Nickel ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ni und der Ordnungszahl 28. Es zählt zu den Übergangsmetallen, im Periodensystem steht es nach der älteren Zählweise in der 8. Nebengruppe oder Eisen-Platin-Gruppe, nach der neueren in der Gruppe 10 oder Nickelgruppe.

Es ist ein silbriges, duktiles, ferromagnetisches Metall mit einem messingartigen Schimmer. Es ist bereits seit 1751 bekannt. Das Metall hat viele Anwendungen, hauptsächlich wird es für Legierungen genutzt. Es ist unter anderem ein wichtiger Bestandteil von Edelstahl. Nickel ist auch für seine Verwendung als Münzmetall bekannt, in den Vereinigten Staaten und Kanada werden die 5-Cent-Münzen schlicht „Nickel“ genannt. Auch wird Nickel in einigen Akkumulatoren verwendet.

Der weltweit größte Produzent von Nickel ist Indonesien. Das meiste Nickel wird aus Mineralen wie Pentlandit, Millerit und Nickelin gewonnen, das Metall kommt nur selten gediegen vor.

Geschichte mini|links|Kupfernickel-Münze aus Baktrien Nickelhaltige Legierungen wurden schon seit dem Altertum verwendet. In Gerzeh (Ägypten) wurden Objekte aus nickelhaltigem Meteoreisen gefunden, die etwa 3200 v. Chr. hergestellt wurden. Es wird geschätzt, dass das Ausgangsmaterial 6–9 % Nickel enthielt.Thilo Rehren, T. Belgya, Albert Jambon, György Káli, Zsolt Kasztovszky, Zoltán Kis, Imre Kovács, Boglárka Maróti, Marcos Martinón‐Torres, Gianluca Miniaci, Vincent C. Pigott, Miljana Radivojević, L. Rosta, László Szentmiklósi, Zoltán Szõkefalvi‐Nagy: 5,000 years old Egyptian iron beads made from hammered meteoritic iron. In: Journal of Archaeological Science. 2013, Band 40, Nummer 12, S. 4785–4792 . Einige Bronzen aus Syrien, Sumer und der Indus-Kultur enthalten Nickelgehalte von über einem Prozent. Nickelhaltige Bronzen wurden vor allem in Objekten gefunden, bei denen Härte und Festigkeit wichtig war, dies deutet auf eine bewusste Verwendung des Elementes hin.C. F. Cheng, C. M. Schwitter: Nickel in Ancient Bronzes. In: American Journal of Archaeology. 1957, Band 61, Nummer 4, S. 351–365 .George Rapp: Archaeomineralogy. 2. Auflage. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-78593-4, S. 164. Kupfer-Nickel-Legierungen mit Nickelgehalten von >10 % sind in der Späten Bronzezeit aus Ḫattuša bekannt. Sie wurden wahrscheinlich durch Schmelzen von Chalkopyrit, der mit Pentlandit vergesellschaftet ist, hergestellt und für Schmuckstücke wie Nadeln, Anhänger oder Siegel verwendet.David A. Scott, Roland Schwab: Metallography in Archaeology and Art. Springer, 2019, ISBN 978-3-030-11265-3, S. 155–158.Joseph W. Lehner, Andreas Schachner: The Organization of Metal Production at Hattuša: A First Assessment. In: Çiğdem Maner, Mara T. Horowitz, Allan S. Gilbert (Hrsg.): Overturning Certainties in Near Eastern Archaeology. Brill, 2017, ISBN 978-90-04-35357-2, S. 412. Aus dem Griechisch-Baktrischen und Indo-Griechischen Königreich im 2. Jahrhundert vor Christus sind Münzen der Könige Euthydemos II., Agathokles und Pantaleon bekannt, die aus Kupfernickel mit einem Nickelgehalt von bis zu 20 % bestehen.

