alt=|mini|Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble der Pfarrkirche St. Oswald mit dem Pfarrhof alt=|mini|„Bauer mit Milchbutte“. Bronzeskulptur am Dorfplatz zur Erinnerung an die Flurbereinigung 1983–1984
Das Pfarrdorf Knottenried ist ein Ortsteil der Stadt Immenstadt im Allgäu im Landkreis Oberallgäu.
Geografie Lage Knottenried liegt im sogenannten Bergstättgebiet nördlich von Immenstadt im landschaftlichen Vorbehaltsgebiet „Bergland der Faltenmolasse zwischen Buchenberg und Oberstaufen“.
Die Pfarrei Knottenried wird im Norden zur Pfarrei Diepolz, im Osten zur Gemeinde Waltenhofen, im Südosten zur Gemarkung Akams, im Südwesten zur Gemarkung Bühl und im Westen zur Gemeinde Missen begrenzt.
Der Höhenfestpunkt für Knottenried ist in die Mauer der Pfarrkirche eingeschlagen und liegt auf 1003 m über NHN. Der mit 1056 m ü. NHN höchste Punkt der Pfarrei ist westlich von Knottenried auf der im amtlichen Grundbeschrieb als „Prageck“ benannten Flurbezeichnung. Der tiefste Punkt ist das Mühlbach-Tobel südlichöstlich von Reute am Übergang zur Gemarkung Akams mit 900 m über NHN.
Das größte zusammenhängende Waldgebiet Knottenrieds ist der Stixnerwald.
Knottenried wird von der Europäischen Hauptwasserscheide durchzogen. Flusssystem des Rheins: Im Nord-Westen entspringt der Luibach, welcher sich im weiteren Verlauf mit dem Kirchholzbach zum Börlasbach vereinigt. Im Südwesten entspringen Haselbach, Haustobelbach und Westenrieder Bach, welche sich zum Stixnerbach vereinigen. Stixnerbach und Börlasbach bilden im weiteren Verlauf die Untere Argen. Flusssystem der Donau: Im Süden entspringt der Akamser Mühlbach (fließt bei Unterluitharz in den Hölltobelbach) und im Norden entspringt der Mühlbach.
Ortsteile Zur Pfarrei Knottenried gehören neben dem Pfarrdorf Knottenried auch der Weiler Reute, einige Einzelsiedlungen, darunter die als Westenried bekannte Einöde.
Die Einöde Oberstixner gehörte ursprünglich ebenfalls zu Knottenried. Im Jahre 1938 bahnte sich eine Umgemeindung des Anwesens an, als der damalige Besitzer einen Antrag zur Eingemeindung in die Gemeinde Missen stellte. Die Verhandlungen zogen sich 10 Jahre hin. Die Forderung der Gemeinde Diepolz auf Abfindung in Höhe von 750 DM wurde am 27. März 1949 vom Gemeinderat Missen einstimmig genehmigt. Die Gemeinde Missen zahlte 350 DM und der Oberstixner 400 DM. Außerdem lieferte der Oberstixner der Gemeinde Missen 10 m³ Kies. Die Eingemeindung trat zum 1. Oktober 1949 in Kraft.
Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts gehörte auch das Dorf Luitharz, zumindest ein Teil davon, zur „Knottenrieder Pfarr“. Im Jahre 1789 sind 2 Luitharzer Anwesen an der Knottenrieder Vereinödung beteiligt.
Geschichte Würm-Eiszeit Es ist unzweifelhaft, dass Würmeis einerseits von der Passhöhe bei Diepolz, andererseits über den Stixnerpass hinüberfloss. Der westliche Teil der zwischen Knottenried und Missen gelegenen Erhebung ragte offenbar über das Eis empor. Noch heute ist in der Gegend um Knottenried die bearbeitende Kraft des strömenden Eises an den Geländeformen erkennbar.
Antike Von Gestratz aus verlief in südöstliche Richtung über Weitnau, Waltrams und Freundpolz eine via diversoria oder eine römische Verbindungsstraße, welche wahrscheinlich bei Eckarts und Werdenstein oder weiter oben zwischen Immenstadt und Rauhlaubenberg an die dort verlaufende Gebirgsstraße angebunden war. Die Anwesenheit antiker Völker, wie Römer oder Kelten, in Knottenried und Reute lassen sich lediglich durch Funde in den benachbarten Orten Freundpolz (Grabhügel, goldener römischer Ring) und Göhlenbühl (Schanze, bronzene Fibel) vermuten.
Der Ursprung der Ortschaften Knottenried und Reute lässt sich geschichtlich nicht fassen. Das Gebiet wurde von den Alamannen in Besitz genommen und durch Rodung urbar gemacht. Als herrschaftliche Träger der Rodung kommen die Welfen in Betracht. Zur Zeit der Christianisierung soll der erste Kirchenbau in Knottenried auf einem heidnischen Kultplatz errichtet worden sein.
