mini|200px|NOAA Hurricane Hunters fliegen am 5. September 2017 durch das Auge von „Irma“ mini|ISS beim Überfliegen von „Irma“ am 6. September 2017

Hurrikan Irma war der neunte benannte Sturm, vierte Hurrikan und zweite schwere Hurrikan der Atlantischen Hurrikansaison 2017 und seit dem Hurrikan Julia im Jahr 2010 der erste, welcher sich im östlichen Atlantik (d. h. östlich von 35° W) gebildet hatte. Irma ist ein klassischer Kap-Verde-Typ-Hurrikan und entstand Ende August westlich der Kapverdischen Inseln. Er wurde erstmals am 30. August 2017 um 15 Uhr UTC als Tropischer Sturm mit einer Windgeschwindigkeit von 80 km/h und einem Zentraldruck von 1004 mbar rund 530 km westlich der Kapverdischen Inseln registriert.Weather Underground: Hurricane and Tropical Cyclones

Irma war der stärkste atlantische Hurrikan außerhalb des Golfs von Mexiko und des Karibischen Meeres seit Beginn der Aufzeichnungen des National Hurricane Centers, das im Jahr 1898 gegründet wurde. Irma war der erste tropische Wirbelsturm, der eine andauernde Windgeschwindigkeit von 297 km/h für 37 Stunden erreichte. Der vormalige Rekordhalter war der Taifun Haiyan, der 2013 über die Philippinen hinweggezogen ist.

Sturmverlauf mini|links|Zugbahnkarte Das National Hurricane Center (NHC) begann am 26. August mit der Überwachung einer tropischen Welle über Westafrika. Die Störung zog spät am folgenden Tag in den Atlantischen Ozean hinaus. Während der beiden folgenden Tage organisierten sich die mit der Welle in Verbindung stehenden Regenfälle und Gewitter besser und konsolidierten sich in ein Tiefdruckgebiet, das am 29. August direkt südlich und über die Kapverdischen Inseln hinwegzog, und das NHC gab bekannt, dass eine signifikante Organisierung der Störung zur Klassifizierung eines tropischen Tiefdruckgebietes führen würde.

Die Störung organisierte sich während der folgenden rund 24 Stunden stetig und wurde basierend auf Scatterometrie und Dvorak-Technik am 30. August um 15 Uhr UTC westlich von Kap Verde zum Tropischen Sturm „Irma“ erklärt. Aufgrund warmer Meeresoberflächentemperaturen und geringer Windscherung wurde eine Intensivierung erwartet; der einzige Hinderungsgrund waren in der erwarteten Zugbahn liegende kühlere Wassertemperaturen und trockenere Luft. Der sich entwickelnde Sturm begann in der Höhe eine polwärts gerichtete Ausströmung zu bilden, während sich über das System ein Antizyklon legte, und die Regenbänder wurden auf den Satellitenbildern zunehmend besser erkennbar. Von 9 Uhr UTC am 31. August an, kurz nachdem sich eine Cirruswolkendecke () und ein Auge gebildet hatten, unterlief Irma eine bemerkenswerte Periode einer rapiden Intensivierung, mit einer Zunahme der Windgeschwindigkeiten von 110 km/h auf 185 km/h – von einem starken tropischen Sturm zum schweren Hurrikan in nur 12 Stunden.

Kurz darauf setzte eine zyklische Eyewall-Neubildung ein, sodass die Intensität des Hurrikans zwischen den Kategorien 2 und 3 wechselte.

Am 2. September fuhr ein Schiff etwa 50 Seemeilen (93 km) westlich des Zentrums von Irma vorbei und maß maximale andauernde Winde von 40 kt, was auf ein kompakt gebliebenes Auge hinwies. Ein sich verstärkender subtropischer Rücken über dem zentralen Nordatlantik drückte Irma am 2./3. September von einer westlichen auf eine südwestliche Zugrichtung. Die erste Lufterkundungsmission verließ Barbados am Nachmittag des 3. Septembers und entdeckte ein Auge mit einem Durchmesser von 25 Seemeilen (46 km) und Oberflächenwinden von 185 km/h.

Am 4. September um 21 Uhr UTC wurde der Hurrikan in die Kategorie 4 hochgestuft. Zu dem Zeitpunkt wurden für die Leeward Islands Hurrikanwarnungen ausgegeben.

