Arsilda, regina di Ponto ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“, RV 700) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Domenico Lalli. Die Uraufführung fand am 27. Oktober 1716 im Teatro Sant’Angelo in Venedig statt.
Handlung
Die Oper spielt in Ama, der Hauptstadt Kilikiens, in einem stark bevölkerten Tal mit dem Fluss Cidno.
Die kursiv gekennzeichneten Teile entstammen (nur geringfügig modifiziert) dem Originaltext des Librettos.
Vorgeschichte
Nach dem Tod ihres Gatten Arideo verwaltet seine Witwe Antipatra gemeinsam mit Arideos Bruder Cisardo dessen Reich. Cisardo ist außerdem Vormund der minderjährigen prinzlichen Zwillinge, dem Jungen Tamese und dem Mädchen Lisea, die sich so ähnlich sehen, dass sie nur durch ihre Kleidung auseinandergehalten werden können. In ihrem Palast in Ama, der Hauptstadt Kilikiens, lebt auch Barzane, der junge König von Lydien, der im selben Alter wie Tamese ist und dessen bester Freund wird. Dieser verliebt sich in Lisea, und die beiden verloben sich heimlich. Als Königin Antipatra von einem Aufstand bedroht wird, beauftragt sie Tamese und seinen Freund mit der Befriedung. Unterwegs nehmen die beiden Wohnung im Palast des Königs von Pontos, wo sie dessen Tochter Arsilda begegnen. Beide verlieben sich auf der Stelle in sie, und der König Lydiens vergisst darüber völlig sein Treueversprechen an Lisea. Arsilda erklärt sich für den Prinzen Kilikiens, worauf sich der König Lydiens empört zurückzieht und beschließt, sein Ziel mit Gewalt zu erreichen. Tamese verspricht der Prinzessin, sich in der Heimat um eine Zustimmung zur Heirat zu kümmern, und entfernt sich, um mit seinen Leuten den Aufstand niederzuschlagen. Während der Rückreise erleidet er während eines Sturms Schiffbruch, kann sich jedoch an eine verlassene Küste retten. Nachdem die wenigen Überlebenden von seinem Tod berichtet haben, besteht das Volk darauf, einen Thronfolger zu bestimmen, da Antipatra als Frau kein Nachfolgerecht habe. Um ihre Macht nicht zu verlieren, beschließt diese, ihre Tochter Lisea als deren Bruder Tamese auszugeben. Sie behauptet, dass Lisea an einem Fieber gestorben sei, und verkleidet sie als Mann. Lisea gelangt so unter dem Namen Tameses auf den Thron Kilikiens. Wenig später stirbt Antipatra. Nachdem Lisea von der Untreue ihres Verlobten Barzane und dessen Anspruch auf Arsilda (die nach dem Tod ihres Vaters Königin geworden ist) erfahren hat, fürchtet sie, dass dieser die Macht übernehmen könnte. Sie bietet Arsilda daraufhin selbst die Ehe an, die sofort zustimmt – glaubt sie doch, das Angebot käme vom echten Tamese. Unterdessen erfährt der König Lydiens, dass die Königin von Pontos in Kilikien angekommen ist, um seinen Rivalen zu heiraten. Er hält den Tod der Prinzessin Lisea für sicher, für die er nun keine wahre Reue mehr empfindet, und trifft mit einer gewaltigen Streitmacht ein, um Ama zu belagern und zu versuchen (ohne eine Schlacht abzuwarten), die Königin von Pontos zu entführen.
Kurzfassung
Zu Beginn der Opernhandlung stellt die als Tamese auftretende Lisea ihrem Volk Arsilda als Braut und künftige Königin vor, findet dieser gegenüber jedoch Ausreden, um die Hochzeit hinauszuzögern. Cisardo warnt vor einem Unbekannten, der Arsilda entführen wolle. Nicandro schwört dem vermeintlichen Tamese seine Treue. Dessen wahre Identität kennt nur Liseas Vertraute Mirinda, die angesichts der Probleme ihrer Freundin der Liebe abschwört. Wenig später dringt Barzane mit seinen Soldaten unbemerkt durch einen Geheimgang in die Stadt ein, um Arsilda, die er immer noch liebt, in seine Gewalt zu bringen. Doch der echte Tamese befindet sich als Gärtner verkleidet ebenfalls dort und vereitelt die Tat gemeinsam mit Cisardo. Während alle dem Gott Vulkan ein Dankopfer bringen, sorgt Lisea dafür, dass der gefangene Barzane schonend behandelt wird – sie hat immer noch Gefühle für ihn.