Mittelalter Im Jahre 1090 kamen mit Zaumberg wahrscheinlich auch Knottenried und Reute als Schenkung an das Kloster Weingarten.
Die erste bekannte Erwähnung der Pfarrei Knottenried stammt aus dem Jahr 1143. Am 9. April 1143 nahm Papst Innozenz II. das Kloster Weingarten samt dessen Besitzungen, worunter eine Anzahl namentlich aufgezählt werden, unter seinen besonderen Schutz. Darin heißt es: Zunberc cum suis appendiciis. Ecclesiam in Riet cum investitura (Zaumberg mit seinen Anhängen, die Kirche in Knottenried mit dem Einsetzungsrecht des Pfarrers).
Das Landgut Knottenried wurde anfänglich von Maierhof in Zaumberg aus mitverwaltet. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts wurden für Knottenried ein eigener Maierhof und eine eigene Verwalter erwähnt. „Wer[nherus] et Petrus de Riet“ wurden am 26. Mai 1269 gemeinsam mit „Petrus de Zunberc villicus (Maier)“ in zwei Weingartener Urkunden als Zeugen genannt. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wird „Petrus in dem Riet“ in einem Abgabenverzeichnis der Abtei Weingarten als „de advocatia (von der Vogtei)“ erwähnt, ebenso Wernher. Darin wird auch erwähnt, dass in Knottenried ein Hof des Maiers (curia villici) und ein Lehen (feodum) existieren. 1349 übergab das Kloster Weingarten die Vogteirechte seiner Ländereien, also auch von Knottenried, auf Widerruf an Truchsess Otto von Waldburg. Von dem Knottenrieder Hof aus wurden später auch die Alpen der Abtei Weingarten im Lechtal verwaltet. So musste von 1368 bis 1537 der jährliche Lehenszins für die Hochalpe Wöster an den Hof in Knottenried entrichtet werden. Im 15. Jahrhundert wird der Knottenrieder Amann für Weingarten, Hans Haim, wird als Siegler von Weingartner Urkunden und als Zeuge mehrmals urkundlich erwähnt.
Neuzeit
Frühe Neuzeit Die Pfarrei Knottenried wird 1520 zusammen mit anderen Gütern ein Lehen der Edlen von Prassberg. Im Jahre 1538 verkaufte das Kloster Weingarten das Amt und Niedergericht Zaumberg-Knottenried an die Herrschaft Rothenfels.
Nach der Niederwerfung des Bauernaufstandes 1525 mussten sechs Knottenrieder Höfe jeweils 6fl. „Brandschatzung“-Entschädigungszahlungen an den schwäbischen Bund leisten.
1567 veräußerte Ulrich von Montfort die Grafschaft Rothenfels und die Herrschaft Staufen für 150.000 Gulden, trotz eines höheren Gebotes von Erzherzog Ferdinand, an seinen Schwager Freiherr Johann Jakob von Königsegg.
Für die Verwaltung des Forstbezirks Knottenried wurde von den Grafen von Rothenfels ein Revierjäger eingesetzt, welcher seinen Sitz im „Hochgnädiger Herrschaft Jägerguth“ in Knottenried hatte. Bis heute hat sich für dieses Anwesen der Hausname „beim Jägar“ erhalten. Die Vermutung, dass es sich bei genanntem Jägergut um den ehemaligen Maierhof des Klosters Weingarten handelte, ist naheliegend jedoch nicht belegt. 1792 erlegte Graf Ernest von Königsegg-Rothenfels im Forstbezirk Knottenried den letzten Luchs in der Bergstätte.
Auch die Bauern der Grafschaft Königsegg-Rothenfels hatten Frondienste zu leisten. So wurde 1597 dokumentiert, dass die Pfarrei Knottenried für das Aufmachen und Fahren von Holz ins Schloss Rothenfels zu sorgen hatte. Im Gegenzug erhielt jeder Beteiligte für die Arbeit 1 Laib Brot, für den Transport zusätzlich ¼ Laib.
Acht Pfarreien der Grafschaft Königsegg-Rothenfels, darunter auch Knottenried, söhnten sich mit dem Grafen Georg von Königsegg-Rothenfels aus, nachdem es 1597, aufgrund gravierender Änderungen in der Besteuerung, zu einer Klageschrift an Kaiser Rudolf kam.
Durch den Ausbruch der Pest waren in Knottenried zeitweise nur noch 6 Häuser bewohnt. mini|Knottenried in einer Karte der Grafschaft Königsegg-Rothenfels (um 1790) Um die Brandgefahr im Ort herabzusetzen und eine zweckmäßigere Lage der Höfe zum Nutzland zu erreichen, wurde die Vereinödung 1766 in Reute und 1789 in Knottenried durchgeführt.
