mini|Modellausstellung Schupo Sonderwagen Benz/19 (einzelner Turm, spitzer "Seitenerker") auf der Internationalen Polizeiausstellung in Berlin (1926).
Der Benz/21 auch Schupo Sonderwagen Benz/21 oder VP21 war ein Radpanzer, der von den Schutz- und Ordnungspolizeien der Weimarer Republik als Sonderwagen eingesetzt wurde. Von 1921 bis 1925 wurden von der Firma Benz & Cie. 25 Fahrzeuge der Variante VP21 gebaut und ausgeliefert. Das Fahrzeug und verschiedene nahe Varianten sind frühe Modelle aus der Reihe von wieder aufgenommenen Panzerentwicklungen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.
Beschreibung Wie der Daimler DZVR 21 und der Ehrhardt/21 war der Benz/21 VP21 Ergebnis einer Ausschreibung des Reichsministeriums des Innern, das die Anschaffung der Sonderwagen für die Länderpolizeien koordinierte. Nach Schmitt hatte sich „eine größere Anzahl von Automobilfirmen“ für das Projekt beworben, angenommen wurden aber nach Vorversuchen nur die o.a. drei Entwürfe.
Gemeinsame Merkmale der Sonderwagen Daimler, Benz und Ehrhardt Als gemeinsame Merkmale besaßen die Sonderwagen von Benz und Daimler als Basischassis die Artillerie-Kraftzugmaschine Krupp-Daimler (Art.Kr.Zgm. Kr.-D.) 100 PS KD 1 aus dem Ersten Weltkrieg mit Vierradantrieb. und Rückwärtslenkung. Weitere Merkmale sind ein vorn liegenden Motor, ein Umkehrvorgelege und eine stillgelegte Doppellenkung, so dass die Fahrzeuge bei Bedarf rückwärts mit derselben Geschwindigkeit gesteuert werden konnten wie vorwärts. Die Firma Ehrhardt nutzte ein eigenes Chassis, das im Ersten Weltkrieg für Ballonabwehrkanonen gebaut wurde. Die Panzerwagen waren hoch gebaut, um das Besteigen der Fahrzeuge zu erschweren. Der Panzeraufbau hatte zwei diametral gegenüberliegende Drehtürme mit je einem Maschinengewehr. Durch ihr großes Gewicht waren die Fahrzeuge in der Lage, Barrikaden mit Hilfe eingebauter Rammböcke beiseite zu schieben. Im so genannten Polizeikampf dienten sie zur gewaltsamen Aufklärung, als Vorhut oder auch als Rückhalt für die infanteristisch eingesetzten Beamten.
Besonderheiten des Benz/21 VP21 Manche Ausführung der Sonderwagen-Reihen unterscheiden sich in nur wenigen Details der drei Hersteller Benz (Gaggenau), Daimler (Stuttgart) und Ehrhardt (Berlin). Die Variante VP21 hat als markantes Merkmal einen abgeflachten "Seitenerker" mit kleinen Öffnungen, die als Schießscharten genutzt werden konnten. Dieser Aufbau wurde von Martini & Hünecke Maschinenfabrik AG Berlin geliefert. Nach Werksangaben des Archives der Daimler-Benz A.G. wurden 25 Exemplare gefertigt, andere Quellen weisen 24 Stück aus.
Variantenvergleich in Bildern:
Technische Daten Datenblatt Benz/21 Ausführung VP21: Konstruktion: Benz & Cie. Produktion: 25 Stück, 1921–22, Benz & Cie, Gaggenau Zulässiges Gesamtgewicht: 11,0 t Länge: 5950 mm Breite: 2600 mm Höhe: 3320 mm Radstand: 3,60 m Räder: Stahlblech-Scheibenräder, Vollgummi 1220×60, hinten zwillingsbereift Bodenfreiheit: 300 mm Motor: Benz S 140 N Zylinder: 4 Hubraum: 12300 cm³ Leistung: 74 kW (100 PS) bei 1200/min Bordnetz: 12 V Höchstgeschwindigkeit (Straße): 60 km/h Kraftstoffverbrauch/100 km: 80 Liter Tankinhalt: 270 Liter in 3 Tanks (100+135+35) Fahrbereich: 330 km Steigfähigkeit: 35 % Besatzung: 5 Mann Panzerung: 4 bis 12 mm Chromnickelstahl Bewaffnung: 2 × MG 08/15 mit Wasserkühlung in zwei Panzerdrehtürmen Literatur Werner Oswald: Die Kraftfahrzeuge der Polizei und des Bundesgrenzschutzes. Polizeifahrzeuge von 1920 bis 1974, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1974, ISBN 3-87943-332-1. Gustav Schmitt: Straßenpanzerwagen: Die Sonderwagen der Schutzpolizei Die Wagen, Die Bestückung, Geschichte der Kampfwagen, Berlin, R. Eisenschmidt, 1925.
Weblinks
Schupo Sonderwagen Benz/21, Aufnahme angeblich vom Mai 1945, (Aufnahmeort unbekannt)
Einzelnachweise
Kategorie:Leichter Panzer Kategorie:Radpanzer Kategorie:Polizeigeschichte (Deutschland) Kategorie:Benz & Cie.