300px|mini|Szene des Demonstrationsgeschehens Bei rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville unter dem Motto „Unite the Right“ (deutsch ‚Vereinigt die Rechte‘) demonstrierten rechtsextreme Gruppen am Abend des 11. August und am Morgen des 12. August 2017 in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia. Teilnehmer waren vor allem Mitglieder von Alt-Right und Ku-Klux-Klan, Neonazis, Neo-Konföderierte, Militia-movement-Anhänger, White Nationalists und White-Supremacy-Anhänger.
Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung fuhr James Alex Fields jr., der zuvor an der Neonazi-Demonstration teilgenommen hatte, vorsätzlich sein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Er tötete dadurch Heather Heyer, eine 32-jährige Frau, und verletzte mindestens 19 Menschen. Er wurde wenig später festgenommen. US-Justizminister Jeff Sessions äußerte, dass die Tat Merkmale des inländischen Terrorismus aufweise.
Die Reaktionen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auf die Geschehnisse in Charlottesville lösten eine der größten innenpolitischen Kontroversen der ersten Präsidentschaft Trumps aus.
Unite the Right Demonstrationen mini|Reiterstandbild für Robert E. Lee im Emancipation Park, Charlottesville In Charlottesville demonstrierten am Abend des 11.Hawes Spencer, Sheryl Gay Stolberg: White Nationalists March on University of Virginia. In: nytimes.com. 11. August 2017 (englisch). und am 12. August 2017 unter dem Motto „Unite the Right“ (deutsch „Vereinigt die Rechte“) diverse neonazistische, rassistische und antisemitische Gruppierungen gegen die geplante, vom Stadtrat beschlossene Entfernung eines ReiterstandbildesDie englischsprachige Wikipedia hat einen Artikel zum Reiterstandbild unter Robert E. Lee Monument (Charlottesville, Virginia) für den konföderierten General Robert E. Lee, der während des Sezessionskrieges Oberbefehlshaber der Nord-Virginia-Armee sowie des gesamten konföderierten Heeres gewesen war und der von Südstaaten-Anhängern nach dem Sezessionskrieg zum Helden stilisiert wurde.Hubert Wetzel: In Amerika tobt ein Kulturkampf um Reiterstandbilder. In: sueddeutsche.de. 13. August 2017. Das Denkmal soll eingeschmolzen werden.General Lee wird eingeschmolzen Diese Demonstration gilt als der größte rechtsextremistische Aufmarsch seit Jahrzehnten in den USA.Rechts und radikal. In: Spiegel Online. 14. August 2017.
Die Teilnehmer, teilweise paramilitärisch gekleidet und mit Gewehren bewaffnet, zogen mit Fackeln durch die Stadt, wobei es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten kam, von denen einige wenige ebenfalls mit Gewehren bewaffnet waren. Während des Fackelzugs skandierten die Teilnehmer neonazistische Parolen wie „blood and soil“ (deutsch „Blut und Boden“).Meg Wagner: ‘Blood and soil’: Protesters chant Nazi slogan in Charlottesville. In: CNN.com, 12. August 2017; Robin DiAngelo: White Fragility: Why It’s So Hard for White People to Talk about Racism. Beacon Press, Boston 2018, S. 28 f.; Barry J. Balleck: Eintrag Antifascist Movement (Antifa). In: ders.: Modern American Extremism and Domestic Terrorism: An Encyclopedia of Extremists and Extremist Groups. ABC-Clio, Santa Barbara, CA 2018, S. 16 f. Manche Teilnehmer riefen „Heil-Trump“ und zeigten den Hitlergruß.State of emergency as white nationalist rally in Charlottesville turns violent. In: CBS News, 12. August 2017; Petula Dvorak: Trump lit the torches of white supremacy in Charlottesville. We must extinguish them. In: The Washington Post, 13. August 2017; Daniel Dillmann: Wie Trump die Nazis hofiert. In: Frankfurter Rundschau, 12. August 2018. Zahlreiche Teilnehmer des Fackelzugs trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Make America Great Again“, dem Wahlkampfslogan Donald Trumps von 2016. Bei Zusammenstößen zwischen den beteiligten Gruppen wurden mindestens 19 Menschen verletzt.
Der Gouverneur von Virginia Terry McAuliffe rief am 12. August gegen 11 Uhr den Ausnahmezustand aus,Police in Charlottesville criticized for slow response to violent demonstrations. In: washingtonpost.com holte Kräfte der Nationalgarde nach CharlottesvilleMan Charged After White Nationalist Rally in Charlottesville Ends in Deadly Violence. In: nytimes.com und erklärte die Demonstration für beendet.
