Anton Felix Napp-Zinn (* 11. März 1899 in Mainz; † 12. November 1965 ebenda) war ein deutscher Verkehrswissenschaftler.

Werdegang Anton Felix Napp-Zinn, der am Ersten Weltkrieg als Leutnant teilgenommen hatte, studierte ab 1919 Staats- und Wirtschaftswissenschaften in Heidelberg, Frankfurt am Main sowie in Köln. Dort wurde er 1921 promoviert und bis 1923 am Institut für Verkehrswissenschaft der Kölner Universität als Assistent beschäftigt. Anschließend übernahm er als Verkehrsreferent der Deutschen Delegierten bei der Interalliierten Binnenschifffahrtskommission in Köln eine Tätigkeit, die seiner Habilitation in Köln 1925 (mit einer Schrift über die "Rheinschiffahrt") zugutekam. Napp-Zinn wurde daraufhin zum Leiter des Instituts für Verkehrswissenschaft ernannt und lehrte fortan als Privatdozent, ab 1930 als nicht-beamteter außerordentlicher Professor an der Kölner Universität.

Von 1933 bis 1935 war Napp-Zinn Mitglied im rechtsgerichteten Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Seine Stellung zum Nationalsozialismus wird kontrovers diskutiert. Seit dessen Einrichtung 1935 gehörte er dem verkehrswissenschaftliche Forschungsrat beim Reichsverkehrsministerium an. Mit pro-nationalsozialistischen Schriften habe er die Gleichschaltung der Universität Köln vorangetrieben, lautete ein Vorwurf.; Eine weitere motivationale Spekulation lautet, er habe 'aufgrund seiner Ehe mit einer nichtarischen Frau' nicht der NSDAP beitreten können. Mit diversen Argumenten, wegen "nichtarischer Abstammung der Ehefrau", wurde Napp-Zinn nach einem längerem schriftlichen Disput 1938 die Lehrbefugnis entzogen. Nach der durch den Nationalsozialismus betriebenen Verfolgung als Hochschullehrer der Universität Köln, hat er auch während des Zweiten Weltkriegs weiterhin wissenschaftliche Beiträge publiziert. Den Lebensunterhalt in dieser Zeit erwarb er in einer Anstellung als Archivar bei der Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb, sowie diverse gutachterliche Aufträge. 1946 hat er eine Wiederbeschäftigung an der Universität Köln abgelehnt. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes setzte Napp-Zinn seine akademische Laufbahn und Lehrtätigkeit fort. Ab 1946 lehrte er – nun als ordentlicher Professor – an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Mainz, als deren Dekan er 1948/49 gewählt wurde. Von 1956 an war er auf einen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt am Main berufen worden, den er bis zu seiner AltersemeritierungEmeritierung innehatte. Seine Monographie "Verkehrswissenschaft" in der Reihe Veröffentlichungen des Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik an der Universität erschien posthum in 1968.

Herausragenden Einfluss auf die Entwicklung seiner Disziplin übte Napp-Zinn auch durch sein Engagement für die "Zeitschrift für Verkehrswissenschaft" aus, bei der er als Herausgeber (1925–1938) und als Mitherausgeber (1948–1965) insgesamt also über 4 Jahrzehnte tätig war.

In seiner Gedenkrede für den vielfach ausgezeichneten, älteren Kollegen, den Ehrensenator, Geheimen Regierungsrat Prof.Dr.Dr.Christian Eckert, hebt er dessen 'Toleranz, seinen Optimismus und sein Europäertum als die Wesenheiten seiner politischen Haltung' hervor. Und er grenzt sich vor dem Publikum der Öffentlichen Trauerfeier am 12. November 1952, sich mit ihm identifizierend, nachdrücklich von – leicht verdeckbaren – Nationalismus-Neigungen ab.(ebd.S.14)

Werke (Auswahl) Johann Friedrich von Pfeiffer (1718–1787) und die Kameralwissenschaft an der Universität Mainz. Diss. Universität Köln, 1921. Rheinschiffahrt 1913–1925. Ihre wirtschaftliche Entwicklung unter dem Einfluss von Weltkrieg und Kriegsfolgen. Springer, Berlin 1925. Grundbegriffe des Verkehrs. In: Zeitschrift für Verkehrswissenschaft. Band 18, Nr. 4, 1942/43, S. 201–233. (Digitalisat) Verkehrswissenschaft. Gegenstand und Gliederung. In: Zeitschrift für Verkehrswissenschaft. Band 20, Nr. 1, 1948/49, S. 2–20. (Digitalisat) Johann Friedrich von Pfeiffer und die Kameralwissenschaften an der Universität Mainz (= Beiträge zur Geschichte der Universität Mainz. 1). Steiner, Wiesbaden 1955. Verkehrswissenschaft (= Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Mainz. 23). Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.

Literatur Anette Schlimm: Ordnungen des Verkehrs. Arbeit an der Moderne. Deutsche und britische Verkehrsexpertise im 20. Jahrhundert (= Histoire. 26). Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-1828-0. Frank Golczewski: "Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus: personengeschichtliche Ansätze" Köln 1988, ISBN 3-412-03887-3.

Weblinks

Anton Felix Napp-Zinn. In: Gutenberg Biographics. Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz 1946 bis 1973.

Einzelnachweise

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