Kaspar Stemper, (* um 1555/1557 in Kreuznach; † 1608/1609 in Speyer oder Regensburg) war ein deutscher Jurist, der als Anwalt am Reichskammergericht, als Ratskonsulent und Syndikus der Stadt Regensburg und als pfalz-neuburgischer Rat wirkte.
Leben 200px|mini|Unterschrift „Caspar Stemper Doctor“, Stammbucheintrag Regensburg 1602 Kaspar Stemper wurde in Kreuznach in der Vorderen Grafschaft Sponheim geboren, die als Kondominium ab 1559 zur Kurpfalz und zur Markgrafschaft Baden-Baden gehörte. Der Familienname Stemper ist im Oberamt Kreuznach urkundlich im 15. und 16. Jahrhundert belegt, beispielsweise in Bosenheim,Werner Weber: Die Untertanen in den Ämtern Kreuznach, Kirchberg, Naumburg und Koppenstein der Vorderen Grafschaft Sponheim 1652-1707 nach amtlichen Quellen. Pies, Sprockhövel 2018, passim. Pleitersheim,Vgl. Johannes Mötsch (Bearb.): Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim, 1065–1437, Teil IV 1426–1437 (Regesten Nr. 4240-4875). (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 44). Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1990, S. 258. Frei-LaubersheimWolfgang Zeiler: Das Frei-Laubersheimer Morgenbuch von 1711 (2012/2014). In: www.regionalgeschichte.net oder Volxheim.Vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 125 Kreuznach, Karmeliterkloster, Urkunde 131).
Ausbildung Nach dem Besuch des Reformierten Gymnasiums Kreuznach,Kaspar Stemper: Stauronesus Vangionum illustrata. Augustin Kolbe, Marburg 1577, unpaginiert. das 1567 eröffnet worden war, ist Stemper als Convictor (Tischgänger) oder ExternerIn der Liste der Stipendiaten wird er nicht erwähnt; Rudolf Buttmann (Bearb.): Die Matrikel des Hornbacher Gymnasiums 1559–1630, Teil I. Verzeichnis der Professoren und Stipendiaten. (Programm des Kgl. Humanistischen Gymnasiums Zweibrücken). Kranzbühler, Zweibrücken 1904 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). an der Landesschule für Pfalz-Zweibrücken in Hornbach etwa 1571/72 bis 1575/76 Schüler von Christoph Hilsbach (1516–1576)1565–1576 Rektor in Hornbach, Sohn des Zweibrücker Pfarrers Michael Hilsbach genannt Zimmermann (1482–1570). gewesen.Beitrag von Kaspar Stemper in: Jeremias Homberger: Elegia in obitum Christophori Hilspachii, illustris scholae Hornbachianae rectoris. Augustin Kolbe, Marburg 1577. Die Schule nahm für jeweils vier Jahre begabte Jungen auf, die mindestens 15 Jahre alt waren, eine Lateinschule andernorts besucht hatten und nicht unbedingt aus dem eigenen Herzogtum stammen mussten.Hermann Finger: Altes und Neues aus der dreihundertjährigen Geschichte des Zweibrücker Gymnasiums. Kaußler, Landau 1859, bes. S. 6, 18 und 29f (Google-Books).
1576 immatrikulierte sich „Casparus Stemperus Crucenacensis“ an der Universität Marburg. Stemper verfasste 1577 ein Buch StauronesusZu σταυρός „Kreuz“ und νῆσος „Insel“, begegnet auch bei Johannes Trithemius als Bezeichnung für Kreuznach. VangionumDie Vangionen sollen auf der linken Rheinseite von der Isenach bis an die Nahe gesiedelt haben; vgl. Tacitus, Annalen 12,27; Historien 4,70. illustrata über seine Heimatstadt Kreuznach. Dem verstorbenen Rektor Christoph Hilsbach der Landesschule Hornbach widmete er als seinem Präzeptor (Lehrer) 1577 eine Elegia, die zusammen mit einem Text von Jeremias Homberger gedruckt wurde. Homberger hatte Hilsbach wahrscheinlich kennengelernt, als er selbst kurzzeitig Lehrer in der Pfalz gewesen war.Franz Martin Mayer: Jeremias Homberger. In: Archiv für österreichische Geschichte 74 (1889), S. 203–260, bes. S. 208 Anm. 3. Sein Sohn „Ionas Homberger Bipontinus“ (* um 1555/56; † 1587),1582 Dr. jur. utr. in Heidelberg, 1586 Reichskammergerichts-Advokat, gestorben als Syndikus der Stadt Oppenheim, Grabmal befand sich in der Katharinenkirche. der sich am selben Tag wie Stemper in Marburg immatrikulierte und an dessen Buch über Kreuznach mitwirkte, wurde in Zweibrücken geboren und 1571 als Stipendiat in die Landesschule Hornbach aufgenommen. 