mini|hochkant=1.2|Ortsansicht Ihlow ()Eintrag „Gmejna Jiłow“ in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Sie gehört zum Amt Dahme/Mark, das seinen Verwaltungssitz in der Stadt Dahme/Mark hat.
Geografie Der Ort liegt im Niederen Fläming in etwa 35 Kilometer Straßenentfernung südöstlich der Kreisstadt Luckenwalde. Er grenzt im Westen an die Gemeinde Niederer Fläming. Nördlich liegt der Ortsteil Illmersdorf, südlich Mehlsdorf. Im Südosten befindet sich mit dem Niendorfer Holz ein ausgedehntes Waldgebiet. Die übrigen Flächen werden vorzugsweise landwirtschaftlich genutzt; die südlich gelegenen Flächen werden dabei über den Ihlower Graben in das Schweinitzer Fließ entwässert. Die Wohnbebauung liegt auf einer Höhe von rund bis 89 Metern.Ihlow, Brandenburgviewer, abgerufen am 15. Februar 2026.
Gemeindegliederung Ihlow gliedert sich in die Ortsteile Bollensdorf Ihlow ()Eintrag „Jiłow“ in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de Illmersdorf Mehlsdorf ()Eintrag „Maliń“ in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de mit dem bewohnten Gemeindeteil Karlsdorf Niendorf Rietdorf
und den bewohnten Gemeindeteil Karlsdorf.
Geschichte Etymologie Der Ort wurde erstmals im Jahr 1205 urkundlich als super ville Ilow erwähnt. Der Name leitet sich aus dem slawischen ab und bedeutet so viel wie „Ort mit schlammigen, schmierigem Lehmboden“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 80 ISBN 3-937233-17-2.. Die Bezeichnung wandelte sich zu in villa Ylowe im Jahr 1221Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 209. und de villa quoque Ylowe im Jahr 1225. Im Jahr 1312 trat ein Theodericus de Ylaw (auch Ilow) in Mittenwalde in Erscheinung. Aus dem Jahr 1388 existiert die Bezeichnung ylow, die sich 1534 zu ylla und 1579 zu Ihlow/Jilowe gewandelt hatte. In den Jahren 1595/1596 trat die Bezeichnung Eyla auf, im Jahr 1817 Iglo, Ihlow, Ihlo.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 210.
Besitzgeschichte Das Dorf mit allem Recht und Kirchenpatronat gehörte von 1205/1210 bis vor 1368 dem Kloster Zinna und war von vor 1368 bis 1388 im Besitz der Herrschaft Dahme. Danach kam es bis 1405 in den unmittelbaren Besitz des Erzbischofs, der es von 1390 bis 1405 erneut an die Herrschaft Dahme verlehnte. Anschließend war Ihlow von 1405 bis 1872 im Eigentum des Amtes Dahme. In diesen Jahrhunderten existierten insgesamt bis zu 16 weitere Anteile, die nach und nach an den Landesherren bzw. das Amt fielen.
13. bis 16. Jahrhundert Nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes (villa) erschien es erneut im Jahr 1221 mit einer Größe von 50 Hufen. Im Jahr 1354 wurde von einem Kirchdorf berichtet, 1368 und 1388 erneut nur von einem Dorf. Es bestand im Jahr 1551 aus 17 Hufnern und 11 Kossäten und 1562 aus 28 Hauswirten.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 212. Der Pfarrer verfügte über zwei Hufen Landbesitz.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 214.
17. Jahrhundert Um 1600 gab es im Dorf nach wie vor 28 Hauswirte. Für 1609 wurden genannt: der Schulze, 16 Ackerleute und elf Kossäten. Die Gemarkung war 50 Hufen groß. Eine Statistik aus dem Jahr 1638 führte 17 Bauern und neun Gärtnerhöfe auf, von denen zwei wüst lagen. Im Jahr 1646 waren nur noch neun Bauern- und zwei Gärtnerhöfe besetzt; eine unmittelbare Folge des Dreißigjährigen Krieges, der auch in Ihlow zu Verwüstungen führte. Nach den Kriegszerstörungen wurde die Kirche neu errichtet; sie betreute zeitweise auch die Einwohner des benachbarten Mehlsdorf. Von 1635 bis 1815 gehörte der Ort zum sächsischen Amt Dahme, dann zum Landkreis Jüterbog-Luckenwalde in der preußischen Provinz Brandenburg.
