mini|Das Eingangsportal, September 2015 Das Stadtmuseum Kassel beschäftigt sich mit der Geschichte der nordhessischen Stadt Kassel. Nach Umbauarbeiten und einer Neukonzeption der Dauerausstellung seit 2010 wurde es am 18. Juni 2016 wiedereröffnet.Ellen Schwaab: Das neue Kasseler Stadtmuseum kommt gut an, hna.de vom 18. Juni 2016, abgerufen am 24. August 2017.

Geschichte Vorgängereinrichtungen Den Wunsch der Bevölkerung nach einem Museum für die Kasseler Stadtgeschichte hatte es bereits seit dem 19. Jahrhundert gegeben. Daher gab es seitdem immer wieder Bestrebungen, dem mit einzelnen Sammlungen zu entsprechen. Diese waren allerdings nicht in einem Museum vereinigt, sondern sie verteilten sich auf eine ganze Reihe von Ausstellungen im Stadtgebiet. So gab es eine Kassel-Sammlung im neuen Rathaus, eine Ausstellung im Kunstgewerbemuseum am Friedrich-Wilhelm-Platz (dem späteren Scheidemannplatz) und weitere in der Murhardschen Bibliothek, dem Marstall und im Bose-Museum in der Luisenstraße. Diese Sammlungen wurden im Laufe der Zeit aufgelöst und teilweise in das Hessische Landesmuseum eingegliedert.

Gründung Mitte der 1970er Jahre kam erneut die Idee in der Bevölkerung auf, ein Stadtmuseum einzurichten. Die Ursache hierfür waren Berichte, nach denen die Magazine des Hessischen Landesmuseums inzwischen so sehr mit Exponaten gefüllt gewesen waren, dass nur noch ein Bruchteil davon überhaupt in den Ausstellungen des Landesmuseums gezeigt werden konnte.Platz für ein Stadtmuseum, in: HNA vom 31. Januar 1976. Offiziell beschlossen wurde die Einrichtung eines Stadtmuseums zwei Jahre später, als sich die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 3. Juli 1978 darauf einigten.Alle Fraktionen einig: Stadtmuseum für Kassel, in: HNA vom 11. Juli 1978. Im selben Jahr wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, dem noch gar nicht gegründeten Museum bereits Exponate zu stiften und Geld zu spenden. Die gestifteten Exponate sollten vorläufig beim Stadtarchiv im Marstall abgegeben werden, da es zu diesem Zeitpunkt an anderen Möglichkeiten fehlte, die zukünftigen Ausstellungsstücke sachgerecht zu deponieren. Auch die Stelle des zukünftigen Museumsleiters war schon im städtischen Etat eingeplant worden. Favorisiert wurde der Vorsitzende des Kasseler Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Karl-Hermann Wegner,Großes Interesse an Stadtmuseum, in: HNA vom 16. Dezember 1978. der die Stelle Anfang Februar 1979 antrat und in dieser Position bis zu seiner Pensionierung 2006 blieb.

Entscheidend für die erfolgreiche Einrichtung eines Stadtmuseums war die Suche nach einem geeigneten Standort. Ende 1978/Anfang 1979 fiel der Fokus auf das denkmalgeschützte Karlshospital, das im Zweiten Weltkrieg durch Bomben fast bis auf die Außenmauern zerstört worden war. Seit dem Krieg stand das Gebäude leer, sodass es genügend Möglichkeiten bot, hier ein Museum von Grund auf neu zu erschaffen. Für die geplanten Bauarbeiten wurde eine Summe von 4,5 Mio. D-Mark veranschlagt, die unter anderem zu einem Drittel aus dem Investitionsfonds des Landes Hessen beglichen werden sollte, sowie auch mit Geldspenden aus der Bevölkerung.Stadtmuseum im Karlshospital, in: HNA vom 17. Januar 1979. Bis zur documenta 7 1982, wo es als Ausstellungsort dienen sollte, wollte man das Karlshospital so weit instand setzen, dass das Stadtmuseum dann 1984 oder 1985 hätte einziehen können.Karlshospital: Ab '80 Wiederaufbau für die documenta, in: HNA vom 16. September 1979. Für die Dauer der Bauarbeiten wurde 1979 die vorläufige Verwaltung des Museums im 1869–1871 erbauten Kulturhaus am Ständeplatz 16 eingerichtet. Im Juni 1980 genehmigte der Magistrat der Stadt dann offiziell den Wiederaufbau des Karlshospitals. Geplant war hierbei der Einbau einer Wärmepumpe, die die Energie zum Heizen des Gebäudes aus dem Wasser der vorbeifließenden Fulda gewinnen sollte. Auch war inzwischen beschlossen worden, dass neben dem Stadtmuseum auch das Stadtarchiv in das Karlshospital einziehen sollte.Lokales aktuell, in: Kasseler Woche vom 13. Juni 1980. Trotzdem zogen sich die Pläne für die Einrichtung weiter hin und auch kam es immer wieder zu Diskussionen in der Stadtverwaltung, ob man mit dem Karlshospital wirklich den richtigen Standort gefunden hatte. So wurden unter anderem Entwürfe vorgestellt, nach denen das Stadtmuseum in der Alten Brüderkirche oder der Garnisonkirche eingerichtet werden könnte.Garnisonkirche als Stadtmuseum?, in: HNA vom 3. April 1981.Stadtmuseums-Domizil oder Lapidarium?, in: HNA vom 27. Juli 1981.

