mini|Graf Friedrich VII. von Toggenburg (historisierende Darstellung) Friedrich VII. von Toggenburg (* um 1370 auf der Burg Solavers bei Grüsch; † am 30. April 1436 auf der Schattenburg in Feldkirch) war als Graf von Toggenburg der letzte Vertreter der Grafschaft Toggenburg. Bekanntheit und besondere Bedeutung erlangte er in seiner insgesamt 49 Jahre währenden Herrschaft – davon 36 als alleiniger Fürst seines Hauses – aufgrund seiner erfolgreichen Territorialpolitik sowie durch das Fehlen eines rechtsgültigen Testaments, was nach seinem Tod und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Herrschaft Toggenburg einer der Auslöser für den Alten Zürichkrieg (1439–1446) war.
Frühes Leben mini|Graf Friedrich VII. von Toggenburg auf dem Sterbebett, 1436. Links im Bild seine Frau Elisabeth. Amtliche Berner Chronik, Diebold Schilling, 1484
Graf Friedrich VII. von Toggenburg wurde um 1370 auf der Burg Solavers bei Grüsch (Gemeindegebiet Seewis) im Prättigau geboren, wo er auch seine Jugendjahre verbrachte. Er war der Sohn des Grafen Diethelm VI. von Toggenburg (* um 1353; † 1385) aus dessen Ehe mit Katharina von Werdenberg-Heiligenberg (* um 1374; † nach 1439), der auch seine Schwester Ita († 1414) entstammte.
Nach dem Tod von Friedrichs Vater Diethelm VI. 1385 übernahm dessen Bruder Donat I. von Toggenburg (* um 1353; † 1400) die Regierungsgeschäfte allein, doch ging die Erbfolge 1387 offiziell an Donats Neffen Friedrich über, da Donat selbst lediglich zwei Töchter hatte.
Im Zuge des Sempacherkriegs (1386–1389) ergriffen die beiden Toggenburger Grafen Partei für die Habsburger, indem sie mit ihnen ein Bündnis eingingen. Der gemeinsame Krieg gegen die Eidgenossen, insbesondere der Krieg gegen die Leute der Talschaft Glarus 1388, endete in einem Desaster: Das von Friedrichs Onkel Donat geführte Ritterheer aus habsburgischen Adligen und Vasallen wurde von den Glarnern in der Schlacht bei Näfels am 9. April 1388 entscheidend geschlagen.Fritz Meili: Texte zur Dorfgeschichte von Untervaz: Die Grafen von Toggenburg S. 84–89 (1970) (PDF). 1389 erfolgte ein siebenjähriger Waffenstillstand, welcher 1394 in einen Friedensvertrag zwischen Herzog Albrecht III. von Habsburg-Österreich und den Eidgenossen auf 20 Jahre mündete.
1391 ehelichte Friedrich VII. Elisabeth von Matsch, wodurch es Friedrich gelang, den langjährigen Konflikt mit den Freiherren von Matsch, deren Machtzentrum im Vinschgau lag, über die Herrschaftsanteile an den beiden Gerichten Schiers und Castels im mittleren Prättigau beizulegen und zu seinen Gunsten zu entscheiden. 1392 gaben die beiden Grafen die 14 Jahre währende Pfandschaft über die Herrschaft Rapperswil an die Herzöge von Habsburg zurück.
1394–1400: Toggenburgische Hausteilung Zwischen Donat und Friedrich VII. wurde 1394 eine Hausteilung vereinbart; dies war in der toggenburgischen Territorialgeschichte ein einzigartiger Vorgang, die Vorgänger vermieden einen solchen Schritt stets. Donat wollte seiner Tochter Kunigunde von Monfort (* um 1387; † 1426), die mit Wilhelm VII. von Montfort († 1422) verheiratet war, einen Teil des toggenburgischen Erbes sichern, da er – zu Recht, wie sich später zeigte – befürchtete, Friedrich würde ihr und ihrem Ehemann nach deren Tod das Erbe streitig machen. Zudem liess er Friedrich eine Erklärung verfassen, die hergebrachten Rechte in den toggenburgischen Besitzungen zu wahren und ging mit den Habsburgern ein Schutz- und Trutzbündnis ein, in der Hoffnung, so die Erbfolge sicherzustellen.Johann Ulrich Meng: Texte zur Dorfgeschichte von Untervaz: Die Grafen von Toggenburg S. 01–15 (1988) (PDF).
Die toggenburgischen Besitzungen wurden folgendermassen geteilt: Donat erhielt die Stammgüter im heutigen Toggenburg sowie die Besitzungen im heutigen Kanton Thurgau, namentlich die Vogtei Tannegg über das Kloster Fischingen, die Burgen Spiegelberg und Griesenberg sowie die Freivogtei Eggen. Es gelang ihm zudem, 1395 die Vogtei über das Kloster (Alt-)St. Johann und die Burg Starkenstein käuflich zu erwerben und so die Besitzungen im heutigen Obertoggenburg abzurunden.