18. Jahrhundert Eine detaillierte Statistik aus dem Jahr 1713 dokumentiert die Sozial- und Wirtschaftsstruktur des Dorfes. Für 1746 wurden der Lehnschulze mit drei Hufen, 16 Bauern und elf Kossäten genannt. Neben der Landwirtschaft prägten eine Windmühle, ein Müller, eine Schmiede sowie seit 1768 ein Branntweinbrenner das Wirtschaftsleben. Im Jahr 1777 lebten 29 angesessene Einwohner im Dorf, darunter 17 Hufner, elf Kossäten und ein Häusler. Zudem bestanden das Pfarrhaus, das Schulhaus, das Hirtenhaus sowie zwei Windmühlen.
19. Jahrhundert Im Jahr 1819 gab es im Dorf zwei Getreidewindmühlen, 28 Webstühle, einen Krug, einen Schankwirt sowie zwei Brennereien. Ihlow bestand 1837 aus dem Dorf mit zwei Windmühlen und 32 Wohnhäusern. Im Jahr 1858 gab es drei öffentliche Gebäude, 37 Wohn- und 100 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Sägemühle und eine Getreidemühle. Die Gemarkung umfasste 3560 Morgen und wurde überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzt. 1875 wurde das Dorf fast vollständig durch ein Feuer verwüstet.
20. und 21. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende standen auf 930,6 Hektar Fläche insgesamt 57 Häuser. Ihlow wurde 1931 Landgemeinde mit einer Fläche von 930,5 Hektar, auf der 65 Wohnhäuser mit 79 Haushaltungen standen. Eine Statistik aus dem Jahr 1939 führte 14 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe zwischen 20 und 100 Hektar auf.
1952 wurde Ihlow dem Kreis Jüterbog im DDR-Bezirk Potsdam zugeordnet. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden mehrere Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften unterschiedlichen Typs, die später schrittweise zusammengeführt wurden. Im Jahr 1983 gab es in Ihlow die LPG Hohenseefeld mit Sitz in Illmersdorf und Milchviehanlage sowie eine Zentrale Einrichtung der Waldwirtschaft.
Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Am 31. Dezember 2001 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bollensdorf, Illmersdorf, Mehlsdorf, Niendorf und Rietdorf nach Ihlow eingemeindet.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. StBA
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 314 1890 378 1910 344 1925 328 1933 318 1939 291 Jahr Einwohner 1946 422 1950 422 1964 277 1971 267 1981 215 1985 233 Jahr Einwohner 1990 219 1995 224 2000 212 2005 813 2010 773 2015 705 Jahr Einwohner 2020 646 2021 636 2022 662 2023 648 2024 630 2025 633
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Teltow-Fläming. S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Ihlow besteht aus acht Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 80,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Einzelbewerber Christopher Elsner 16,2 % 1 Einzelbewerber Thomas Krause 13,5 % 1 Einzelbewerber Sebastian Schulze 12,7 % 1 Einzelbewerber René Knuppe 11,4 % 1 Einzelbewerber Torsten Krüger 11,4 % 1 Einzelbewerberin Alexandra Schirrmeister 10,1 % 1 CDU 9,1 % 1 Einzelbewerber Thomas Hertel 8,0 % 1 Einzelbewerberin Susanne Herzog 5,6 % – FDP 1,3 % –
Bürgermeister 1998–2003: Rosemarie Schliebner 2003–2019: Werner SchröderKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 33 seit 2019: Frank Schüler
