Die Liste der Wüstungen im Landkreis Kitzingen führt alle untergegangenen Dörfer und Höfe im unterfränkischen Landkreis Kitzingen in Bayern auf. Der Landkreis erstreckt sich heute sowohl über Teile des sogenannten fränkischen Gäulandes mit dem fruchtbaren Maindreieck und dem Steigerwaldvorland als auch über Gebiete des ertragsärmeren Steigerwaldes. Insgesamt sind über 60 Wüstungen zu identifizieren.
Historischer Hintergrund Die heutigen Orte im Landkreis Kitzingen entstanden zumeist im 6. Jahrhundert mit dem Vorstoß fränkischer Siedler in die von keltischen Stämmen besiedelte Region. Die Gäuflächen und insbesondere das Maindreieck waren im Frühmittelalter bereits dicht besiedelt, hier war der Siedlungsvorstoß den Nebenflüssen des Mains (Breitbach, Schwarzach, Volkach etc.) gefolgt. In seinem Vorland und im Steigerwald selbst erstreckte sich dagegen noch eine weitgehend unberührte Waldlandschaft.Rückert, Peter: Landesausbau und Wüstungen des hohen und späten Mittelalters. S. 44 f.
Mit dem Aufkommen mächtiger Landesherren im Hochmittelalter griff der Siedlungsausbau auch auf die bisher ausgelassenen Gebiete über. Die Hochstifte Würzburg und Bamberg, die Klöster Ebrach und Münsterschwarzach sowie der aufgestiegene Niederadel, insbesondere die Grafen zu Castell und die Schwarzenberg, förderten den Siedlungsbau auch auf schlechten Böden. Bis zur ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hatte der Siedlungsbestand seinen Höhepunkt erreicht, obwohl bereits einige frühmittelalterliche Siedlungen, wie Kirchheim und Schmalfeld, wüst lagen.Machann, Roderich: Wüstungen im Steigerwald. S. 30.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden zwar einige Rodungspläne weiter umgesetzt, insgesamt war allerdings ein großer Rückgang zu beobachten. Zwischen 1300 und 1525 kam es im Steigerwald sogar zur spätmittelalterlichen Wüstungsperiode, die Zahl der Siedlungen reduzierte sich in dieser Zeit um etwa 30 %. Dieser Rückgang betraf auch das Gäuland, dort gingen Siedlung vor allem im Steigerwaldvorland verloren.
Zumeist waren mehrere Faktoren für die Aufgabe einer Siedlung verantwortlich, selten dagegen führten wiederholte Witterungsanomalien und die daraus resultierenden Bodendegradationen, Fehden und andere kriegerische Zerstörungen oder die Agrarkrise alleine zum Verlassen. Nach 1525 versuchten die Territorialherren durch Neurodungen der „negative[n] Siedlungsperiode“Rückert, Peter: Landesausbau und Wüstungen des hohen und späten Mittelalters. S. 131. Herr zu werden. Dennoch wurden im Steigerwald weniger Dörfer gegründet, das Ortssterben konnte allerdings aufgehalten werden.
Während des Dreißigjährigen Krieges hatte beispielsweise das Amt Gerolzhofen, das heute in Teilen im Landkreis aufgegangen ist, 30 bis 50 % Bevölkerungsrückgang zu verkraften. Trotzdem fielen die Dörfer meist nur noch temporär wüst, weil die Grundherren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Wiederansiedlungen förderten. Ab 1700 kam es selten auch zu Wiedergründungen längst aufgegebener Orte, so wurde wieder Bevölkerung in Rehweiler angesiedelt. Ab 1800 blieb der Siedlungsbestand des späteren Landkreises zumeist vollständig erhalten.Machann, Roderich: Wüstungen im Steigerwald. S. 80. Lediglich Einzelhöfe verschwanden im 19. Jahrhundert.
Liste der Wüstungen Die Gliederung der Liste orientiert sich weitgehend an der Arbeit von Mario Dorsch, Verschwundene mittelalterliche Siedlungen.Vgl.: Dorsch, Mario: Verschwundene mittelalterliche Siedlungen. S. 21. Hier fehlende Wüstungen sind durch die Werke von Klarmann, Machann, Ortmann, Riedenauer und Rückert ergänzt. In der Literatur existiert keine umfassende Arbeit, die ausschließlich die Wüstungen im Landkreis Kitzingen behandelt, jedoch werden alle Teile des Landkreises durch mindestens eine der Arbeiten erfasst.
Gegliedert wird die Liste alphabetisch nach den in den Quellen am häufigsten verwendeten Namen der Wüstungen. Über die Spalten Heutige Gemarkung(en) und Geokoordinate kann die Wüstung eindeutig identifiziert werden. Aufgeführt sind auch temporäre Wüstungen, die heute wieder besiedelt sind. Der vermutete Wüstungszeitpunkt ist über die letztmalige Nennung in den Quellen oder die Erwähnung als Wüstung ungefähr festgelegt. Anmerkungen gehen auf die Ersterwähnung und eventuelle Überreste der Siedlung ein.