Religionsfreiheit in China ist in der Verfassung der Volksrepublik China mit einer wichtigen Einschränkung vorgesehen: Die Regierung schützt das, was sie „normale religiöse Aktivität“ nennt. In der Praxis wird dies definiert, als Aktivitäten, die innerhalb staatlich genehmigter religiöser Organisationen und Andachtsstätten stattfinden. Obwohl die Dynastie-Regierungen des imperialen Chinas auch die Verantwortung für Religionsausübung übernahmen, haben Menschenrechtsorganisationen, wie die United States Commission on International Religious Freedom (USCIRF), diese Differenzierung kritisiert, da sie den internationalen Maßstäben zum Schutz der Religionsfreiheit nicht entsprechen.
Die fünf offiziell anerkannten religiösen Organisationen Chinas sind die Chinesische Buddhistische Gesellschaft, die Chinesische Daoistische Gesellschaft, die Chinesische Islamische Vereinigung, die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung und die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung. Diesen Gruppen wird ein gewisses Maß an Schutz gewährt, unterliegen allerdings Einschränkungen und Kontrollen der staatlichen Verwaltung für religiöse Angelegenheiten. Unregistrierte religiöse Gruppen – darunter unter anderen christliche Hauskirchen, Anhänger von Falun Gong, Buddhisten in Tibet, untergetauchte Katholiken und uigurische Muslime – werden mit unterschiedlichen Graden der Belästigung beziehungsweise Verfolgung konfrontiert, unter anderem Gefängnis, Folter und erzwungene religiöse Konversion. Tam und Hasmath argumentieren, dass die chinesische Regierung Religion als potenziell destabilisierend betrachtet.
Gesetzlicher Rahmen In Artikel 36 der Verfassung der Volksrepublik China von 1982 heißt es:
Dieser Schutz erstreckt sich jedoch nur auf die sogenannten „normalen religiösen Aktivitäten“, die allgemein als Religionen bezeichnet werden und sich einer staatlichen Kontrolle durch das Staatliche Amt für religiöse Angelegenheiten unterziehen. Die Verfassung verbietet die Verwendung von Religion, um „sich an Aktivitäten zu beteiligen, die die soziale Ordnung unterbrechen, die Gesundheit der Bürger beeinträchtigen oder das Bildungssystem des Staates stören. Religiöse Organisationen und religiöse Angelegenheiten unterliegen keiner ausländischen Herrschaft.“
Das Gesetz bietet fünf offiziell anerkannten Religionen Schutz: die Chinesische Buddhistische Gesellschaft, die Chinesische Daoistische Gesellschaft, die Chinesische Islamische Vereinigung, die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung und die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung. Religiöse Gruppen sind verpflichtet, sich beim Staatlichen Amt für religiöse Angelegenheiten (früher als Zentrales Büro für religiöse Angelegenheiten bekannt) oder ihren provinziellen beziehungsweise lokalen Behörden (Ämter für religiöse Angelegenheiten) zu registrieren. Das Staatliche Amt für religiöse Angelegenheiten und die Ämter für religiöse Angelegenheiten sind für die Überwachung und Beurteilung der Legitimität religiöser Aktivitäten verantwortlich.
Missionieren ist nur in privaten Räumen oder innerhalb eingetragener Gotteshäuser erlaubt. Missionieren in der Öffentlichkeit, in unregistrierten Kirchen beziehungsweise Tempeln oder durch Ausländer ist verboten. Mitglieder der atheistischen Kommunistischen Partei werden strikt daran gehindert, an einem religiösen Glauben festzuhalten.
