mini|Das Diakonissenheim am Palisadenweg zu Preßburg (ursprünglicher Zustand) mini|Das Diakonissenheim im Jahre 2014 Das Diakonissenheim in Bratislava wurde 1891 gegründet und 1951 liquidiert. Seit 2007 wird an einer Wiedereröffnung der großenteils baufälligen Gebäude gearbeitet.
Beginn der diakonischen Arbeit in Bratislava Unter dem Einfluss des Pietismus setzt im 18. Jahrhundert auch in Bratislava die organisierte Diakonie der evangelischen Gemeinde ein.
Als erste Institution dieser Art ist das „Jeszenáksche Konvikt“ zu nennen, das am 15. Januar 1750 von dem Fürstlich–Eszterházyschen Güterdirektor Johann Jeszenák de Kiralyfia gestiftet wurde. Diese auch als „Kleines Alumneum“ bekannte Stiftung gewährte sechs armen Zöglingen des Preßburger Evangelischen Lyzeums kostenlose Verpflegung und Unterkunft.
Am 2. Mai 1762 stiftete der Arzt Andreas Herrmann einen beträchtlichen Betrag (6000 und später nochmals 10 000 Gulden) für die Gründung eines Heimes für arme „vater- und mutterlose Waisen, Landeskinder deutscher Nation“. Im Verlauf der weiteren Jahre erhielt das Waisenhaus für Knaben verschiedene Zustiftungen von mehreren Wohltätern der Gemeinde. 1794 konnte im „Jeszenákschen Haus“ auf der Nonnenbahn (slow. Panenská ul.) eine Wohnung für 16 Knaben eingerichtet werden. Im Jahre 1805 konnte die Mädchenabteilung des Waisenhauses durch die großzügige Stiftung des Preßburger Patriziers Johann Adam Zechmeister und seiner Ehefrau für 12 Mädchen eröffnet werden. Dieses Mädchenwaisenhaus wurde 1892 von der Diakonieanstalt übernommen.
Das Evangelische Krankenhaus („Krankeninstitut“) geht auf die Stiftung des Preßburger Bürgers Andreas Posch zurück, welcher am 17. Juli 1799 ein Legat in Höhe von 2000 Gulden für „arme kranke Personen“ hinterlassen hat. Aber erst im Jahre 1807 fasste die Gemeinde den Beschluss, ein Krankenzimmer mit zwei Betten für evangelische Mägde einzurichten, welches im November d. J. eröffnet werden konnte. Die Betreuung dieser kleinen Krankenstation übernahm zuerst eine bezahlte Pflegerin, die Ärzte leisteten ihren Dienst unentgeltlich. Diese Kapazität reichte natürlich bei weitem nicht aus, so dass bereits in den Jahren 1810, 1811 und 1824 Erweiterungen vorgenommen werden mussten. Die Finanzierung erfolgte aus zahlreichen Zustiftungen wohltätiger Bürger Preßburgs, aber auch aus Zuwendungen, welche die Gemahlin des Erzherzogs Joseph (des damaligen Palatins von Ungarn) und Wohltäterin der Preßburger Gemeinde, Maria Dorothea von Württemberg regelmäßig spendete. Wegen fortwährenden Platzmangels entschloss man sich 1827, auf der Nonnenbahn einen Neubau zu errichten, welcher im Jahre 1830 zu einem zweistöckigen Bau erweitert wurde. Damit wurde ein Belegungsraum für 20 Betten geschaffen. Im Jahre 1872 erfolgte auf dem Palisadenweg (slow. Palisády) ein neuer Anbau, welcher auf der rückwärtigen Seite an das bestehende Krankenhaus auf der Nonnenbahn angebaut wurde. Dieser neue Komplex wurde am 28. Juli 1872 von Superintendent Ludwig Geduly (1815–1890) feierlich eingeweiht. Mit Einführung der Diakonissenanstalt ging das Krankenhaus im Jahre 1897 in die Verwaltung dieser Anstalt über.
Gründung der Diakonissenanstalt in Preßburg Im ehemaligen Königreich Ungarn fiel die Gründung eines Diakonissenheimes erst relativ spät auf fruchtbarem Boden. Durch das karitative Auftreten katholischer Orden angespornt, wurden auch in evangelischen Gemeinden Altungarns Überlegungen angestellt, ähnliche, jedoch evangelische Organisationen zu begründen.