19. Jahrhundert Am 19. Januar 1804 tauschte Graf Franz Fidel zu Königsegg-Rothenfels, hoch verschuldet und von Krankheit gezeichnet, mit dem Kaisertum Österreich die Grafschaft Rothenfels gegen Krongüter in Ungarn. Die Pfarrei Knottenried wurde ein Teil von Vorderösterreich.
In dem Vertrag von Brünn wurde Knottenried und Reute im Jahre 1805 dem Königreich Bayern zugesprochen. Um einen Aufruhr gegenüber der neuen Herrschaft, wie im benachbarten Tirol, auszuschließen wurden im Jahre 1810 aus den Allgäuer Pfarreien insgesamt 177 Männer, darunter ein Bauer aus der Pfarrei Knottenried, als Geiseln in die Feste Bouillon in den Ardennen verschleppt.
1807 führte Bayern als erstes Land die Impfpflicht gegen Pocken ein. In Knottenried wurde eine Impfstation für die Orte der Pfarreien Akams, Diepolz, Knottenried und Missen eingerichtet.
Im Jahre 1815 waren alle im landärztlichen Distrikt Knottenried ansässigen „chirurgischen Individuen“ aufgerufen, sich dem landärztlichen Studium zu unterziehen. Ansonsten würde in den Distrikt ein „gebildeter Landarzt“ eingewiesen werden.
Im Zuge des Gemeindeedikts von 1818 durch Maximilian Joseph von Montgelas schloss man die bis dahin eigenständigen Hauptmannschaften Knottenried und Diepolz zur politischen Gemeinde Diepolz zusammen.
20. Jahrhundert Das Knottenrieder Schulhaus wurde 1912 eingeweiht. Der Schulbetrieb wurde 1963 eingestellt.
Im Ersten Weltkrieg musste die Pfarrei 2 Kirchenglocken zu Kriegszwecken abgeben und verlor 5 Gemeindemitglieder auf den Schlachtfeldern Europas.
Auf dem Höhenrücken zwischen Knottenried und Reute wurde vor dem 2. Weltkrieg – vermutlich 1938/1939 – eine von 23 Flugwachen des Flugwachenkommando (Fluko) Kempten errichtet. Diese bestand im Wesentlichen aus einem Postenstand mit Horcheinrichtung, Fernsprechstelle, Bereitschaftsraum und einer Melderose. Der Wachposten musste überfliegende Flugzeuge per Fernsprecher an das Fluko Kempten melden. Die Flugwache wurde mit ortsansässigen Soldaten, ab 1943 mit Luftwaffenhelferinnen besetzt. Die Helferinnen waren im Saal des Knottenrieder Gasthauses „Zur Rose“ einquartiert. Die Flugwache Knottenried wurde laut Eintrag im Kriegstagebuch des Fluko Kempten am 13. Oktober 1944 aufgelöst. Die Überreste der Flugwache wurden 1945 durch die Gemeinde versteigert.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Rahmen der Kinderlandverschickung Kinder und Jugendliche aus luftkriegsgefährdeten Städten auch in Knottenried untergebracht.
Im Zweiten Weltkrieg musste Knottenried eine Kirchenglocke zu Kriegszwecken abliefern, die Pfarrei hatte vier Gefallene zu beklagen.Knottenried, Stadt Immenstadt i.Allgäu, Landkreis Oberallgäu, Schwaben, Bayern, auf denkmalprojekt.org Zu Kriegsende wurde vom Volkssturm im Burgstall bei Knottenried aus Bäumen eine Panzersperre errichtet. Die Bäume wurden jedoch in der Nacht durch die einheimische Bevölkerung wieder weggeräumt. Am Tag darauf rückten französische Soldaten ein. Im Mai 1945 beschützten serbische Kriegsgefangene aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag VII B Memmingen, welche zur Feldarbeit eingesetzt wurden, in Reute die Bevölkerung vor Übergriffen der französischen Soldaten.
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Knottenried am 1. Januar 1972 in die Stadt Immenstadt im Allgäu eingegliedert.
Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016 wurde die für den Grenzabschnitt zwischen Lindau am Bodensee und Freilassing zuständige Bundespolizei von auswärtigen Kollegen und von Landespolizisten unterstützt. Ein Teil dieser Polizeikräfte waren im Bergstätter Hof in Knottenried stationiert.
Ortsnamen im Wandel der Zeit Knottenried:
Riet (1143), predium Riet (1153), in dem Riet (2. Hälfte des 13. Jhd.), Clottenried (1275), predium de Knottenunrieht (1278), Knottenriet (1353) – Rodung eines KnodoKnottenried, auf geschichte-bayerns.de
Reute:
in der Ruoti (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts), in der Rüti (1451), in der Reuthin (1567), in der Reute (1676), auf der Reite (1792) – Rodung
Wappen Das Pfarrdorf Knottenried und der Weiler Reute führen ein gemeinsames Wappen.