Beteiligte rechtsextreme Gruppen Rechte Demo-Teilnehmer, die die Kriegsflagge der Konföderierten, die Gadsden flag und die Hakenkreuzflagge mit sich führen.|mini|300px Beteiligte Gruppen auf Seiten der Rechtsextremen waren unter anderem der Ku-Klux-Klan, das National Socialist Movement, das National Policy Institute, die Three Percenters sowie das Traditionalist Youth Network. Dazu kamen noch zahlreiche neonazistische Splittergruppen aus verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten sowie Anhänger von Outlaw Motorcycle Gangs. Reden wurden unter anderem vom ehemaligen Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke und vom White-Supremacy-Aktivisten Richard B. Spencer gehalten.Trumps "lasche" Reaktion bringt Republikaner in Rage. In: welt.de, abgerufen am 13. August 2017. Auch Anhänger von Identity Evropa, einem Ableger der Identitären Bewegung, nahmen teil.Charlottesville’s 'Alt-right': A Who’s Who of Far Right Groups Who Think the 'White Race' Is in Danger. In: Haaretz.com, abgerufen am 15. August 2017. Ebenfalls werden die Proud Boys mit den Unruhen in Verbindung gebracht.
Gegendemonstranten Örtliche Gruppen aus dem kirchlichen Umfeld und Aktivisten für Rassengerechtigkeit hatten im Vorfeld im Internet ihren Protest angekündigt und um Unterstützung geworben. Ein Bündnis von 37 christlich-orthodoxen und protestantischen Konfessionen, das National Council of Churches sowie Mitglieder kirchlicher Gemeinden und Bürger von Charlottesville stellten einen Teil der Gegendemonstranten, dazu gesellten sich Anhänger der „Black Lives Matter“-Bewegung und Personen, die als „Antifa“ auftraten. Ein Teil der Gegendemonstranten trug Plakate mit antifaschistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Aufschriften. Ebenfalls an den Gegendemonstrationen beteiligt waren die Demokratischen Sozialisten Amerikas und die Arbeitergewerkschaft Industrial Workers of the World. Eine Gruppe von etwa 20 Leuten, die sich „Redneck Revolt“ nannte, trat mit Gewehren bewaffnet auf.Farah Stockman: "Who Were the Counterprotesters in Charlottesville?" New York Times vom 14. August 2017Aline Barros: "Who Were the Groups Protesting in Charlottesville?" VOA vom 14. August 2017
Pkw-Anschlag 175px|mini|Das Tatfahrzeug Am Nachmittag des 12. August fuhr der Fahrer eines Dodge Challenger nach dem Ende der rechten Kundgebung vorsätzlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten, die sich im Bereich 4th Street SouthEast aufhielt. Hierbei kam die 32-jährige Heather Heyer ums Leben.1 dead, 19 injured after car plows into protesters in Charlottesville. In: cbsnews.com, abgerufen am 12. August 2017. Zudem wurden 19 weitere Menschen verletzt, fünf davon schwer. Nach dem Zusammenstoß setzte der Fahrer zurück und bog in eine Querstraße ein. Polizisten nahmen ihn kurz darauf fest. Der Tathergang ist auf mehreren Amateurvideos dokumentiert.A car ploughs into protesters in Charlottesville. Updated 13 Aug 2018, 3:14am, Video des Vorfalls auf der Website der Australian Broadcasting Corporation
Als Fahrer des Tatfahrzeuges wurde der damals 20-jährige James Alex Fields Jr. identifiziert. Zwei Stunden vor der Tat war Fields in der Neonazi-Gruppe Vanguard America mit einem Holzschild der Gruppierung fotografiert worden. Nach seiner Festnahme erklärte die Gruppe, dass Fields kein Mitglied sei. Die Schilde seien an alle interessierten Teilnehmer ausgegeben worden. Ein ehemaliger Lehrer von Fields äußerte nach der Tat gegenüber Medien, dass bei ihm Schizophrenie diagnostiziert worden sei und ihm entsprechende antipsychotische Medikamente verschrieben worden sein sollen. Fields selbst gab gegenüber einem Richter an, dass er wegen einer bipolaren Störung in Behandlung sei. Fields stammt aus schwierigen Verhältnissen. Sein Vater starb vor seiner Geburt bei einem Verkehrsunfall, die Eltern seiner Mutter kamen bei einem erweiterten Suizid durch ihren Vater ums Leben. In der Schule war Fields durch bewundernde Äußerungen zu Hitler aufgefallen. Für die Präsidentschaftswahl 2016 hatte er bei der in den USA üblichen Wählerregistrierung eine Parteineigung für die Republikaner angegeben.
