Earl William „Madman“ Muntz (3. Januar 1914 in Elgin, Illinois – 21. Juni 1987 in Rancho Mirage, Kalifornien) war ein amerikanischer Unternehmer, Gründer, Werbedarsteller und Ingenieur, der Autos und Unterhaltungselektronik in den USA ab den 1930er Jahren bis zu seinem Tod 1987 verkaufte und dafür Werbung produzierte. Mit der Figur des irren Verkäufers „Madman Muntz“ war er ein Pionier der Fernsehwerbespots. Außerdem vermarktete er das „Muntz Stereo-Pak“, eine 4-Spur-Kassette für Autoradios, einen etwaigen Vorgänger der von Lear Industries entwickelten 8-Spur-Kassette (8-Track).
Nach ihm ist das „Muntzing“ benannt, womit umgangssprachlich das Vereinfachen von ansonsten komplexen elektronischen Geräten gemeint war. Muntz produzierte und vertrieb die ersten Schwarz-Weiß-Fernsehempfänger unter 100 US-Dollar und schuf einen der frühesten funktionalen Breitbild-Rückprojektions-Fernsehgeräte. Ihm wurde die Urheberschaft der Abkürzung „TV“ für das Fernsehen (Television) nachgesagt, obwohl der Begriff zuvor in Stationskennungen wie „WCBS-TV“ verwendet wurde. Nachdem er die High School abgebrochen hatte, verkaufte er Autos, Fernsehgeräte, Autoradios und Tonträger. Ein 1968 erschienener Artikel in der Los Angeles Times berichtet, Muntz habe in einem Jahr Autos im Gesamtwert von 72 Millionen USD verkauft, fünf Jahre später Fernsehgeräte über 55 Millionen USD und im Jahr 1967 Autoradios und Tonträger über 30 Millionen USD.
Nach seinem Erfolg als Gebrauchtwagenhändler mit den Autohäusern von Kaiser-Frazer in Los Angeles und New York City, gründete er die Muntz Car Company, die den „Muntz Jet“, einen Sportwagen mit Konturen eines Düsenflugzeuges, auf den Markt brachte. Von diesem Auto wurden zwischen 1951 und 1953 weniger als 400 Stück produziert.
Muntz heiratete siebenmal. Zu seinen Frauen gehörte die Schauspielerin Joan Barton (die in Der schwarze Reiter (1947) mit John Wayne auftrat) und Patricia Stevens, die im Film Finishing Schools (Mädchenpensionat) mitspielte. Phyllis Diller gehörte zu seinen vielen Freundinnen. Er war mit Prominenten befreundet wie Sänger Rudy Vallee, Komiker Jerry Colonna, Schauspieler Bert Lahr, Fernsehmoderator Dick Clark und Cowboy-Darsteller Gene Autry.
Früher Werdegang: 1922–1953 Muntz war schon früh von Elektronik fasziniert. Er baute sein erstes Radio im Alter von acht Jahren und baute ein weiteres für das Auto seiner Eltern im Alter von 14 Jahren. Während der Großen Depression brach er im Alter von 15 Jahren die High School in Elgin (Illinois) ab, um im Ladengeschäft seiner Eltern zu arbeiten.
Autohandel Im Jahr 1934 öffnete Muntz mit einem Kreditrahmen über 500 USD (was inflationsbereinigt USD entspricht) seine erste Gebrauchtwagen-Niederlassung in Elgin. Er war erst 20 Jahre alt, also noch nicht volljährig, so dass seine Mutter die Autopapiere unterschreiben musste, um seine Geschäfte rechtswirksam zu schließen. Während eines Urlaubs in Kalifornien entdeckte Muntz, dass Gebrauchtwagen dort um deutlich höhere Preise verkauft wurden, worauf der 26-jährige Muntz im Jahr 1940 nach Kalifornien zog, um eine Gebrauchtwagenniederlassung in Glendale zu eröffnen. In Vorahnung auf ein lohnendes Geschäft kaufte er 13 brandneue Fahrzeuge mit Rechtslenker, um sie weiterzuverkaufen. Diese Fahrzeuge wurden für Kunden in Asien gebaut und konnten wegen des Zweiten Weltkrieges nicht geliefert werden. Ein Fahrzeug war ein maßgeschneiderter Lincoln, der für Chiang Kai-shek gebaut wurde. Lokale Zeitungen berichteten über die ungewöhnlichen Autos und Muntz verkaufte sie alle innerhalb von zwei Wochen, noch in ihren ursprünglichen Versandkisten. Kurz darauf eröffnete Muntz eine zweite Niederlassung in Los Angeles und schloss seine erste Niederlassung in Elgin.
