mini|hochkant=1.35|Gützkow Luftaufnahme (2020) Gützkow ist eine Landstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zum Amt Züssow und bildet für ihre Umgebung ein Grundzentrum. – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015.
Geografie Geografische Lage Gützkow liegt 20 km südlich der Kreisstadt Greifswald und jeweils 28 km westlich von Wolgast und nordwestlich von Anklam. Südlich wird die Stadt von der Peene begrenzt. Durch das Stadtgebiet fließt die Swinow, die südlich von Gützkow in die Peene mündet. Die Swinow wurde seit 2011 in ihrem Lauf saniert, es wurden beginnend am Unterlauf (Kanal) Überschwemmungsflächen angelegt, die gleichzeitig als Feuchtbiotope dienen. Teilweise wurde der Lauf in die natürlichen Mäander zurückgeführt. Im östlichen Teil des Stadtgebiets befindet sich der Kosenowsee.
Stadtgliederung Zur Stadt Gützkow gehören laut ihrer Hauptsatzung folgende Ortsteile:
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Behrenhoff im Norden, Groß Kiesow im Nordosten, Züssow und Schmatzin im Osten, Groß Polzin im Südosten, Neetzow-Liepen im Süden Jarmen im Südwesten, Bentzin im Westen und Bandelin im Nordwesten.
Geologie Gützkow und die umliegenden Ortschaften liegen auf einer erhöhten Landfläche, die sich ca. 16 Meter über NHN erhebt. Diese Platte, die im Untergrund aus Lehm besteht, wird besonders um Gützkow stark durch eiszeitliche Rinnen der Swinow, des Dargeziner Baches und anderer kleinerer Bäche zerschnitten. Diese Rinnen mit den noch vorhandenen Fließgewässern und den moorigen Randbereichen geben der Landschaft um Gützkow einen besonderen Reiz. Zur Peene hin fällt die Platte relativ steil ab und bildet fast ein Kliff. An den Mündungen der eiszeitlichen Rinnen in das Urstromtal der Peene sind fast überall kompakte Sand- und Kiesablagerungen zu finden. Oft sind auch, besonders in Peenenähe, Tongruben vorhanden, die von den Gütern zur Herstellung von Ziegeln genutzt wurden. Nördlich der Gemeinde zieht sich bei Bandelin ein Os in west-östlicher Ausrichtung hin, das auch dem Sand- und Kiesabbau dient. Von Bad Sülze im Westen zieht sich bis nach Gützkow ein Salzgürtel hin, der bei Kölzin endet. Östlich von Gützkow entdeckte um 1900 der Apotheker Ascher eine Kalklagerstätte am Hochufer der Swinow, die aber nie ausgebeutet wurde.
Geschichte mini|Ansicht von Gützkow um 1611/15. Aus der Stralsunder Bilderhandschrift mini|Stadtkarte Gützkow von 1761 mini|Gützkow um 1845 – Ansicht von Süden Name Der Name Gützkow kommt aus dem Slawischen. Der Name leitet sich von dem slawischen Gost = Gast ab und bedeutet demnach Ort der Gäste, bezugnehmend auf den urkundlich überlieferten Tempel, zu dem aus der Umgebung die Einwohner zu Kulthandlungen kamen. Das trifft laut Heinrich Berghaus auch auf die Schreibung mit „C“ zu.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. IV. Teils Band II. Anklam 1868, S. 138.Pommersches Urkundenbuch Teil 1 bis 11. Genannt wurde Gützkow in den Urkunden von 1128 Gozgaugia, 1163 Gozcowa, 1175 Gotzchowe, 1207 Gotzkowe und 1228 Gutzecowe neben vielen anderen ähnlichen Schreibungen, ab 1249 nur noch ausschließliche Schreibungen mit „G“. Die Schreibung mit „C“ erfolgte 1140, als der Ort mit Chozcho, 1183 als Chozkowe, 1214 als Chozcowe und 1228 als Gutzkowe nachgewiesen wurde. Die niederdeutsche Bezeichnung lautet Gütschow.
