mini|hochkant=1.8|Teil vom dreiteiligen Porzellanbild am Franziskaneum in Meißen aus dem Jahre 1907 mini|hochkant=1.8|Wandbildausschnitt an der Außenfassade der Schauhalle der Porzellanmanufaktur Meißen mini|Signatur einer Säulenverkleidung von Rudolf Sitte in Dresden von 1958 Wandbilder aus Meißner Porzellan sind Bilderwände, die in der Porzellanmanufaktur Meißen hergestellt wurden. Sie gelten als eine besondere Art der künstlerischen Wandgestaltung und werden dabei als kleinformatige Wandbilder oder auch als großformatige Bildwände, meist als Auftragswerke, vom entsprechenden Künstler oder mehreren Künstlern geschaffen. Die einzelnen Werke befinden sich dabei meist als Schmuck an den Fassaden von Wohn- und Geschäftshäusern, aber auch im Innenbereich von Gebäuden werden sie angebracht. Im Innenbereich sind solche Wandbilder auch als dekorative Verkleidung von Pfeilern und Stützsäulen anzutreffen. Zumeist sind diese Arbeiten auf speziellen Fliesen oder keramischen Platten ausgeführt und tragen oft die Signatur vom Künstler und das Symbol der Manufaktur, die gekreuzten Kurschwerter. Diese spezielle Art von Wandbildern geben zudem auch die geschichtlichen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen mit ihren damit verbundenen Veränderungen ausdrucksvoll wieder.

Geschichte Der bayerische König Ludwig II. ließ 1886 für das Schloss Herrenchiemsee Blumenmalereien auf Porzellanbildern in der Manufaktur Meißen angefertigten. Um 1900 gab es im Dresdner Hauptbahnhof eine größere Anzahl von Porzellanwandbildern mit verschiedenen Motiven. Sie alle gingen infolge der verheerenden Luftangriffe auf Dresden im Jahre 1945 verloren.Uwe Bayer: Wandbilder – Bildwände. Meissener Manuskripte XVII, S. 26. Das erste größere Wandbild aus Meißner Porzellan entstand vermutlich im Frühjahr 1903 und ist noch heute erlebbar. Als der damalige Betriebsinspektor der Manufaktur Meißen, Bergrat Julius Otto Ferdinand Heinze, erfuhr, dass man für den in Sgraffitomalerei ausgeführten Fürstenzug in Dresden eine beständigere Variante suchte, entstand unter seiner Leitung ein Probebild mit dem Motiv des Markgrafen Friedrich des Ernsthaften auf keramischen Platten. Es ziert noch heute einen Teil der Fassade an der Westseite des Manufakturgebäudes. Ein weiteres Probebild zum Fürstenzug, das heute nicht mehr erhalten ist, befand sich unmittelbar daneben.Ansichtskarten Nr. 14745, 18054 und 19053 von Brück & Sohn aus den Jahren 1912, 1914 und 1915. Die Probebilder überzeugten und damit entstand 1907 mit dem Fürstenzug das erste monumentale Wandbild aus Meißner Porzellan.Theodor Meinhold: Das Fries der Sgraffito-Bilder des sächsischen Fürstenhauses am Königlichen Schlosse in Dresden (Augustusstraße) ausgeführt von W. Walther. 1880, S. 4 ff.

Weitere Wandbilder – auch die Epitaphien und der Triumphbogen der Kriegergedächtnisstätte in der Meißner Nikolaikirche gehören dazu – entstanden in den Jahren 1907 bis 1929 in Meißen und blieben erhalten. Bis 1945 gab es keine nennenswerten Ausführungen von Wandbilder im Großformat. Erst mit dem monumentalen Wandbild, dem sogenannten „Lingnerfries“ von Max Lingner am Haus der Ministerien in Ostberlin, begann man 1952 wieder größere Entwürfe für Wandbilder aus Meißner Porzellan umzusetzen. Dazu wurde 1953 in der Manufaktur eine eigene Abteilung „Künstlerische Wandgestaltung“ eingerichtet. In der DDR entstanden fast unzählige Porzellanbilder an Fassaden und Werke für die Innengestaltung von Gebäuden mit unterschiedlichsten Motiven und Herstellungstechniken.

Viele dieser Wandbilder gingen nach der Wende durch Sanierung, Umbaumaßnahmen oder Abriss der Gebäude verloren. Dabei setzte man beim einstigen Anbringen und schließlich auch beim Abriss oft politische Interessen durch. Allerdings werden heute auch viele Porzellanwandbilder mühevoll saniert und blieben erhalten, einige stehen unter Denkmalschutz. In der Gegenwart sind kleinere Wandbilder für private Zwecke und monumentale Werke aus Meißner Porzellan noch immer gefragt. Eine 90 Quadratmeter große Bildwand ziert zum Beispiel seit 2002 die Empfangshalle des Bahnhofs Dresden-Neustadt mit Motiven sächsischer Schlösser, Burgen und Gärten.Uwe Bayer: Wandbilder – Bildwände. Meissener Manuskripte XVII, S. 102–113.