Um 11:45 Uhr UTC am 5. September galt Irma als Kategorie-5-Hurrikan, mit einem Luftdruck von 929 mbar und einer andauernden einminütigen Windgeschwindigkeit von 280 km/h.

Im Verlauf des 6. September 2017 zog das Auge des Hurrikans über Barbuda, St. Barthelemy und St. Martin sowie über die zu den Britischen Jungferninseln gehörenden Inseln Tortola und Ginger Island hinweg. Eine Station der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) auf Barbuda maß eine andauernde Windgeschwindigkeit von 191 km/h und eine Bö von 250 km/h, bevor der Windmesser versagte. Dieselbe Station maß einen minimalen Luftdruck von 916,1 hPa, und St. Barthelemy meldete 915,9 hPa. Eine private Messstation auf Culebra meldete andauernde Winde von 142 km/h und eine Bö mit 179 km/h. Nach der Passage der Britischen Jungferninseln fiel der minimale zentrale Luftdruck des Hurrikans auf 914 mbar. Nach der Passage über Barbuda und die Britischen Jungferninseln zog Hurrikan Irma am 7. September 2017 weiter in Richtung der Turks- und Caicosinseln und verursachte dort erhebliche Schäden.

Der Hurrikan erreichte Kuba am 8. September, wo er an der Nordküste entlangzog und weiterhin als Kategorie-5-Hurrikan klassifiziert wurde. Das Eintreffen auf kubanisches Festland führte jedoch zu einer leichten Abschwächung des Sturms. Am 9. September traf Hurrikan Irma auf den Camagüey-Archipel vor der Nordküste Kubas und wurde kurzzeitig wieder auf Kategorie 5 hochgestuft. Während des weiteren Verlaufs entlang der kubanischen Küste schwächte sich der Hurrikan aufgrund des Terrains ab und wurde auf Kategorie 3 herabgestuft.

Am 10. September erreichte Irma die Florida Keys als starker Kategorie-4-Hurrikan. Der Sturm zog anschließend entlang der Westküste Floridas nach Norden und schwächte sich dabei kontinuierlich ab. Irma verursachte in Florida erhebliche Schäden, insbesondere durch Sturmfluten und starke Stürme.

Irma setzte seinen Weg über den Südosten der Vereinigten Staaten fort und wurde am 11. September zu einem tropischen Wirbelsturm herabgestuft. Der Sturm brachte weiterhin starke Regenfälle und verursachte Überschwemmungen, bevor er sich am 12. September über Süd-Tennessee und West-North Carolina auflöste.

Vorbereitungen Für mehrere Inseln der Leeward Islands und für Florida wurden Notstand bzw. Katastrophenvorbereitungen ausgerufen.

Kleine Antillen Für Martinique warnten die Behörden vor hohem Wellengang und starkem Wind in Böen bis 100 km/h. Wegen des hohen Wellengangs wurden auf St. Lucia und Dominica Warnungen für kleine Boote und Schwimmer ausgegeben. Auf Dominica wurde auch vor Erdrutschen und Überflutungen gewarnt. Météo-France gab für Guadeloupe einen orangen Alarm aus. Niedrig gelegene Gebiete und an den Klippen gelegene Häuser wurden wegen der Gefahr von Überflutungen und Erosion geräumt, und die Bewohner wurden in Notunterkünfte gebracht. Schulen und öffentliche Einrichtungen wurden am 5. und 6. September geschlossen, und die Behörden riefen private Unternehmer dazu auf, ihre Geschäfte geschlossen zu halten, damit die Straßen für Noteinsätze frei gehalten würden. Die Krankenhäuser wurden aufgefordert, die Funktionalität von Notstromaggregaten zu überprüfen und sicherzustellen, dass der Bedarf an Versorgungsgütern für drei Tage vorhanden sei. Die orange Warnstufe wurde auch für Antigua und Barbuda, Anguilla, Montserrat, Saint Kitts und Nevis, St. Martin, Saint-Barthélemy, Saba und Sint Eustatius verhängt.