Im zweiten Akt erkennt Mirinda, dass sie sich in den heldenhaften Gärtner verliebt hat. Die verkleidete Lisea erinnert Barzane an seine verschmähte Geliebte und kündigt eine Enthüllung an. Als Arsilda ihren Retter ihrem vermeintlichen Bräutigam vorstellt, ist sie erstaunt über die Ähnlichkeit der beiden. Alle bereiten sich auf eine königliche Jagd vor. Der vermeintliche Tamese teilt Barzane mit, dass Lisea noch lebt, und schickt ihn zu deren Gruft, in der sie sich versteckt halte. Barzane bereut inzwischen seinen Verrat zutiefst. Der echte Tamese gibt sich Arsilda zu erkennen, und auch Cisardo erfährt die Wahrheit.
Am Anfang des dritten Akts empfängt Lisea Barzane in der Gruft. Die beiden versöhnen sich, und Barzane verspricht, bei Tamese die Erlaubnis zur Hochzeit zu erlangen. Cisardo sagt Tamese seine Unterstützung zu, um den Thron zurückzuerlangen. Er überredet Lisea, ihre Verkleidung abzulegen, und teilt ihr mit, dass ihr Bruder noch lebt und zurückgekehrt ist. Barzane hält wie versprochen um ihre Hand an und verspricht Frieden zwischen ihren Völkern. Cisardo erklärt dem Volk die Gründe für die Verkleidung Liseas. Nun werde der echte Tamese wieder herrschen. Es gibt eine feierliche Doppelhochzeit von Lisea und Barzane sowie Arsilda und Tamese.
Erster Akt
Prächtiger Ort mit Säulengängen und Statuen der Schutzgötter Kilikiens
Für den jährlichen Eid, den das Volk ihrem Herrscher schuldet, wurden Altäre und Feuer aufgebaut. Auf einer Seite steht ein prachtvoller Thron, auf dem das Paar Platz genommen hat, auf der anderen eine prunkvolle Apparatur für die königliche Hochzeit von Lisea, die für den kilikischen König Tamese gehalten wird (in dieser Inhaltsangabe in der Folge mit „Tamese-Lisea“ bezeichnet), und Arsilda, der Königin von Pontos. Tamese-Lisea und Arsilda sitzen auf dem Thron, vor diesem stehen Cisardo, Fürst von Geblüt (Tameses und Liseas Onkel), Mirinda (Liseas Vertraute) und Nicandro (Fürst von Bithynien, Tameses Vertrauter), mit Volk und Soldaten.
Szene 1. Nach Aufforderung Cisardos schwört das Volk dem Herrscher seine Treue (Chor: „Tutto il regno in lieta gara“). Als Tamese-Lisea ihnen Arsilda als Braut und künftige Königin vorstellt, jubeln alle. Arsilda deutet an, dass Tameses bisherige Liebesbeteuerungen nicht ausreichen, einen Thronfolger zu zeugen. Lisea bittet sie um Geduld. Cisardo mahnt zur Vorsicht, denn er hat in Erfahrung gebracht, dass ein unbekannter Gegner beabsichtige, Arsilda zu entführen (Arie Cisardo: „L’esperto nocchiero“).
Szene 2. Arsilda fragt Tamese-Lisea, warum er die Hochzeit immer wieder hinauszögert. Lisea erklärt, er wolle zuvor seinen Rivalen ausgeschaltet haben. Arsilda ist zutiefst betrübt über diese ausweichende Antwort (Arie Arsilda: „Io sento in questo seno“).
Szene 3. Nicandro versichert Tamese-Lisea seine Treue (Arie Nicandro: „Col piacer della mia fede“).
Szene 4. Lisea erklärt Mirinda, die ihre wahre Identität kennt, dass sie Arsilda zu ihrer Braut erklärt habe, um zu verhindern, dass Barzane um diese werben kann. Ihre Gefühle diesem gegenüber schwanken zwischen Verachtung und Liebe (Arie Lisea: „Fingi d’aver un cor“).
Szene 5. Angesichts der Liebesverwirrung ihrer Freundin schwört Mirinda der Liebe ab (Arie Mirinda: „Non m’è caro amor penando“).
Einsamer Ort mit verschiedenen grasbewachsenen Bänken
Anmutige Parkwege führen zu den ebenerdigen Gemächern der Königin von Pontos. Dort befindet sich ein altes Gebäude mit verborgenen Bädern, das aus Wasserleitungen und einem mit einem Felsen verschlossenen Tunnel besteht, der aus den Stadtmauern heraus führt.
Szene 6. Barzane bahnt sich mit bewaffneten Soldaten gewaltsam einen Weg durch den Tunnel. Er freut sich auf die zukünftigen Liebesgenüsse mit Arsilda, die er zu entführen beabsichtigt (Arie Barzane: „Sempre piace goder il suo bene“), und entfernt sich durch den Park.
Szene 7. Liseas totgeglaubter Bruder Tamese hat den Schiffbruch überlebt und sich als Gärtner verkleidet Zugang verschafft. Er fühlt sich von seiner Schwester verraten, die nun an seiner Stelle herrscht. Zudem sorgt er sich um Arsilda. Er hat vor, sich seinen Anhängern zu erkennen zu geben, um seinen Thron wiederzuerlangen (Arie Tamese: „La tiranna avversa sorte“).
Szene 8. Nachdem sich Tamese zurückgezogen hat, erscheint Arsilda, die sich nach Liebe sehnt (Arioso Arsilda: „So ben io qual pena sia“). Sie setzt sich gedankenversunken auf eine Bank.
Szene 9. Barzane ergreift die Gelegenheit, Arsilda zu entführen, und ruft nach seinen Leuten. Tamese eilt herbei, um Arsilda zu schützen.
Szene 10. Cisardo hat inzwischen den Verrat aufgedeckt und kommt mit seinen eigenen Soldaten aus dem Tunnel. Es gelingt ihnen, die Angreifer zu überwältigen. Cisardo lässt Barzane ungefesselt abführen, bevor er sich selbst auf den Weg zum Palast macht.
Szene 11. Arsilda dankt ihrem Retter, den sie nicht erkennt, obwohl sie eine merkwürdige Ähnlichkeit zu Tamese ausmacht (Arie Arsilda: „Perchè veggo nel tuo volto“).
Tempel des Gottes Vulkan
Der Tempel ist der Schmiede Vulkans in Lemnos nachgebildet. Seine Statue in der Mitte ist von mehreren Abbildern von Zyklopen umgeben. Der Altar hat die Form eines Ambosses. Über ihm hängen drei schwere Hämmer, die den drei Zyklopen gewidmet sind: Steropes (der Donner), Brontes (der Blitz) und Piraknes (der glühende Amboss). Auf einem brennenden Reisighaufen liegen durcheinander Helme, Schilde, Lanzen und andere Rüstungen. Neben dem Alter ist ein Feuer mit funkelnden Flammen zu sehen.
Szene 12. Cisardo, Tamese-Lisea, Mirinda, Nicandro, Soldaten und Priester bringen dem Gott einen goldenen Pfeil als Opfer dar (Chor: „Amoretti vezzosetti“ – Accompagnato Lisea: „O’ dell’adusta Lenno famoso abitator“). Lisea erfährt durch Cisardo von der Gefangennahme Barzanes und bittet ihn, diesen mit Milde zu behandeln.
Szene 13. Nicandro erhält den Auftrag, das gegnerische Lager zu beobachten.
Szene 14. Lisea teilt Mirinda ihre Ansichten über die Liebe mit – „eine Tyrannin, die zugleich Kummer und Freude verursacht“ (Arie Lisea: „Porta amore una tal face“).
Szene 15. Mirinda sieht den Sinn der Liebe nicht ein. Sie vergleicht sich mit einem Jasmin, der zwischen den Büschen für sich bleibt (Arie Mirinda: „Io son quel gelsomino“).
Zweiter Akt
Entzückendes Zimmer im Palast mit den Reichsschätzen in kristallenen Vasen
Szene 1. Mirinda berichtet Lisea von der Ähnlichkeit des unbekannten Retters mit dem verstorbenen Tamese. Als Mirinda anfängt, von diesem zu schwärmen, neckt Lisea sie damit, dass sie in ihn verliebt sei. Sie schickt Mirinda fort, da sie alleine mit Barzane sprechen möchte (Arie Mirinda: „Un certo non sò che“).
Szene 2. Nachdem Barzane von den Wachen hereingeführt wurde, bezichtigt Tamese-Lisea ihn des Verrats – Lisea habe ihn vor ihrem Tod darüber informiert. Barzane entschuldigt sich damit, dass seine erste Liebe durch eine neue verdrängt wurde – das würde er auch Lisea selbst sagen, wenn diese noch leben würde. Tamese-Lisea kündigt an, ihm demnächst im Hain der Berecynthia ein Geheimnis zu enthüllen. Barzane wundert sich über Tameses Verhalten (Arie Barzane: „Ben conosco a poco a poco“). Er verlässt das Zimmer.
Szene 3. Arsilda stellt Tamese-Lisea ihren immer noch verkleideten Retter vor. Erstaunt über dessen Ähnlichkeit mit ihrem Bruder fordert sie ihn auf, über seine Herkunft zu berichten. Tamese erzählt, dass er im kilikischen Heer gedient habe und Zeuge des Schiffbruchs Tameses gewesen sei, bevor er Gärtner wurde. Als Arsilda die beiden nebeneinander sieht, kommen ihr Zweifel an der Identität ihres Bräutigams, da der Gärtner größere Ähnlichkeit mit ihrem alten Verehrer hat. Tamese zieht sich zurück.
Szene 4. Tamese-Lisea erklärt Arsilda, dass die Liebe umso schöner sei, je länger man sie herauszögere (Arie Lisea: „Se un cor soffrir saprà“).
Szene 5. Arsilda fühlt sich von ihrem Bräutigam verhöhnt. Gleichzeitig entwickelt sie Gefühle für ihren Retter. Nun liebt sie „denselben Gegenstand in zwei Gesichtern“ (Arie Arsilda: „Precipizio, è del mio petto“).