Rolf Zehetbauer (* 13. Februar 1929 in München; † 23. Januar 2022) war ein deutscher Filmarchitekt. Besondere Anerkennung in Form eines Oscars fand seine Arbeit für Cabaret, auch zum U-Boot-Drama Das Boot und anderen Filmen trug er bei.
Leben Zehetbauer absolvierte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Bau-Praktikum und stieß 1947 als Ausstattungsassistent zur Münchner Bavaria Film. 1949 wurde er Mitarbeiter des dortigen Chefarchitekten Ernst H. Albrecht. Bereits 1951 begann er mit den Arbeiten als eigenverantwortlicher Szenenbildner und stieg bis 1963 zum Chefbühnenbildner des Studios auf. 1965 war er Hauptverantwortlicher für die Kulissen der Fernsehreihe Raumpatrouille. Zusammen mit Werner Achmann und Herbert Strabel bildete er zeitweise ein überaus erfolgreiches Architektenteam, das an deutschen wie internationalen Produktionen (vor allem für die in den Bavaria-Studios gedrehten US-Filmen) arbeitete. Sein berühmtester Film war Cabaret von Bob Fosse, für den er einen Oscar erhielt. Zehetbauer war außerdem verantwortlich für die deutschen Großproduktionen von Wolfgang Petersen und hatte mit seinen Ausstattungen für Das Boot und Die unendliche Geschichte großen Anteil am Welterfolg des deutschen Regisseurs. Für Joseph Vilsmaiers Romanverfilmung Schlafes Bruder errichtete er ein komplettes Bergdorf aus dem frühen 19. Jahrhundert, und für Vilsmaiers nächstes Hauptwerk Comedian Harmonists ließ er – wie schon für Cabaret – das Berlin der späten 1920er und frühen 1930er Jahre entstehen.
Rolf Zehetbauer war 2003 eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie. Auch außerhalb der Filmbranche machte er sich einen Namen. Die Ausstellungsräume des 1995 eröffneten Deutschen Museums Bonn wurden von ihm gestaltet, ebenso die Mövenpick-Restaurants in Berlin. 2004 wurde er mit der Neugestaltung des Hacker-Festzelts auf dem Oktoberfest beauftragt.
Am 23. Januar 2022 ist Zehetbauer verstorben.Oscar-Preisträger Rolf Zehetbauer ist gestorben in Süddeutsche Zeitung vom 30. Januar 2022
Filmografie (Auswahl) 1949: Ich mach dich glücklich 1950: 0 Uhr 15 Zimmer 9 1950: Die fidele Tankstelle 1952: Alle kann ich nicht heiraten 1952: Der eingebildete Kranke 1953: Damenwahl 1954: Canaris 1955: Du mein stilles Tal 1955: Alibi 1956: Vor Sonnenuntergang 1956: Liebe 1956: Kitty und die große Welt 1956: Das Bad auf der Tenne 1957: Königin Luise 1957: Auf Wiedersehen, Franziska! 1958: Scampolo 1958: Nachts, wenn der Teufel kam 1958: Der Maulkorb 1958: Ist Mama nicht fabelhaft? 1959: Menschen im Hotel 1960: Das kunstseidene Mädchen 1960: An heiligen Wassern 1961: Vertauschtes Leben 1961: Freddy und der Millionär 1962: Max, der Taschendieb 1962: Der Vogelhändler 1962: Er kann’s nicht lassen 1962: Bekenntnisse eines möblierten Herrn 1963: Meine Tochter und ich 1963: Ein Mann im schönsten Alter 1964: Das hab ich von Papa gelernt 1965: Lage hoffnungslos – aber nicht ernst (Situation Hopeless… But Not Serious) 1966: Um null Uhr schnappt die Falle zu 1966: Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion (Fernsehreihe) 1967: Der Diamantenprinz (Jack of Diamonds) 1967: Die Schlangengrube und das Pendel 1968: Tragödie auf der Jagd 1970: The Last Escape 1970: Wie ein Träne im Ozean (Fernsehdreiteiler) 1972: Cabaret 1972: König, Dame, Bube 1972: Der Schrei der schwarzen Wölfe 1973: Oh Jonathan – oh Jonathan! 1974: Die Akte Odessa 1977: Des Teufels Advokat 1977: Das Ultimatum 1977: Das Schlangenei 1978: Despair – Eine Reise ins Licht 1978: Die Schlemmer-Orgie 1980: Aus dem Leben der Marionetten 1980: Der Ringer (The American Success Company) 1981: Lili Marleen 1981: Das Boot 1982: Mit dem Wind nach Westen (Night Crossing) 1982: Das As der Asse 1982: Die Sehnsucht der Veronika Voss 1982: Doktor Faustus 1982: Querelle 1983: Die wilden Fünfziger 1984: Die unendliche Geschichte 1985: Enemy Mine – Geliebter Feind 1988: Ödipussi 1991: Erfolg 1994: Die unendliche Geschichte 3 – Rettung aus Phantásien 1995: Schlafes Bruder 1997: Comedian Harmonists 1999: Manila 2000: Otto – Der Katastrofenfilm 2003: Luther 2003: Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino
Ehrungen und Auszeichnungen 1958: Filmband in Gold zusammen mit Gottfried Will für Nachts, wenn der Teufel kam 1973: Oscar zusammen mit Hans Jürgen Kiebach und Herbert Strabel für Cabaret 1973: Britischer Filmpreis für Cabaret 1978: Filmband in Gold für Despair – Eine Reise ins Licht 1984: Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz 1. Klasse) 1985: Filmband in Gold für Die unendliche Geschichte 1998: Filmband in Gold für Comedian Harmonists 2004: Bayerischer Filmpreis für das Produktions-Design für Luther 2004: Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Gold 2007: Goldene Kamera für „Das Boot“
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T–Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3.
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Einzelnachweise
Kategorie:Szenenbildner Kategorie:Oscarpreisträger Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann