mini|hochkant=0.8|Stolpersteine in Ancona Die Liste der Stolpersteine in den Marken enthält die Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in der italienischen Region Marken verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Stolpersteine liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers. Die ersten Verlegungen in dieser Region erfolgten am 12. Januar 2017 in Ancona und Ostra Vetere. Die italienische Übersetzung des Begriffes Stolpersteine lautet: pietre d’inciampo.

Verlegte Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Ancona In Ancona wurden 27 Stolpersteine an siebzehn Adressen verlegt.

Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEFERRUCCIO ASCOLIGEBOREN 1897VERHAFTET 27.4.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 30.8.1944 Corso Giovanni Amendola, 51Ancona wurde am 11. August 1897 in Ancona geboren. Seine Eltern waren Carlo Ascoli und Ida Vivanti. 1919 war er Gründer des nationalistischen Kreises Gabriele D’Annunzio. 1921 schloss er sein Jurastudium an der Universität von Meractera ab. Ursprünglich Monarchist und Kritiker Benito Mussolinis wurde er ab 1922 ein glühender Anhänger Mussolinis und beteiligte sich unter anderem an den Marsch auf Rom. Als Journalist verbreitete er das Gedankengut des faschistischen Regimes. Unter anderem gründete er zusammen mit Serafino Mazzolini die nationalistische Zeitschrift La Prora, arbeitete in leitender Funktion für ”Il Popolo di Ancona” und war Mitarbeiter der "L'Azione fascista". 1923 wurde er politischer Sekretär des Fascio von Ancona. In den Folgejahren übernahm er verschiedene öffentliche Ämter. Im Jahr 1928 beendete er ein weiteres Studium, Politikwissenschaften, an der Universität von Perugia. In Ancona war er einer der besten Propagandisten des faschistischen Regimes. Auf Grund seiner politischen Auslastung ließ er sich 1933 aus dem Anwaltsregister streichen. Die Italienischen Rassengesetze von 1938 setzten seiner politischen und journalistischen Karriere ein abruptes Ende, denn er war Jude und verlor alle Ämter und konnte auch nicht mehr als Journalist arbeiten oder Zeitungen leiten. Im August 1939 versuchte der Präfekt von Ancona schützend einzugreifen und schrieb an den Kommissar, forderte, dass die Rassengesetze nicht auf Ascoli und andere jüdische Faschisten angewendet werden sollen. Doch auch dies half Ascoli nichts, 1940 wird er vollends aus dem Orden der Journalisten ausgeschlossen. Er suchte Zuflucht und Schutz unter falschem Namen in Serrapetrona in der Provinz Macerata. Ascoli wurde am 27. April 1944 verhaftet und im Gefängnis von Macerata inhaftiert. Von dort kam er zuerst in das Lager von Sforzacosta, dann nach Pollenza. Am 31. März 1944 wurde er mit 43 anderen Juden in das Durchgangslager Fossoli überstellt und am 26. Juni 1944 mit Transport Nr. 13 in das KZ Auschwitz deportiert. Ferruccio Ascoli verlor dort am 30. August 1944.CDEC Digital Library: Ascoli, Ferruccio, abgerufen am 19. Oktober 2020 (mit einem Passbild)Storia Marche Novecento: FERRUCCIO ASCOLI, abgerufen am 19. Oktober 2020 HIER WOHNTEBRUNO CAGLIGEBOREN 1904VERHAFTET 22.3.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 30.11.1944 Via Volturno, 2Ancona (1904–1944) 120px HIER WOHNTEEUGENIA CARCASSONIGEBOREN 1886VERHAFTET 19.2.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET Via Astagno, 10Ancona wurde am 14. November 1886 in Ancona geboren. Ihr Vater war Giacomo Carcassoni. Sie heiratete Guido Lowenthal, einen Straßenhändler Das Paar hatte zumindest drei Kinder, die Söhne Ivo und Alfio und eine Tochter.Giuseppe Motta: Dall'antigiudaismo all'antisemitismo, Saggi sulla questione ebraica fra XIX e XX secolo, Edizioni Nuova Cultura 2016, S. 151 Ihr Ehemann und der erstgeborene Sohn Ivo waren jahrelang interniert, weil sie im Verdacht standen, subversive Inschriften auf der Rückseite des Palazzo Littorio angebracht zu haben. Ihrem Sohn wurde darüber hinaus vorgeworfen, er habe am 17. Mai 1940, beim Verlassen einer Bäckerei, provokante Aussagen getätigt. Verdacht und Beschuldigung führten zur Internierung von Ehemann und Sohn in Isola del Gran Sasso, Gioia del Colle und schließlich in Urbisaglia. Sie blieben bis 25. Juli 1943 interniert. Nach der Machtergreifung deutscher Truppen in Mittel- und Norditalien flüchtete die Familie aufs Land, nach Appignano, in der Hoffnung, dort nicht aufzufallen. Am 19. Februar 1944 sollte Ivo Lowenthal seine Verlobte Zoè Stacchetti heiraten. Während der Hochzeitsvorbereitungen fuhr ein Polizeiwagen vor. Geistesgegenwärtig konnte der Bräutigam aus dem Fenster springen und über die Felder flüchten. Sein Vater wurde im Nachbarhaus versteckt, doch Eugenia Carcassoni, halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr flüchten. Als Guido Lowenthal seine Frau schreien hörte, stellte er sich und wollte an ihrer Stelle verhaftet werden. Die Polizei arretierte aber beide. Die Eheleute wurde zuerst in Pollenza interniert, dann im Gefängnis von Macerata. Dann wurden sie in das Durchgangslager Fossoli überstellt und am 5. April 1944 mit dem Transport Nr. 9 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Eugenia Carcassoni überlebte die Strapazen des Transport, den Mangel an Wasser und Nahrung nicht. Sie starb im Viehwaggon während der Deportation.

