mini|Schloss Werneck, Gesamtanlage Das Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck ist ein psychiatrisches Fachkrankenhaus im Schloss Werneck, in Werneck im Landkreis Schweinfurt.

Geschichte Der Bayerische Landtag hatte eine möglichst flächendeckende stationärepsychiatrische Versorgung beschlossen. König Max II. von Bayern stellte Schloss Werneck für 155.000 Gulden zur Errichtung einer Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zur Verfügung.Michael von Cranach, Hans-Ludwig Siemen (Hrsg.): Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71451-7, S. 35–36 (). Sie wurde 1855 eröffnet. Ihr erster Direktor war Bernhard von Gudden; ihm folgte Max Hubrich (1837–1886), der wie von Gudden zu den Unterzeichnern eines die Regierungsunfähigkeit des bayerischen Königs bestätigenden Gutachtens gehörte.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 347, 829. Um 1900 hatte die Einrichtung etwa 800 Betten.

Unter den Nationalsozialisten wurden 227 Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Werneck zwangssterilisiert. Vom 3. bis 6. Oktober 1940 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Werneck auf Anordnung des Würzburger Gauleiters Otto Hellmuth im Rahmen der Aktion T4 geräumt. Dabei wurden 777 Patienten verlegt – die Zielangabe „Unbek. Anst.“ bedeutete jeweils die Ermordung des Patienten: in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr, in die „Zwischenanstalten“ Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz, Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf, Landes-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart, in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein.

1957 wurde die Klinik wieder als solche in Betrieb genommen.

Der Oberarzt Thomas Schmelter, der seit 1985 in der Klinik tätig ist, beschäftigt sich seit 1990 mit der Geschichte des Hauses im Dritten Reich. 2015 entdeckte man 600 Meldebögen im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden wieder, die Schmelter bei der Rekonstruktion der Patienten-Schicksale weiterhalfen.

Ein Mahnmal, von Julian Walter gestaltet, wurde am 24. November 1996 der Öffentlichkeit übergeben.

Einrichtung Das Krankenhaus hat heute 290 Betten. Der Funktionsbereich Akutpsychiatrie umfasst insgesamt 7 Stationen.

Siehe auch Liste von Psychiatrien in Bayern

Literatur Mathias Lutz: Die Geschichte der Psychiatrie seit 1850. Die Anstalt in Werneck. Grin Verlag, München 2014, ISBN 978-3-656-57433-0. Thomas Schmelter: Nationalsozialistische Psychiatrie in Bayern. Die Räumung der Heil- und Pflegeanstalten. (= DWV-Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus. Band 1). Deutscher Wissenschaftsverlag, Bergtheim bei Würzburg 1999, ISBN 3-9806424-3-7, S. 60–89. Thomas Schmelter: Die Heil- und Pflegeanstalt Werneck während der Zeit des Nationalsozialismus. Werneck 2005, . Michael von Cranach, Hans-Ludwig Siemen (Hrsg.): Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71451-7, S. 35–54 ().

Weblinks Offizielle Website des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck. In: Kliniken.de

Einzelnachweise

Kategorie:Psychiatrische Klinik in Bayern Kategorie:Werneck Kategorie:Unternehmen (Landkreis Schweinfurt) Kategorie:Unternehmensgründung 1855