Die polnisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Polen und Portugal. Die Länder unterhalten seit 1923 diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Polen beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019
Historisch verbindet die zwei Länder u. a. die Zuflucht polnischer Exilanten in Portugal während des Zweiten Weltkriegs und die Präsenz portugiesischer Literatur in Polen seit dem 16. Jahrhundert.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 843f Heute sind beide Staaten vor allem Partner in der EU, der NATO, der OSZE, im Europarat, der OECD und in einer Reihe weiterer internationaler Organisationen wie den verschiedenen UN-Organisationen. Zudem sind eine Reihe Kommunen beider Länder partnerschaftlich verbunden.
Beide Länder sind klassische Auswanderungsländer mit weltweit verbreiteter Diaspora. Sie sind zudem beide katholisch geprägt und teilen eine verbreitete Marienverehrung, die sich in den Wallfahrtsorten Tschenstochau in Polen und Fátima in Portugal zeigt.
Im Jahr 2015 waren 1.576 polnische Staatsbürger in Portugal gemeldet. In jedem portugiesischen Verwaltungsdistrikt leben Polen, mit 663 die meisten im Distrikt Lissabon, während im Distrikt Guarda nur drei Polen gemeldet sind.Offizielle portugiesische Ausländerstatistiken nach Distrikt, portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 3. August 2017 Die Summe der Rücküberweisungen aus Portugal nach Polen betrug 4,22 Mio. € im Jahr 2016 (2015: 6,24 Mio.; 2013: 6,66 Mio.; 2010: 2,52 Mio.; 2005: 2,16 Mio.; 2000: 0,53 Mio.).Website zur polnisch-portugiesischen Emigration, abgerufen am 15. August 2017
Im Jahr 2014 waren 799 portugiesische Staatsbürger konsularisch in Polen registriert (2010: 499; 2008: 416). Sie überwiesen 0,21 Mio. € im Jahr 2016 zurück nach Portugal (2015: 0,17; 2013: 3,17 Mio.; 2010: 2,13 Mio.; 2005: 0,29; 2000: 0,15).
Geschichte mini|120px|Die Kirche in Madalena do Mar, wo der polnische König Władysław III. aus dem 15. Jahrhundert bestattet sein soll Einer Legende nach soll der polnische König Władysław III. in der Schlacht bei Warna am 10. November 1444 nicht gefallen, sondern unerkannt entkommen sein, bis er sich unter dem Namen Henrique Alemão auf der portugiesischen Insel Madeira niedergelassen haben soll. Dieser Legende nach gründete Władysław dort im Jahr 1457 den heutigen Ort Madalena do Mar und soll in einer kleinen Kirche dort bestattet liegen. mini|links|120px|Damião de Góis war um 1530 vermutlich der erste portugiesische Diplomat in Polen Der deutsch-polnische Astronom Nikolaus Kopernikus war während seiner Zeit in Padua vermutlich mit dem portugiesischen Humanisten und Poeten Henrique Caiado (1470–1509) zusammengetroffen, von dem Kopernikus auch einige Lyrikbände besaß.
Damião de Góis bereiste Polen 1529 und 1531, wo er am polnischen Hofe Sigismund I. portugiesischer Geschäftsträger war.
Mindestens eine erneute portugiesische Vertretung in Polen bestand mit dem Diplomaten Francisco Pereira da Silva um 1685.Liste der portugiesischen Vertreter in Polen beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 9. Januar 2020
Im Allianzvertrag der drei Schwarzen Adler 1732 wurde der als Militärheld gefeierte Infant Manuel, Graf von Ourém und Bruder des Königs D. João V., als Kandidat für die polnische Königswahl gehandelt, jedoch brach stattdessen der Polnische Thronfolgekrieg aus und verhinderte den Plan.
Im Verlauf der Napoleonischen Invasionen Anfang des 19. Jahrhunderts trafen auch Truppen des Herzogtum Warschau auf französischer Seite auf britisch-portugiesische Armeen, insbesondere in der Schlacht bei La Albuera 1811.
Nach der erneuerten Unabhängigkeit Polens 1918 akkreditierte sich am 5. Juli 1923 Vasco Francisco Caetano de Quevedo als erster Botschafter Portugals in der Zweiten Polnischen Republik.
