Der Bandvagn 206 (Bv206) ist ein schwimmfähiges Mehrzweckfahrzeug mit Kettenlaufwerk der schwedischen Firma Hägglunds, die zum britischen Rüstungskonzern BAE Systems gehört. Er wurde als Geländefahrzeug mit amphibischen Eigenschaften für schwieriges, mooriges, vereistes und gebirgiges Gelände entwickelt und besteht aus zwei gelenkig verbundenen Einheiten mit je zwei Raupenketten. Es kann bis zu 17 Personen transportieren – 6 im Vorderwagen und 11 im Hinterwagen. Der Hinterwagen kann auch zum Materialtransport genutzt werden.
Der Name Bandvagn [] steht für die schwedischen Wörter Band für Kette und Vagn für Wagen. Er ist bislang (Stand: 2006) über 11.700-mal gebaut worden und wird weltweit eingesetzt.
Entwicklung Die Ursprünge des Bv206 begründen sich auf Forderungen des schwedischen Militärs für ein extrem geländegängiges, schwimmfähiges und schneetaugliches Transportfahrzeug als Ersatz für den Studebaker M29 Weasel aus US-amerikanischer Produktion. So suchte das schwedische Beschaffungsamt Försvarets materielverk (FMV) Mitte der 1950er-Jahre nach einem Nachfolger und beauftragte Volvo Ende 1961 zur Produktion des Bandvagn 202.
Ab 1970 suchte das FMV nach einem Nachfolger für den 202 und schrieb 1971 einen Entwicklungsvertrag aus, um den sich mehrere Unternehmen bewarben. Nach einem dreijährigen Auswahlverfahren wurde 1974 das Unternehmen Hägglund & Söner mit der Entwicklung beauftragt. Gefordert war der Einsatz zu jeder Jahreszeit in der Topografie Schwedens. Dies bedeutete Überschneetauglichkeit, Schwimmfähigkeit und Geländetauglichkeit mit hoher Steig- und Kletterfähigkeit bei gleichzeitig hoher Beweglichkeit, um anderen motorisierten Verbänden folgen zu können, sowie einen Einsatz auch bei Temperaturen von −40 °C.
Der von Hägglund & Söner entwickelte Prototyp des Bandvagn 206 wurde in einem vierjährigen Truppenversuch überprüft, wobei durch das Militär auch die Betriebskosten im Vergleich zum Bv202 ermittelt wurden. 1979 beauftragte FMV das Unternehmen, seit September 2004 BAE Systems Hägglunds AB, mit der Serienproduktion von vorerst 3500 Fahrzeugen mit einem Auftragsvolumen von 800 Millionen schwedischer Kronen.
Aufbau Bv 206 mini|Vom Militär zur zivilen Nutzung. Die Einsatzfähigkeit auch bei −40 °C macht den Bv206 zu einem Allrounder in der Nutzung mini|Das niedrige Gewicht des Gespanns erlaubt auch den Transport als Außen- oder Innenlast. Die CH-53G auf dem Bild fliegt teilbetankt, um den Bv206D der KFOR-Truppe ohne Trennung auf 1600 m Höhe abholen zu können.
Der „Hägglunds“ oder All-Terrain-Vehicle ist ein lufttransportfähiges Laufbandfahrzeug. Vorder- und Hinterwagen sind durch eine hydraulische Knicklenkung verbunden. Sie verändert die Stellung des Vorder- und des Hinterwagens zueinander und ermöglicht so ein Lenken des Gespanns. Während reguläre Kettenfahrzeuge über unterschiedliche Umfangsgeschwindigkeiten der Ketten eine Richtungsänderung vornehmen, erfolgt das Lenken bei einem Bandvagn über das Verschränken von Vorder- und Hinterwagen zueinander, ähnlich wie bei einem Radlader. Bei dem Hinterwagen handelt es sich also nicht, wie man irrtümlicherweise annehmen könnte, um einen Anhänger, sondern um einen festen Fahrzeugbestandteil, ohne den das Fahrzeug nicht fahrbar ist.
Der Antrieb des Vorderwagens wirkt dabei auch auf die Ketten des Hinterwagens. Die mit einem Überrollschutz versehenen Kabinen des Bv 206 bestehen aus einem schwer entflammbaren glasfaserverstärkten Kunststoff, der durch vier Gummipolster gefedert mit dem Fahrgestellrahmen verbunden ist. Gegen tiefhängende Äste können die Hägglunds mit einem Astabweiser an der Fahrzeugfront ausgestattet werden. Für Waffenträger gibt es eine Option mit Planenverdeck. Zur Erhöhung der Transportkapazität kann das Gespann mit einem speziellen schwimmfähigen 2-Achs-Anhänger versehen werden.