Eröffnung Da die geplanten Bauarbeiten am Karlshospital wegen fehlender Finanzierung auch 1982 noch nicht begonnen hatten und die provisorischen Räume des Stadtmuseums am Ständeplatz inzwischen keinen ausreichenden Platz mehr für die unzähligen Exponate boten, wurde im Stadtparlament diskutiert, ob es nicht möglich sei, dem Museum in den bereits bezogenen Örtlichkeiten mehr Raum zur Verfügung zu stellen. Beschlossen wurde, dass die im selben Gebäude am Ständeplatz untergebrachte „Amerikanische Bibliothek“ woanders hinziehen müsse.Rüge für den Regierungspräsidenten nach FDP-Antrag im Stadtparlament, in: HNA vom 24. März 1982. Sie wurde letztendlich in die Stadtbücherei im Rathaus eingegliedert. Am 21. Oktober 1983 konnten dann die ersten drei Ausstellungsräume des Stadtmuseums im Kulturhaus am Ständeplatz eröffnet werden. Trotzdem war die geplante Einrichtung des Museums im Karlshospital noch nicht aufgegeben worden. Inzwischen waren die voraussichtlichen Kosten aber auf 9 Mio. D-Mark angestiegen, die wiederum nicht zur Verfügung standen.Stadtmuseum im Kulturhaus eröffnet, in: HNA vom 21. Oktober 1983. 1985 und 1986 kam es dann erneut zu Diskussionen um den endgültigen Standort des Stadtmuseums. Neben den möglichen Gebäuden Karlshospital, Garnisonkirche und Renthof wurde nun auch noch der Marstall vorgeschlagen. Bis Ende 1986 sollte eine Lösung gefunden werden, die dann auch finanzierbar sein musste. Denn sowohl Karlshospital als auch Garnisonkirche waren Ruinen und somit vor einem Einzug des Museums von Grund auf zu sanieren. Für die Garnisonkirche wurden dabei im Januar 1986 Kosten von etwa 12,5 Mio. D-Mark (ohne die zusätzlichen Kosten für das private Grundstück) veranschlagt. Der provisorische Standort am Ständeplatz wurde zu diesem Zeitpunkt abgelehnt, da ihm fehlende Erweiterungsmöglichkeiten und eine zu geringe Nutzfläche unterstellt wurden.Stadtmuseum in die Markthalle?, in: HNA vom 29. Januar 1986.

Endgültiger Standort Im Dezember 1986 wurde endgültig entschieden, dass das Stadtmuseum in seinem provisorischen Standort am Ständeplatz bleiben solle. Das Museum verfügte damit allerdings noch nicht über ausreichende Räumlichkeiten. Daher wurde zusätzlich beschlossen, dass das eine ganze Etage belegende documenta-Archiv ausziehen solle. Beim Anfang 1986 gegründeten Verein der Freunde des Stadtmuseums sorgte dies für einigen Unmut, da sich der Verein für den Standort Garnisonkirche eingesetzt hatte. Dieser scheiterte letztendlich an der Finanzierung.Stadtmuseum bleibt im Kulturhaus, in: HNA vom 20. Dezember 1986. Anfang 1993 zog der noch im Kulturhaus angestammte Kasseler Kunstverein in das Fridericianum, wodurch die bislang noch vom Verein belegten Räumlichkeiten nun dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt wurden.Kunstverein will ins Fridericianum umziehen, in: HNA vom 15. Januar 1993. Am 6. Oktober wurde die Dauerausstellung des Museums durch einen dauerhaften Bereich zur Kasseler Geschichte von 1900–1950 erweitert, nachdem das 20. Jahrhundert bis zu diesem Zeitpunkt aus Platzmangel nur in Sonderausstellungen behandelt werden konnte.Alexander Link: Erweiterung der Dauerausstellung im Stadtmuseum Kassel, in: Heimatbrief Niederzwehren 1997/1. Am 5. Mai 2001 wurde das Stadtmuseum mit einer eigenen Haltestelle an das Nahverkehrsnetz der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft angeschlossen.

