Das Lebendige Museum Online (LeMO) ist ein seit 1999 betriebenes Online-Portal zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts bis heute.LeMO, Projekt
Entstehung und Geschichte LeMO entstand im Jahr 1998 und ist seit 1999 online. Es gehört zu den ältesten deutschen Museumswebsites.Hegwein, Peter: Neue Wege des Internetmarketing für Museen – Ein konstrativer Blick auf Websites US-amerikanischer und deutscher Museen, in: Höhne, Steffen (Hg.), Amerika, Du hast es besser? Kulturpolitik und Kulturförderung in kontrastiver Perspektive (Weimarer Schriften zu Kulturpolitik und Kulturökonomie, 1), Leipzig: Universitätsverlag, S. 238. Drei Bundesinstitutionen, die Stiftung Deutsches Historisches Museum, die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und das Bundesarchiv sind Kooperationspartner der Website.
Als „virtuelle Ausstellung“ ging LeMO im Januar 1999 online, damals noch als Kooperationsprojekt zwischen dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dem Deutschen Historischen Museum und dem Berliner Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik und einem Gesamtetat von 3 Millionen DM.Hebler, Sebastian: Rezension: LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online. H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews, Juni 2000. Online abrufbar unter: http://h-net.org/reviews/showrev.php?id=14969, zuletzt überprüft am 16. Juni 2017. Die offizielle Eröffnung fand am 21. Januar 1999 in einem Festakt im Deutschen Historischen Museum statt.Villinger, Martin: Zur Virtualisierung von Museen – Angebots- und Organisationsformen, Diplomarbeit im Fach Informationswissenschaft, 1999, online abrufbar unter: https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/6305/309_1.pdf?sequence=1&isAllowed=y, S. 44 Projektleiter in Bonn war Jürgen Reiche, Abteilungsleiter Ausstellungen, Projektleiter in Berlin war Burkhard Asmuss. Die Inhalte vom 19. Jahrhundert bis zum 8. Mai 1945 erarbeitet und verantwortet bis heute das DHM, alle Inhalte ab Kriegsende stammen vom LeMO-Team im Haus der Geschichte. An der URL einer LeMO-Seite lässt sich erkennen, welches Haus für die Inhalte verantwortlich ist: Mit hdg.de/lemo/ beginnende Seiten stammen von der LeMO-Redaktion der Stiftung Haus der Geschichte, während solche mit dem Präfix dhm.de/lemo/ vom Deutschen Historischen Museum verantwortet werden.
Das Portal bestand bereits zum Start 1999 aus über 4.000 Einzelseiten, über 400 digitalisierten Film- und Tonaufnahmen und zusätzlich 13 „dreidimensionalen Erlebniswelten“ – in VRML programmierte virtuelle 3D-Animationen verschiedener Räume, die jeweils für eine geschichtliche Epoche standen, durch die man sich ähnlich wie bei Computerspielen der Zeit durchklicken konnte.Villinger, Martin: Zur Virtualisierung von Museen – Angebots- und Organisationsformen, Diplomarbeit im Fach Informationswissenschaft, 1999, online abrufbar unter: https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/6305/309_1.pdf?sequence=1&isAllowed=y, Auf S. 47 in ders. findet sich auch ein Screenshot der VRML-Anwendung über den Ersten Weltkrieg. Somit hob sich LeMO von den bis dahin üblichen HTML-Museumsseiten, die Bilder von Ausstellungsobjekten mit Texten verknüpften, ab und galt als höchst innovatives Online-Projekt in der Museumslandschaft. Allerdings wurde das Projekt aufgrund seiner technischen Komplexität in den Anfangstagen auch kritisiert: Die zu anspruchsvolle Technik frustriere User, die nur über durchschnittliche technische Möglichkeiten verfügten, weil die technisch aufwändig realisierten 3D-Welten für sie verschlossen blieben.Schweibenz, Werner: Wer sind die Besucher des virtuellen Museums und welche Interessen haben sie?, in i-com, Journal of Interactive Media, 2/2008, online erschienen am 25. September 2009. Online abrufbar unter: https://www.degruyter.com/downloadpdf/j/icom.2008.7.issue-2/icom.2008.0017/icom.2008.0017.pdf, S. 15
Neben den virtuellen Räumen bestand LeMO in der ersten Variante aus Überblickskapiteln zur deutschen Geschichte und bot Objekte, Dokumente sowie Ton- und Filmmedien. Zudem gab es zeitweilig Webcams in den zwei Museen und somit Livebilder aus den Ausstellungen zu sehen.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Tätigkeitsbericht 1997-1998, Bonn 1999.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Tätigkeitsbericht 1999-2000. Im Jahr 2000 wurde das Projekt um wöchentliche Quiz- und Meinungsumfragen ergänzt.