Friedrich VII. erhielt die Grafschaft Uznach, die Obere March, die bündnerischen Gebiete aus der vazischen Erbschaft seines Grossvaters Friedrich V., Wildenburg im Obertoggenburg sowie sämtliche heute im Kanton Zürich liegenden Gebiete, namentlich die Grafschaft Kyburg, die Herrschaft Greifensee und den Hof Erlenbach. Am 20. September 1400 ging Friedrich ein erstes Burgrecht mit der Stadt Zürich einStaatsarchiv des Kantons Zürich: Burgrecht von Graf Friedrich VII. von Toggenburg mit der Stadt Zürich (1400). und verkaufte den Zürchern im gleichen Jahr den Hof Erlenbach.
1400–1402: Regierungsübernahme und Toggenburgisch–Montfortische Fehde Nach Donats Tod im November 1400 ging dessen Erbe planmässig an Wilhelm VII. von Montfort und Friedrichs Cousine Kunigunde, weswegen Wilhelm Ansprüche auf einen Teil des Toggenburgs erhob. Wie von Donat vorausgesehen, focht Friedrich VII. diese an und versuchte durch einen zweijährigen Raub- und Plünderungskrieg die Übergabe des Erbes seines Onkels zu verhindern. Er bestätigte den Untertanen im Toggenburg, denen die montfortische Herrschaft ohnehin ein Dorn im Auge war, ihre umfangreichen Freiheitsrechte, um sie für sich zu gewinnen. Die Herzöge von Habsburg hielten sich in diesem Konflikt zurück, da der Toggenburger als zahlungskräftiger Financier galt und sie diesen anscheinend nicht verprellen wollten.
1402 gelang nach langen Verhandlungen auf Vermittlung des Konstanzer Bischofs Marquard von Randegg durch einen Vergleich die Beilegung des Konflikts. Wilhelm und Kunigunde erhielten die Vogtei Tannegg (die später durch Bischof Albrecht Blarer ausgelöst wurde), die Burgen im Thurgau sowie die Grafschaft Kyburg und wurden mit einer einmaligen Barsumme von 4000 Rheinischen Gulden abgefunden; die restlichen Besitzungen, inklusive der toggenburger Stammlande, verblieben in Friedrichs Besitz.
Die 1369 von den Herren von Landenberg übernommene Pfandschaft der Herrschaft Greifensee, welche seit dem Vergleich mit den Montfortern geographisch isoliert war und Friedrich offenbar auch wenig wichtig erschien, wurde ebenfalls 1402 für 18 Jahre der Stadt Zürich verkauft. Da Friedrich sie nie wieder auslöste, verblieb Greifensee ab 1420 endgültig in zürcherischen Besitz.
1401–1408: Appenzellerkrieg Teil 1: Offizielle Neutralitätswahrung 1405–1406: Friedrich VII. als Militärunternehmer 300px|mini|Die Landeshoheit der Toggenburger bis 1436; die am hellsten gefärbten Gebiete stellen die Erwerbungen unter Friedrich VII. dar
Im Zuge des ab 1401 einsetzenden Appenzeller Kriegs, der eine grosse Unsicherheit im ostschweizerischen Raum, in Vorarlberg, Tirol und im Allgäu auslöste, nahm Friedrich VII. eine recht ambivalente Haltung ein und verfolgte primär seine eigenen Interessen.Bruno Meier: Ein Königshaus aus der Schweiz. 2008. Für 1000 Gulden Sold verdingte er sich nach der Schlacht am Stoss im Juni 1405 bis 1406 als Condottiere in österreichischen Diensten, doch blieb die Grafschaft Toggenburg im Krieg offiziell neutral. Am 1. Juni 1405 erneuerte Friedrich das 1400 geschlossene Burgrecht mit Zürich auf 18 Jahre.Staatsarchiv des Kantons Zürich: Burgrecht von Graf Friedrich VII. von Toggenburg mit der Stadt Zürich (1405).
Trotz seines Engagements für Herzog Friedrich IV. von Tirol führte er die gegnerischen Truppen des von den Appenzellern und St. Gallen am 15. September gegründeten Bundes ob dem See, dem sich neben seinen Toggenburger Untertanen auch die Bürger Feldkirchs anschlossen, im Herbst 1405 zur Belagerung der Feldkircher Schattenburg an. Diese wurde von Heinrich Walter von Ramschwag mit 38 Mann verteidigt. Es gelang, oberhalb der Burg Bliden (schwere Katapulte) aufzustellen, und nach 18 –wöchiger Belagerung und Dauerbeschuss musste von Ramschwag am 29. Januar 1406 kapitulieren. Die Burg wurde niedergebrannt und zwei Jahre später wieder aufgebaut.