Bei der gepanzerten Version Bv206S wurden die Wagenkästen hingegen vollkommen überarbeitet. Gefertigt aus Panzerstahl bieten diese Schutz gegen Hartkernmunition im Kaliber 7,62 × 54 mm R und Artilleriesplitter. Das Fahrzeug wurde mit einer ABC-Schutzanlage ausgestattet und verfügt über eine Klimaanlage. Trotz einem Mehrgewicht von 500 kg bleiben die Schwimm- und die Lufttransportfähigkeit erhalten.
Alle Varianten des Fahrzeugs können als Innenlast in einer Reihe von Transportflugzeugen oder als Außenlast an Transporthubschraubern transportiert werden. Übersteigt das Gewicht bei Hubschraubern die fliegbare Masse, können die Bandvagn geteilt und einzeln geflogen werden.
Antrieb und Laufwerk Die ersten Hägglunds der schwedischen Streitkräfte wurden durch einen Ottomotor von Ford angetrieben. Der auch im Granada eingesetzte V6-Motor hatte eine Leistung von 100 kW aus 2,79 Litern Hubraum. Nachfolgende Modelle erhielten je nach Nation ab 1982 5-Zylinder-Dieselmotoren des Typs OM 617.957 mit einer Leistung von 92 kW bei 4350/min oder Sechszylinder-Dieselmotoren des Typs OM 603.950 mit einer Leistung von 100 kW bei 4600/min von Mercedes-Benz. Sie wurden als Bv 208 bezeichnet und im Export als Bv 206D vermarktet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h an Land und 3 km/h zu Wasser. Die Kraftübertragung übernimmt ein Automatikgetriebe von Mercedes-Benz. Das W4A-040 hat vier Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang.
Die gepanzerte Variante Bv206S wurde vom Hersteller mit einem 6-Zylinder-Monoblock-Dieselmotor M16 von Steyr ausgestattet. Er leistet 130 kW aus 3,2 Litern Hubraum und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 52 km/h auf Straßen und 4,7 km/h im Schwimmbetrieb. Als Kraftübertragung wählte man das von Daimler-Benz stammende W5A-580-Automatikgetriebe mit fünf Vorwärts- und zwei Rückwärtsstufen.
Das Fahrgestell der Bv206 besteht aus je einer gleichen Laufwerksgruppe unter Vorder- und Hinterwagen. Diese setzt sich zusammen aus Hauptrahmen, zwei Stahlblattfedern und zwei Kettenlaufwerken. Gegenüber einem üblichen Kettenfahrzeug mit Laufrollen hat der Bv 206 aus Aluminium gefertigte Laufräder. Diese sind je mit einem Tragarm verbunden und am Laufrollenrahmen befestigt. Als Kette dient ein mit Stahleinlagen verstärktes Gummi-Endloslaufband mit 128 Führungszapfen, das durch ein Laufbandrad geführt wird. Die Antriebskonstruktion erlaubt eine Steigfähigkeit von 45° (100 %) auf festem Untergrund und 13,5° (24 %) bei schneebedeckten Oberflächen.
Bewaffnung In der Zivilvariante unbewaffnet, wurde der Bv206 für das Militär nachträglich mit Waffen versehen. So finden sich je nach Version verschiedene Lösungen, ein Teil auch als Truppeneigenbau, die oft eine Übergangslösung darstellten. Als Bewaffnung wird die ganze Palette der zur Verfügung stehenden Waffen genutzt. So sind leichte bis schwere Infanteriewaffen möglich, auch Panzerabwehrwaffen bis hin zu einem rückstoßfreien Geschütz. Den Prototypstatus erreichten dagegen nur das in Zusammenarbeit mit Dynamit Nobel entwickelte Minenwurfsystem (ähnlich dem Minenwurfsystem Skorpion) und auf Basis des LARS ein Artillerieraketensystem. Ebenfalls nicht umgesetzt wurden Waffenträger mit 107-mm- und 120-mm-Mörser auf dem Hinterwagen.
Varianten und Nutzer mini|Gepanzerter Bv206S der Bundeswehr in der Sanitätsvariante mini|Die Möglichkeit, auch in sumpfartigem Gelände zügig voranzukommen, macht die Fahrzeuge zu einem international genutzten Transportmittel mini|Norwegischer Bv206D als Gefechtsstandfahrzeug. mini|Eine mit Skiern ausgerüstete Gruppe lässt sich vom Bv206 schleppen. Die US-Soldaten gehören zur Nationalgarde und befinden sich auf Wintertraining in Norwegen. An der Front des Hägglunds ist ein Astabweiser angebracht, der die Kabinen vor tiefhängenden Ästen schützt.
