mini|„Altona skal være dansk“ – Signum der Altonaer Freiheit Altonaer Freiheit – weg von Hamburg! war eine in den 1980er Jahren entstandene Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den Hamburger Bezirk Altona wieder zu einer selbstständigen Stadt zu machen, wie sie es bis 1938 gewesen war. Geschichte mini|Beflaggung des Rathauses am 1. Mai 2023 mit der Hamburger und der Altonaer Flagge. Die Initiative war ein „loser Kreis von Gleichgesinnten“ aus dem Umfeld ihres Gründers, des Altonaer Geschichtslehrers Olaf Wuttke, der ab 1986 die Grün-Alternative Liste (GAL) in der Bezirksversammlung Altona vertrat. Bis 2012 war Wuttke Sprecher der Initiative.Maximilian Probst: Es gab immer Stunk. In: Die Tageszeitung. 4. März 2008 (taz.de, Interview mit Olaf Wuttke).und Die Stadtteilserie: Altona-Altstadt: Der Stadtteil-Pate: Kai-Hinrich Renner, Abschnitt Das Original, Hamburger Abendblatt vom 27. Oktober 2012. Sie plädierte für das Bremer Modell mit zwei kommunal selbstständigen Städten in einem BundeslandRalf Lorenzen: 350 Jahre Altona: Wir Dänen. In: Die Tageszeitung. (taz Nord) 23. August 2014 (taz.de). und schaltete sich diesbezüglich in die Diskussion um die Hamburger Bezirksverwaltungsreform ein. Als ersten Schritt verlangte sie die Rückführung der nach dem Zweiten Weltkrieg in das Hamburgische Staatsarchiv verbrachten Bestände des Altonaer Stadtarchivs; diese Forderung machten sich in einem einstimmigen Beschluss Mitte der 1990er Jahre sämtliche Bezirksversammlungsfraktionen zu eigen. Außerdem sollten Altonas Grenzen, insbesondere zu St. Pauli und zum Bezirk Eimsbüttel, wiederhergestellt werden.

Bekannt geworden war das sezessionistische Anliegen über Hamburgs Grenzen hinaus bereits 1980 noch vor dem Entstehen der Initiative durch ein Flugblatt mit einem Brief von Wuttke an die dänische Königin Margrethe II. mit der programmatischen Forderung „Altona muß zurück an Dänemark“ (Altona skal være danskDas Motto bezieht sich darauf, dass der dänische König bis 1864 auch Landesherr von Holstein – zu dem Altona bis 1937 gehörte – war. Teil Dänemarks war Holstein allerdings nie.), worauf der zuständige Konsul mit einer diplomatischen Antwort reagierte. Die Forderung sei damals in linken und subkulturellen Kreisen populär gewesen, doch es ging laut dem Historiker Knud Andresen weniger um Dänemark selbst, als „eine ironische Wendung, um Kritik an den hiesigen Verhältnissen zu üben“.

Anfang der 1990er Jahre erreichte die Initiative, dass am Altonaer Rathaus zu bestimmten Anlässen wieder die eigene neben der Hamburger Stadtfahne flaggt. Die symbolische Geste wurde eingeführt, nachdem ihr Sprecher Wuttke sich in der Bezirksversammlung dafür eingesetzt hatte.Matthias Gretzschel: Nationalsozialismus: Das Groß-Hamburg-Gesetz: Als Hamburg Metropole wurde, abendblatt.de, 30. März 2012: „die Initiative "Altonaer Freiheit" gibt es bis heute. Und manchmal kann die überparteiliche Organisation sogar kleine Siege verbuchen: … Jeden vierten Donnerstag im Monat - dann tagt die Bezirksversammlung - wird vor dem historischen Altonaer Rathaus nicht nur die Hamburger, sondern auch die Altonaer Fahne gehisst.“

Nach 2014 hörte man nichts mehr von der Initiative.

Öffentliche Wahrnehmung 1991 wurde ein Text zur Initiative Altonaer Freiheit als deutscher Beispieltext für ein dänisches Deutsch-Übungsbuch verwendet.„Altona zurück an Dänemark!“ in Folkeskolen (Hrsg.): Sprogforlagets Lytte- og Læsetekster til den nye Prøveform i Tysk. Nr. 3, Kopenhagen 1991, S. 25/26. Das Lifestyle-Magazin Tempo befasste sich ein Jahr später mit dieser Initiative, die sie im Vergleich mit anderen Sezessionisten nicht als „Reaktionäre im Heimatwahn“ einordnete, sondern im „Anarcho“-Lager verortete.Artikel „Wir wollen Staat machen“. In: Tempo, März 1992, Zitate auf S. 27 beziehungsweise 33. In seinem Kriminalroman Schneewittchens Sarg (2007) persifliert der Autor Robert Brack sie unter der Bezeichnung Dänische Befreiungsfront. Der Stadtspiele-Verlag in Dresden widmet der Initiative in seinem Stadtverführer Hamburg auf der Karte über das Altonaer Rathaus einen längeren Abschnitt.siehe auf stadtspiele-verlag.de In der offiziellen Festschrift anlässlich des 350. Jahrestages der Verleihung der StadtrechteKlaus Sieg: Altona Rotweiss. In: Bezirksamt Altona (Hrsg.): 350 Jahre Altona. Festschrift 350 Jahre Stadtrechte. Hamburg 2014, S. 18–20. und in einer wissenschaftlichen Publikation (beide 2014 erschienen) wird die Altonaer Freiheit in den Kontext der Erinnerungskultur eingeordnet.

Literatur

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Verein (Hamburg) Kategorie:Bezirk Altona Kategorie:Sezessionistische Organisation (Deutschland) Kategorie:Dänisch-deutsche Beziehungen Kategorie:Gegründet in den 1980er Jahren