Durch den deutschen Überfall auf Polen 1939 wurden die bilateralen Beziehungen unterbrochen. Intellektuelle, Militärs und andere Bürger Polens gingen danach zu hunderttausenden in den Untergrund oder suchten im Ausland Zuflucht. Eine Reihe von ihnen kam so auch ins neutrale Portugal, besonders nach Estoril.Parlamentares da Polónia visitam Cascais - „Parlamentarier aus Polen besuchen Cascais“, Mitteilung vom 12. August 2018 auf der Website der Stadtverwaltung Cascais, abgerufen am 9. Januar 2020
Erst nach der portugiesischen Nelkenrevolution am 25. April 1974 und dem folgenden Ende des antikommunistischen Estado Novo-Regimes nahmen die portugiesische Republik und die sozialistische Volksrepublik Polen am 11. Juli 1974 ihre diplomatischen Beziehungen erneut auf.
Der aus Polen stammende Papst Johannes Paul II. besuchte dreimal den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima.
1999 wurde Polen im Zuge der NATO-Osterweiterung in die NATO aufgenommen, deren Gründungsmitglied Portugal 1949 war.
Nachdem Portugal bereits 1986 der EWG (heute EU) beigetreten war, wurde Polen 2004 EU-Mitglied.
Es folgten eine Vielzahl gegenseitige Staatsbesuche. Der 2010 verstorbene polnische Präsident Lech Kaczyński etwa besuchte 2007 Portugal, 2008 kam der portugiesische Präsident Cavaco Silva zum Gegenbesuch.
Beim Besuch polnischer Parlamentarier (u. a. Adam Gawęda) im Sommer 2018 besuchten sie auch den Kreis Cascais, zu dem Estoril gehört. Ein Höhepunkt ihrer Visite war der Besuch der Statue des polnischen Widerstandskämpfers Jan Karski in der Ortsmitte von Estoril, zudem wurde im Rathaus von Cascais der polnischen Exilanten dort während der Besatzung Polens durch Nazideutschland (1939–1945) gedacht. mini|Die portugiesische Botschaft in Warschau
Diplomatie Portugal unterhält eine Botschaft in der polnischen Hauptstadt Warschau. Portugiesische Konsulate darüber hinaus bestehen in Polen keine.Liste der portugiesischen Auslandsvertretungen (unter Polónia), Webseite des Außenministeriums Portugals, abgerufen am 12. August 2017
Polen führt eine Botschaft in Portugals Hauptstadt Lissabon, in der Avenida das Descobertas in der Stadtgemeinde São Francisco Xavier. In Porto und in Albufeira an der Algarve bestehen zudem polnische Honorarkonsulate.Die konsularischen Kontakte Polens in Portugal beim polnischen Außenministerium, abgerufen am 25. Januar 2018
Städtepartnerschaften Zehn Orte beider Länder sind im Rahmen von Gemeindepartnerschaften oder europäischen Vereinigungen partnerschaftlich verbunden oder streben dies an (Stand 2013).
Seit Mitte der 1990er Jahre sind Kommunen beider Länder Beziehungen eingegangen.Liste der polnisch-portugiesischen Städtepartnerschaften auf der Website des Verbandes portugiesischer Kreisverwaltung ANMP, abgerufen am 15. August 2017
Kultur Institutionen Das portugiesische Kulturinstitut Instituto Camões ist in Polen u. a. mit einem Sprachzentrum in Lublin, einem Lehrstuhl an der Universität Krakau und mit Lektoraten an verschiedenen polnischen Hochschulen vertreten.Übersicht zu den Aktivitäten in Polen, Website des Instituto Camões (engl.), abgerufen am 15. August 2017
Literatur mini|Auch in Polen weit verbreitet: die über Kastilien bekannt gewordenen Ritteromane um Amadis de Gaula, von denen zumindest die ersten drei Bände ursprünglich auf den portugiesischen Autor Vasco de Lobeira zurückgehen Historisch markieren Bücher die erste bedeutende Anwesenheit Portugals in Polen. Insbesondere religiöse Schriften kamen im 16. und 17. Jahrhundert in größerer Zahl von Portugal in die Klosterbibliotheken nach Polen, aber auch in private Bibliotheken wie die des Kardinal Hieronim Rozrazewski (1542–1600) oder des Ökonomen und Historikers Jost Ludwik Decjucz (1485–1549). Mit jeweils über 100 Bänden waren etwa die Werke des Bischofs Jerónimo Osório und des Theologen Agostinho Barbosa dort weit verbreitet. Die vermutlich größte private Sammlung portugiesischer Bücher besaßen die Prinzen Radziwiłł von Nieśwież, darunter Werke in Latein, Kastilisch (Spanisch) und Französisch, aber auch in Portugiesisch, so zwei Bücher von António Soares Albergaria.
Neben den theologischen Schriften waren auch Romane und Reiseliteratur weit verbreitet. Maciej von Miechowo etwa, Lehrer an der traditionsreichen Universität Krakau, besaß eine Sammlung von Manuskripten von Reiseberichten portugiesischer Seereisender. In der Bibliothek des Königs Zygmunt August II. waren Werke von Damião de Góis und Fernão Alves zu finden, und Nikolaus Kopernikus besaß einige Lyrikbände des Portugiesen Henrique Caiado, mit dem er vermutlich in Padua zusammengetroffen war.
Die wissenschaftlichen Werke aus Portugal waren weniger verbreitet in Polen. Zu nennen sind hier Arbeiten des Mediziners Amato Lusitano im Besitz der Danziger Ärzte Krzysztof und Henryk Heyll und des Königs Johann III. Sobieski, der zudem über eine breite Auswahl portugiesischer Veröffentlichungen verfügte, darunter Lyrik und Werke zu Geschichte und Theologie, aber auch Ausgaben der damals weit verbreiteten Ritteromane Amadis de Gaula.
Samuel Twardowski nahm in seinem Gedicht „Bela Pasqualina“ 1655 Bezug auf die Diana, einem Buch von Jorge de Montemor, und Maciej Sarbiewski bezog sich in seinem unvollendet gebliebenem Werk Os Lechias (port. Titel) auf die Episode der Ilha dos Amores aus den Lusiaden von Luís de Camões.
Das Werk von Camões verbreitete sich in Polen erst im 18. Jahrhundert, vor allem über französische Übersetzungen. So befand sich eine Ausgabe der „La Lusiade. Poème Heroique de Luis de Camoes“ im Besitz des letzten polnischen König Stanislaus August, der zudem französische Ausgaben von Francisco Xavier de Oliveira (dem Cavaleiro de Oliveira), der Lettres d’une Religieuse Portugaise (der portugiesischen Nonne Soror Mariana Alcoforado) und der Amadis de Gaula-Romane besaß.
Nach ersten Übersetzungen portugiesischer, überwiegend religiöser Werke ins Polnische im 17. Jahrhundert, erschien erst 1790 eine erste polnische Übersetzung der Lusiaden, weitere folgten 1875, 1890 und 1994. Die Lusiaden erfreuten sich während des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit in Polen und waren nicht nur Gegenstand von polnischen Essays, sondern auch von Lehre an der Universität Warschau. Das Werk inspirierte zudem einige romantische Autoren aus Polen, darunter A. Mickiewicz, J. Słowacki, I. Szydlowski, S. Goszczynski und A. Przezdziecki. Das Verhältnis der Polen zu Camões beschrieb G. Grabowski 1880 mit dem Satz „In den Augen des Auslands steht der Name Camões für alles, was man unter der Literatur Portugals auffasst. Er ist Synonym für sein Volk, seinen Ruhm, seine Heldentaten, ja sogar seiner historischen Bestimmung.“
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienen nur zwei polnische Übersetzungen portugiesischer Bücher (1911 die Briefe der Nonne Alcoforado und 1933 Exemplar Humanae Vitae von Uriel da Costa), jedoch erstarkte das Interesse an portugiesischer Literatur in den literarisch-wissenschaftlichen Kreisen insbesondere der Romanisten in Polen. Vor allem Edward Porebowicz und Stanislaw Wedkiewicz waren mit ihren bedeutenden Arbeiten zur Sprache und Literatur Portugals wesentliche Akteure und machten die Lusitanistik zu Gegenstand der Lehre und Forschung an den Universitäten von Lwiw und Krakau. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 beendete die Entwicklung der Lusitanistik in Polen, die erst 1972 in Krakau mit der Einrichtung des Lehrstuhl für Iberische Studien und dessen Abteilung für portugiesische und brasilianische Kultur wieder auflebte. Die ebenfalls in den 1970er Jahren einsetzenden zahlreichen Veröffentlichungen portugiesischer Bücher in polnischer Übersetzung durch den Literaturverlag Krakau vertieften die literarische Präsenz Portugals in Polen, die durch Veröffentlichungen verschiedener Verlagshäuser in Polen bis heute weiter gegeben ist. Alle wichtigen klassischen und modernen Autoren Portugals sind inzwischen in polnischer Übersetzung erschienen.