Stadtbefestigung Die Stadt hatte zwei Stadttore, das Mühlentor oder auch Tor zu den Mühlen genannt und das Hohe Tor oder auch Kuh-Tor, beide wurden beim Straßenbau um 1850 abgerissen. Eine Stadtmauer hatte Gützkow nie, die natürlichen Steilhänge wurden lediglich mit sogenanntem Hakelwerk geschützt. Dieses Hakelwerk ist in der Stralsunder Bilderhandschrift von 1611/15 deutlich erkennbar. Hinter dem heutigen Rathaus stand ein archäologisch nachgewiesener Wehrturm mit Sicht zur Peene. Vor den Steilhängen zum Stadtberg war ein umfangreiches System von Wällen und Gräben angelegt. Sie sind im Stadtplan aus dem schwedischen Militäratlas deutlich erkennbar. Diese Befestigungen wurden etwa 1790 eingeebnet, da in der Stadt keine Baustellen für Häuser mehr zu finden waren. Die im Ort so genannte Stadtmauer ist eine in mehreren Teilstücken um 1890 errichtete Hangstützmauer aus Feldsteinen. Sie wurde teilweise z. B. im Seilergang und im Pastorpark restauriert. Umfangreich waren die Rekonstruktionen an der Rathaustreppe und am Kantorberg zur Hangbefestigung, die L-Betonelemente waren bis zu 4 m hoch und wurden stufenweise nach oben gesetzt und danach mit Feldsteinmauern verkleidet.
Frühgeschichte und Mittelalter Wegen der günstigen geografischen Lage wurde Gützkow, wie durch archäologische Funde nachgewiesen, seit der Jungsteinzeit besiedelt. Viele Funde belegen auch die Ansiedlung von Germanen.Ein völkerwanderungszeitliches Edelmetalldepot aus Gützkow. Nach der Völkerwanderung war der Ort mit der Höhenburg Sitz slawischer Fürsten. 1128 wurde Gützkow im Zusammenhang mit dem Missionar Bischof Otto von Bamberg genannt, der den berühmten slawischen Tempel zerstören ließ. Die Zerstörung des Orts durch Heinrich den Löwen bzw. König Waldemar I. von Dänemark in der Zeit von 1164 bis 1177 sind von dem dänischen Chronisten Saxo Grammaticus und in der Knýtlinga saga erwähnt. Um 1175 wurde die Siedlung als Burgward bezeichnet. Um 1230 erfolgte der Umbau zur deutschen Stadt. Ein verzweigtes Straßennetz entstand auf dem natürlichen Hügel am Tal des Swinowbaches.
Seit dem 12. Jahrhundert gehörte Gützkow zum Herrschaftsbereich der pommerschen Herzöge, die es hauptsächlich ab dem 13. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern besiedeln ließen. Im 13. und 14. Jahrhundert waren es die Grafen von Gützkow, die als Lehnsleute und Verwandte der pommerschen Herzöge die Region beherrschten. Erstmals 1300/1301 wurde Gützkow urkundlich als Stadt erwähnt und 1353 als civitas mit lübschem Stadtrecht bezeichnet, die Stadtgründung wird jedoch für 1235 vermutet. Die Pfarrkirche St. Nikolai entstand ab 1241.
1600–1900 Infolge des Dreißigjährigen Krieges kamen 1648 die westlich und in einem Streifen östlich der Oder mit Stettin gelegenen pommerschen Gebiete und damit auch Gützkow unter schwedische Herrschaft. 1720 wurde Gützkow infolge des Großen Nordischen Krieges schwedische Grenzstadt zu Preußen mit Grenz- und Zollstation an der Gützkower Fähre. Schwedisch-Vorpommern bestand jetzt nur noch aus der Insel Rügen und dem Gebiet nördlich der Peene ohne Usedom. 1729 brannte die Stadt einschließlich der Kirche fast komplett nieder. Der Brand war vom Pfarrgehöft ausgegangen und hatte sich durch starken Ostwind schnell ausgebreitet, lediglich der Ortsteil Schulzenhof/Torney blieb erhalten. Die schwedische Provinzialregierung in Stralsund verfügte dann, dass in der Stadt keine Gebäude mit Stroh- oder Schilfeindeckung errichtet werden durften, deshalb die Scheunen außerhalb der Stadt neu gebaut wurden – laut Karte 1761 nördlich und östlich. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam Schwedisch-Vorpommern mit Gützkow zu Preußen. mini|Stärkefabrik mit Kleinbahn (rechts) 1907 Im 19. Jahrhundert kam es insbesondere im Handwerk und Handel zum wirtschaftlichen Aufschwung. Die Bevölkerungszahl stieg von 997 Einwohnern im Jahr 1816 auf 1864 im Jahr 1892. 1832 wurde die Alte Schule gebaut, die bis 1932 als Schule diente. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts behinderte der Magistrat durch verschiedene Beschlüsse langfristig die weitere Entwicklung der Stadt. So wurde eine Berührung des Ortes durch die 1863 gebaute Angermünde-Stralsunder Eisenbahn abgelehnt. Ebenso verfuhr man gegenüber der Greifswald-Jarmener-Kleinbahn (GJK), so dass 1897 die Bahnstrecke nur über das Gut Wieck nach Jarmen geführt werden konnte. Auch der Bau einer Zuckerfabrik wurde abgelehnt, diese wurde folglich in Jarmen errichtet. 1907 wurde auf Betreiben der einflussreichen Gutsbesitzer als Aktionäre 1907 die Stärkefabrik Gützkow errichtet. Für diese Fabrik wurde 1907 eine Kleinbahnzweigstrecke von Wieck dorthin gebaut, die 1908 bis zur Gützkower Fähre verlängert wurde. 1926 wurde die Teilstrecke wegen mangelnder Auslastung von der Fähre bis zur Stärkefabrik zurückgebaut. Als Wieck mit anderen Orten 1928 nach Gützkow eingemeindet wurde, hatte die Stadt einen Bahnhof auf ihrem Territorium.