Es gibt eine bedeutende Anzahl von nicht zugelassenen Kirchen und Tempeln, die von Einheimischen und Ausländern gleichermaßen besucht werden. Unregistrierte oder untergetauchte Kirchen sind offiziell nicht verboten, sind jedoch nicht berechtigt, öffentlich religiöse Dienste durchzuführen. Diese Organisationen können in unterschiedlichem Ausmaß durch staatliche und Parteiorgane gestört, belästigt und verfolgt werden. In einigen Fällen wurden unregistrierte religiöse Gläubige und Führer mit „illegalen religiösen Aktivitäten“ oder „Störung der sozialen Stabilität“ angeklagt. Religiöse Gläubige wurden auch nach Artikel 300 des Strafgesetzbuches angeklagt, der es verbietet, ketzerische Organisationen zu benutzen, um „die Gesetzesdurchführung zu untergraben“. Ein außerordentliches, von der Kommunistischen Partei geleitetes Sicherheitsorgan, Büro 610 genannt, überwacht die Unterdrückung und Verfolgung von Falun Gong und zunehmend auch andere nicht registrierte religiöse Organisationen. Hao Fengjun, ehemaliger 610-Agent und Überläufer aus Tianjin, sagte im Oktober 2005 auf einer Pressekonferenz der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM): „Neben Falun Gong und anderen Qi-Gruppen verfolgt 610 jetzt insgesamt 14 religiöse Gruppen, darunter auch die evangelischen Hauskirchen und romtreue Katholiken.“
Volksreligionen, wenn auch nicht offiziell geschützt, werden manchmal von den Behörden toleriert. Die Staatliches Amt für religiöse Angelegenheiten hat eine Abteilung geschaffen, um die Verwaltung der Volksreligion zu überwachen.
Christentum Hauptartikel: Christentum in China
Das Christentum hat in China eine Geschichte, die bis zur Tang-Dynastie zurückführt, und erhielt mit der Ankunft einer großen Anzahl Missionare während der Qing-Dynastie eine Gefolgschaft in China. Missionare wurden 1949, als die Kommunistische Partei an die Macht kam und die Religion mit dem westlichen Imperialismus in Zusammenhang brachte, aus China vertrieben. Allerdings lebte das Christentum seit den Reformen unter Deng Xiaoping in den späten 1970er und 1980er Jahren wieder auf und gewann an Popularität. Bis 2011 wurde geschätzt, dass etwa 60 Millionen Chinesen den Protestantismus oder Katholizismus praktizierten. Die meisten davon gehören nicht zu den staatlich genehmigten Kirchen.
Religiöse Praktiken werden von den Regierungsbehörden noch immer streng kontrolliert. Chinesische Kinder in Festlandchina dürfen an offiziell genehmigten christlichen Treffen der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung beziehungsweise der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung teilnehmen.
Römischer Katholizismus Hauptartikel: Römisch-katholische Kirche in China
mini|hochkant|Eine römisch-katholische Kirche am Lancang (Mekong) Fluss in Cizhong, Provinz Yunnan, China
China ist die Heimat von schätzungsweise 12 Millionen Katholiken, deren Mehrheit ihren Gottesdienst außerhalb der offiziellen Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung abhält. Das Staatliche Amt für religiöse Angelegenheiten sagt, dass 5,3 Millionen Katholiken der offiziellen Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung angehören, die 70 Bischöfe und etwa 6000 Kirchen landesweit betreut. Darüber hinaus gibt es etwa 40 Bischöfe, die nicht von der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung ernannt wurden und die Autorität des Vatikans anerkennen. Diese sind inoffiziell tätig.
Die staatlich zugelassene Kirche ernennt ihre eigenen Bischöfe und übt wie bei allen offiziellen Religionen die Kontrolle über die Lehre und die Führung der Religion aus. Zur Aufrechterhaltung der Autonomie und der Ablehnung ausländischer Intervention hat die staatlich zugelassene und kontrollierte Kirche keinen offiziellen Kontakt zum Vatikan und erkennt dessen Autorität nicht an. Allerdings hat die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung dem Vatikan inoffiziell erlaubt, Ordinierungen durchzuführen. Obgleich die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung weiterhin damit fortfährt, Ordinierungen durchzuführen, die durch den Heiligen Stuhl abgelehnt werden, wird die Mehrheit dieser eingesetzten Bischöfe sowohl von der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung als auch vom Vatikan anerkannt. Neben der Beaufsichtigung des katholischen Glaubens verfolgt die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung auch politisch orientierte Ziele. Liu Bainian, Vorsitzender dieser Vereinigung und der Bischofskonferenz der katholischen Kirche in China, erklärte in einem Interview im Jahr 2011, dass die Kirche Einzelpersonen braucht, die „das Land lieben und die Religion lieben: Politisch sollten sie die Verfassung respektieren, das Gesetz respektieren und das sozialistische Mutterland inbrünstig lieben“.
