mini|hochkant=1.4|Stolpersteine für August Ruf und Eugen Weiler Die Stolpersteine in Singen (Hohentwiel) sind besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in der baden-württembergischen Stadt Singen (Hohentwiel) im Landkreis Konstanz in Deutschland erinnern sollen.

In Singen gab es etwa 170 Opfer des Nationalsozialismus.

Stolpersteine Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die während des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in die Pflaster der Gehwege eingelassen. Mittlerweile gibt es über 116.000 Steine (Stand: Dezember 2024) nicht nur in Deutschland, sondern auch in 31 weiteren europäischen Ländern.In #Turin (Italien) wurde heute der europaweit 50.000ste #Stolperstein verlegt! Er erinnert an Eleonora Levi. #Demnig @_Stolpersteine_ am 11. Januar 2015 auf Twitter. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Im Juli 2010 verlegte Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in Singen. Inzwischen sind 90 Steine auf den Gehwegen Singens verlegt worden.„Stolpersteine für Singen“, Programm-Flyer zur Steineverlegung am 31. Januar 2015.18 neue Stolpersteine für Singen. In: Südkurier.Putzen für die Erinnerung. In: Südkurier. 27. Januar 2017; abgerufen am 23. August 2017.„Stolpersteine für Singen“ bei „Radolfzell zur NS-Zeit“; abgerufen am 26. August 2017.Flyer „Stolpersteine für Singen - Steineverlegung 20. Februar 2018“, abgerufen am 26. Juli 2018Flyer "Zehn neue Stolpersteine gegen das Vergessen - Steineverlegung 13. Juni 2024", abgerufen am 24. November 2024.

Anmerkung: Die Tabelle ist alphabetisch nach Adresse sortiert, lässt sich aber auch nach Nachnamen sortieren.