Nachweisbar absichtlich mit Nickel legiertes Kupfer wurde erstmals in China hergestellt. Es handelte sich um eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, die Baitong oder Paktong („weißes Kupfer“, im Westen auch „weiße Bronze“ und „Nickel-Silber“) genannt wurde und heutzutage als Neusilber bekannt ist. Die Herstellung erfolgte wahrscheinlich dadurch, dass ein Gemisch von Pentlandit und Kupfererzen mehrfach geröstet wurde und das entstandene Kupfernickel dann mit Zink legiert wurde. Wann Paktong erstmals hergestellt wurde, ist nicht bekannt, erste Hinweise darauf gibt es aus dem vierten Jahrhundert.Jianjun Mei: The history, metallurgy and spread of Paktong. In: Bulletin of the Metals Museum. Band 24, 1995, S. 43–55 (online bei researchgate.net). Während der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) wurde Paktong in größeren Mengen für Haushaltsgegenstände wie Schüsseln oder Teller verwendet. Ab dem späten 17. Jahrhundert wurde Paktong aus China auch nach Europa exportiert und dort für dekorative Gegenstände wie Kerzenständer oder Kaminroste verwendet. Die genaue Zusammensetzung der Legierung blieb in Europe jedoch lange unbekannt.Chao Huang: Metallurgical knowledge transfer from Asia to Europe. In: Artefact. 2018, Band 8, S. 89–110, . Im Dschābir ibn Hayyān, einem auch als Johannes Geber bekannten Alchemisten des 8. Jahrhunderts, zugeschriebenen Werk, ist Harsini, eine dem Paktong ähnliche Legierung aus Kupfer und Nickel erwähnt, als Bestandteil eines Rezepts zur Herstellung des Steins der Weisen genannt.Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 35–36.

Im Jahr 1751 untersuchte Axel Frederic Cronstedt ein Erz, wahrscheinlich Nickelin (Kupfernickel), und entdeckte darin ein unbekanntes Metall. Er stellte zunächst das Oxid her und reduzierte es mit Kohle zum Metall.Axel Frederic Cronstedt: Rön och försök gjorde med en malm-art, från Los kobolt-grufvor i Färila socken och Hälsingeland. In: Kongliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band 7, 1751, S. 287–292.Discoverer of Nickel: Axel Fredrick Cronstedt. In: Nature. 1965, Band 208, Nummer 5007, S. 229 . Drei Jahre später benannte er das neue Metall nach dem Erz Kupfernickel als Nickel.Axel Frederic Cronstedt: Fortsättning af rön och försök, Gjorde Med en Malm-art från Los Kobolt Grufvor. In: Kongliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band 15, 1754, S. 38–45.Paweł Miśkowiec: Name game: the naming history of the chemical elements—part 1—from antiquity till the end of 18th century. In: Foundations of Chemistry. 2022, Band 25, Nummer 1, S. 29–51, .F.B. Howard - White: Nickel - An historic Review. 1. Auflage, Routledge, 1963, ISBN 978-103-2-63883-6, S. 23–35. 1775 bestätigte Torbern Bergman die Entdeckung Cronstedts und stellte deutlich reineres Nickel her. Zudem konnte 1776 Gustaf von Engeström die Zusammensetzung des chinesischen Paktong als Nickellegierung bestimmen. Viele physikalische Eigenschaften von Nickel wurden 1804 von Jeremias Benjamin Richter ermittelt.Jeremias Benjamin Richter: Beyträge zur Chemie der Metalle - Ueber das absolut reine Nickel, ein edles Metall, die Darstellung und besondere Eigenschaften desselben. In: Neues allgemeines Journal der Chemie. Band 3, Heft 3, S. 244–261 (online).

Der Name Kupfernickel entwickelte sich im 17. Jahrhundert im Erzgebirge und wurde 1694 erstmals von Urban Hjärne schriftlich verwendet. Er leitet sich möglicherweise von einer Bezeichnung für böse Geister oder einem anderen Namen des Teufels ab, die im Englischen noch als „Old Nick“ existiert. Dies beruht wahrscheinlich darauf, dass die Bergleute ähnlich wie beim Cobalt glaubten, dass böse Geister das wertvolle Silber durch ein wertloses Metall ersetzt haben und die arsenhaltigen Erze beim Abbau auch noch Gesundheitsschäden verursachten.

Metallisches Nickel hatte lange Zeit keine große wirtschaftliche Bedeutung, bis in den 1870er Jahren die Verwendung von Nickel in Stählen entdeckt wurde und Theodor Fleitmann schmiedbares Nickel entwickelte. 1885 wurde der erste nickelhaltige Panzerstahl hergestellt und bald darauf für die Panzerung von Kriegsschiffen eingesetzt. Die anfangs wichtigsten Lagerstätten, in denen Nickelerze abgebaut wurden, lagen auf Neukaledonien und im Sudbury-Becken in Kanada.D. G. E. Kerfoot: Nickel. In: Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry. 7. Auflage, Vol. 24, 2012, S. 37–38, .

