In der Liste der Stolpersteine in Sassnitz werden jene Gedenksteine aufgeführt, die im Rahmen des Projektes Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig auf dem Gebiet der Stadt Sassnitz verlegt wurden.
Verlegungen In Sassnitz fanden in den Jahren 2007, 2008 und 2010 an sieben Stellen Stolpersteinverlegungen statt. Zunächst waren am 17. September 2007 an fünf Standorten insgesamt 14 Steine eingelassen worden, am 11. Juli 2008 folgten zwei weitere und am 22. August 2010 der bisher letzte.
In den Folgejahren kam es wiederholt zu Schändungen in Form von mutwilligen Beschädigungen oder dem Herausbrechen der Stolpersteine. So im Dezember 2012, als fünf Steine entwendet und ein weiterer an der Strandpromenade beschädigt wurde,Sassnitz: Stolpersteine aus Straßenpflaster gebrochen. In: Hamburger Abendblatt, 5. Dezember 2012; abgerufen am 19. August 2017. sowie am 27. Juni 2014, als die neun an der Weddingstraße eingelassenen Steine herausgebrochen wurden.Unbekannte stehlen Stolpersteine auf Rügen. Neun Erinnerungsmarken für von den Nazis ermordete jüdische Mitbürger sind in Sassnitz verschwunden. Ostsee-Zeitung, 28. Juni 2014; abgerufen am 19. August 2017.„Stolpersteine“ in Sassnitz gestohlen: Staatschutz ermittelt Focus Online, 28. Juni 2014; abgerufen am 19. August 2017. Die fünf im Dezember 2012 entfernten Steine, darunter drei an der Mittelstraße, konnten nach einer Spendenaktion am 1. September 2013 erneut verlegt werden.Erneut Stolpersteine in Sassnitz gestohlen. Gedenksteine erinnerten an Häftlinge der Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück. Ostsee-Zeitung, 30. Juni 2014; abgerufen am 19. August 2017. Am 31. März 2015 war es, ebenfalls nach einer vorausgehenden Spendenaktion, möglich, die neun 2014 entfernten Stolpersteine neu zu setzen.Neue Stolpersteine in Rügens Hafenstadt verlegt. Nach einem Diebstahl ersetzte Künstler Gunter Demnig in Sassnitz neun Symbole der Mahnung und Erinnerung. Ostsee-Zeitung, 31. März 2015; abgerufen am 19. August 2017. Im Dezember 2016 konnte ein weiterer Diebstahl von drei Stolpersteinen vereitelt werden.Sassnitz: Diebstahl eines Stolpersteins vereitelt. svz.de, 12. Dezember 2016; abgerufen am 19. August 2017.
Verlegte Stolpersteine Adresse NameInschrift VerlegedatumBildInformationen Bergstraße 6 120px () Hier wohnte Anna Maria Wittschekowski Jg. 1918 eingewiesen 25.9.1944 'Heilanstalt’ Ueckermünde ermordet 27.9.1944 120px Anna Maria Charlotte Wittschekowski, geborene Ladwig, wurde am 22. März 1918 in Anklam geboren. Ihr Vater war Kahnschiffer. Sie lernte den Beruf Hauswirtschafterin und heiratete am 28. November 1939 in Sassnitz Walter Wittschekowski, mit dem sie drei Kinder hatte. Im September 1944 wurde sie wegen Aussagen zum NS-Staat denunziert und am 16. September 1944 inhaftiert. Sie wurde anschließend in die „Provinzial-Irrenanstalt Ueckermünde“ gebracht. Am 25. September 1944 starb Anna-Maria Wittschekowski in der Anstalt. Als Todesursache ist vermerkt: „Plötzlicher Tod infolge Kreislaufkollaps bei fieberhafter Erkrankung.