dauern sollten. Im Herbst 2014 wurde eine Verschiebung der Fertigstellung von 2019 auf 2022 bekannt.
Barrierefreier Ausbau des Bahnhofs mini|Die neue barrierefreie Verteilerebene mit Aufzügen im März 2024 Der Augsburger Hauptbahnhof war lange Zeit für Gehbehinderte fast komplett unzugänglich. Bis 2023 gab es weder Rolltreppen noch Aufzüge in der Bahnhofshalle oder auf die Bahnsteige. Die Bahnhofshalle war zwar durch eine Rampe für Rollstuhlfahrer im Prinzip zu erreichen, sämtliche Bahnsteige mit Ausnahme des Bahnsteigs A von Gleis 1 waren bis 2016 lediglich durch einen Tunnel zu betreten, zu dem nur Treppen führen.
Der Bahnhof sollte aufgrund seiner gewachsenen Bedeutung mit Aufzügen und Rolltreppen barrierefrei ausgebaut werden. Als vorläufige Maßnahme wurde im Oktober 2016 ein ehemaliger Posttunnel für den Fußgängerverkehr freigegeben, von dem aus Rampen zu allen Bahnsteigen führen. Dadurch verbesserte sich die barrierefreie Zugänglichkeit bis zur geplanten Fertigstellung des Gesamtumbaus im Jahre 2023. Der Planfeststellungsbeschluss wurde am 19. August 2016 erlassen.
Am 8. Dezember 2023 wurde die neue barrierefreie Verteilerebene, ein neuer Fußgängertunnel zum Sebastian-Buchegger-Platz, sowie die erneuerte Empfangshalle barrierefrei eröffnet.
Erweiterung der Bahnsteige Der Bahnhof besaß neben den regulären Gleisen 1 bis 9 vier weitere „Zwischengleise“ (101, 501, 801 und 901 benannt), die an den Enden der Bahnsteige von Gleis 1, 5 bzw. 8 und 9 zu finden sind. Für eine Ausweitung des Regio-Schienen-Taktes Augsburg waren die Kapazitäten der heute vorhandenen Bahnsteige endgültig überschritten, unter anderem, weil die Gleise 5 und 7 zentral im Bahnhof zukünftig ausschließlich für Güterverkehrsdurchfahrten reserviert werden sollen. Deshalb wird ein sechster Bahnsteig dieses Problem beseitigen. Dieser neue Bahnsteig ist außerdem für die Verwirklichung der Umbaumaßnahmen erforderlich.
Die Regierung von Schwaben hat auf Antrag des Eisenbahn-Bundesamtes im März 2013 ein Anhörungsverfahren zum Neubau eines zusätzlichen Bahnsteigs im Hauptbahnhof in Augsburg eingeleitet. Konkret umfasst die Baumaßnahme neben dem Neubau eines zusätzlichen Bahnsteigs im Hauptbahnhof Augsburg auch den Bau einer Zugbildungsanlage. Des Weiteren gehört die Durchführung der erforderlichen Spurplanänderung im Zu- und Ablauf zu den Bahnsteigen, die Anpassung der Oberleitungen, der Gleisfeldbeleuchtung, der Telekommunikations- sowie der Leit- und Sicherungstechnik im jeweils betroffenen Gleisfeldbereich, den Neubau eines Abstellgleises am Haltepunkt Inningen und die Blockverdichtung in Bobingen zu den Umbaumaßnahmen.Bekommt der Hauptbahnhof einen neuen Bahnsteig? auf b4bschwaben.de, vom 11. Februar 2013
Der Planfeststellungsbeschluss wurde am 7. Januar 2015 erlassen. Mit Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 wurde der neue Bahnsteig mit den Bahnsteiggleisen 10 und 12 in Betrieb genommen.augsburger-allgemeine.de Der neue Bahnsteig hat eine Länge von 340 Meter, dank neuer Signaltechnik können an einer Bahnsteigkante von beiden Seiten gleichzeitig Züge einfahren.
Bau einer unterirdischen Straßenbahnhaltestelle
Zeitgleich mit dem Umbau des Tunnels unter den Gleiskörpern, von dem aus die Bahnsteige betreten werden, soll ein weiterer Tunnel eine Ebene tiefer in offener Bauweise errichtet werden, in dem sich dann eine Straßenbahnhaltestelle befindet. Der Zugang soll durch Treppen und Aufzüge erfolgen, die auch zu den Bahnsteigen führen. Zunächst wird hier bis zum Ende des Jahres 2021 eine Ebene unterhalb der Bahnsteige die tunnelartige Fußgängerunterführung errichtet und die Oberfläche wieder hergestellt. Wenn diese fertiggestellt ist, wird eine weitere Ebene unterhalb der Fußgängerunterführung die unterirdische Haltestelle errichtet sowie Gleise sowie Oberleitungen eingebaut. Inbetriebnahme sollte eigentlich im August 2023 sein.augsburger-allgemeine.desueddeutsche.de Doch durch verschiedene Verzögerungen verschiebt sich die Inbetriebnahme bis frühestens Dezember 2026. Ob bereits zu diesem Termin die Linie 6 über den westlichen Gleisanschluss aus dem Tunnel heraus fahren kann, wird sich zeigen.mini|Im Nahverkehrsplan fixiertes Zielnetz des „Regio-Schienen-Takt Augsburg“
Einführung eines S-Bahn-ähnlichen Regionalverkehrs
Um das Augsburger Umland besser an sein Oberzentrum anzubinden, wird mit dem Regio-Schienen-Takt Augsburg ein S-Bahn-ähnlicher Verkehr aufgebaut, der allerdings erst in ferner Zukunft vollständig sein wird. Als Vorläuferverkehr dazu ist die teilweise Einführung eines verdichteten Taktfahrplans im Bahnnahverkehr des Großraums Augsburg zu sehen. Der Regio-Schienen-Takt wurde seit 2007 stufenweise auf den einzelnen Bahnstrecken eingeführt. Dabei werden die Nachbarstädte (vor allem Mering, Friedberg (b Augsburg), Meitingen, Bobingen und Gessertshausen) und alle Bahnhöfe im Stadtgebiet zu den Hauptverkehrszeiten und teilweise darüber hinaus im 15-Minuten-Takt bedient.
Maßnahmen im Bahnhofsumfeld Im direkten Umfeld des Bahnhofs sind ebenfalls Umbaumaßnahmen in Planung: Der Bahnhofsvorplatz Ost, der einen ständig überfüllten Parkplatz sowie einen Busbahnhof für Regionalbusse des Augsburger Verkehrsverbundes beherbergte, soll durch bauliche Maßnahmen verschönert und modernisiert werden. Vor dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs soll eine großzügige Platzfläche entstehen, die den Fußgängern vorbehalten ist. Künftig ist geplant, den Platz neu mit hellem Steinbelag zu pflastern und den Großteil für Fußgänger zu reservieren. An den Rändern sollen 34 Kurzzeitparkplätze für Kraftfahrzeuge und 650 Abstellplätze für Fahrräder liegen.
Taxistände und Regionalbusterminal sollten ursprünglich bis zum Jahr 2023 an der südlichen Fußgängerunterführung nahe dem Stellwerk liegen, wo alte Lagerhallen abgerissen wurden.augsburger-allgemeine.de Die Fertigstellung verzögert sich aber auf unbestimmte Zeit.
Auf der Südseite des Bahnhofs befanden sich bis zum Abriss im Juli 2013 etliche leerstehende Hallen und Gebäude. Hier entsteht ein neues Stadtviertel mit Wohn- und Bürogebäuden. Pläne für eine Multifunktionsarena an dieser Stelle, unter anderem für die Heimspiele des DEL-Eishockeyvereines Augsburger Panther, wurden verworfen.