Muntz entsprach keineswegs dem damaligen Muster, wonach ein Gebrauchtwagenverkäufer seriös erscheinen sollte. Er erkannte die Möglichkeiten der Werbung mit seltsamen Stunts und entwickelte daraus eine Figur mit einer wahnsinnigen Persönlichkeit („Madman“=der Irre/Wahnsinnige). Seine großspurigen Plakate und exzentrische Radio- und Fernsehwerbung machten ihn bald berühmt. In seinen Werbespot für Gebrauchtwagen vermarktete er ein Modell als das „Special des Tages“. Darin behauptete Muntz, wenn das Auto an diesem Tag nicht verkaufte werde, würde er es vor der laufender Kamera in Stücke mit einem Vorschlaghammer zerschlagen. Ein weiterer berüchtigter Muntz-Gebrauchtwagen-TV-Höhepunkt war: „Ich kaufe sie im Einzelhandel und verkaufe sie im Großhandel … so macht es einfach mehr Spaß!“ („I buy ’em retail and sell ’em wholesale … it’s more fun that way!“) Seine Werbespots erzeugten so viel Aufsehen, dass Komödianten wie Bob Hope, Jack Benny und Steve Allen des Öfteren versuchten, sich gegenseitig bei ihren Fernsehauftritten zu übertreffen, indem sie „Madman“-Muntz-Witze erzählten. An der University of Southern California gab es unter seinen Fans den Streich, den Namen „Muntz“ in der Hälfte der Zeit auszusprechen.
Die Autoverkaufsniederlassungen von Muntz wurden zur Touristenattraktion durch das Aufsehen, das sein Auftreten in den Fernsehwerbespots verbreitete. Eine Umfrage von Panner Motor Tours im Jahr 1946 ergab, dass sie den siebten Platz unter den touristischen Attraktionen Südkaliforniens belegten. Muntz nahm gehörige Risiken in Kauf, um Aufmerksamkeit zu erlangen. In der Zeit des McCarthyismus fragte er einen seiner Berater: „Glaubst du, ich würde auf der Titelseite sein, wenn ich der Kommunistischen Partei beigetreten wäre?“
Muntz Jet
links|mini|Ein vollrestaurierter 1953 Muntz Jet auf einer Oldtimerauktion in Monterey
Im Jahr 1948 versuchte Frank Kurtis, Rennwagendesigner und Gründer der Firma Kurtis Kraft, den Kurtis Kraft Sport, einen neuen zweisitzigen Sportwagen zu vermarkten. Bis 1950 waren nur 36 Stück verkauft worden. 1951 setzte er lediglich 200.000 USD um (was inflationsbereinigt USD entspricht). Kurtis verkaufte die Herstellungslizenz an Muntz, die dieser schnell im rebadge als „Muntz Jet“ auflegte. Der Muntz Jet wurde zuerst in Glendale produziert, wo Muntz den Zweisitzer Kurtis Kraft Sport um 13 Zoll (33 cm) verlängerte und zum Viersitzer machte sowie den Ford-V8-Motor durch einen größeren Cadillac V8 ersetzte. Nachdem er nur 28 Stück in Kalifornien produziert hatte, verlegte Muntz die Produktion in eine neue Fabrik in Evanston (Illinois), verlängerte die Karosserie um weitere 3 Zoll (7,6 cm) und ersetzte den Cadillac V8 durch einen nicht so teuren Lincoln V8 SV.
Der Jet wurde auf der Titelseite der September-Ausgabe von Popular Science im Jahr 1951 zusammen mit einem Jaguar und einem MG vorgestellt. Er zeichnete sich durch ein eigenes Design aus, mit Aluminiumleisten an der Karosserie und einem abnehmbaren Top von glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Die Auswahl der Lackfarben war extravagant und hatte Namen wie „Marsrot“, „Stratosphärenblau“ und „Zitronennebel“. Beim Interieur gab es Optionen wie Alligator- oder spanisches Kunstleder. In der Armlehne der Rückbank war eine vollständige Cocktailbar eingebaut.
Der Jet erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 125 mph (Meilen pro Stunde (ca. 200 km/h) und eine Beschleunigung von 0 auf 50 mph (80 km/h) in sechs Sekunden, was für damalige Straßenfahrzeuge herausragend war. Das schnellste Serienfahrzeug im Jahr 1953 war der Sportwagen Pegaso Z-102 Supercharged mit 155 mph (ca. 250 km/h). Besitzer eines Jets waren damals Frank Stanton (CEO von CBS), Schauspieler Mickey Rooney und Al „Lash“ LaRue.
Die Arbeit und die Materialien, die erforderlich waren, um den Jet zu produzieren, führten zu einem hohen Preis für das Endprodukt und 1954, nachdem sie etwa 400 Autos verkauft und etwa 1000 USD ( inflationsbereinigt USD) verloren hatten, schloss Muntz das Unternehmen. Heute sind Muntz Jets geschätzte Sammlerautos und werden als Vorläufer der Chevrolet Corvette und des Ford Thunderbird gewertet.