Zeitzeugenberichte Außerdem kam als große Neuerung der Zeitzeugenbereich „Kollektives Gedächtnis“ dazu, für den Zeitzeugen aus ganz Deutschland Text- und Bildbeiträge zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts einreichten und einreichen. Sie umfassen persönliche Erinnerungen, Briefe und Tagebucheinträge. Die LeMo-Redaktion übernimmt ausgewählte Berichte, ohne sich damit zu identifizieren. Die Verfasser sind für die Berichte verantwortlich. In Pilotschulen wurde das Projekt im Unterricht eingesetzt.LeMo Lebendiges Museum Online: Zeitzeugenberichte nach Epoche
LeMO gewann als innovatives Web-Projekt in den Anfangsjahren mehrere Medienpreise.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Tätigkeitsbericht 1999-2000, Bonn 2001.Nentwig, Lutz/Manhart, Sonia/Kampa, Andreas/Wendt, Andreas/Asmuss, Burkhard/Roehrig, Wolfgang/Schneemelcher/Thomas: Bringing Museums to the Web: An Architecture for a Virtual Exhibition, INET 98, Internet Society, INET Conferences, 1998. Online abrufbar unter: https://www.isoc.org/inet98/proceedings/7c/7c_2.htm, zuletzt überprüft am 17. Juni 2017.
LeMO lernen Aufgrund der hohen Resonanz, vor allem von Seiten von Schülerinnen und Schülern, wurde von 2002 bis 2005 in Kooperation mit dem Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart und Leipzig, und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Projekt „LeMO Lernen“ gestartet, bei dem eine Lernsoftware für den Geschichtsunterricht in der 10. Klasse entwickelt wurde.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Tätigkeitsbericht 2002-2004, Bonn 2005.
2012 begannen die Vorbereitungen für einen großen LeMO-Relaunch unter der Projektleitung von Ruth Rosenberger (Stiftung Haus der Geschichte), sowie Arnulf Scriba und Dorlis Blume (Deutsches Historisches Museum). Das Online-Portal sollte inhaltlich, grafisch und technisch grundlegend modernisiert werden. Zudem sollten Inhalte der neuen Dauerausstellungen der Stiftung Haus der Geschichte in Leipzig und Berlin ebenfalls in LeMO repräsentiert werden.Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Tätigkeitsbericht 2011-2012, Bonn 2013. Neue Rubriken wie Querschnittsthemen und umfangreiche didaktische Materialien wurden erarbeitet. Durch die neue Kooperation mit dem Bundesarchiv kam ein großes Konvolut an historischen Dokumenten und Bildern neu zu LeMO hinzu.
Mit dem Relaunch im September 2014 unternahm LeMO einen großen Schritt ins Zeitalter der zielgruppenspezifischen, digitalen Vermittlung von Geschichte. LeMO wurde grundlegend überarbeitet: Konzept, Technik und Grafik sowie Ausrichtung an den Anforderungen mobiler Nutzer.Kliemann, Thomas: Was? Wann? Warum? Haus der Geschichte und Deutsches Historisches Museum starten neues Portal, in General-Anzeiger, 18. September 2014, S. 11. Seit dem Relaunch versteht sich LeMO als „work in progress“-Projekt, das ständig überarbeitet, ergänzt und erweitert wird. Kulturstaatsministerin Monika Grütters MdB schaltete das neue Portal am 17. September 2014 bei der offiziellen Relaunch-Veranstaltung im Tränenpalast in Berlin frei.Bundesarchiv: Freischaltung des Online-Portals „LeMO“ zur deutschen Geschichte, online abrufbar unter: , zuletzt überprüft am 16. Juni 2017.„Lebendiges Museum“ online geschaltet, Frankfurter Rundschau, 18. September 2014, S. 32. Nach dem Relaunch erhielt die Stiftung Haus der Geschichte für LeMO als erste Kultureinrichtung überhaupt den Sonderpreis „Master of Communication Europe“ im Meisterwettbewerb „Corporate Media“. LeMO hat sich in Schule und Universität genauso wie im Netz mit fundierten und attraktiven Inhalten als eigene Marke etabliert.