Hispaniola und Bahamas In Haiti waren die meisten Bewohner relativ unvorbereitet. Die Ärmsten von ihnen waren mangels Zugang zu Massenmedien über den herannahenden Sturm kaum informiert, die Kräfte der Unterstützungsmission MINUSTAH hatten ihr schweres Gerät wegen des voraussichtlich auslaufenden Mandats bereits abtransportiert. Haiti ist wegen seiner Topographie und der schlechten Infrastruktur besonders anfällig für Überschwemmungen und Schlammlawinen.

In Haiti waren immer noch nicht alle Folgen des Erdbebens von 2010 und mehrerer tropischer Wirbelstürme beseitigt, zuletzt Hurrikan Matthew, dessen Auswirkungen auf Haiti mindestens 500 Personen töteten.

Der Premierminister der Bahamas, Hubert Minnis, hatte angeordnet, dass die Bewohner der sechs südlichsten Inseln der Bahamas auf dem Luftweg in die Hauptstadt Nassau gebracht werden.

Puerto Rico und Festland der Vereinigten Staaten Die Gouverneure von Puerto Rico und Florida, Ricky Rosselló und Rick Scott, riefen für ihre jeweiligen Gebiete den Notstand aus. In Puerto Rico wurden Notunterkünfte für 62.000 Menschen eingerichtet und die Nationalgarde mobilisiert. Ein Flugzeugträger mit Feldlazarett wurde zu der Region in Marsch gesetzt.

In Florida wurden alle 7000 Mitglieder der Florida National Guard zum 8. September in den Dienst berufen, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Vorbereitet wird eine verpflichtende Evakuierung der Florida Keys. Die Schulen schlossen am 6. September bis auf weiteres, und zu dem Datum sollten alle Touristen die Inseln verlassen. Die Bewohner sollten einen Tag danach folgen. Geschlossen wurden die Schulen ab 7. bzw. 8. September auch in den Countys Miami-Dade, Broward, Palm Beach, Collier, Martin, Okeechobee, St. Lucie, Lee und Indian River.

Am 6. September wurden für das Broward County und Fort Lauderdale eine verbindliche Evakuierung für alle Gebiete östlich des U.S. Highway 1 angeordnet und 14 Notunterkünfte eingerichtet. Im Miami-Dade County wurde die Evakuierung der Barriereinseln einschließlich Miami Beach und Key Biscayne und anderer niedrig gelegener Gebiete in Miami sowie südlich und nördlich der Stadt angeordnet. Bob Buckhorn, der Bürgermeister von Tampa an der Westküste Floridas, wo aufgrund der noch unsicheren Zugbahn ein ähnliches Szenario wie beim Tampa-Hurrikan 1921 befürchtet wird, erklärte auf lokaler Ebene den Notstand. Die University of Central Florida hat den Unterricht vom 7. bis 11. September abgesagt und schließt ihren Campus. Die Behörden forderten am 8. September rund 5,6 Millionen Menschen in Florida auf, sich in Sicherheit zu bringen und weiteten den Aufruf einen Tag später auf 6,3 Millionen Einwohner, somit ein Drittel der Bevölkerung Floridas, aus. Gouverneur Scott warnte für die Kette der Keys-Inseln, dort werde es „extrem schwer zu überleben“ sein.

Gouverneur Henry McMaster erklärte am 6. September den Notstand für South Carolina und forderte die Bewohner des Bundesstaates auf, sich auf einen Hurrikan vorzubereiten, der beim Erreichen der Küste des Bundesstaates vergleichbar sei mit Hurrikan Hugo, der 1989 als Kategorie-3-Hurrikan auf South Carolina getroffen war. Am selben Tag erklärte der Gouverneur von North Carolina, Roy Cooper, den Notstand für den gesamten Bundesstaat mit Wirkung um 08:00 Uhr UTC am 7. September, und Georgias Gouverneur Nathan Deal rief den Notstand für sechs Countys an der Küste aus. Zudem wurden in einigen Countys in Zentralgeorgia (Gwinnet County) am 11. September 2017 die Schulen geschlossen.siehe auch www.whitehouse.gov 8. September 2017:

Die Trump-Administration hatte den Kongress um die sofortige Bereitstellung von acht Milliarden US-Dollar ersucht; die Federal Emergency Management Agency habe wegen der Nothilfe in Zusammenhang mit Hurrikan Harvey kaum noch Geld.

Auswirkungen Antigua und Barbuda