Muntz TV Muntz plante ab 1946 Fernsehgeräte zu verkaufen, was er 1947 machte. Muntz spielte in seinen unorthodoxen Fernsehwerbespots den Wahnsinnigen, war aber in Wirklichkeit ein geschickter Geschäftsmann und machte den autodidaktischen Elektroingenieur. Er zerlegte Fernsehgeräte von Philco, RCA und DuMont. Er fand durch Versuch und Irrtum heraus, wie man die Zahl der elektrischen Komponenten der Geräte auf ihre minimale Funktionalität reduzieren konnte. Diese Praxis wurde als „Muntzing“ bekannt.
In den 1940er und 1950er Jahren waren die meisten Markenfernseher komplizierte Geräte, die etwa 30 Vakuumröhren sowie Rheostate, Transformatoren und andere große Bauteile enthielten. Infolgedessen waren sie für gewöhnlich sehr teuer: Der billigste in den USA hergestellte Fernseher hatte vor dem Zweiten Weltkrieg einen 3-Zoll (7,62 cm) Bildschirm und kostete 125 USD, was inflationsbereinigt USD entspricht; das billigste Modell mit einem 12-Zoll ({30,48 cm) Bildschirm kostete 445 USD ( USD entspricht). Obwohl das Rundfunkfernsehen in den Vereinigten Staaten seit 1928 in verschiedenen Formen existierte, besaßen 1954 nur 55 % der Haushalte in den USA einen Fernseher. Acht Jahre später hatten 90 % einen.
mini|MuntzTV, Model 17A3A, Baujahr 1951
Vermarktet unter dem Namen „Muntz“ von seiner Firma Muntz TV Inc. waren diese vereinfacht gebauten Geräte die ersten schwarzweiß Fernsehgeräte in den USA, die für unter 100 USD über den Ladentisch gingen. Muntz war auch der erste Einzelhändler, der seine Bildschirme diagonal statt in der Breite angab. Die Geräte verkauften sich gut und waren zuverlässig, da die wenigen Röhren weniger Wärme erzeugten. Sie funktionierten gut in Metropolregionen nahe der Funktürme, wo Signale stark waren. Sie funktionierten schlecht mit schwächeren Signalen, da die meisten Komponenten, die Muntz eingespart hatte, schwache Signale aufbereiteten. Es war eine kalkulierte Entscheidung: Muntz zog es vor, die kleinere Marktmenge an höherwertigen Empfängern Firmen wie RCA und Zenith Electronics zu überlassen, da seine Zielkundschaft in erster Linie Stadtbewohner mit kleinem Geldbeutel waren. Darüber hinaus hatten viele städtische Wohngebäude Auflagen, keine Dachantennen installieren zu dürfen und wenn es erlaubt war, kostete die Installation einer Antenne etwa 150 USD. Muntz löste das Problem, indem er seinen Empfängern eine Zimmerantenne einbaute. Im Jahr 1952 hatte seine Firma Muntz TV Inc. 49,9 Millionen USD umgesetzt, was inflationsbereinigt Millionen USD entspräche.
Muntz setzte weiterhin seine schillernde Persönlichkeit des „Madman“ in vielen seiner TV-Werbespots ein. In einem, der normalerweise nach der Ed Sullivan Show ausgestrahlt wurde, warb Muntz, gekleidet in langen roten Hosen und Napoleon-Hut, für seinen neuen 14-Zoll-Fernseher (35,56 cm), indem er sagte: „Ich möchte sie verschenken, aber Frau Muntz lässt mich nicht. Sie ist übergeschnappt!“ (I wanna give ’em away, but Mrs. Muntz won’t let me. She’s crazy!). Eine weitere Fernsehwerbung zeigte Zeichentrickanimationen von Oskar Fischinger, unterlegt mit Marschmusik und Gesang mit Text über die Muntz-Fernsehgeräte. Seine Radio-Werbespots liefen bis zu 170-mal am Tag und spielten mit klassischen musikalischen Themen, die auf die Buchstabenfolge M-U-N-T-Z passten. Muntz hatte die Radiosender schnell davon überzeugt, die Werbung an seiner Person auszurichten. Einmal schrie Muntz: „Starren sie nicht auf ihr Radio!“ Er folgte seiner Radiowerbung mit einer Direkt-Mail-Kampagne: Er sammelte tausende von Bedienknöpfen der Fernsehgeräte und schickte sie an potenzielle Kunden mit einer Notiz: „Rufen Sie uns an und wir werden mit dem Rest des Gerätes auftauchen!“