Unmittelbar nach der Ankunft in Birkenau am 10. April 1944 wurde Guido Lowenthal in einer der Gaskammern ermordet.Pietre della memoria: 135483 - Pietra d’inciampo in memoria di Eugenia Carcassoni – Ancona (AN), abgerufen am 20. Oktober 2020TM Notizie: Ancona: giovedì 25 gennaio la cerimonia di inaugurazione delle sette nuove Pietre di inciampo, 22. Januar 2018, abgerufen am 20. Oktober 2020 Eugenia Carcassoni wird im Libro della Memoria von Liliana Picciotto über die aus Italien deportierten Juden, erschienen 2002 bei Ugo Mursia Editore, erwähnt.CDEC Digital Library: Carcassoni, Eugenia, abgerufen am 20. Oktober 2020 120px HIER WOHNTEDANTE COENGEBOREN 1910VERHAFTET 26.7.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 4.4.1945BUCHENWALD Via Astagno, 18 wurde am 24. August 1910 in Ancona geboren. Er war der Sohn von Arrigo Coen (geboren 1879) und Ilde Portaleone (geboren 1881). Er hatte zumindest neun Brüder und vier Schwestern: Aldo (geboren 1899), Bruno (geboren 1905), Manfredo (geboren 1907), Attilio (geboren 1908), Nello (geboren 1909), Remo (geboren 1912), Umberto (geboren 1914), Franco (geboren 1915) und Enzo (geboren 1921), Romilde (geboren 1902), Dina (geboren 1913), Lina (geboren 1919) und Floretta (geboren 1924).Eine Fotografie zeigt die Eltern mit 14 Kindern, siehe CDEC: Famiglia Coen, abgerufen am 20. Oktober 2020. Eine weitere Quelle schreibt von 15 Kindern Dante Coen ging nach Mailand, wo er als Händler arbeitete. Er heiratete Angelina Giustacchini. Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete er ein Geschäft für Stoffe in der Via Donatello. Das Paar hatte vier Söhne und eine Tochter: Bruno Lorenzo (geboren 1935), Umberto (geboren 1936), Arnaldo (geboren 1939 in Brescia), Guido (geboren um 1942) und Ornella (geboren 1944 in Mailand). Obwohl er sich – nach der deutschen Machtergreifung in weiten Teilen Italiens – versteckte und mehrfach seinen Wohnort wechselte, wurde Dante Coen am Morgen des 26. Juli 1944 in Mailand von der SS in der Via Plinio 20 verhaftet. Er wurde in das Hauptquartier der SS im Hotel Regina gebracht und im San-Vittore-Gefängnis von Mailand inhaftiert. Am 2. August 1944 wurde er mit dem Transport Nr. 14 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Auch sein Bruder Umberto, verhaftet in Turin, befand sich in diesem Zug, der vom unterirdischen Bahnsteig 21 abfuhr. Nach vier Tagen kam der Transport in Auschwitz an. Coen überstand die Selektion und wurde mit der Nr. 190841 registriert. Dante Coen wurde am 4. April 1945 in Nordhausen, in einem Außenlager des KZ Buchenwald, ermordet.CDEC: Coen, Dante, abgerufen am 20. Oktober 2020Pietre d'inciampo: DANTE COEN, abgerufen am 20. Oktober 2020

