Die Kirche St. Peter und Paul in Jeże () ist ein Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie ein evangelisches Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Gehsen; heute ist sie Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei im polnischen Jeże.
Geographische Lage Jeże liegt im östlichen Süden der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Landesstraße 63. Der Standort der Kirche befindet sich im südlichen Ortsgebiet im Osten der Hauptstraße von Pisz (Johannisburg) nach Kolno.
Kirchengebäude mini|Die Kirche von Osten mit dem halbrunden Chor Bei der Kirche in Jeże handelt es sich um einen Ziegelbau mit kleinem westlichen Giebeltürmchen und einer halbrunden Ostapsis.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119, Abb. 545. Am 18. Dezember 1866 wurde sie feierlich eingeweiht. Erst fünf Jahre später – am 4. November 1871 – konnte auch die Orgel ihrer Bestimmung übergeben werden. Das Geläut der Kirche besteht aus zwei Glocken.
Bis 1945 stand das Gotteshaus im Dienst der evangelischen Kirche. Danach übernahm es die katholische Kirche, zunächst als Filialkirche der Kirche St. Johannes der Täufer in Pisz, später als Pfarrkirche der selbständigen Pfarrei Jeże.Parafia Jeże in der Diözese Ełk
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Im Jahr 1846 wurde in Gehsen eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. Zu ihrem Kirchspiel vereinigte man Orte, die bisher zur Kirche in Johannisburg bzw. zur Kirche in Kumilsko (1938–1945 Morgen, ) gehörten. Bis 1945 war die Pfarrei in den Kirchenkreis Johannisburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. 1925 zählte sie 2.489 Gemeindeglieder. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung bedeuteten das Aus für die evangelische Kirchengemeinde in Gehsen. Heute dort lebende evangelische Einwohner halten sich zur Kirchengemeinde in Pisz innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Gehsen gehörten neben dem Pfarrort Gehsen 14 Dörfer und Ortschaften:Der * kennzeichnet einen Schulort. Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Bärenbruch, Forst Niedźwiedzie Bagno *Königsdorfbis 1904 Piskorzewen Piskorzewo Dlottowen Fischborn (Ostpr.) Dłutowo *Königstalbis 1905 Dziadowen Dziadowo Eichental, Forst Szast *Lipniken Lipniki Groß Pasken Abbau Königstal Paski Wielkie Rakowken Sernau Rakówko, jetzt:Turowo Duże Groß Wollisko Reihershorst Wolisko Wielkie *Turowen Turau Turowo Henriettental, Forst Wondollek Wondollen Wądołek Klein Wollisko Kleinreihershorst Wolisko Małe Wrobeln Wróble
Pfarrer (bis 1945) An der Kirche Gehsen amtierten von 1846 bis 1945 als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 40.
Leopold Czypulowski, 1846–1858 Johann D. Hermann Hassenstein, 1858–1865 Heinrich Rudolf V. Hensel, 1865–1875 Ernst Theodor Teschner, 1874–1878 Karl Oskar Aug. Nikolaiski, 1878–1882 Karl August Bogdan, 1884–1885 Johann Hermann Bolz, 1886–1893 Paul Hensel, 1893–1907 Robert Griggo, 1901 Otto Arthur Dignath, 1907–1912 Ernst Stern, 1913–1922 Johannes Zachau, 1922–1935 Herbert Friedriszik, 1936–1939 Horst Sturm, 1939–1942 Hans Strasdas, 1941–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Gehsen haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Kirchenbücher Gehsen im Evangelischen Zentralarchiv Begräbnisse 1846–1876.
Römisch-katholisch Vor 1945 lebten in der Region Gehsen nur sehr wenige Katholiken. Sie waren in die römisch-katholische Pfarrkirche in Johannisburg im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im Bistum Ermland eingepfarrt.
Mit dem Zuzug zahlreicher polnischer und meist katholischer Neubürger konnte sich in Jeże eine eigene katholische Gemeinde bilden, die zunächst eine Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz war. Im Jahr 1987 errichtete der ermländische Bischof Edmund Piszcz hier eine eigene Pfarrei, zu der heute die Filialkirche in Borki (Adlig Borken) gehört. Die Pfarrei Jeże ist in das Dekanat Pisz im Bistum Ełk in der römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1860er Jahren Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Peter-und-Paul-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Pisz Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Polen Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus