Heinrich Johann Eichler (* 29. September 1876 in Bardenfleth; † 30. Juni 1932 in Oldenburg (Oldb)) war ein deutscher Politiker (NSDAP). Von 1931 bis 1932 war er kurzzeitig Präsident des Oldenburgischen Landtags.
Leben Eichler wurde als Sohn eines Grenzaufsehers in Bardenfleth geboren. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er zunächst als Kassengehilfe bei der Amtskasse und im Grundbuchamt der Stadt Oldenburg und rückte 1899 in die Hauptkassenverwaltung auf. In den zwanziger Jahren trat er zweimal als Kandidat für den Oldenburgischen Stadtrat an: im November 1924 für die Nationalsozialistische Freiheitspartei und drei Jahre später als Mitglied der NSDAP-Ortsgruppe Oldenburg, der Eichler seit ihrer Gründung am 6. April 1925 angehörte (Mitgliedsnummer 10.530).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/7801676 Nach der Neugründung galt Eichlers Privatanschrift vorübergehend als Anschrift der Partei. Beide Kandidaturen scheiterten, Erfolg brachte erst der dritte Anlauf am 9. November 1930. Als Ratsherr wirkte er dann in verschiedenen Sportausschüssen der Stadt. 1928 bis 1932 war er Abgeordneter des Oldenburgischen Landtags.
Als ergebener Gefolgsmann des Gauleiters Carl Röver stand Eichler nicht im Mittelpunkt der Landtagsdebatten, sondern widmete sich der Parteiarbeit als Gaukassenwart der NSDAP für den Gau Weser-Ems. Seine Kandidatur für das Amt des Landtagspräsidenten, die wahrscheinlich einer plötzlichen Eingebung Rövers entsprang, und seine Wahl noch am selben Tag, dem 10. Juni 1931 überraschten selbst die eigenen Parteigenossen. Eine schwere Krankheit zwang ihn schließlich dazu, sein Mandat vorzeitig im Juni 1932 an Georg Joel abzugeben.
Umbenennung von Straßennamen Seit 1933 bestand an der Grenze zwischen den Gemeinden Wardenburg und Hatten eine nach Heinrich Eichler benannte Straße. In Jever wurde 1935 ebenfalls eine Straße nach Eichler benannt. Während die Stadt Jever die Straße bereits 1945 in „Danziger Straße“ umbenannte, hielten Wardenburg und Hatten an der Bezeichnung fest.
In den 2020er Jahren wurde in Wardenburg eine öffentliche Debatte über die Biografie des Nationalsozialisten Eichler geführt. Daraufhin gab die Gemeinde eine wissenschaftliche Untersuchung bei der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Auftrag. Eine Umbenennung des Eichlerwegs erwies sich aufgrund der Lage der Straße auf dem Gebiet der beiden Gemeinden als organisatorisch aufwendig, war jedoch grundsätzlich möglich. Nach der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse im Jahr 2023 bat der Gemeinderat Wardenburg die Nachbargemeinde Hatten, eine Umbenennung ebenfalls zu unterstützen. Beide Gemeinden beschlossen daraufhin die Uminterpretierung. Seit 2023 ist die ehemalige Straße dem gleichnamigen sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Willi Eichler gewidmet.
Literatur Eichler, Heinrich. In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 172–173 (online).
Einzelnachweise
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