mini|Handbemaltes Futter in einem Nerzmantel (2006)
Pelzseiden oder Pelzfutter sind im Besonderen die speziell zur Abfütterung von Pelzbekleidung hergestellten Stoffe im Seidencharakter, allgemeiner gefasst alle hierfür verwendeten seidenähnlichen Stoffe. Die meisten mit dem Haar nach außen zu tragenden Pelzbekleidungen erhalten ein Seidenfutter. Es soll das Fellleder mit seinen Nähten und Abnähern sowie die Einlagen verdecken, die Gleitfähigkeit beim An- und Ausziehen erhöhen, den Fall des Kleidungsstückes verbessern und ihm ein gutes Innenaussehen geben.
Für Pelzinnenfutter, die in Textilbekleidung eingearbeiteten Fellfutter, siehe bei Pelzinnenfutter.
Allgemein Wie auch im Textilbereich üblich, werden alle den reinen Seidenfuttern ähnlichen Futterstoffe als Futterseide bezeichnet, reine Seide wird jedoch aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen. Im Handel dürfen Erzeugnisse aus Chemiefasern deshalb nicht ohne einen entsprechenden Hinweis als „Seide“ bezeichnet werden.Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage, Band 2, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, Stichwort „Seide“. ISBN 3-87150-518-8. Die ursprünglich meist aus cellulosischen Filamentgarnen hergestellten Futter wurden als Kunstseide gehandelt, der Begriff ist inzwischen veraltet. Klassische Pelzfutterseiden waren oder sind: Crêpe de Chine, Crêpesatin, Crêpe marocain, Crêpe Georgette, Seidenmassée und Brokat, für einfachere Mäntel noch Halbseidenbrokate. Halbseide ist die Bezeichnung für ein Gewebe, bei dem der nach dem Einfüttern obenliegende Kettfaden aus Seide besteht, in der anderen Fadenrichtung aus einer anderen Faser.
Die Fütterung der Pelze unterliegt der jeweiligen Mode, sowohl in Bezug auf die Farbe wie auch auf die Fütterungsart.
Wegen der Langlebigkeit des Produkts werden für Pelzmäntel und -jacken meist haltbarere Futterstoffe, als die in der Textilbranche häufig üblichen, sehr leichten Tafte verwendet. Die typischen Pelzfutter werden über den Pelzzutatenhandel zwischengehandelt.
Geschichte, Beschreibung mini|hochkant|Innenverarbeitung des Schwanenpelzes der Musikerin Clara Schumann (hergestellt vor 1896)
mini|Die amerikanische Schauspielerin Virginia Valli zeigt das Futter ihres Hermelinmantels (ca. nach 1920)
Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Frankreich und in England, erste etwas größere Pelzteile, Jacken und Capes mit dem Haar nach außen zu arbeiten. Da die Kürschner bis dahin vor allem von Schneidern vorgefertigte Stoffteile mit Pelz ausfütterten, dürften sie vorher der textilen Abfütterung ihrer Pelzteile wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben. In der Anweisung zum Ausfüttern der neuen, aus Sealskin gearbeiteten Jacken wurde in einem deutschen Kürschnerfachbuch von 1891 lediglich ein „Futter von gestepptem Seidenstoff“ genannt, ein größerer Aufwand fand offenbar nicht statt. Mit der Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden Konfektionierung des Pelzes, vor allem durch die Pariser Firma Revillon Frères, kamen aus dem verwandten Schneiderberuf beständig weibliche Hilfskräfte in die Pelzbranche, die die schneidertechnischen Voraussetzungen für eine mehr kunstvolle Innenverarbeitung mitbrachten. Seit um 1900 herum bis in die 1930er Jahre wurde ein wahrer Kult mit Seidenabfütterungen getrieben, der mit dem gleichzeitigen Beginn der modernen Pelzmode auch Eingang in die Kürschnerei fand: „Durch Abrüschen, durch Einsetzen von Bändern, durch Aufsetzen von Rüschen in Rokokoschleifenform, durch künstlerisches Ausmalen und Sticken der Ecken“ waren so viele Möglichkeiten gegeben, „dass man sie einzeln gar nicht aufzählen kann“.