1578 und 1580 beteiligte sich Stemper mit neulateinischen Widmungsgedichten an zwei juristischen Publikationen von Abraham Saur (1545–1593) aus Frankenberg, der seit 1575 als Advokat und Prokurator am hessischen Samthofgericht in Marburg wirkte. Dessen Bruder Magister Alexander Saur (Saurius) (* um 1549; † nach 1582), der an der Publikation 1580 mitwirkte, war von 1578 bis 1582 Rektor des Reformierten Gymnasiums Kreuznach geworden. Ein Severin Saur († 1585/87), der aus Bacharach stammte,1559 immatrikuliert in Heidelberg, Stadtschreiber in Kaiserslautern, kurpfälzischer Pfleger zu Otterberg (Landesarchiv Speyer (Bestand E 6 Reichskammergericht, Nr. 2248)); Gerhard Merkel (Bearb.): Stipendienstiftungen und Stipendiaten vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Beginn des Dreissigjährigen Krieges. (Libri actorum Universitatis Heidelbergensis, Reihe C). Winter, Heidelberg 2008, S. 247. war von 1573 bis 1585 Truchsess in Kreuznach.Urkunden vom 6. September 1574, 4. Juli 1582 und 6. April 1587; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand B 1 Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, Urkunde 394; Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Urkunden 17555 und 17556).Carl Velten: Der Stadt Kreuznach Ratschronik von 1509 bis 1695, Bd. I 1509–1620. (maschinenschr. Manuskript), S. 11.
1580 immatrikulierte sich „Gasparus Stemper Crucinacensis“ an der Universität Basel. Dort veröffentlichte er 1581 ein Carmen eulogeticum (Segensgedicht) zu Ehren von Johannes Winckelmann, der in diesem Jahr in Basel zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Winckelmann hatte zu Stempers Marburger Studienzeit das Majorat an der Hessischen Stipendiatenanstalt innegehabt. 1582 würdigte Kaspar Stempel das von Samuel Grynaeus (1539–1599) postum in Basel herausgegebene Realwörterbuch Lexicon iuridicumEine Überarbeitung von Jakob Spiegel: Lexicon iuris civilis. 3. Aufl. Schott, Straßburg 1546. des Juristen Simon Schard († 1573) mit einleitenden Gedichten.
Haushofmeister in Schallodenbach und Promotion in Basel Nach Abschluss seiner Studien war Kaspar Stemper Haushofmeister der adeligen Familien Sickingen und Hattstein in Schallodenbach.Karl Heinz Armknecht: Das Tagebuch des Pfarrers Hermann Weigand (1582–1673). In: Pfälzische Familie- und Wappenkunde 4 (1961/63), S. 375–377, bes. S. 376; Hermann Weigandi genannt Aedituus aus Biedenkopf war von 1608 bis 1612 einer der Nachfolger auf dieser Stelle. 1586 erwarb er in Basel den Doktor beider Rechte mit einer Disputation unter Samuel Grynaeus über Fragen des Erbrechts. Gleichzeitig mit ihm wurden Matthäus Heininger1572 als „Matthaeus Heminger Dinckelspülensis“ in Tübingen und 1586 als „Mattheus Henningerus Dinckelspergen[sis]“ in Basel immatrikuliert, 1605 Stammbucheinträger bei Jeremias Eisenmenger. aus DinkelsbühlAls Einträger im Wappenbuch des Dinkelsbühler Bürgermeisters Michael Schad († 1613): „Matthäus Heininger von Villersbronn“ (Dorf in Dinkelsbühler Besitz). und Johannes Althusius promoviert.Samuel Grynaeus: Samvel Grynaevs Designator Ritè El. universos & singulos … officiosè rogat, ut testimonium in V. I. summum, quod infrà scriptis VV. … ad diem Martis proximum, qui 12. huius Me[n]sis Iulii erit, conferemus: sua præsentia exornare … dignentur. Oporinus, Basel 1586. Den Druck seiner Dissertationsthesen widmete Stemper seinen Schülern Johann Gottfried von Sickingen-Schallodenbach († 1622)Urenkel des Franz von Sickingen; 1586 immatrikuliert in Jena und am 30. Mai 1589 in Helmstedt, Sohn von Georg Wilhelm von Sickingen-Schallodenbach (1537–1579) und Barbara Vogt von Hunolstein († 1598).Damian Hartard von und zu Hattstein: Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Bd. I. Köß, Fulda 1729, S. 541, vgl. S. 284 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). und Marquard von Hattstein-Kirrweiler († 1609),Kaspar Stemper: De Pacto successorio / De renunciatione hereditatis / De repudiatione hereditatis. Oporinus, Basel 1586. einem NeffenSohn von Georg von Hattstein († um 1570), Burgvogt in Jockgrim, und Anna von Zeiskam; heiratete 1594 Johann Gottfrieds Schwester Barbara von Sickingen († nach 1631; ⚭ II. Philipp Jakob von Fleckenstein (1580–1622) zu Dagstuhl) und wurde Assessor in Speyer; Steffen Krieb: Name, Stamm und Linien – Vergangenheitsbilder und Gegenwartsinteressen in Familienchroniken hessischer Adelsfamilien um 1600. In: Eckart Conze (Hrsg.): Adel in Hessen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 70). Elwert, Marburg 2010, S. 229–250, bes. S. 244. des 1581 verstorbenen Speyrer Bischofs Marquard von Hattstein.Damian Hartard von und zu Hattstein: Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Bd. I. Köß, Fulda 1729, S. 284 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf); 2. Aufl. Göbhardt, Bamberg 1751, S. 284 (Google-Books).