Finanzierung Nachdem LeMO von 1999 bis 2005 in mehreren Phasen von Drittmitteln finanziert wurde, unter anderem unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Ernst Klett-Schulbuchverlag und vom Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes sowie einer Tochtergesellschaft der Telekom (Berkom), tragen seit 2005 die Stiftung Haus der Geschichte und die Stiftung Deutsches Historisches Museum das Projekt eigenständig.https://www.dhm.de/lemo/projektKulturerbe digital: LeMO – Lebendiges Museum Online, online abrufbar unter: , zuletzt überprüft am 17. Juni 2017.Vogel, Brigitte: Wie viel Geschichte darf es sein? Zeitgeschichtliches Lernen am Beispiel der Ausstellungsprojekte des Deutschen Historischen Museums, in: Barricelli, Michele/Hornig, Julia (Hrsg.): Aufklärung, Bildung, „Histotainment“? Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2008, S. 85–96.
Inhalte und Nutzung LeMO geht ein auf die deutsche Geschichte im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Verantwortlich für die Darstellung der Zeit vor 1945 zeichnet die Stiftung Deutsches Historisches Museum. Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bearbeitet die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart hinein. Bilder, Dokumente und Medien stellt das Bundesarchiv zur Verfügung.
LeMO umfasst über 1.350 Kapitelseiten, mehr als 6.000 Objekt-Seiten, darunter auch 360-Grad-Objekte, 100 Videos, 200 Audios, 900 Biografien, 600 Zeitzeugen-Beiträge, 200 Dokumente und mehr als 170 Jahreschroniken. Thematische Kapitel ergänzen die chronologische Darstellung, ebenso wie die „Lernen“-Seiten, die didaktische Tipps für die Arbeit mit LeMO in der Schule und in den Museen bieten. LeMO umfasst den Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Die Hauptbereiche sind chronologische Kapitel, die sich über einen Zeitstrahl ansteuern lassen, Themen, Zeitzeugen, Objektseiten, LeMO Lernen und die LeMO Suche.Ruth Rosenberger: Neues LeMO – Lebendiges Museum Online, Das Online-Portal zur deutschen Geschichte, in: Museumsmagazin 3.2014, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), S. 20–26.
LeMO stellt seine Texte unter Creative Commons CC-BY-SA 4.0-Lizenz zur Weiternutzung frei. Bilddateien können nicht unter CC-Lizenz gestellt werden, da die Stiftungen in der Regel nicht die Nutzungsrechte-Inhaber des Bildmaterials sind. Die Objektseiten enthalten Angaben zu Urheber und Lizenzinhaber des Bildmaterials. Bei Unklarheiten lässt sich durch Anfragen an die digitalen Bildarchive der Stiftungen klären, inwieweit Bildmaterial aus LeMO für andere Projekte genutzt werden kann. Die bis heute gültige E-Mail-Adresse für Fragen an das LeMO-Team sorgte früh für direkten Austausch der User mit den LeMO-Teams in Bonn und Berlin.
Multiplikatoren bietet das Lebendige Museum Online Lehrmaterialien.
LeMO Kapitel Die chronologische Darstellung der deutschen Geschichte lässt sich über den Zeitstrahl navigieren, der sich unter dem Hauptmenü auf allen Kapitelseiten findet. Die in mehr als 1.350 Kapitelseiten behandelten Epochen sind „Vormärz + Revolution“ (1815–1850), „Reaktionszeit“ (1850–1871), „Kaiserreich“ (1871–1914), „1. Weltkrieg“ (1914–1918), „Weimarer Republik“ (1918–1933), „NS-Regime“ (1933–1939), „2. Weltkrieg“ (1939–1945), „Nachkriegsjahre“ (1945–1949), „Geteiltes Deutschland“ (1949–1989) – dieser Abschnitt ist unterteilt in die Unterepochen „Gründerjahre“ (1949–1961), „Modernisierung“ (1961–1973) und „Krisenmanagement“ (1973–1989) – „Deutsche Einheit“ (1989–2001) und „Globalisierung“ (seit 2001). Einen Überblick über die jeweilige Epoche gibt der Button „Kapitelüberblick“. Die Kapiteltexte bieten verlässliche, von Historikern recherchierte Informationen. Am Seitenfuß befinden sich die Angaben zu den Autoren des Textes und das Verfassdatum.
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