Verlegte Stolpersteine

Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120px HIER WOHNTEADOLF WICKERJG. 1893VERHAFTET 1942FLUCHTHELFERGESTAPOHAFT 1942ZUCHTHAUS PLÖTZENSEEZWANGSARBEIT IM EISMEERASCHENDORFER MOORBEFREIT - ÜBERLEBT Alemannenstraße 1 wurde Heiligabend 1893 als Sohn deutscher Eltern im Schweizer Oberuzwil geboren. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers im Januar 1933 wurde er arbeitslos und lebte mit seiner Frau und zwei Jungen in ärmlichen Verhältnissen. Im November 1936 kam Wicker in das KZ Kislau. Während des Zweiten Weltkriegs half er im Juli 1942 sieben elsässischen Fremdarbeitern und einem französischen Kriegsgefangenen zur Flucht von Singen über die Grenze zur Schweiz. Aufgrund eines Verrats wurde Wicker wenig später verhaftet, ins Gefängnis gesteckt und am 12. Juli 1943 in Trier vom Volksgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Roland Freisler wegen Landesverrats zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Wicker kam nach Plötzensee und von dort nach Lappland um seine Strafe durch den Bau der Eismeerstraße abzubüßen. Im Frühjahr 1945 wurde Adolf Wicker in eines der Emslandlager bei Papenburg überführt und dort später von der britischen Armee befreit. Er konnte zu seiner Familie, die den Krieg einigermaßen gut überstanden hatte, nach Singen zurückkehren.Wilhelm J. Waibel: Adolf Wicker: Fluchthilfe für elsässische und französische Kriegsgefangene im Juli 1942 mit dramatischen Folgen für den Helfer; Singen, März 2012 Der Stolperstein wurde am 13. November 2012 verlegt. 120px HIER LERNTEEUGEN LÖWINSTEINMOSCHE LITANJG. 1916FLUCHT 1933PALÄSTINAÜBERLEBT Alemannenstraße 21vor dem Hegau-Gymnasium wurde 1918 als zweiter Sohn seiner Eltern Josef und Helene in Konstanz geboren. Nach dem Tod des Vaters kam Eugen mit seiner Mutter und den Brüdern Max (* 1914) und Isidor (* 1920) 1930 nach Singen. Später konnten Eugen und Max über Hamburg nach Palästina fliehen. der Familie Löwinstein bei www.stolpersteine-singen.de; abgerufen am 25. August 2017. Der Stolperstein wurde 2010 verlegt. 120px HIER LERNTEISIDOR LÖWINSTEINJG. 1920FLUCHT 1938PALÄSTINAÜBERLEBT wurde 1920 in Konstanz geboren. Nach dem Tod des Vaters kam „Isi“ mit seiner Mutter und den Brüdern Max (* 1914) und Eugen (* 1918) 1930 nach Singen. 1938 erhielt er eine Ausreiseerlaubnis nach Palästina. Der Stolperstein wurde 2010 verlegt. 120px HIER LERNTEHEINZ HEILBRONNJG. 1920FLUCHT 1938SCHWEIZ Der Stolperstein wurde 2010 verlegt. 120px HIER WOHNTEMAX PORZIGJG. 1879VERHAFTET 22.8.1944AKTION 'GITTER'KZ NATZWEILER DACHAUKZ ALACHÜBERLEBT Alemannenstraße 65 (* 30. März 1879; † November 1948) Max Porzig kam als Sohn des Schlossers Bruno Porzig und dessen Frau Marie, geborene Kunath, im sächsischen Döbeln zur Welt und erlernte den Beruf des Buchdruckers. Nach seinen Wanderjahren kam Porzig nach Süddeutschland, unter anderem nach Heidelberg und Mannheim. In erster Ehe heiratete Max Porzig Liesel Häfner († Ende der 1920er Jahre). 1920 wurde er Redaktuer beim Volkswillen und gründete die Sozialistische Arbeiter-Jugend. In den 1920er Jahren leitete er die „Naturfreunde-Jugend Hegau“ und war mit an der Planung des Markelfinger Naturfreundehauses betiligt. 1933 wurde Max Porzig erstmals von den Nazis verhaftet und verhört. Drei Jahre später heiratete er Sonja Muffler, mit der er in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung in der Singener Alemannenstraße 65 zog. 1944, nach dem Attentat auf Adolf Hitler wurden Porzig sowie fünfzehn weitere Singener verhaftet und in das KZ Natzweiler-Struthof gebracht. Von dort kam Porzig in das Dachauer Außenlager Allach bei München und im Winter 1944/45 – von Verhören, Prügeln, Haftbedingungen und den Transporten schwer gezeichnet – zurück nach Singen. Dort verstarb er im November 1948 an den Folgen eines Magenleidens. Max Porzig zu Ehren wurde die „Max-Porzig-Straße“ im Singener Norden benannt. Der Stolperstein wurde 2010 verlegt. 120px HIER WOHNTEMAXIMILIAN SEEBACHERJG. 1907IM WIDERSTAND/SPDVERHAFTET 1943WEHRKRAFTZERSETZUNG GEFÄNGNIS ULMKAMPFMITTEL-RÄUMDIENSTTOT 29.7.1944 Am Posthalterwäldle 55 (* 24. Januar 1907 in Singen; † 1944 in Biberach) An einer Magenkrankheit leidend, konnte Maximilian Seebacher nur leichte Arbeiten beim Aluminiumwerk und dann bei Maggi ausführen. Im September 1943 wurde er aufgrund kritischer Äußerungen verhaftet und wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt: „Seine Äußerungen hätten nicht nur die Zeugen in ihrem Vertrauen auf den deutschen Endsieg erschüttert, sondern auf weitere Personen durch das Weitertratschen zersetzend einwirken können.“ Bis Juli 1944 saß Max Seebacher im Singener, dann im Ulmer Gefängnis. Hier wurde er einem Bombenräumungskommando zugeordnet, das in Biberach während der Entschärfung eines Blindgängers bei der Explosion desselben ums Leben kam. Am 3. August 1944 wurde Seebacher in der Nähe Biberachs beerdigt. Der Stolperstein wurde am 20. Februar 2018 verlegt. 