Einige Katholiken, die die Autorität des Heiligen Stuhls anerkennen, beschlossen aufgrund der Gefahr durch die Behörden belästigt zu werden, heimlich Gottesdienste abzuhalten. Mehrere untergetauchte katholische Bischöfe wurden Berichten zufolge als verschwunden oder inhaftiert gemeldet, und Belästigungen gegen unregistrierte Bischöfe und Priester sind weitverbreitet. Es gibt Berichte von katholischen Bischöfen und Priestern, die von Behörden gezwungen wurden, an den Ordinationszeremonien für Bischöfe teilzunehmen, die nicht die Zustimmung des Vatikans erworben hatten. Die chinesischen Behörden sollen auch Katholiken unter Druck gesetzt und aufgefordert haben, die Gemeinschaft mit dem Vatikan zu brechen, indem sie von ihnen verlangten, auf einen bestimmten Glauben des römischen Katholizismus und auf das Papstprimat des römischen Pontifex zu verzichten. In anderen Fällen gestatteten die Behörden jedoch den vatikanloyalen Kirchen, ihre Tätigkeiten durchzuführen.
Protestantismus Hauptartikel: Protestantismus in China
Die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung ist eine protestantische Kirche in China, und eine der größten protestantischen Körperschaften der Welt. Umgangssprachlich wird sie die Drei-Selbst-Kirche genannt und ist die staatlich genehmigte (patriotische) christliche Organisation in China.
Das Nationale Komitee der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung der evangelischen Kirchen in China und der Chinesische Christenrat sind in China als Lianghui bekannt (die zwei Organisationen) und bilden die einzige staatlich genehmigte (registrierte) evangelische Kirche im Festlandchina. Alle anderen protestantischen Bezeichnungen sind illegal.
Chinesische Hauskirchen sind religiöse Bewegungen mit unregistrierten Versammlungen von Christen in China, die unabhängig von der regierungsnahen Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung, als auch dem Chinesischen Christenrat für protestantische Gruppen, der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung und dem chinesisch-katholischen Bischofskonzil für Katholiken sind. Sie werden als „Untergrund“-Kirche oder als „Inoffizielle“-Kirche bezeichnet, obwohl dies eine unzutreffende Bezeichnung ist, da es sich um eine Ansammlung unabhängiger einzelner Kirchen handelt und nicht um eine einzige einheitliche Kirche. Sie werden „Hauskirchen“ genannt, weil sie keine offiziell eingetragenen Organisationen sind. Da sie selbst kein Eigentum besitzen dürfen, treffen sie sich in privaten Häusern, oft im Geheimen, aus Angst vor Verhaftung oder Freiheitsstrafe.
Buddhismus Tibetischer Buddhismus Hauptartikel: Buddhismus in Tibet
mini|321px|Zwei junge tibetische Buddhisten am Sakya Kloster im südlichen Tibet
China übernahm 1959 die Kontrolle über Tibet. Im Zuge der Übernahme und vor allem während der Kulturrevolution wurden viele Klöster Vihāra zerstört und viele Mönche und Laien umgebracht. Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso floh nach Indien und übergab seine Gewalt zeitweilig an eine gewählte Exilregierung. Der gegenwärtige Dalai Lama versucht mit den chinesischen Behörden über eine größere Autonomie und Religionsfreiheit für Tibet zu verhandeln. Da verschiedene hochrangige Lamas im Land gestorben sind, schlugen die Behörden ihre eigenen Kandidaten für die Positionen der religiösen Autoritäten vor. Dies führte gelegentlich dazu, dass es rivalisierende Anspruchsberechtigte für die gleiche Position gab. In der Bemühung, dies zu kontrollieren, verabschiedete die chinesische Regierung 2007 ein Gesetz, das fordert, dass für alle Lamas, die reinkarnieren wollten, ein Reinkarnationsantrag vollständig ausgefüllt und genehmigt werden musste.