Advokat am Reichskammergericht in Speyer und Ratskonsulent in Regensburg Kaspar Stemper wurde am 25. September 1587 Advokat am Reichskammergericht in Speyer,Raphael Seyler, Christian Barth: Urtheil Und Beschaydt Am Hochlöblichen Kayserlichen Cammergericht vom Jahr 1495. als dasselbe angefangen, eröffnet. Melchior Hartmann, Speyer 1604, unpaginiert (Google-Books).Georg Wilbrand Wormbser: Judicii Camerae imperialis personae Ad Annum M. DC. XXV … Nunc Ad Annum M. DC. LI. inclusivè continuatae. In: Petrus Denaisius: Ius camerale. 7. Aufl. Zetzner, Straßburg 1652, S. 705–774, bes. S. 738 (digitale-sammlungen.de der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books). später zugleich Ratskonsulent in Regensburg. Als Syndikus vertrat er die Freie Reichsstadt Regensburg auf den Regensburger Reichstagen 1594, 1597/98 und 1603. 1603 war er auch Abgesandter der Städte Speyer und Mühlhausen sowie der Freiherren Hans Wolf († 1642) und Hans Wilhelm von Alt- und Neu-Fraunhofen.Söhne von Freiherr Thesaurus (Theseres; Deserüs) V. (III.) zu Neuen- und Altenfraunhoven († 1592), Neffen 2. Grades des Reichskammergerichts-Präsidenten Georg Thesaurus von Fraunhofen († 1599). Der Reichstag 1608, an dem Stemper vielleicht ebenfalls noch teilnahm, ging ohne förmlichen Abschied auseinander; daher wurde keine Subskriptionsliste angelegt, in der die Teilnehmer aufgeführt worden wären.
1601 und 1608 bezeichnete sich Stemper außerdem als pfälzischer (pfalz-neuburgischer) Rat bzw. Advokat. In Regensburg hielt er sich nur zeitweise auf.Werner Troßbach: Die Reichsgerichte in der Sicht bäuerlicher Untertanen. In: Bernhard Diestelkamp (Hrsg.): Das Reichskammergericht in der deutschen Geschichte. (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich 21). Böhlau, Köln 1990, S. 129–142, bes. S. 129.
Kommissar des Reichskammergerichts in Leups und Speyer In einer Grenzstreitigkeit in der Oberpfalz zwischen dem Markgraftum Brandenburg-Bayreuth und der Kurpfalz um das Hammergut Oberleups, mit dem Hans Wilhelm Groß von Trockau belehnt war, wurde der Regensburger Syndikus Stemper Ende der 1580er Jahre zum kaiserlichen Commissarius bestellt, der vor Ort Zeugen vernahm. In dem Konflikt setzt sich Bayreuth durch.Karl Heinrich Lang: Neuere Geschichte des Fürstenthums Baireuth, Bd. III. Monath und Kußler, Nürnberg 1811, S. 93f (Google-Books); Die zwischen der Oberen Pfalz und Brandenburg strittige Grenze bei Leups (aus einer Akte des Reichskammergerichts), 1602; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (Plansammlung, Nr. 10708) u. a. 1591 verhörte Stemper als kaiserlicher Kommissar die ehemaligen Bürgermeister Peter Reinhardt, Christmann Petsch und weitere Personen in Streit zwischen der Stadt Speyer und der Kurpfalz über das Jagdausübungsrecht innerhalb der Landwehr auf der Speyerer Gemarkung.Prozessakten, 1591; Landesarchiv Speyer (Bestand E 6 Reichskammergericht, Reichskammergerichtsprozess 3313).
Gutachter im letzten Regensburger Hexenprozess