1406–1407: 1. Territoriale Expansion: Übernahme der Habsburgischen Pfandschaften Am 8. Mai 1406 sicherte Friedrich die Neutralität seiner Herrschaft durch einen von Zürich vermittelten Friedensvertrag mit dem Bund ob dem See, der am 8. Dezember 1407 (wiederum mit Hilfe Zürichs) bestätigt wurde.Alois Niederstätter Peter Niederhäuser: . Durch seine Politik, die einen Mittelweg zwischen seinen Herrschaftsleuten, den Eidgenossen sowie der Fürstabtei St. Gallen und Österreich darstellte, gelang es ihm, seinen Herrschaftskomplex erheblich zu erweitern. Die ständig in Geldnöten steckenden Herzöge Friedrich IV. und Leopold IV. von Habsburg veräusserten dem bekannten Geldgeber Friedrich am 12. März/12. Mai 1406 die Pfandschaften ihrer sämtlichen umfangreichen Besitzungen um den Walensee. Dies waren namentlich die Herrschaft Windegg, die Grafschaft Sargans, die Herrschaften Nidberg und Freudenberg (Kloster Pfäfers) sowie ihre Besitzungen in Churwalden, wodurch diese österreichischen Pfänder vor der Verwüstung im Krieg bewahrt wurden. Dadurch erhielt Friedrich eine direkte Verbindung mit den vazischen Talschaften in Graubünden und die Grafschaft Toggenburg stellte erstmals ein geschlossenes Herrschaftsgebilde dar. Wirtschaftlich war insbesondere die Grafschaft Sargans mit seinem Eisenbergwerk inklusive Schmelzofen von besonderer Bedeutung; das abgebaute Eisenerz wurde weiter unten im Tal verhüttet. Eine weitere wichtige Einnahmequelle stellten auch die Zölle, Weg- und Brückengelder dar.
1408–1414: Frieden und Bündnisse Nach der Schlacht bei Bregenz und der Auflösung des Bundes ob dem See 1408 endeten die Appenzellerkriege (vorläufig). Am 8. Mai 1410 schloss Friedrich mit den Appenzellern ein Bündnis, einerseits zur Friedenssicherung in der Region, andererseits um seine Forderungen auf die Herrschaften Feldkirch, Rheineck und Rheintal gegen die Herzöge von Österreich durchzusetzen, was vorerst nicht gelang, da diese sich in dieser Zeit gerade wieder im Rheintal festsetzten. Die Appenzeller ihrerseits schlossen 24. November 1411 zur Stärkung ihrer Position einen unbefristeten Schutzvertrag mit den Eidgenössischen Orten (ohne Bern).
Am 28. Mai 1412 ersetzten die Eidgenossen und Habsburg ihren seit 1394 bestehenden 20-jährigen in einen weiteren 50-jährigen Friedensvertrag, wonach sich der Einfluss der Eidgenossen in der Ostschweiz verfestigte; Friedrich VII. ging in der Folge zu den Habsburgern zunehmend auf Distanz.
1414 erwarb Friedrich von den von Rudolf von Werdenberg die Herrschaft Wartau, jedoch gab er diese bereits 15 Jahre später an seinen Schwager Graf Bernhard von Thierstein weiter, der das Burgrecht von Zürich annahm und die Festung Wartau der Stadt zu deren Nutzung übergab.Salomon Hirzel: Züricherische Jahrbücher. Band 2, 1814, S. 227.
1415–1424: Erwerbungen im Zuge der Ächtung von Herzog Friedrich IV. am Konzil von Konstanz 1415 wurde Herzog Friedrich IV. von Österreich aufgrund dessen Parteinahme für den Gegenpapst Johannes XXIII. († 1419), dem er zur Flucht vom Konstanzer Konzil in die Festung Munot in Schaffhausen verhalf, von König Sigismund von Luxemburg geächtet, vom Konstanzer Bischof Otto III. von Hachberg in Bann gesetzt und seines Besitzes für verlustig erklärt. An dem ab 1414 tagenden Konzil, das zu dem Zweck geschaffen war, das Abendländische Schisma zu beenden, nahm auch Friedrich VII. mit seinem Gefolge von 200 Rittern teil, was seine Machtfülle und seinen Reichtum zum Ausdruck bringen sollte. Gegen den Herzog wurde der Reichskrieg erklärt und die Nachbarn der Habsburger – darunter Friedrich VII. sowie auch die Acht Alten Orte der Eidgenossenschaft – wurden in der Folge durch umherstreifende Boten vom König aufgefordert, die Ländereien des Herzogs zu Handen des Reichs zu annektieren.Seiler, Steigmeier: Geschichte des Aargaus. S. 35–37.