Technik Die meist einzelnen Fliesen, Platten oder auch Handschnittelemente werden in den verschiedensten Techniken verziert und gebrannt. Das Motiv wird zumeist vom Künstler selbst im Maßstab 1:1 und mit Hilfe von Malern sowie mehreren Assistenten auf nummerierte Kartons gebracht, was später auf die Fliesen oder Platten übertragen wird. Dabei kommen am Werk selbst, je nach Motiv, auch plastische Elemente zum Einsatz. Farblich gestaltet wird in Unter- sowie Aufglasurtönen. Zudem sind Emailfarben mit Goldhöhung im Gebrauch. Gebrannt wird in unterschiedlichen Prozessen je nach Anforderung des einzelnen Werkes – oft im Scharffeuer mit bis zu drei Brandprozessen. Fliesen werden meist fugenlos, Platten dagegen mit einer Fuge angebracht. Zur Ausführung eines größeren Porzellanwandbildes können einige Jahre Arbeit und mehrere Mitarbeiter notwendig sein.

Erlebbare Wandbilder Bad Homburg In der Taunus-Therme von Bad Homburg wurde vom Künstler Jörg Danielczyk im Jahr 1984 ein Wandbild mit dem Titel „Das Urteil des Paris“ auf 28 Porzellanplatten gestaltet. Die Platten sind dabei 35 mal 35 Zentimeter.

Bad Reichenhall Für die Sparkasse in Bad Reichenhall schuf Dieter Dressler im Jahre 1994 einen 16 Quadratmeter großen Wandfries aus Meißner Porzellansegmenten.

Berlin Am heutigen Bundesministerium der Finanzen an der Wilhelmstraße, Ecke Leipziger Straße, befindet sich das so genannte „Lingnerfries“. Der Künstler Max Lingner schuf dieses 72 Quadratmeter große monumentale Wandbild mit dem Namen Aufbau der Republik im Jahre 1952. Beim Übertragen des Entwurfs auf 1800 quadratische Porzellanplatten standen dem Künstler 14 Maler der Manufaktur zur Seite. In der Frankfurter Allee 22 sind in grün gehaltene Balkonverkleidungen mit stilisierten Pflanzen- und Blumenmotiven auf Porzellanplatten der Manufaktur Meißen angebracht. An der Erkerverkleidung des Hauses sind außerdem Vogel-, Ähren- und Pflanzenmotive zu sehen, die ebenfalls der Künstler Eduard Gerhardt Clauß im Jahre 1951 in roten Farbtönen schuf. Tierpark Berlin-Friedrichsfelde: Am Alfred-Brehm-Haus befindet sich die Darstellung eines Säbelzahntigers auf geschnittenen Platten von Eduard Gerhardt Clauß aus dem Jahre 1959. Tierpark Berlin-Friedrichsfelde: In der Cafeteria gestaltete ebenfalls Eduard Gerhardt Clauß die Säulenverkleidungen mit weißen Reliefornamenten. Diese reliefartigen Platten, die Fische zeigen, stammen aus dem Jahre 1962. Die einst im Fußgängertunnel des Alexanderplatzes angebrachten acht Porzellanbilder mit historischen Ansichten vom Alexanderplatz blieben mit der Schließung des Tunnels 2006 erhalten. Deren Geschichte und Verbleib ist unter Fliesenbilder vom Alexanderplatz aufgeführt. Für die Treppenhäuser vom Erweiterungsbau der Charité schuf Rudi Stolle 1981 vier Wandgestaltungen aus Meißner Porzellan. Insgesamt kamen dabei 1100 Porzellanplatten auf 66 Quadratmeter zum Einsatz.

Coswig (Sachsen) Für das Hochzeitszimmer im neuen Rathaus der Stadt Coswig (Sachsen) dekorierte Heinz Werner im Jahre 2000 eine dreiteilige Bildwand mit märchenhaften Themen und Szenen aus dem Morgenland und dem Schloss Moritzburg bei Dresden.

Cottbus Im damals neuen Konsument-Warenhaus schuf 1968 der Künstler Kurt Heinz Sieger ein sechs Meter langes Porzellanwandbild in blauen Tönen. Dargestellt ist eine historische Stadtansicht von Cottbus zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ebenfalls von Kurt Heinz Sieger stammt die fast 13 Meter lange Bildwand an der Stadtmauer. Sie wurde 1969 auf Meißner Porzellanplatten geschaffen und trägt den Titel „Aus dem Spreewald“.