Erste Sanierung Von September 2001 bis Mai 2002 wurde das Stadtmuseum für umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen geschlossen. Dabei wurden im Zuge des Einbaus eines Fahrstuhls Reste eines historischen Ziegelgewölbes im Keller entdeckt. Die Maßnahmen wurden zum Anlass genommen, über einen Erweiterungsbau hinter dem Museumsgebäude zu diskutieren.Beate Eder: Per Aufzug in die Stadtgeschichte, in: HNA vom 25. Mai 2002. Ab 2005 wurden die Planungen zu einer Erweiterung des Museums konkreter. In Betracht gezogen wurde entweder eine Aufstockung des Gebäudes oder ein Anbau auf einem der Nachbargrundstücke. Dazu sollte bis 2008 eine Million Euro von der Stadt zur Verfügung gestellt werden.Ellen Schwab: Erneuter Anlauf für Ausbau, in: HNA vom 10. Februar 2005. Im Juli 2006 ging der seit Gründung des Stadtmuseums im Amt befindliche Leiter Karl-Hermann Wegner in den Ruhestand.Dirk Schwarze: Abschied von einem Lebenswerk, in: HNA vom 5. Juli 2006. Seine Stelle übernahm zum 1. Januar 2007 Cornelia Dörr.Tobias Zihn: Hüterin der Schätze, in: HNA vom 25. Januar 2007. 2008 wurden im Rahmen eines städtischen Masterplans zur Weiterentwicklung der kulturellen Einrichtungen erneut Überlegungen aufgestellt, wie das Stadtmuseum ausgebaut werden könne. Das Gebäude sollte ein drittes Obergeschoss erhalten, der dreieckige Innenhof sollte überbaut werden und der vom Ständeplatz wegführende Gebäudeflügel sollte verlängert werden. Für diese Maßnahmen wurden 9,2 Mio. Euro veranschlagt. Bis 2012 sollten die Erweiterungen abgeschlossen sein.Claudia Hohmann: Nur ein paar Einzelteile. Weiter aufstocken, in: HNA vom 22. März 2008. Nach einem Architektenwettbewerb wurde im Oktober 2009 der endgültige Entwurf für die Erweiterung des Museums vorgestellt. Am Ende des vom Ständeplatz wegführenden Gebäudeflügels sollte ein Turmanbau entstehen, der die Nutzfläche für Ausstellungen von 650 auf 1100 Quadratmeter erhöhen sollte. Verantwortlich dafür war das Berliner Architektenbüro Hufnagel/Pütz/Rafaelian.Ulrike Pflüger-Scherb: Wenn Historiker mauern, in: HNA vom 30. März 2012. Bis zur 1100-Jahr-Feier der Stadt Anfang 2013 sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein, wobei Kosten von 7,5 Mio. Euro eingeplant waren.Ellen Schwab: Ein Turm für das Stadtmuseum, in: HNA vom 30. Oktober 2009.

Zweite Sanierung und Erweiterungsbau Nachdem die Erweiterung des Museums beschlossen worden war, wurde das Museum geschlossen und bis Ende März 2010 leergeräumt. Die Exponate kamen überwiegend in die Museumsmagazine; ein kleiner Teil, darunter Fotoarchiv und Bibliothek, wurde dagegen in der benachbarten Wilhelmsstraße in die sogenannte Schaustelle überführt und war dort für die Öffentlichkeit weiter zugänglich.Ulrike Pflüger-Scherb: Ein Gedächtnis zieht um, in: HNA vom 1. Februar 2010. Die Schaustelle diente außerdem als Ort von Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Die geplante Wiederöffnung des Museums im Februar 2013 wurde verschoben, da bei den Bauarbeiten immer wieder Schwierigkeiten auftraten. Vor allem Feuchtigkeit und der instabile Untergrund erforderten umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen. Die Eröffnung wurde deswegen Ende 2011 auf September 2013 verschoben.Martina Heise-Thonicke, Ellen Schwaab: Ein Bau mit Hindernissen, in: HNA vom 9. November 2011. Anfang 2012 wurden für die Baumaßnahmen weitere 900.000 Euro zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde ein Planungsbüro aus Leipzig mit der Konzeption der neuen Dauerausstellung beauftragt.Ellen Schwaab: Im März soll es losgehen, in: HNA vom 25. Februar 2012.