Neuere Zeit mini|Rathaus Die Kleinbahnstrecke wurde 1945 stillgelegt und die Gleisanlagen und der Fahrzeugpark als Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert und abtransportiert. Die Stärkefabrik und der Wagenbau Frank wurden enteignet und zunächst als Staatsbetriebe weitergeführt. Bei Frank entstand das LBH-Werk, aus dem 1952 der VEB Landmaschinenbau Gützkow wurde, der seine Produktion in die frühere Stärkefabrik verlegte. Dieser wurde 1966 zu einem Betriebsteil des Reparaturwerks Neubrandenburg (RWN), in dem Reparaturen und Ersatzteilfertigungen für Panzer und gepanzerte Fahrzeuge der NVA und der Armeen des Warschauer Paktes durchgeführt wurden. Nach der Wende wurde das RWN Gützkow mit 400 Beschäftigten aufgelöst.
Zur Verbesserung der Wohnungssituation in der Stadt waren im März 1959 eine Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) gegründetWolf-Dietrich Paulsen, Karl-Eberhard Wisselinck: Gützkow – 875 Jahre. 2002, S. 145. Gründungsvorsitzender der AWG war Ulrich Schmidt (1921–1975), Gützkow. Der Wohnungsbestand der AWG Gützkow gehört heute zur Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald (WGG). und 1962 die ersten zwölf Wohnungen in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße fertiggestellt worden. 2002 befanden sich 140 Wohnungen in Gützkow im Bestand der Genossenschaft.
Nach 1990 wurden weitere strukturbestimmende Betriebe, wie die LPG (Pflanzenproduktion) mit 350 und die LPG (Tierproduktion) mit 150 Beschäftigten, abgewickelt. Der 1968 aufgebaute NVA-Stützpunkt, eine Funk- und Radarerkennungseinheit mit ca. 20 Soldaten, wurde von der Bundeswehr geschlossen. Dort entstand die Feuerwehrtechnische Zentrale des Kreises.
Ab 1991 wurde der historische Stadtkern mit dem Rathaus im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.
Von 1952 bis 1994 gehörte Gützkow zum Kreis Greifswald (ab 1974 Kreis Greifswald-Land, bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Ostvorpommern eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt sie im Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Gützkow war ab 1992 Sitz des Amtes Gützkow und gehört seit 2005 zum Amt Züssow.
Geschichte der Ortsteile Breechen wurde 1574 erstmals als Briechem urkundlich genannt und nach 1629 oft als Breichen bezeichnet. Seit dem 13. Juni 2004 gehört die Gemeinde Breechen-Neuendorf zu Gützkow.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
Dargezin wurde 1232 erstmals urkundlich als Targossin erwähnt und erst 1491 Dargatczin genannt.
Dargezin-Vorwerk wurde 1774 erstmals genannt und kam 1962 zu Kölzin und 2014 zu Gützkow.
Fritzow ist eine slawische Gründung und wurde erstmals 1353 als Vritzou (slawisch für Heidekraut) und ab 1597 als Fritzow erwähnt. Sie hat ein Gutshaus von um 1890.
Gützkow Meierei wurde als Vorwerk des Gutes Wieck nach 1835 angelegt.
Kölzin wurde 1451 als Koltzyn urkundlich erwähnt. 1862 wurde die Kirche geweiht. Zum 25. Mai 2014 wurde die Gemeinde Kölzin mit ihren Ortsteilen Kölzin, Upatel, Fritzow, Dargezin und Dargezin-Vorwerk nach Gützkow eingemeindet.Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Gebietsänderungenin Mecklenburg-Vorpommern. 1.1. bis 31.12.2014. (PDF; 63 kB) In: mvnet.de, abgerufen am 28. Dezember 2019.
Lüssow wurde erstmals 1228 als Lutzowe (slawisch für grimmiges Volk) und 1597 als Lüssow erwähnt. Der Ort hat eine spätgotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert und ein Herrenhaus von 1867. Mit Wirkung vom 1. Januar 2010 wurde die Gemeinde Lüssow nach Gützkow eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010.
Neuendorf wurde 1446 als Nygendorpe urkundlich genannt. Es ist eine frühdeutsche Gründung.