“Stadt Sassnitz, Dokumentationszentrum Prora (Hrsg.): Der Weg der Stolpersteine. Ein historischer Rundgang durch die Stadt Sassnitz. Mittelstraße 5 120px 120px () Hier wohnte Charlotte Schimmelpfennig Jg. 1897 verhaftet Nov. 1938 'Hilfe für Verfolgte' deportiert befreit / überlebt 120px Charlotte Schimmelpfennig, geb. Heydemann, wurde am 12. April 1897 geboren. Ihr Vater, Wilhelm Heydemann, war zeitweise Bürgermeister von Sassnitz. Schimmelpfennig hatte zwei Kinder. Sie war Eigentümerin der von ihrem Vater erbauten Villa Aegir. Schimmelpfennig nahm viele Zwangsarbeiter bei sich auf und pflegte sie; zu ihnen gehörte auch Stanislaw Bielecki (1907–?). Auch verhalf sie sowjetischen Kriegsgefangenen zur Flucht nach Schweden. Sie nahm auch die jüdische Familie Lemo auf. Nach der Reichspogromnacht wurde sie durch die Straßen der Stadt getrieben und in „Schutzhaft“ genommen. Charlotte Schimmelpfennig starb 1971 in Sassnitz.Stolpersteinverlegung für den ehemaligen polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Bielecki auf proradok.de; abgerufen am 13. Januar 2022. Hier wohnte Lazar Lemo Jg.? misshandelt von SA 'Schutzhaft’ 1938 ??? 120px Lazar Lemo stammte aus Berlin; im Mai 1932 waren er und sein Bruder Abram Gesellschafter des Kreidewerks Markmann & Co. in Sassnitz. Er war verheiratet und hatte einen Sohn. Die Familie Lemo wurde von Charlotte Schimmelpfennig (1897–1971) aufgenommen. Nach der Reichspogromnacht wurde Lemo durch die Straßen der Stadt getrieben, in „Schutzhaft“ genommen und nach Stralsund gebracht. Hier verlieren sich die Spuren.Zeitungsartikel „Zum Gedenken: Rosen und ein Stolperstein“, Kopie online auf proradok.de, abgerufen am 13. Januar 2022 Hier lebte Stanislaw Bielecki Jg. 1907 Zwangsarbeit misshandelt tot an Folgen 120px Stanislaw Bielecki wurde im Jahr 1907 in einem Vorort von Jaroslaw geboren. Der verheiratete, kinderlose Schneider gelangte nach dem deutschen Angriff auf Polen als verschleppter Zwangsarbeiter auf Rügen, wo er beim Eisenbahnbau zu Erdarbeiten eingesetzt wurde. Charlotte Schimmelpfennig nahm den gesundheitlich angeschlagenen auf und pflegte ihn. Als er bei der Arbeit zusammenbrach und nachfolgend auf der örtlichen Polizeiwache misshandelt worden war, versuchte er zu fliehen. An den erneuten Misshandlungen nach seiner Festnahme starb er. Sassnitz Weddingstraße 12 120px 120px () Außenlager des KZ Ravensbrück Aussenlager des KZ Ravensbrück bis 3.5.1945 hier inhaftiert ‘verurteilt’ zu Zwangsarbeit 120px Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die im Außenlager Sassnitz des KZ Ravensbrück inhaftiert waren, wo sie Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Angehörigen der Zeugen Jehovas wurden in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Das Außenlager in Sassnitz bestand vom Frühjahr 1945 bis zum Kriegsende im Mai 1945; in einer 20 Quadratmeter großen Baracke waren überwiegend Anhänger der Zeugen Jehovas eingesperrt, die Zwangsarbeiten als Handwerker für das Forschungsinstitut der „Reichs-Arbeits-Gemeinschaft für Verwertung der Meeresalgen für Volksgesundheit und gegen Mangelkrankheiten“ verrichteten. Nach Kriegsende und Befreiung blieben sie noch bis Mitte/Ende Juni 1945 in Sassnitz.www.hagalil.com, „Das andere Rügen“, 5. August 2015, abgerufen am 13. Januar 2022www.inselreport.de, „Bunker in Saßnitz gibt Rätsel auf“, 26. Mai 2020, abgerufen am 13. Januar 2022 Die neun am 17. September 2007 verlegten Steine wurden am 27. Juni 2014 gewaltsam herausgebrochen. Nach einer Spendenaktion wurden am 31. März 2015 neue Stolpersteine eingesetzt. Gijsbertus J. van den Eijkhoff Jg. 1914 Zeuge Jehovas verhaftet 1942 überlebt 120px Gijsbertus Johannes van den Eijkhoff stammte aus den Niederlanden, er wurde im Jahr 1914 geboren. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande wurde er 1941 inhaftiert. Im März 1945 kam er in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Während seiner Haftzeit wurde er schwer misshandelt. Gustav Först Jg. 1890 Zeuge Jehovas verhaftet 1936 überlebt 120px Gustav Först wurde am 7. Juni 1890 in Wuppertal geboren. Er war Bandwirker und arbeitete in Wuppertal in einer Wäschezeichen-Weberei. Nach der Verbreitung eines Flugblattes, auf dem im September 1936 die Verfolgung der Zeugen Jehovas im NS-Staat angeprangert wurde, kam er am 29. Dezember 1936 in Haft; ein Sondergericht verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis. Nach Verbüßung dieser Gefängnisstrafe wurde er im März 1938 von der Gestapo in das KZ Buchenwald gebracht. Am 4. Oktober 1943 wurde er von dort in das KZ Ravensbrück verlegt. Am 31. März 1945 kam er in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Während seiner Haftzeit wurde er schwer misshandelt. Kurt Richter Jg. 1896 Zeuge Jehovas verhaftet 1936 überlebt 120px Kurt Richter wurde am 8. Februar 1896 in Plaue geboren. Er war ab 1937 in den KZ Buchenwald, KZ Wewelsburg und KZ Ravensbrück inhaftiert. Im März 1945 kam er in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Oswin Hilbert Jg. 1900 Zeuge Jehovas verhaftet 1936 überlebt 120px Oswin Hilbert wurde im Jahr 1900 in Brünlos geboren. Er war verheiratet mit Ella (geboren 1900) und hatte drei Kinder: Johann, Heinz und Johanna. Als Zeuge Jehovas wurde er erstmals im Jahr 1933 für drei Monate verhaftet. Im Jahr 1936 verurteilte ihn ein Sondergericht zu eineinhalb Jahren Gefängnis in Bautzen. Von dort kam er in die KZ Buchenwald, KZ Wewelsburg und KZ Ravensbrück (1943). Im März 1945 kam er in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Paul Müller Jg. 1900 Zeuge Jehovas verhaftet 1937 überlebt 120px Paul Müller wurde am 5. März 1900 in Johanngeorgenstadt geboren. Er war von Beruf Gärtner, war verheiratet und lebte in Rodewisch. Am 23. April 1937 wegen Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas verhaftet, wurde er von einem Sondergericht zu einem Jahr Gefängnishaft verurteilt. Im Sommer 1943 wurde er erneut verhaftet und ins KZ Buchenwald, von dort ins KZ Ravensbrück gebracht. Im März 1945 kam er in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Reinhold Wilczek Jg. 1905 Zeuge Jehovas verhaftet 1935 überlebt 120px Reinhold Wilczek wurde 1905 geboren. Der Bergmann war kein getaufter Zeuge Jehovas, für diese aber missionarisch aktiv; er wurde denunziert und 1934 und zu einem halben Jahr Haft verurteilt. Nach der Haft wurde er in Schutzhaft genommen und kam in die KZ Lichtenburg, KZ Buchenwald, KZ Wewelsburg und KZ Ravensbrück, zuletzt in das Außenlager Sassnitz, wo er bis Kriegsende Zwangsarbeit leistete. Reinhold Wilczek war verheiratet und hatte Kinder. Er starb kurz nach Kriegsende bei einem Unfall. Richard Hensel Jg. 1899 Zeuge Jehovas verhaftet 1936 überlebt 120px Richard Hensel, geboren 1899, war Zeuge Jehovas. Er arbeitete von 1925 bis Ende April 1935 im Zweigbüro der Zeugen Jehovas und der Druckerei der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft in Magdeburg. Am 11. August 1935 wurde er wegen seiner Tätigkeit als Zeuge