120px HIER WOHNTEADOLF BIEDERMANNJG. 1933FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT Audifaxstraße 3 (* 19. September 1933) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEERICH BIEDERMANNJG. 1928FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 22 Oktober 1928) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEGRETEL BIEDERMANNGEB. LÖWYJG. 1904FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 29. Januar 1904 in Zürich als Gretel Löwy) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEHEINZ BIEDERMANNJG. 1926FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 24. April 1926 in Randegg) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEJOSEF BIEDERMANNJG. 1895FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 18. Dezember 1895), als Reisender für eine Berner Uhrmacherei tätig, und die in Zürich geborenen Gretel wohnten mit den drei Söhnen Heinz, Kurt und Erich in Randegg. 1931 zogen sie nach Singen um. Mit dem vierten Sohn, Adolf, und Tochter Klara zog die Familie in eine städtische Wohnung in der Audifaxstraße 3. Die Zeichen der Zeit richtig einschätzend und aufgrund von immer stärkeren Anfeindungen emigrierte die Familie 1936 nach Paraguay. Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEKLARA BIEDERMANNJG. 1934FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 2. Dezember 1934 in Singen) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER WOHNTEKURT BIEDERMANNJG. 1927FLUCHT 1936PARAGUAYÜBERLEBT (* 19. Juli 1927) Der Stolperstein wurde am 10. März 2013 verlegt. 120px HIER LEBTEJULIUS WÖHRLEJG. 1911IM WIDERSTANDDENUNZIERTVERHAFTET 1940GEFÄNGNIS MANNHEIMGEFÄNGNIS LUDWIGSBURG1940 BÖRGERMOOR ENTLASSEN 1942 August-Ruf-Straße 9 wurde am 5. Februar 1911 im elsässischen Neudorf geboren. Über Meßkirch kam er mit seiner Familie 1929 nach Singen. Hier erlernte er im elterlichen Betrieb den Beruf eines Maß- und Reparatur-Schuhmachers; 1939 bestand er die Prüfung zum Orthopädischen Maß- und Reparatur-Schuhmachermeister. Anfang Februar 1940 wurde Julius Wöhrle von der Gestapo verhaftet und am 7. Juni vom Sondergericht Mannheim wegen Rundfunkverbrechens zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Zeit verbrachte er im Ludwigsburger Zuchthaus, in der Strafanstalt Lingen, im KZ Börgermoor im Emsland sowie im Strafgefangenenlager „Elbregulierung Griebo“ bei Coswig. Nach Wöhrles Entlassung Anfang März 1943 erfolgte nur zweieinhalb Wochen später seine Einberufung zum Wehrdienst nach Braunsberg in Ostpreußen, dreieinhalb Jahre später kam Wöhrle aus Krieg und Gefangenschaft zurück nach Singen. Er starb am 18. April 2000.Roswitha Besnecker: Julius Wöhrle, anlässlich der Stolpersteinverlegung am 31. Januar 2015. Abgerufen auf stolpersteine-singen.de Der Stolperstein wurde am 31. Januar 2015 verlegt. 120pxHIER WOHNTEWILHELMGUGGENHEIMJG. 1885FLUCHT 1934 SPANIEN1937 FRANKREICHDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 19.12.1942 Bahnhofstraße 17 Der Stolperstein wurde am 13. Juni 2024 verlegt. 120pxHIER WOHNTEJETTE 'JETTCHEN'GUGGENHEIMGEB. GOLDSCHMIDTJG. 1892FLUCHT 1934 SPANIEN1937 FRANKREICHDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 19.09.1942 , „Jettchen“ Der Stolperstein wurde am 13. Juni 2024 verlegt. 120pxHIER WOHNTEHANS HARTWIGGUGGENHEIMJG. 1922FLUCHT 1934 SPANIEN1937 FRANKREICH1943 SCHWEIZ Der Stolperstein wurde am 13. Juni 2024 verlegt. 120px HIER WOHNTEJOHANNA SCHWARZGEB. MICHELJG. 1872DEPORTIERT 1940GURSERMORDET 24.4.1943 Stadtteil Bohlingen,Bohlinger Dorfstraße 32 Der Stolperstein wurde am 14. Juli 2011 verlegt. 120pxHIER WOHNTEMAX NEUSTÄDTERJG. 1922FLUCHT 1934FRANKREICHVERSTECKT ÜBERLEBT Burgstraße 3 Der Stolperstein wurde am 13. Juni 2024 verlegt. 120pxHIER WOHNTEHEINRICH WEBERJG. 1885SPD.NATURFREUND1944 VERHAFTUNGSWELLENACH ATTENTATNATZWEILER/ALACHMAUTHAUSENERMORDET 25.09.1944 Byk-Gulden-Straße 10 wurde am 11. September 1885 in Freiburg im Breisgau geboren. Er war Heizer und Maschinist bei Georg Fischer. Vor 1933 gehörte er zu jenem Personenkreis, der im Umfeld der Arbeiterbewegung umfassend, das heißt, in vielen Bereichen und auf vielen Ebenen tätig war. Weber wurde im August 1944 im Rahmen der Aktion „Gitter“, die auf das misslungene Attentat vom 20. Juli 1944 folgte, verhaftet. Mit rund 30 weiteren Personen aus Singen wurde er zunächst in das elsässische KZ Natzweiler-Struthof verschleppt. Aufgrund des schnellen Vorrückens der Alliierten an der Westfront wurden die Häftlinge nach Dachau, von da ins Außenlager Allach und von da in das KZ Mauthausen (im Volksmund „Mordhausen“) bei Linz verlegt. Hier starb Heinrich Weber am 25. September 1944; seine Urne wurde im Dezember 1944 in Singen beigesetzt. des Heinrich Weber bei www.stolpersteine-singen.de