Schüler wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidaten mit 92,9 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren zum ehrenamtlichen BürgermeisterBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 wurde er erneut ohne Gegenkandidaten mit 88,2 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Ihlow am 9. Juni 2024
Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Ihlow (Fläming)
Bauwerke Dorfkirche Bollensdorf, entstand in den Jahren 1946 bis 1953. Am 1. Advent 2008 wurde das 55-jährige Bestehen der Kirche gefeiert. 2007/2008 wurde die Kirche in Eigeninitiative der Bürger, durch Spenden und mithilfe der Arbeit mehrerer Unternehmen restauriert. Die Lausitzer Rundschau bezeichnete diese Initiative der Bewohner von Bollensdorf als „Wunder von Bollensdorf“. Die Kirchenausstattung ist bauzeitlich. Dorfkirche Ihlow, die einzige Kirche im Fläming, die einen zweispitzigen Kirchturm aufweist. Die Legende besagt, dass der Teufel durch die Kirche geritten sei und die Kirche seitdem zwei Spitzen hat. Dorfkirche Illmersdorf, entstand im 13. Jahrhundert. Der Kirchenführer des Kirchenkreises Zossen-Fläming weist auf eine als „kurios“ bezeichnete Tatsache hin: Das Wappen und der Familienname passen nicht zueinander. Zu einer früheren Zeit muss die Fünte gebrochen und anschließend instand gesetzt worden sein. Dabei wurden die zerbrochenen Teile um 90 Grad versetzt wieder zusammengefügt.Evangelischer Kirchenkreis Zossen-Fläming Synodaler Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Zwischen Himmel und Erde – Gottes Häuser im Kirchenkreis Zossen-Fläming, Laserline GmbH, Berlin, S. 180, 2019 Dorfkirche Mehlsdorf, Putzbau aus Feld- und Mauerstein aus dem Jahr 1665. Im Innern steht unter anderem ein Kanzelaltar aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dorfkirche in Niendorf, im 18. Jahrhundert auf dem Sockel eines Vorgängerbaus errichtet. 1908 wurde sie von der Kirchengemeinde neobarock überformt. Im Innern befinden sich unter anderem ein Altar sowie eine Kanzel aus dem 18. Jahrhundert. Dorfkirche Rietdorf, Feldsteinkirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Innern steht unter anderem ein Altarretabel aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Slawischer Ringwall rund 2,5 Kilometer südwestlich von Ihlow mit einem Durchmesser zwischen 35 und 40 Metern, einem umlaufenden, zum Teil noch wasserführenden Graben und einer Wallhöhe zwischen 2 und 2,5 Metern.
Naturdenkmale Siehe Liste der Naturdenkmale in Ihlow (Fläming)
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Ihlow liegt an der Bundesstraße 102 zwischen Jüterbog und Dahme/Mark und an der Landesstraße L 713 nach Schönewalde.
Die Haltepunkte Ihlow und Niendorf lagen an der Bahnstrecke Jüterbog–Dahme (Mark), auf der der Personenverkehr 1963 eingestellt wurde.
Durch Ihlow verkehrt die Rufbuslinie 774 Dahme–Werbig. Sie wird durch die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming bedient.
Sport Die Gemeinde wird vom Flaeming-Skate berührt. Es handelt sich dabei um die längste zusammenhängende Strecke für Inlineskater und Radfahrer dieser Art in Europa.
Persönlichkeiten Johann Christian Krackow (1691–1773), Pfarrer in IhlowUlrike Müller-Harang: Kirms-Krackow-Haus: Sechzig Neuerwerbungen des Goethe-Nationalmuseums. Carl Hanser, München 1999. ISBN 978-3-446-19725-1 Immanuel Johann Gerhard Scheller (1735–1803), Altphilologe und Lexikograf, in Ihlow geboren
Literatur
Weblinks
Gemeinde Ihlow beim Amt Dahme/Mark
Einzelnachweise