In Preßburg waren es die deutschen Gemeindepfarrer Viktor Freytag (1843–1890) und später sein Amtsnachfolger Gustav Ebner (1846–1925), die sich eingehend mit der Frage der Diakonie und deren Einführung in Preßburg beschäftigten. Auf Ebners Betreiben beschloss die Evangelische Kirchengemeinde A. B. in Preßburg, dem Vorbild deutscher Kirchengemeinden folgend, am 5. Oktober 1890 die Gründung eines Diakonissenhauses. Vom Konvent wurde eine Gründungskommission ins Leben gerufen und die Einleitung einer Haussammlung verfügt, die einen Betrag von 4329 Gulden und 39 Kreuzer einbrachte. Von Anfang an beabsichtigte man die Anstalt so anzulegen, dass sie später „berufen wäre, dereinst ein Mutterhaus für ganz Ungarn zu werden.“ Dieses Vorhaben, in einem damaligen Flugblatt propagiert, konnte später tatsächlich umgesetzt werden.
Da man in Preßburg bislang keine Erfahrungen mit Diakonissen hatte, wandte sich Pfarrer Ebner an seinen Amtsbruder Senior Ludwig Schwarz (1833–1910) vom Diakoniewerk Gallneukirchen. Diese kleine Marktgemeinde in Oberösterreich ist auch heute noch Sitz des bedeutendsten Mutterhauses evangelischer Diakonissen in Österreich.
Das Gallneukirchener Diakonissenmutterhaus war gerne bereit zu helfen. Im Frühling 1891 wurden von dort aus zwei (erste) Schwestern, Therese Maier und Ida von Sääf, nach Preßburg entsandt. Die Anfänge waren natürlich sehr bescheiden. Man hauste in einem von Pfarrer Ebner notdürftig eingerichteten Zimmer im Pfarrhof (ehem. „Kaplanei“) auf der Nonnenbahn. Die eigentliche offizielle Eröffnung erfolgte erst mit dem Amtsantritt der aus Wien entsandten Oberschwester Elisabeth Obermeir. Am 2. August 1891 fand, im Rahmen eines Nachmittagsgottesdienstes die Amtseinführung der Schwestern sowie die offizielle Eröffnung der Anstalt statt. Die Festansprachen wurden von dem aus Gallneukirchen angereisten Ludwig Schwarz sowie Pfarrer Gustav Ebner gehalten. Gleich zu Beginn des Bestehens konnte die Anstalt drei Probeschwestern (Novizinnen) aufnehmen; dies waren Katharina Pauer und Paula Halper aus Preßburg und Marie Lenhardt aus Limbach.
Ziel der Diakonieanstalt war es, Schwestern für den Pflegedienst in der hauseigenen Klinik, aber auch für Dienste außerhalb der Klinik, auszubilden. Die Ausbildung der Schwestern oblag anfangs den drei deutschen Pfarrern der Gemeinde, die auch die Hausandachten zu halten hatten. Die ärztliche Unterweisung übernahm der spätere Inspektor der Gemeinde Matthias Dobrovits (1850–1919). Als Hausordnung führte man die auch in Gallneukirchen geltende vorbildliche Hausordnung des Stuttgarter Mutterhauses ein, die jedoch leicht modifiziert wurde. Der leitende Gedanke der Hausordnung war, das Mutterhaus sowie die Diakonissen als Organ der evangelischen Kirche darzustellen. Am 9. Juni 1895 übernahm Pfarrer und der spätere Senior Carl Eugen Schmidt die geistliche Leitung der Diakonissenanstalt. Diese Arbeit leistete Pfarrer Schmidt – neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Gemeindepfarrer und Senior – bis zum Jahre 1942 ehrenamtlich und ohne zusätzliche finanzielle Abfindung. Carl Eugen Schmidt gehört sicherlich zu den bedeutendsten theologischen Gestalten, die das Luthertum nahezu ein halbes Jahrhundert nicht nur in Preßburg, sondern auch im gesamten Lande prägten. Nachhaltig prägte er nicht nur das Gemeindeleben Preßburgs, sondern auch die Diakonie in der gesamten Slowakei. „Die reformatorische Botschaft von der freien Gnade in Christo Jesu und der aus ihr fließende diakonische Dienst barmherziger Liebe bildeten den letzten Sinn meines armen Lebenswerkes“ – so fasste er mit eigenen Worten seinen Lebenslauf zusammen.
Im Laufe der Zeit weiteten die Schwestern ihre Tätigkeit aus; 1892 wurde auch die Leitung des Waisenhauses übernommen, im Jahre 1900 eine eigene Buchhandlung eröffnet, 1905 kam noch ein Frauenhaus hinzu. Weil der Diakonissenberuf an Mangel an Arbeitskräften litt, wurde im Jahre 1904 ein Flugblatt in Deutsch, Ungarisch und Slowakisch erstellt, welches für den Diakonissenberuf innerhalb der Gemeinde werben sollte.
Allmählich richtete das Preßburger Mutterhaus in verschiedenen Städten Altungarns Außenstationen ein. Die erste wurde im Jahre 1895 in Ödenburg eingerichtet. Es folgten Stationen in Eperies (1898), Güns und Rosenau (1899), Leutschau (1903), Modern und Kesmark (1904), Raab (1910) usw. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte das Preßburger Haus insgesamt 13 Außenstationen in den verschiedensten Städten der Monarchie.