Zumindest zwei seiner Geschwister wurden ebenfalls ermordet. Seine Schwester Romilde und sein Bruder Umberto wurden beide in Auschwitz ermordet.CDEC Digital Library: Coen, Umberto, abgerufen am 20. Oktober 2020CDEC Digital Library: Coen, Romilde, abgerufen am 20. Oktober 2020 Seine zwei jüngsten Kinder befanden sich zum Zeitpunkt der Verhaftung des Vaters ebenfalls im Haus, Ornella war erst 30 Tage alt und wurde getauft, sie arbeitete unter anderem für Fondazione CDEC. Die Söhne Umberto und Bruno Lorenzo waren versteckt in einem Priesterkollegium in Endine. 120px HIER WOHNTEENRICA COENGEBOREN 1888VERHAFTET 18.10.1943DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 23.10.1944 Corso Garibaldi, 28 wurde am 23. August 1888 in Ancona geboren. Ihre Eltern waren Giuseppe Coen und Elisa Volterra. Sie hatte zumindest eine Schwester, Edi (geboren 1881). Enrica Coen heiratete Mosè Coen. Am 18. Oktober 1943 wurde sie in Rom zusammen mit ihrer Schwester verhaftet. Sie wurden in Rom inhaftiert und am 18. Oktober 1943 mit dem Transport Nr. 2 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport langte am 23. Oktober 1943 in Auschwitz ein. Enrica Coen und ihre Schwester sowie deren Ehemann wurden noch am selben Tag ermordet.Bei der Datumsangabe 23.10.1944 auf dem Stolperstein dürfte es sich um einen Fehler handeln.CDEC: Coen, Enrica, abgerufen am 20. Oktober 2020CDEC: Coen, Edi, abgerufen am 20. Oktober 2020CDEC: Levi, Raffaele, abgerufen am 20. Oktober 2020

Ihr Ehemann wurde 1944 verhaftet und hat die Shoah ebenfalls nicht überlebt. 120px HIER WOHNTEMOSÈ COENGEBOREN 1891VERHAFTET 12.5.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET Corso Garibaldi, 28 wurde am 24. November 1891 in Ancona geboren. Seine Eltern waren Giuseppe Coen und Elda Volterra. Mosè Coen wurde Koch. Er heiratete Enrica Coen. Am 12. Mai 1944 wurde er in Roma, wo er eine Trattoria hatte, verhaftet. Er würde im örtlichen Gefängnis inhaftiert, danach im Durchgangslager Fossoli. Am 26. Juni 1944 wurde er von dort mit dem Transport Nr. 13 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport kam am 30. Juni 1944 in Auschwitz an. Mosè Coen hat die Shoah nicht überlebt.CDEC: Coen, Mosè, abgerufen am 22. Oktober 2020Pietre della memoria: 150819 - Pietre d’inciampo a Enrica e Mosè Coen – Ancona, abgerufen am 22. Oktober 2020

Seine Ehefrau wurde bereits 1943 verhaftet und im Oktober 1943 zusammen mit seiner Schwägerin ermordet. 120px HIER WOHNTEROMILDE COENGEBOREN 1902VERHAFTET 20.3.1944DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET Via Astagno, 18 wurde am 20. März 1902 in Ancona geboren. Sie war die Tochter von Arrigo Coen (geboren 1879) und Ilde Portaleone (geboren 1881). Sie hatte zumindest zehn Brüder und drei Schwestern, darunter Dante (geboren 1910) und Umberto (geboren 1914). Sie heiratete Federico Volterra, die Ehe hielt nicht. Romilde Coen wurde am 21. März 1944 in Caramagna Piemonte in der Provinz Cuneo verhaftet. Sie wurde im Gefängnis von Turin inhaftiert und später in das Durchgangslager Fossoli überstellt. Von dort wurden sie am 5. April 1944 mit Transport Nr. 9 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport kam am 10. April 1944 in Auschwitz an. Romilde Coen hat die Shoah nicht überlebt.CDEC: Coen, Romilde, abgerufen am 21. Oktober 2020