Der damalige US-Justizminister Jeff Sessions äußerte, die Tat erfülle die Merkmale für heimischen Terrorismus.Sessions Says ‘Evil Attack’ in Virginia Is Domestic Terrorism. In: nytimes.com, abgerufen am 14. August 2017. Am 14. Dezember 2017 wurde Fields unter anderem wegen Mordes ('first degree murder') angeklagt.Charge upgraded to first-degree murder for driver accused of ramming Charlottesville crowd Am 7. Dezember 2018 wurde er wegen Mordes an Heather Heyers zu lebenslanger Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt. Wegen Körperverletzung in acht Fällen sowie Fahrerflucht wurden ihm zudem weitere 419 Jahre Haft auferlegt.washingtonpost.com vom 7. Dezember 2018: Self-professed neo-Nazi James A. Fields Jr. convicted of first-degree murder in car-ramming that killed one, injured dozens
Nach dem Anschlag Kontroversen um Reaktionen von Trump Erste Stellungnahme Trumps Am 12. August 2017 verurteilte Präsident Donald Trump in einer Pressemitteilung die Gewalt: Diese komme „schon seit einer ganzen Weile von vielen Seiten, von vielen Seiten“.
Trumps Äußerungen wurden, auch aus Reihen der Republikaner, als unangemessen und unspezifisch kritisiert. Anders als es sonst seine Art sei, nenne er „in diesem Fall das Problem nicht beim Namen“. So äußerte Cory Gardner: „Mr. President – wir müssen das Böse beim Namen nennen. (…) Das war inländischer Terrorismus.“Drei Tote bei den Ausschreitungen in Virginia. In: zeit.de, abgerufen am 13. August 2017. Brian Schatz kommentierte Trumps Äußerung mit: „Es ist nicht zu viel verlangt, einen Präsidenten zu haben, der Nazis ausdrücklich verurteilt.“ Ein FAZ-Kommentator schrieb: „Geht es um Rechtsextreme, wird er ganz leise. Es sind die Geister, die er rief.“Das verstörende Flüstern des Donald Trump. In: FAZ.net, 13. August 2017 Der CNN-Kommentator Chris Cillizza wertete Trumps Aussage als „unglaublich unpräsidial“.Chris Cillizza: Donald Trump's incredibly unpresidential statement on Charlottesville. In: CNN.com Michael Gerson, ein konservativer ehemaliger Redenschreiber von George W. Bush und robuster Befürworter des Irakkriegs, schrieb in einem Kommentar in der Washington Post, dass „Trump angesichts einer Tragödie faseleie“.Trump babbles in the face of tragedy. In: washingtonpost.com, 12. August 2017
US-Senator John McCain schrieb in einer Stellungnahme unter anderem: “Anhänger der White Supremacy (deutsch etwa „weiße Nationalisten“) und Neo-Nazis stehen definitionsgemäß im Gegensatz zu dem amerikanischen Patriotismus und der Ideale, die uns als Volk definieren, und unsere Nation so besonders machen […] Während wir die Tragödie von Charlottesville betrauern, müssen amerikanische Patrioten aller Hautfarben und Überzeugungen zusammenkommen, um denen die Stirn zu bieten, die die Flagge des Hasses und des Fanatismus schwenken.”mccain.senate.govübersetzt etwa: „Weiße Rassisten und Neo-Nazis sind sinngemäß gegen den amerikanischen Patriotismus und die Ideale, die uns als Volk definieren und unsere Nation besonders machen. Während wir die Tragödie betrauern, die in Charlottesville geschehen ist, müssen amerikanische Patrioten aller Farben und Glaubensbekenntnisse zusammenkommen, um denen zu widerstehen, die die Fahne des Hasses und des Fanatismus aufwerfen.“
Anthony Scaramucci kritisierte Trumps Äußerung („Ich hätte ihm nicht empfohlen, diese Stellungnahme abzugeben“) und äußerte, Trump sollte deutlich härter im Umgang mit weißen Nationalisten sein. Der Einfluss Steve Bannons, des Chefstrategen des Weißen Hauses, behindere die Arbeit des Präsidenten.Scaramucci kritisiert Trumps Charlottesville-Aussagen. In: zeit.de