Dresden Fürstenzug in der Augustusstraße: Gilt als größtes Porzellanbild der Welt und wurde dort 1907 in der heutigen Form angebracht. Es stammt vom Künstler Wilhelm Walther. Empfangshalle im Bahnhof Dresden-Neustadt: Die Bildwand „Sachsens schönste Schlösser, Burgen und Gärten“ ist ca. 90 Quadratmeter groß und wurde 2002 feierlich eingeweiht. Am ehemaligen Hauptpostamt Dresden 6 an der Königsbrücker Straße gestaltete 1964 der Künstler Eduard Gerhardt Clauß auf 37,5 Quadratmeter die Haupteingangsfassade des Gebäudes mit Porzellanplatten, welche abstrakte Formen tragen. Die Unterglasurfarben sind in Weiß, Grau, Schwarz und Blau gehalten. An der Stephanuskirche im Stadtteil Kleinzschachwitz befindet sich über der Tür seit 1958 ein halbrundes Porzellanbild aus Handformschnittplatten von Gerhard Schiffner. Es zeigt den „Gesteinigten Stephanus“. Für das Hotel Bellevue schuf der Künstler Klaus Dennhardt im Jahre 1985 eine acht Meter lange und 2,80 Meter hohe Ornamentale Wandgestaltung aus reliefartigen Meißner Porzellanplatten, welche durch ihre Schatten und plastisch wirkenden Schichtungen an eine Papierstruktur erinnert. Für die Nepomuk-Kapelle der Katholischen Hofkirche schuf Friedrich Press im Jahre 1973 eine Pietà aus Meißner Porzellan. Sie wurde am 13. Februar 1976 geweiht und erinnert an die Opfer der Kriege und aller ungerechten Gewalt. Für das Café im Rosengarten auf der Neustädter Seite schufen Rudi Stolle und Ludwig Zepner im Jahre 1976 ein Wandbild aus Porzellan mit Rosen- und Heckenrosenmotiven, das sehr effektvoll und plastisch ist. Säulenverkleidungen für verschiedene Gebäude am Altmarkt wurden um 1958 mit handgeformten Porzellanplatten aus Meißen von Rudolf Sitte und Eduard Gerhardt Clauß gestaltet. Einige Räume wurden nach der Wende umgebaut oder verkleinert. Es wurden dabei gesamte mit Porzellanplatten verkleidete Einrichtungsgegenstände der ehemaligen Geschäfte vernichtet und zahlreiche Porzellanplatten wurden beschädigt oder einfach abgeschlagen. Erhaltene Porzellanplatten werden von den derzeitigen Nutzern der Räume oft angebohrt um eigene Hauswerbung anzubringen. Ein denkmalschutzgerechter Umgang ist dabei nicht erkennbar.

Eisenhüttenstadt Der Künstler Eduard Gerhardt Clauß schuf im Jahre 1959 in der Rosa-Luxemburg-Straße von Eisenhüttenstadt das Wandbild „Familie“ an der Fassade eines Wohnblocks. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Wandbild „Völkerfreundschaft“. Beide Wandbilder wurden inzwischen umfangreich saniert. Im ehemaligen Kaufhausrestaurant hat Clauß vier Säulen mit Porzellanplatten aus der Porzellanmanufaktur Meißen verkleidet.

Fellbach Für die Stadtsparkasse in Fellbach schuf Volkmar Bretschneider eine ca. 3 Quadratmeter große Bildwand aus Handformschnittelementen der Manufaktur Meißen. Er symbolisiert im Bild die verrinnende Zeit mit einem großen Uhrenpendel. Weiterhin werden markante Türme, Giebel und Fassaden der Stadt dargestellt.

Gohrisch An der heute denkmalgeschützten Gebäudegruppe des 1956/1968 errichteten „Gästehaus des DDR-Ministerrates“ in Gohrisch gibt es mehrere künstlerische Außenfronten aus Meißner Porzellan. Es handelt sich dabei um handaufgearbeitete reliefartige Einzelbilder, die in Scharffeuertechnik nach Entwürfen von Rudolf Sitte geschaffen wurden.VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen: Künstlerische Wandgestaltungen, Broschur, Meißen, 1960, S. 5.

Hansestadt Rostock Im Stadtteil Warnemünde befindet sich im Hotel Stolteraa eine von Friedrich Press entworfene Wandgestaltung aus sechs Meerestieren auf schwarzem Schiefer, die im Jahre 1966 für das ehemalige Gästehaus geschaffen wurde.

Hildesheim Der Künstler Peter Strang schuf für den Christophorusstift Hildesheim im Jahre 1978 eine sechs Meter breite Bildwand mit dem Titel „Landschaft mit Sonne“. Dabei kombinierte er 412 unregelmäßig geschnittene Porzellanplatten mit 46 handmodelierten Elementen aus Feinsteinzeug aus der Manufaktur Meißen. 1980 schuf Peter Strang noch zusätzlich die Altarverkleidung mit 16 Reliefplatten zudem noch zwei Leuchter mit Engelsfigur.

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