Eine Pelz-Staffiermeisterin schrieb darüber im Jahr 1957:
Die schlichte Eleganz eines exklusiven Pelzes wurde in den 1920er Jahren oft noch durch störende, ins Auge fallende Verschlüsse gestört, der fast unsichtbare Klipverschluss der Firma Keskari war noch nicht erfunden. Frieda Vallentin – der Name deutet auf einen Zusammenhang mit der Ehefrau und Kunstweberin Ruth Cidor-Citroën des Inhabers der Berliner Pelzwarenfabrik A. B. Citroen hin, eine geborene Vallentin – schrieb 1925 über ihre Eindrücke von der Wiener Pelzmode in einer Fachzeitschrift:
Von den in den Jahren 1921 bis 1926 im Leipziger Krystallpalast stattfindenden Pelzmodenschauen wurde berichtet:
Allerdings waren selbst 1937 bunte Futter eher noch selten: „Auch gibt es für Pelzzwecke besondere Farben, die auf die Farbtöne der verschiedenen Fellarten abgestimmt sind. So haben wir Marderfarben, Nerzbraun, Sealbraun, Schwarz und Weiß und Grau für Feh und Maulwurf. Gewiß kommen auch hier und da einmal bunte Farben zur Verwendung, aber das sind Ausnahmen“.Ohne Autorenangabe: Zutaten für die Pelzverarbeitung. In: Die Kürschnerfibel Nr. 2, Beilage zur Kürschner-Zeitung Nr. 6, Verlag Alexander Duncker, Leipzig, 21. Februar 1938, S. 18.
Besonderes Augenmerk verwendete man auch auf das Abfüttern der Fuchskolliers, den Fellschals in Tierform. 1930 erklärte dazu ein Kürschnermeister seinen Kollegen:
Zu den gern verwendeten, meist nicht in der eigenen Werkstatt hergestellten Stickereien schrieb er:
Sehr hochwertige Damenpelze wurden bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa üblicherweise mit reiner Seide oder mit Halbseide abgefüttert. Für Pelze des täglichen Bedarfs und für preiswertere Pelze wurde dagegen die billigere und in der Regel haltbarere Acetatseide verwendet. Eigentliche Futterstoffe sind in einer lockeren Köperbindung gewebt, erkennbar an dem charakteristischen schräglaufenden Grat.
Die Acetatseide wurde zum ersten Mal im Jahr 1907 in der Kunstseidenfabrik Jülich hergestellt. 1920 erfand der Schweizer René Clavel ein Färbeverfahrens für die bis dahin nicht färbbare Acetatseide und 1921 begann der Massenproduktion von Acetatseide unter dem Handelsnamen „Celanese“ durch die Gebrüder Dreyfus und deren British Celanese, Ltd., gefolgt von der Eröffnung weiterer Produktionsstandorte in den USA und im übrigen Europa (siehe dazu → Celluloseacetat).
Bis etwa in die 1990er Jahre wurden für Pelz besonders kräftige Futterstoffe benutzt, da besonderer Wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt wurde. Zunehmend änderten sich jedoch die Ansprüche. Sollte das Winterbekleidungsstück früher neben dem Schmücken vor allem wärmen, geriet das mit Zunehmen beheizter Verkehrsmittel immer mehr in den Hintergrund. Eines der wesentlichen Gesichtspunkte für die Pelzauswahl wurde dagegen die Leichtigkeit. Die besonders für Pelzzwecke gewebten Acetatfutter wogen in den einfarbigen, ungemusterten Qualitäten bis zu 300 Gramm per laufendem Meter, die leichteren, bis heute noch genutzten Acetatfutter herunter bis 180 Gramm, bei der gebräuchlichsten Breite von 140 Zentimeter.
Als Brokat wird ein mit Metallfäden durchzogenes Gewebe bezeichnet. In der Kürschnerei wurden auch schwere, mit seidigen Blumen oder sonstiger Ornamentik durchwebte Futterseiden so genannt. Ähnlich schwer sind Damastseiden, die man bis in die 1920er Jahre hauptsächlich zum Ausfüttern von Pelzen verwendete: „Damassees – manchmal steif wie ein Brett – aber so wollte die elegante Frau ihr Mantelfutter haben“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 23.
Auch noch nach den 1930er Jahren war die Innenverarbeitung der Pelze häufig aufwändiger als bei der textilen Damenoberbekleidung. Entsprechend glamourös waren auch manche Pelzfutter vorgefertigt. Ornamentale oder florale Bordürenstickereien, gewebte Bordüren und Eckstickereien wurden noch bis in die 1990er Jahre verwendet, als sie aus der Textilmode längst verschwunden waren. Ein Monogramm mit den Initialen der Trägerin rundete die Innenausstattung eines höherwertigen Pelzes in der Regel ab. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges und den ersten Jahren danach, bedingt durch den Materialmangel (insbesondere in der DDR), spielte die Innenverarbeitung jedoch eine sehr untergeordnete Rolle und die Kenntnisse über „all die kleinen, zum Teil doch sehr liebenswürdigen und hübschen Raffinessen der Unterfütterung“ gerieten in Vergessenheit.