Als im Jahre 1902 die bisherige Oberin Elisabeth Obermeier in den Ruhestand entlassen wurde, kam die aus der Zips stammende Schwester Mathilde Billnitzer vom Mutterhaus Neuendettelsau nach Preßburg, hier wurde sie am 15. Juli 1906 zur Oberin des Preßburger Hauses berufen.
Neubau des Diakonissenheimes am Palisadenweg Bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts erwies sich das bestehende Mutterhaus auf der Nonnenbahn (damals Nr. 23) als zu klein. Daher mussten seitens der Kirchengemeinde Überlegungen für einen Neubau angestellt werden. Als Baugrund beabsichtigte die Kirchengemeinde das Grundstück Nr. 4688 in der Flur „Wölferl“ am Palisadenweg anzukaufen. Am 23. November 1899 erging ein Schreiben des Königlich Ungarischen Landwirtschaftsministeriums in Budapest an den für Preßburg zuständigen Abgeordneten des Ungarischen Reichstages Károly Neiszidler, aus welchem zu ersehen ist, dass gegen den Ankauf von 1458 Quadratklafter (= etwa 5208 m²) Bauland durch die Kirchengemeinde (zum Preis von 6 Gulden / Quadratklafter) keine Bedenken bestehen. Die Gemeinde bezahlte daher für das Grundstück rd. 8750 Gulden (= 17 500 Kronen), für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe.
Aber der Gemeinde standen für den Bau nicht ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. Der Bau verzögerte sich dadurch um fast 15 Jahre. Trotz Stiftungen und Spenden, vor allem durch das Gustav-Adolf-Werk und den Martin-Luther-Bund, machte man finanziell nur mäßige Fortschritte. Die Gemeindeglieder wurden immer wieder zu Spenden aufgerufen. So beschrieb die damalige Gemeindezeitschrift Der Friedensbote (Jg. 1904/1905, S. 74) die schlechte finanzielle Lage der Gemeinde und rief zu Spenden auf. Wörtlich hieß es: „…für den dringend nötigen Neubau des Mutterhauses. Mit Müh und Not sind bis jetzt 23 441 Kronen 11 Heller beisammen. Aber was ist das! Damit ist kaum der Dachstuhl des neuen Mutterhauses bezahlt.“
Im Jahre 1910 schien es dann endlich so weit zu sein, dass mit den Planungsarbeiten begonnen werden konnte. Ein „Bauprogramm für das zu erbauende Diakonissenhaus, Waisenhaus und Krankenhaus der evang. Kirchengemeinde A.B. zu Pozsony“ wurde erarbeitet. Demnach sollten drei selbständige Einheiten entstehen, und zwar das: Diakonissen-Mutterhaus Waisenhaus Krankenhausminiatur|Nach der Wende wurde die Kapelle des Diakonissenheims neu eingerichtet (Zustand 2013)
Diakonissen-Mutterhaus Das Diakonissen-Mutterhaus sollte als Hauptgebäude auf der von der Gemeinde zu bestimmenden Parzelle parallel mit seiner Hauptfront zum Palisadenweg, als zweistöckiger Zweckbau, errichtet werden. Es sollen Wohnräume, mit Nebenräumlichkeiten für 35 Schwestern und 15 Pensionäre gestaltet werden. Außerdem sollte ein „in kirchlichem Stil“ gehaltener Betsaal (Kapelle), der für etwa 80 Personen Raum bietet, errichtet werden. Die Wirtschaftsräume (Küche, Waschküche etc.) werden im Untergeschoss (Souterrain) untergebracht.
Waisenhaus Das Waisenhaus kann direkt an das Mutterhaus angebaut werden, sollte jedoch parallel zum damaligen Kornhuber Weg (slow. Bradlianska ul.), also gegenüber dem Gaistor-Friedhof, ausgerichtet werden. Es soll ebenfalls als zweistöckiges Gebäude gestaltet werden und Schlaf-, Tages- und Nebenräumlichkeiten für 50 Waisenkinder (25 Knaben und 25 Mädchen) bieten.
Krankenhaus Das Krankenhaus sollte mit den beiden oben erwähnten Komplexen zwar in organischem Zusammenhang stehen, jedoch als alleinstehendes, einstöckiges Gebäude, parallel zum Vutkovich Weg (später Vegelin Weg, heute Partizánska ul.) errichtet werden. Es sollte eine Männer- und eine Frauenabteilung haben, wo jeweils 20 Kranke untergebracht werden konnten. Außerdem waren ein Operationssaal, Behandlungsräume, Laboratorium und andere Nebenräume vorgesehen.
Planungsarbeiten, Baufertigstellung und Einweihung miniatur|Festschrift zur Einweihung des Hauses vom 3. Mai 1914