Die Badische Landesbibliothek (BLB) ist eine große wissenschaftliche Universalbibliothek mit Sitz in Karlsruhe. Zusammen mit der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) in Stuttgart ist sie die Regionalbibliothek für Baden-Württemberg, wobei die BLB speziell für die Regierungsbezirke Freiburg und Karlsruhe zuständig ist. Zusammen mit der WLB nimmt sie das Pflichtexemplarrecht für Baden-Württemberg wahr und ist damit auch Archivbibliothek.

Ihr Bestand beläuft sich auf ca. 3 Millionen Medien aus allen Fachgebieten (Stand: 2025), darunter auch ein umfangreiches Angebot digitaler Medien. In ihren Sammlungen verfügt sie über einen großen Bestand an mittelalterlichen Handschriften, Musikalien, Autographen, Nachlässen, Inkunabeln, alten Drucken und historischen Karten. Zudem beherbergt die Badische Landesbibliothek auch moderne Sammlungen, insbesondere zur Regionalgeschichte und zu allen Themen rund um Baden-Württemberg und das Oberrheingebiet. Zu den zentralen regionalen Aufgaben der Badischen Landesbibliothek gehört die Sammlung, Erschließung und Bereitstellung der Publikationen aus und über Baden.

Profil Die Badische Landesbibliothek ist eine für jedermann zugängliche Institution der Informationsinfrastruktur für die Bildung und Wissenschaft in Baden-Württemberg. Als nichtselbstständige Anstalt des öffentlichen Rechts untersteht sie der Dienst- und Fachaufsicht des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Die Badische Landesbibliothek gewährleistet die Informationsversorgung für die Bibliotheksbenutzer und stellt dabei ihre Bestände und Dienstleistungen regional und überregional zur Verfügung. Mit ihrer Arbeit unterstützt die Badische Landesbibliothek Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Behörden, Organisationen und Wirtschaftsunternehmen der Region und bietet mit 500 Arbeitsplätzen für verschiedene Arbeits- und Lernbedürfnisse in verschiedenen Bereichen des Gebäudes als Lehr- und Lernzentrum eine vielgenutzte Lernumgebung. Mit der Lernwerkstatt verfügt die BLB seit 2023 über eine flexibel möblierte Lernlandschaft und bietet in diesem Rahmen ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit externen Kooperationspartnern an.

Hervorgegangen ist die Badische Landesbibliothek aus der Büchersammlung der badischen Markgrafen und Großherzöge. Sie besitzt einen umfangreichen Bestand an Handschriften, Musikalien, Autographen und Nachlässen, Inkunabeln, alten Drucken und historischen Karten. Mit der Pflege dieser Sammlungen trägt sie zur Erhaltung der kulturellen Überlieferung der Region bei. Sie hält dieses europäische Kulturerbe durch aktive Vermittlung im öffentlichen Bewusstsein und stellt es der interessierten Öffentlichkeit weltweit in ihren Digitalen Sammlungen über das Internet zur Verfügung.

Zu den wichtigsten regionalen Aufgaben der Badischen Landesbibliothek gehören sowohl die wissenschaftliche Literaturversorgung der badischen Bevölkerung als auch die Sammlung, Erschließung und Bereitstellung von Publikationen aus und über Baden, die das Land Baden-Württemberg als wichtigen Teil seiner kulturellen Überlieferung langfristig erhalten will. Dabei dokumentiert die Badische Landesbibliothek mit ihrem auf das Pflichtexemplargesetz gestützten Sammelauftrag und ihrem auf Vollständigkeit angelegten Bestand an gedruckten und elektronischen Publikationen aus und über Baden die Entwicklung Badens. Gemeinsam erstellen und veröffentlichen die Badische Landesbibliothek und die Württembergische Landesbibliothek die Landesbibliographie Baden-Württemberg. Ergänzt wird dieser Service durch RegionaliaOpen. In diesem Open-Access-Publikationsserver werden zahlreiche landeskundliche Zeitschriften digital bereitgestellt. Zusätzlich bietet er Autorinnen und Autoren die Möglichkeit ihre landeskundlichen Publikationen digital zu veröffentlichen. Im Baden-Württembergischen Online-Archiv werden darüber hinaus Internetseiten mit Bezug auf Baden-Württemberg online archiviert.

Neben den bibliothekarischen Aufgaben leistet die Badische Landesbibliothek durch Ausstellungen, Veranstaltungen, Seminare und Mitwirkung in Bildungsprogrammen eine umfangreiche Arbeit als Kultureinrichtung in der Region. Dabei vermittelt die BLB mit ihrem Kulturprogramm ihren umfangreichen Bestand an Handschriften, Musikalien, Autographen und Nachlässen, Inkunabeln, alten Drucken und historischen Karten der Öffentlichkeit.

Mit der Badischen Bibliotheksgesellschaft e. V. fördert ein gemeinnütziger Verein „den Ausbau, die volksbildnerischen Aufgaben und die wissenschaftlichen Zwecke der Badischen Landesbibliothek“, u. a. mit der finanziellen Unterstützung bei Ankäufen von wertvollen Handschriften und Drucken.

Geschichte mini|Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek, Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz, 1875

Die rund 500-jährige Geschichte der Badischen Landesbibliothek ist eng mit der Geschichte der Markgrafen und Großherzöge von Baden und der Kulturgeschichte am Oberrhein verbunden. Wie viele andere deutsche Landesbibliotheken geht auch die Badische Landesbibliothek auf eine adelige Büchersammlung zurück, die von den Markgrafen von Baden angelegt und kontinuierlich erweitert wurde. Mit den verschiedenen Residenzen der Landesherren wechselten die Bücher mehrfach ihren Aufbewahrungsort, bis sie im neu errichteten Schloss in Karlsruhe 1765 zusammengeführt wurden. In einem für Bibliothekszwecke entworfenen Neubau am Friedrichsplatz war die Büchersammlung seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich und ging schließlich mit dem Ende der Monarchie in staatliche Hände über. Heute ist die Badische Landesbibliothek eine Einrichtung des Bundeslandes Baden-Württemberg.

Chronik ab 1500

mini|Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden, Durlach 1, 1488Die Badische Landesbibliothek geht auf die Büchersammlung des Markgrafen Christoph I. von Baden (1453–1527) zurück, die er um das Jahr 1500 in seiner damaligen Residenz in Pforzheim anlegte. Ein exaktes Gründungsdatum lässt sich nicht benennen. Sein vermutlich um 1490 in Paris entstandenes GebetbuchStundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden - Durlach 1 Digitalisat der BLB, abgerufen am 12. Januar 2018. gilt heute als das älteste Zeugnis markgräflichen Buchbesitzes. Der aus Pforzheim gebürtige Humanist Johannes Reuchlin (1455–1522) vermachte seine bedeutende Gelehrtenbibliothek mit seltenen hebräischen und griechischen Handschriften dem Chorherrenstift in Pforzheim. Seit 1523 war sie zusammen mit der Büchersammlung der badischen Markgrafen in der Stifts- und Schlosskirche St. Michael in Pforzheim aufgestellt.

Mit der 1535 vollzogenen Teilung der badischen Herrschaft wurden auch die Bücher zwischen Pforzheim und Baden-Baden aufgeteilt. Da Markgraf Karl II. (1529–1577) seine Residenz 1565 von Pforzheim nach Durlach verlegte, fanden seine Bücher in der dortigen Karlsburg einen neuen Aufbewahrungsort. Als in den folgenden Jahrhunderten das Oberrheingebiet zum Schauplatz von Kriegen wurde, mussten beide Büchersammlungen mehrmals außerhalb des Landes in Sicherheit gebracht werden. Viele Werke der ehemals markgräflichen Sammlung gingen hauptsächlich im 17. Jahrhundert durch Kriegseinwirkungen oder durch Auslagerungen nach Straßburg, Basel und andere Orte verloren. Trotzdem blieben hervorragende Zeugnisse der Buchkunst daraus erhalten. Ein Teil der Bücher fiel 1689 der Zerstörung Durlachs zum Opfer.

Mit der Errichtung der Schlösser in Karlsruhe und in Rastatt entstanden neue Bibliotheksquartiere. Die ehemals Durlacher Bücher wurden in einem 1765 vollendeten Nebengebäude des Karlsruher Schlosses aufgestellt, und die ehemals Baden-Badener Bücher zogen in das Rastatter Schloss. Die bernhardische Linie starb kurz nach der Überführung der Bibliothek von Baden-Baden nach Rastatt um 1767 aus und fiel somit an die ernestinische Linie zurück. Als Baden 1771 wiedervereinigt wurde, konnten auch die Büchersammlungen in Karlsruhe zusammengeführt werden. Der gemeinsame Bestand wurde damals auf 20.000 Bände geschätzt.

Aus dem Jahr 1771 stammt die erste, von Markgraf Karl Friedrich (1728–1811) erlassene Benutzungsordnung der markgräflichen Bibliothek. Diese erlaubt den Gebrauch der Bibliothek all jenen, „die sich dem Studium der Wissenschaften und der schönen Künste widmen“.

Säkularisation 1803 Vermehrte schon der Rastatter Bestand von rund 8.000 Bänden die Hofbibliothek umfangreich, so brachte die Säkularisation einen weiteren großen Zuwachs an Handschriften und wertvollen Drucken.

Als die badischen Klöster und die geistlichen Territorien nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 aufgehoben wurden, erhielt die Hofbibliothek das Recht auf eine erste Auswahl aus den Klosterbibliotheken. Die Übernahme des säkularisierten Buchbesitzes aus fast 30 Bibliotheken zog sich bis 1822 hin. Den bereits vorhandenen Fundus an mittelalterlichen Handschriften markgräflicher Provenienz bereicherten die Codices aus klösterlichem Besitz ganz erheblich. Da diese wertvollen Bücher während des Zweiten Weltkrieges rechtzeitig an verschiedene Orte ausgelagert wurden, überstanden sie die Zerstörung der Badischen Landesbibliothek unbeschadet.

Für die ehemalige Hofbibliothek stellte dieser Neuzugang zunächst jedoch ein Platzproblem dar, so dass der Staat einen Bibliotheksneubau errichten musste. Als die Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek 1873 in das Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz einzog, besaß sie 122.486 Bände. Fortan entwickelte sie sich unter der Leitung von Wilhelm Brambach und seinen Nachfolgern zu einer modernen Gebrauchsbibliothek mit einer zeitgemäßen Verwaltung und verlängerten Öffnungszeiten für ein breites Publikum. 

Um ihr Buchangebot allen Einwohnern Badens zugänglich zu machen, veröffentlichte die Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe 1876 einen gedruckten Katalog ihrer Bestände, dem sie von 1886 bis 1930 jährlich gedruckte Zugangsverzeichnisse folgen ließ. So hatten auch interessierte Nutzer außerhalb der Stadt Karlsruhe Einblick in den Bestand. 1891 wurde mit der Veröffentlichung gedruckter Handschriftenkataloge begonnen.

Mit dem Thronverzicht des letzten Großherzogs Friedrich II. von Baden 1918 erfolgte die Umbenennung von Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Badische Landesbibliothek.

Zerstörung der Bibliothek 1942 mini|Die Badische Landesbibliothek nach der Bombardierung vom 2. auf den 3. September 1942 Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges hatte sich der Buchbestand in der Badischen Landesbibliothek trotz der wirtschaftlich schlechten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg nahezu verdreifacht. Anders als die Handschriften, Inkunabeln und einzelne weitere Zimelien wurden die Drucke während des Zweiten Weltkrieges jedoch nicht ausgelagert, da die Bibliothek ihren Nutzern weiterhin zur Verfügung stehen sollte.

Bei einem schweren Luftangriff auf Karlsruhe in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1942 wurde auch das Bibliotheksgebäude bombardiert. Die Bibliothek brannte völlig aus und verlor nahezu ihren gesamten Bestand an Druckschriften, damals 367.000 Bände – darunter 6.000 Bände Drucke des 16. Jahrhunderts, 40 Bände Atlanten des 16. bis 18. Jahrhunderts, 2.000 Landkarten des 16. bis 18. Jahrhunderts, 204 Blatt alter Ansichten, 4.000 Bände historischer Musikalien, dabei auch die vom Badischen Staatstheater abgegebenen Aufführungsmaterialien und Textbücher, sowie etwa 1.000 Bände mit buchgeschichtlich oder künstlerisch wertvollen Einbänden aus großherzoglichem oder klösterlichem Besitz. 

Nur 1.274 Druckschriftenbände wurden nach der Brandnacht als noch vorhanden gezählt. Anhand alter Stempel, Einbände, Exlibris und sonstiger Kriterien konnte aber ermittelt werden, dass sich im heutigen Bestand etwa 3.000 bis 3.200 Titel (ohne Inkunabeln und Landkarten) befinden, die schon vor der Zerstörung zum Bestand gehörten. Etwa 2.700 dieser Titel entfallen auf die Zeit vor 1900, darunter alte Drucke von großenteils beträchtlichem Wert.