Vorkommen mini|links|Pentlandit Nickel ist auf der Erde mit einem Anteil von 1,7 bis 1,9 % das fünfthäufigste Element.William L. Griffin, Mathieu Chassé: Nickel. In: William White (Hrsg.): Encyclopedia of Geochemistry. Springer, 2018, ISBN 978-3-319-39311-7, S. 980–983. Allerdings ist sein Anteil an der kontinentalen Erdkruste nur gering und beträgt nur etwa 84 ppm. Dies liegt daran, dass Nickel ein stark siderophiles (eisenliebendes) Element ist und daher bei der Entstehung der Erde große Mengen Nickel in den Erdkern gelangt ist, sein Gehalt wird auf etwa 5 % geschätzt. Auch der Erdmantel ist reich an Nickel, dementsprechend enthält besonders Olivin häufig viel Nickel, es kann hier auf Grund des ähnlichen Ionenradius Magnesium ersetzen. Da Nickel zudem chalkophil (schwefelliebend) ist, können sich in ultramafische Lavaschmelzen Nickelsulfide bilden, von denen Pentlandit das Wichtigste ist. zudem ist eine hydrothermale Bildung von Pentlandit möglich.Sebastian Staude, Manuel Scharrer, Gregor Markl, Isaac Simon, Katharina Pfaff, Thomas Monecke, Philippe Blanc: Hydrothermal Pentlandite (Ni,Fe)9S8 from Kambalda, Western Australia: Occurrences, Formation Conditions, and Association with Orogenic Gold. In: The Canadian Journal of Mineralogy and Petrology. Band 61, Nr. 2, 2023, S. 239–271, .

In Lateriten können durch Verwitterung höhere Konzentrationen an Nickel entstehen als in den Ausgangsgesteinen. Je nach Ausgangsgestein entstehen oxidische Erze wie nickelhaltiger Goethit, wasserhaltige Silikaterze wie Garnierit oder Népouit oder Ton-Silikatvorkommen wie nickelhaltiger Smektit. Nickel-Laterit-Erze enthalten über 1 % Nickel.C. R. M. Butt, M. Elias, A. Kadarusman, N. W. Brand: Nickel-Cobalt Laterite Deposits. In: Rob J. Bowell, Charles R. M. Butt (Hrsg.): Geology, Geochemistry and Formation of Supergene Mineral Deposits in Deeply Weathered Terrain. Springer, 2025, ISBN 978-3-031-75732-7. Nickellateriterze entstehen in humidem Klima mit Regenmengen von über 1000 mm jährlich und warmen Temperaturen. Zudem begünstigen ein flaches Relief und hoher Grundwasserspiegel die Bildung von lateritischen Nickelerzen. Dadurch bleibt das Nickel häufig am Ort zurück und es akkumuliert sich nur wenig. Die Lateritvorkommen bilden sich sowohl dadurch, dass aus den Ausgangsgesteinen leichter lösliche Elemente wie Magnesium gelöst werden als auch dadurch, dass Nickel ausgelaugt wird und in tieferen Schichten etwa von Goethit adsorbiert wird und sich anreichert.

Es ist eine Vielzahl von Nickelmineralen bekannt, wovon die häufigsten Sulfide oder Arsenide sind. Neben dem häufigsten, dem Pentlandit (Ni,Fe)9S8, zählen hierzu Millerit NiS, Gersdorffit NiAsS und Nickelin NiAs. Auch vom Nickelarsenat Annabergit Ni3[AsO4]2·8H2O sind diverse Fundorte bekannt. Außer in verschiedenen Verbindungen kommt Nickel gediegen sowie in einigen Legierungen wie Garutiit (Ni,Fe,Ir) und Awaruit FeNi3 vor. Insgesamt sind 2025 182 verschiedene Nickelminerale anerkannt.The mineralogy of Nickel. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. Oktober 2025.

In der Natur reichert sich Nickel im Saft sogenannter Nickelbäume an. Dieser Baumsaft kann bis zu einem Viertel aus Nickel bestehen.