In Österreich, wo die Pelzmode auch nach dem Zweiten Weltkrieg durchschnittlich opulenter blieb, erhielt sich auch eine aufwändige Innenverarbeitung deutlich länger als in der Bundesrepublik oder der DDR. Vor allem in Wien waren die Pelze noch bis Ende des 20. Jahrhunderts üppiger gearbeitet und auch ausgestattet als andernorts, „und wer Anfang des Jahrhunderts sich in der »Ausstaffierung« ausbilden wollte, mußte nach Wien zu Meister Josef Toch gehen, um dort zu lernen, wie zu arbeiten ist“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 230 (Kollektion G. & C. Franke). Die einmal meist vorhandene, verdeckte seidene KnopfleisteEva Laue: Die Innenausfertigung. In: Das Pelzgewerbe Nr. 6, 1957, Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 258. erübrigte sich in den 1950er Jahren nach der Erfindung eines neuartigen Klipverschlusses für Pelze durch die Firma Keskari. Auch die seidenen Windfänge mit Gummibandzug,Alexander Tuma jun: Die Praxis des Kürschners. Verlag von Julius Springer, Wien 1928, S. 211. die es in weiten Ärmeln Ende des 20. Jahrhunderts noch häufiger gab, sind inzwischen wohl ganz verschwunden.
Oft werden unifarbige Futter eingesetzt, in der Farbe zum Pelz harmonierend. Das sind vor allem Brauntöne in allen Schattierungen, von hellbeige bis schwarzbraun, außerdem schwarz und grau. Etwas ins Auge fallender sind Goldtöne, für besonders extravagante Teile sogar sehr auffällige Farben, wie leuchtend bordeauxrot. Insbesondere reine Seiden werden meist unifarbig verwendet. Häufig sind auch changierende Farben, die durch einen andersfarbigen Unterfaden entstehen.
Beliebte Jacquard-Webmuster waren und sind teilweise noch, zum Beispiel Futter mit eingewebten Firmensignets, kleingemusterte florale oder Pelztier-Motive und geometrische Muster wie Karos oder Streifen.
Mit der Verwendung leichterer Innenfutter orientierten sich die Kürschner zuletzt zunehmend bei der Textilindustrie, die attraktive Drucke auf Synthetikgeweben zur Verfügung stellt. Diese weisen meist trotz niedrigem Gewicht eine hohe Haltbarkeit auf, allerdings bei schlechterem Wärmeaustausch. Beispielsweise werden „Animal Prints“, Stoffe mit Leopard-, Zebra- und ähnlicher Musterung, bei entsprechender Mode auch zum Ausfüttern modischer Pelze verwendet.
Verarbeitung mini|Attraktives Pelzfutter bei einem Modellwettbewerb (2009) mini|Pelzfutter mit floralem Druckdessin, Tasche mit verdecktem Reißverschluss und Firmen-Web-Etikett (2015)
Das Einfüttern oder Staffieren des Seidenfutters ist der letzte Arbeitsgang der unter dem Begriff Ausfertigung zusammengefassten, abschließenden Arbeiten bei der Herstellung eines Pelzbekleidungsstücks. Das Einnähen von Hand erfolgt mit einem Verzugsstich, auch in der Pelzkonfektion wird das Futter bisher nur selten mit einer speziellen Staffiermaschine eingefüttert.
Je nach den beim Zuschneiden der Futter zu beachtenden Grundsätzen werden 1970 in einem Fachbuch drei Grundtypen von Pelzseiden unterschieden, das war vor der zusätzlichen Nutzung von bedruckten Synthetikfuttern: ungemusterte Futterstoffe: Leibfutter, Atlas, Duchesse Jaquardfutter mit Mustern, die nur in einer Richtung verlaufen, wie Streifenfutter, Bordüren und gestickte Futter Jaquardfutter mit Mustern, die in mehreren Richtungen laufen. Bei ungemusterten Futtern ist beim Zuschnitt nur die Richtung des Fadenlaufs zu berücksichtigen. Bei Mustern, die nach mehreren Richtungen verlaufen, muss außerdem die Musterrichtung berücksichtigt werden. Die beiden ersteren Futter können auch gestürzt verwendet werden, was durch das Ineinanderschieben der Rumpfteile eine wesentlich bessere Materialausnutzung ermöglicht.