Fritz Beckmann (* 1. Mai 1867 als Simon Tuchmann in Berlin; † 29. April 1933 ebenda) war ein deutscher Schauspieler bei Theater und Film sowie ein Bühnenregisseur.

Leben und Wirken Der geborene Simon Tuchmann war ein Sohn des jüdischen Schuhmachermeisters Süßkind Tuchmann und dessen Frau Friedericke, geb. Chrzelitz.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Juden- und Dissidentenregister Berlin, Nr. 253/1867 (online bei FamilySearch, anmeldepflichtig). Nachdem er zunächst einen kaufmännischen Beruf erlernt hatte, legte er sich seinen Künstlernamen Fritz Beckmann zu und ist seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Theaterschauspieler nachweisbar, vor allem an Bühnen seiner Heimatstadt Berlin. In den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sah man ihn u. a. am Lustspielhaus und an den Folies Caprice. Zu dieser Zeit hatte Beckmann auch seine allerersten Erfahrungen vor der Kamera gesammelt. Dennoch blieben zunächst die Bühnen der deutschen Hauptstadt seine wichtigsten Wirkungsstätten und er gehörte u. a. den Ensembles des Metropol-, Thalia- und Residenztheaters an.

Bei Kriegsende 1918 konzentrierte er sich intensiv auf die Filmarbeit und wirkte die gesamte Weimarer Republik in einer beträchtlichen Reihe von (filmhistorisch allerdings gänzlich bedeutungslosen) Unterhaltungsproduktionen mit. Beckmann füllte die gesamte Palette von Nebenrollencharakteren aus: So war er mal ein Impresario (in Brutal), ein Geldverleiher (in Die Tragödie der Manja Orsan) oder ein Teppichhändler (in Indische Nächte), mal ein Buchmacher (in Va banque), ein Amtsdiener (in Niemand weiß es), ein Seidenhändler (in Die Verschwörung zu Genua) oder ein Lokführer (in Die Beichte einer Gefallenen). Auch als Polizist, naher Verwandter oder Wirt wurde Beckmann immer wieder eingesetzt. In späteren Jahren wurden Beckmanns Filmcharaktere gravitätischer und ranghöher: Man sah ihn nun als Segelschiffskapitän, als Minister und immer wieder als Direktor einer Bühneninstitution: Theater (Der Gang durch die Hölle, Gern hab’ ich die Frauen geküßt), Varieté (Der Tanz um Liebe und Glück) und Revue (Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht).

Zeitgleich reduzierte Fritz Beckmann seine Bühnenpräsenz, doch kehrte er mit Anbruch der Tonfilmzeit auch wieder verstärkt zum Theater zurück. Nach seiner Verpflichtung an die Komische Oper (bis 1931), an die ihn Martin Zickel, einer seiner früheren Arbeitgeber aus der Kaiserzeit, geholt hatte, trat Fritz Beckmann die letzten beiden Spielzeiten in die Leitung des Theaters an der Behrenstraße ein und wirkte dort sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur.

Beckmann, der seinen bürgerlichen Vornamen Simon zum germanisch klingenderen Siegbert abgewandelt hatte, war von 1894 bis zu seinem Tod mit Charlotte Auguste Hillert verheiratet.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin VI, Nr. 1092/1894 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). Er starb wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und dem für ihn als Juden damit verbundenen Verlust seiner Stellungen im Jüdischen Krankenhaus Berlin.Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin XIII a, Nr. 532/1933 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).

Filmografie 1907: Fest der Handwerker (zweiteiliger Kurzfilm) 1918: Der Stolz der Familie 1919: Die Prostitution, 1. Teil: Das gelbe Haus 1919: Die Tragödie der Manja Orsan 1919: Das Mädchen aus dem wilden Westen 1919: Indische Nächte 1919: Ut mine stromtid 1919: Madeleine 1919: Alles verkehrt 1920: Das Mädchen aus der Ackerstraße. 1. Teil 1920: Brutal 1920: Va banque 1920: Die Tragödie eines Großen 1920: Die Schreckensnacht auf Schloß Drachenegg 1920: Der Schieberkönig 1920: Maria Magdalene 1920: Der siebente Tag 1920: Whitechapel. Eine Kette von Perlen und Abenteuern 1920: Niemand weiß es 1920: Die Verschleierte 1920: Der schwarze Gast 1920: Die Nacht und der Leichnam 1920: Die rote Hexe 1921: Lepain, der König der Verbrecher 1921: Die Verschwörung zu Genua 1921: Aus den Akten einer anständigen Frau 1921: Planetenschieber 1921: Haschisch, das Paradies der Hölle 1921: Die rätselhafte Zwölf 1921: Tobias Buntschuh 1921: Der Tanz um Liebe und Glück 1921: Das Erbe der van Diemen 1921: Unrecht Gut 1921: Der Fall Gembalsky 1921: Die Insel der Verschollenen 1921: Zu Hilfe! 1921: Der Held eines Tages 1921: Die Gebieterin von St. Tropez 1921: Die Beichte einer Gefallenen 1921: Der Gang durch die Hölle 1921: Die im Schatten gehen 1921: Der Herr aus dem Zuchthaus 1921: Mensch – verpump deinen Frack nicht 1921: Kaschemmenadel 1921: Schattenpflanzen der Großstadt 1921: Die Diamantenkonkurrenz 1921: Die Elixiere des Teufels 1922: Der Gaukler von Paris 1922: Die schwarze Paula 1922: Der einzige Zeuge 1922: Bigamie 1922: Lola Montez, die Tänzerin des Königs 1922: Der große Wurf 1924: Das Spiel mit dem Schicksal 1925: Das alte Ballhaus (2 Teile) 1925: Das Recht muß siegen 1925: Der Schrei nach Glück 1925: Des Lebens Würfelspiel 1926: Schatz, mach’ Kasse 1926: Gern hab’ ich die Frauen geküßt 1926: Der Stolz der Kompagnie 1926: Das rosa Pantöffelchen 1926: In der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn! 1926: An der Weser 1927: Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht 1927: Elternlos 1928: Moral 1928: Mann gegen Mann 1929: Besondere Kennzeichen 1929: Drei Tage auf Leben und Tod 1929: Der Zigeunerprimas 1930: Der Liebesmarkt 1931: Der Stumme von Portici (Kurzfilm) 1931: Kabarett-Programm Nr. 1 (Kurzfilm) 1931: Der Hauptmann von Köpenick 1932: Aus einer kleinen Residenz 1932: Der weiße Dämon 1932: Im Bann des Eulenspiegels

Literatur Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch. Jahrgang 45, Berlin 1934, S. 107 (kurzer Nachruf).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Pseudonym Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben 1933 Kategorie:Mann