Die Hägglunds befinden sich weltweit bei den Streitkräften von 38 Staaten, darunter acht NATO-Partnern, im Einsatz. So wird das Fahrzeug von Brasilien, Kanada, Chile, VR China, Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Italien, Österreich, Pakistan, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten verwendet. In ziviler Ausführung dient es als Transport- und Gerätefahrzeug in Polargebieten oder auch bei den Organisationen des Katastrophenschutzes.
Deutschland In der Bundeswehr wird das Geländetransportfahrzeug Bv206D seit 1984 eingesetzt und führt ab dem 23. November 1993 auf einen Vorschlag des Divisionskommandos der 1. Luftlandedivision den Beinamen „Husky“. In einem ersten Baulos wurden zwölf Bv206D in der Transportvariante beschafft, um die deutschen Anteile der Allied Mobile Force/Land (AMF/L) und Einheiten der Luftlandebrigade auszustatten. Der Husky diente so in der Luftlandeartilleriebatterie 9 als Zugmittel für die Gebirgshaubitze 105 mm und im Fallschirmjägerbataillon 262 als Einsatzfahrzeug.
Durch die positiven Erfahrungen wurde 1989 ein zweites Baulos von 63 Hägglunds in Auftrag gegeben, dem bis 2006 weitere Bestellungen mit zusätzlichen 89 Fahrzeugen folgten. Insgesamt beschaffte die Bundeswehr 168 Bv206D, die vornehmlich von der Luftlande- und Gebirgsjäger-Truppe eingesetzt werden. Sie dienen als Personen-, Munitions- und Trägerfahrzeug sowie als Funk- und Führungsfahrzeug in unterschiedlicher Ausführung. Die Basisversion kann darüber hinaus mit einem Rüstsatz ausgestattet werden, der unter anderem Waffenhalterungen und Skiboxen für die Gebirgsjägertruppe enthält.
Im Rahmen des Beschaffungsvorhabens „Führungs- und Transportkraftfahrzeuge, leicht gepanzert und luftverladbar“ war die gepanzerte Husky-Variante Bv206S schon Anfang der 1990er-Jahre ein Kandidat der deutschen Streitkräfte. Erste Prototypen wurden 1994 erprobt und waren für die damaligen Krisenreaktionskräfte geplant. Seit 2004 werden die Bv206S als Sanitätstransport- und Gefechtsstandfahrzeug verwendet. Es waren zwischenzeitlich 75 Sanitätsfahrzeuge dieser Variante im Einsatz, unter anderem beim KSK, in den Sanitätszügen der Fallschirmjägerbataillone und den beiden Luftlandesanitätskompanien der Division Schnelle Kräfte. Im Rahmen eines einsatzbedingten Sofortbedarfes hat Rheinmetall Defence 2007 zusätzlich vier weitere Ambulanzfahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert. Die zum „Beweglichen Arzttrupp (BAT)“ umgebauten Fahrzeuge wurden in Afghanistan eingesetzt. (Oktober 2007); abgerufen am 17. Mai 2023
In den Jahren 2006 bis 2009 hat die Bundeswehr zudem 81 Transport- und Führungsfahrzeugebundeswehr.de, Suchbegriff Bv 206 – Bericht: Duro und Hägglund für mehr Sicherheit vom 14. September 2005 des Musters Bv206S für die Gebirgsjäger erhalten. Der Kauf von weiteren 42 Bv206S wurde angestrebt. Durch die Beschaffungen der letzten Jahre erhöhte sich somit die Anzahl der in der Bundeswehr im Dienst befindlichen Bv206D/S von 168 Einheiten im Jahr 2003 auf 370 Fahrzeuge im Jahr 2009.Bundeswehrplan 2009
Zivil werden Hägglunds vom Havariekommando, dem Technischen Hilfswerk und den Umweltämtern der Länder genutzt. Die Aufgaben bestehen überwiegend im Transport von Mannschaften und Gerät sowie im Transport geborgener Sachen in schwer zugänglichen Uferbereichen und im Wattenmeer.
Finnland Finnland bestellte als erster Exportkunde den Bv206. Zwischen 1982 und 1987 wurden 400 Exemplare mit Benzinmotor ausgeliefert. Sie ersetzten den Bandvagn 202. Die Fahrzeuge dienen als Waffenträger für Mörser und Panzerabwehrwaffen sowie zum Material- und Personentransport.
Anfang der 1990er-Jahre ergänzten die finnischen Streitkräfte die Fahrzeuge durch den Bandvagn NA-110 und NA-114 BT. Sie gleichen optisch und technisch dem Hägglunds, sind jedoch Fahrzeuge des finnischen Unternehmens Sisu Auto.
Frankreich